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Colonia Claudia Ara Agrippinensium

Römische Kolonie im Rheinland, aus der sich die heutige Stadt Köln entwickelt hat

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Colonia Claudia Ara Agrippinensium (teilweise auch Colonia Claudia Ara Agrippinensis) ist der rekonstruierte Name der römischen Kolonie im Rheinland, aus der sich die heutige Stadt Köln entwickelt hat. Die lateinische Bezeichnung Colonia Claudia Ara Agrippinensium ist eine moderne Rekonstruktion auf Basis der historisch belegten Abkürzung CCAA. Sie bedeutet wörtlich Claudische Kolonie und Opferstätte der Agrippinenser, frei übersetzt Stadt römischen Rechts der Agrippinenser, unter Claudius gegründet beim Altar [für den Kaiserkult].

Die CCAA war Hauptstadt der römischen Provinz Germania inferior (Niedergermanien) und Hauptquartier des niedergermanischen Heeres. Mit der diokletianischen Verwaltungsreform wurde sie zur Hauptstadt der Provinz Germania secunda. Zahlreiche Zeugnisse der antiken Stadt blieben bis heute erhalten, darunter eine Inschrift des Kürzels CCAA auf einem Bogen des römischen Stadttors, der sich im Römisch-Germanischen Museum befindet. Mit der römischen Colonia beginnt die Geschichte der Stadt Köln.

Oppidum Ubiorum, Ara Ubiorum und Apud Aram Ubiorum

Die Ubier, ein im rechtsrheinischen Gebiet siedelnder Germanenstamm, wurden von dem römischen Feldherrn Marcus Vipsanius Agrippa auf das linke Ufer der Kölner Bucht in den römischen Herrschaftsbereich umgesiedelt. Dieses Ereignis lässt sich in eine der beiden Statthalterschaften Agrippas in Gallien (um 39/38 und um 20/19 v. Chr.) datieren, wobei die schriftlichen Quellen und die Münzfunde für das zweite Datum (20/19 v. Chr.) sprechen. Lange war man der Meinung, dass der Raum vor Ankunft der Ubier siedlungsleer gewesen sei, nachdem Gaius Iulius Caesar den bis dahin dort lebenden Stammesverband der Eburonen bei einem Rachefeldzug ausgelöscht hatte. Mittlerweile hat sich jedoch gezeigt, dass die Eburonen nicht im Kölner Umland, sondern weiter westlich, im Gebiet der heutigen Staaten Belgien und Niederlande gesiedelt hätten. Während der zweiten Statthalterschaft Agrippas (um 20/19 v. Chr.) wurde auch der Ausbau des römischen Straßennetzes in Gallien unternommen. Dabei wurde das Siedlungsgebiet der Ubier unter anderem durch eine Straße über Icorigium (Jünkerath), Beda vicus (Bitburg) und Augusta Treverorum (Trier) nach Lugdunum (Lyon) an das Fernstraßennetz angebunden.

Vermutlich wurden die Ubier nach ihrer Umsiedlung auf die linke Rheinseite zunächst in kleinen Teilgruppen angesiedelt, die in Dörfern oder ähnlichen Siedlungen lebten. Ihr neuer Hauptort auf dem Gebiet des späteren Köln, das oppidum Ubiorum („Zivilsiedlung der Ubier“), entstand vermutlich erst einige Jahre später, wohl nach dem Ende der Drusus-Feldzüge (12–8 v. Chr.). Ein genaues Jahr lässt sich nicht festlegen, die archäologischen Quellen (vor allem Münzen, Fibeln und Erzeugerstempel auf Terra Sigillata) deuten darauf hin, dass die Stadt in den letzten Jahren vor der Zeitwende entstand. Der von Anfang an typisch römische Grundriss der Stadt und ihre strategisch günstige Lage machen deutlich, dass die Stadtgründung nicht durch die Ubier alleine erfolgte, sondern maßgeblich von der römischen Besatzungsmacht beeinflusst wurde. Als neuen Hauptort für die Ubier wählten die Römer einen hochwassersicheren Hügel neben einer heute nicht mehr existierenden Rhein-Insel aus (siehe Kapitel „Antike Topographie und Stadtgliederung“). Am Abhang dieses Hügels zum Fluss hin wurde später – nach der Erhebung des Oppidum zur römischen Colonia – die Ostseite der römischen Stadtmauer errichtet.

Schon bald nach der Gründung des oppidum Ubiorum wurde die Ara Ubiorum („Altar der Ubier“) im Stadtgebiet errichtet. Dieser Altar war wohl als zentrales Heiligtum der durch das noch zu erobernde transrhenanische Germanien zu bildenden großgermanischen Provinz vorgesehen. Für das Jahr 9 n. Chr. ist der Germane Segimundus aus der Familie des Arminius als Priester der Ara schriftlich bezeugt. Nach der Niederlage des Publius Quinctilius Varus in der so genannten „Schlacht im Teutoburger Wald“ im Jahre 9 n. Chr. und der Abberufung des Germanicus im Jahre 16 n. Chr. nahm man Abstand von den groß angelegten Eroberungsplänen für das rechtsrheinische Germanien. Dennoch behielt der Altar eine gewisse Bedeutung, da die Stadt auf zahlreichen Inschriften als Ara Ubiorum erscheint.

Zwischen den Jahren 9 und ungefähr 30 n. Chr. war der Kölner Raum Garnisonsort. In der Nähe der Stadt waren die Legio I Germanica (1. „Germanische“ Legion) und die Legio XX Valeria Victrix (20. Valerianische Legion mit dem Beinamen „Die Siegreiche“) stationiert. Der Platz des anfänglichen Doppellegionslagers erhielt den Namen Apud Aram Ubiorum („Beim Altar der Ubier“). Von 13 n. Chr. bis zu seiner Abberufung durch Tiberius im Jahr 16 n. Chr. befand sich dort das Stabsquartier des Germanicus bei dessen Bemühen, die Rheingrenze zu stabilisieren und neuerliche Offensiven gegen das rechtsrheinische Germanien vorzubereiten und durchzuführen. Beim Tode des Augustus (14 n. Chr.) meuterten auch die Kölner Legionen – die sich zu diesem Zeitpunkt vermutlich zusammen mit den in Vetera stationierten Verbänden in einem Sommerlager in Novaesium aufhielten – und beabsichtigten, Germanicus zum Kaiser auszurufen. Dieser verhielt sich jedoch loyal dem Thronfolger Tiberius gegenüber, verhinderte die geplante Kaiserproklamation und beschwichtigte die meuternden Soldaten durch weitreichende Konzessionen.

Um das Jahr 30 wurde das Doppellegionslager aufgelöst, die Legio I wurde nach Bonna, dem heutigen Bonn, die Legio XX nach Novaesium, dem heutigen Neuss verlegt. Von diesem Zeitpunkt an wurden in Köln keine Legionen mehr stationiert. Köln blieb aber Hauptquartier des Oberbefehlshabers des Niedergermanischen Heeres (Exercitus Germaniae Inferioris) und seines Stabes.

Aufstieg zur römischen Kolonie

Agrippina die Jüngere, Tochter des Germanicus und Gattin des Kaisers Claudius, die im Jahre 15 n. Chr. im Oppidum Ubiorum, dem späteren Köln, geboren worden war, erreichte es, dass Claudius im Jahre 50 n. Chr. ihre Geburtsstadt zur colonia erhob und nach ihr benannte. Der vollständige Name der neuen colonia wird in den heute bekannten antiken Quellen nur abgekürzt (oft „CCAA“) genannt. Diese Abkürzung wird meist als „Colonia Claudia Ara Agrippinensium“ („Stadt römischen Rechts der Agrippinenser, unter Claudius gegründet beim Altar [für den Kaiserkult]“) aufgelöst; diese moderne Rekonstruktion des vollständigen Stadtnamens ist jedoch nicht sicher. Aus der Spätantike ist dann mehrfach die ebenfalls abgekürzte Variante „Colonia Agrippina“ oder nur „Agrippina“ bezeugt. Aus dem römischen Stadtnamen entwickelten sich ab dem Mittelalter die Bezeichnungen Coellen bis hin zum neuzeitlichen Cöln und ab 1919 dem heutigen Namen Köln (mundartlich Kölle).

Eine Colonia verfügte über sehr viel weiter reichende Rechte und umfangreichere Privilegien als ein Oppidum, nämlich über die römischen Bürgerrechte. Das ihr verliehene Ius Italicum gab ihr römisches Recht, verschaffte ihr wirtschaftliche Vorteile und begünstigte die Romanisierung der gesamten Provinz. Die CCAA stand damit in der Städte-Hierarchie im Imperium ganz oben, die Bürger waren den Römern gleichgestellt. Mit der Erhebung der Siedlung zu einer colonia begann daher eine enorme Entwicklung des antiken Köln und dessen weiterer Aufschwung. Die CCAA war in ihrer Glanzzeit im 2. bis 4. Jahrhundert n. Chr. eine der bedeutendsten Städte des römischen Imperiums und lange dessen größte Stadt nördlich der Alpen.

Ebenfalls in claudischer Zeit wurde unweit der CCAA das Hauptquartier der Classis Germanica, der römischen Rheinflotte errichtet. Die Flotte lag auf einem Hügel südlich der römischen Stadt, im Flottenkastell Alteburg, im Gebiet des heutigen Stadtteils Marienburg. Dieser Bereich wurde später Alte Burg genannt, wonach heute der „Alteburger Wall“ und der „Alteburger Platz“ benannt sind. Auf der der befestigten CCAA vorgelagerten frühzeitlichen Rhein-Insel (oder -Halbinsel) – zwischen Rhein und einem Nebenarm des Flusses und damit außerhalb der Stadtmauer – gab es vom 1. bis Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr. eine Palästra (Sportanlage) mit einem Wasserbecken und ab Mitte des 2. Jahrhunderts vier dreischiffige Horrea (Lagerhäuser) mit einem großen Hofraum. Die Besiedlung dieses vorgelagerten Inselgebiets erfolgte erst mit der mittelalterlichen Stadterweiterung.

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