Collien Monica Fernandes (von 2011 bis 2025 Ulmen-Fernandes; * 26. September 1981 in Hamburg) ist eine deutsche Fernsehmoderatorin, Schauspielerin und Autorin. Sie engagiert sich gegen sexualisierte digitale Gewalt.
Collien Fernandes wurde 1981 als Tochter einer deutsch-ungarischen Mutter und eines portugiesisch-indischen Vaters in Hamburg geboren und wuchs in Pinneberg auf. Ihr Vater arbeitete als Klimatechniker, ihre Mutter war Hausfrau. Die Familie ihres Vaters stammt aus Goa, der ehemaligen Hauptstadt der portugiesischen Kolonie Portugiesisch-Indien (bis 1961 portugiesisch). Die katholische Familie wurde durch die jahrhundertelange portugiesische Präsenz geprägt, was sich auch in ihrem portugiesischen Familiennamen widerspiegelt.
Bevor sie eingeschult wurde, verbrachte die Familie in ihrer frühen Kindheit immer einige Monate im Jahr in Indien und hatte dort ein Haus am Strand. Ihre Cousine Maria Goretti ist MTV-India-Moderatorin und Kochbuchautorin.
Fernandes zog im Alter von 15 Jahren zu Hause aus und begann ihre Karriere als Model in Werbefilmen und für Versandhäuser. Sie war Mitglied der Band Yam Yam. Ab 1998 nahm sie Tanzunterricht in Hamburg, danach absolvierte sie eine klassische Ballettausbildung in Hamburg und London. Sie arbeitete als Backgroundtänzerin unter anderem für Enrique Iglesias.
Im Jahr 2000 bewarb sich Fernandes bei VIVA im Rahmen des Castings You Can Make It Always als Moderatorin. Von 2001 bis Ende 2002 moderierte sie die Sendung Bravo TV sowie The Dome auf RTL II. Von 2003 bis 2005 präsentierte sie die Männer-Lifestye-Sendung Maxim TV für den Sender DSF, die ergänzend zum monatlichen Erscheinen des Männer-Lifestyle-Magazins Maxim ausgestrahlt wurde. Von 2003 bis 2015 war sie Moderatorin beim Musiksender VIVA und präsentierte dort zahlreiche Sendungen: Ritmo (2003), Interaktiv (2004), US- und UK-Charts (2004–2005), VIVA Top 100 (2004–2015), Straßencharts (2006–2009), VIVA Live! (2006–2011) und viele andere. Im Jahr 2007 moderierte sie Are u hot? auf dem Musiksender VIVA.
Neben ihren Hauptsendern VIVA und RTL II war sie unter anderem noch auf MTV (Fashion Zone), VOX (Fit for Fun TV), ProSieben (Wok-WM, TV total on Ice) und Sat.1 (Alles Typisch – die große Klischee Show) als Moderatorin zu sehen. Für die Bunte moderierte sie 2007 das Online-Magazin Starstyle TV und von 2007 bis zur letzten Ausgabe 2011 die Comet-Verleihung auf VIVA. 2008 war sie als Moderatorin der Jetix Awards bei Kabel Eins zu sehen.
Seit 2003 ist Fernandes auch als Schauspielerin tätig. Ihre ersten Kinofilme waren 2004 Autobahnraser und Die Nacht der lebenden Loser, eine Zombie-Komödie von Matthias Dinter. Ihr dritter Film war die niederländische Kinokomödie Snowfever, in der sie ebenfalls eine der Hauptrollen spielte. 2007 drehte sie zwei weitere Kinofilme, Ossi’s Eleven und Morgen, ihr Luschen!, in dem sie die weibliche Hauptrolle Shirin verkörpert. 2006/2007 war sie zusammen mit Sarah Kuttner und Philipp Lahm eines der Gesichter der Raser-Kampagne des Bundesverkehrsministeriums, die deutschlandweit auf Autobahnplakaten zu sehen war.
2007 bekam Fernandes eine Rolle in der Sat.1-Serie Dr. Molly & Karl, von der 13 Folgen produziert wurden. Die Serie wurde für den Adolf-Grimme-Preis nominiert. 2008 lief auf ProSieben Gülcan und Collien ziehen aufs Land, eine Doku-Soap nach dem Vorbild der US-Serie The Simple Life, mit Fernandes und Gülcan Kamps als Hauptdarstellerinnen. Seit 2010 arbeitet sie bei Galileo als Reporterin.
2011 wurde sie die Hauptmoderatorin der RTL-II-Musikshow The Dome. Zudem moderierte sie von 2012 bis 2015 die Kindersendung Spurensuche, für die sie im Januar 2013 mit dem MIRA-Award ausgezeichnet wurde. Beim Filmfest München 2013 erhielt Fernandes einen weiteren Preis für die Moderation der Sendung.
2015 reiste sie als Reporterin für eine einstündige Dokumentation Hoher Preis für billige Klamotten aus der RTL2-Reihe Echtzeit nach Kambodscha. Danach sprach sie in diversen Talkshows (u. a. bei Markus Lanz, Kölner Treff) über ihre Erfahrungen in den kambodschanischen Textilfabriken und widersprach der ihrer Meinung nach verbreiteten Annahme, dass nur Discounter in Billiglohnländern fertigen lassen. Im Interview mit dem Tagesspiegel sagte sie: „Am meisten empört mich, dass viele Menschen der Meinung sind, das hätte mit ihnen alles nichts zu tun, sie kaufen schließlich nicht bei KiK oder Primark ein. Fakt ist aber, so ziemlich alle großen Labels produzieren in diesen Fabriken, auch die im mittleren bis höheren Preissegment – und die zahlen ihren Arbeitern teilweise sogar noch weniger als die Discounter.“ Das ZDF setzte sie danach als Reporterin für die Sendung Donnerstalk ein. Die Kontext: Wochenzeitung kritisiert, dass Fernandes trotz dieses Engagements für eine Vielzahl von Modefirmen im mittleren bis höheren Preissegment selbst als Model tätig ist.
Von 2017 bis 2023 wirkte Fernandes in der Comedy-Fernsehserie jerks. mit. Dort verkörpert sie sich selbst als fiktive Exfrau von Christian Ulmen. 2018 lief ihre zweiteilige TV-Doku No More Boys and Girls auf ZDFneo. In dem Doku-Format wollte sie untersuchen, inwiefern das Verhalten Erwachsener sowie die Auswahl bestimmter Spielzeuge und Kleidung dazu beitragen, dass schon Siebenjährige konservative Rollenbilder übernehmen.
2019 war sie als Jurymitglied bei The Masked Singer zu sehen. Von 2019 bis 2021 war sie vier Mal Gast in der Sendung Joko & Klaas gegen ProSieben. Seit 2021 ist Fernandes als Schiffsärztin in der Hauptbesetzung des Traumschiffs zu sehen. Seit Anfang 2013 hat Fernandes ihre eigene Kolumne in der Zeitschrift Eltern. 2014 erschien ihr Buch Ich bin dann mal Mama. Seit Juni 2016 schreibt Fernandes als wöchentliche Kolumnistin für Erziehungsfragen in der Süddeutschen Zeitung. 2023 erschien in der ARD Mediathek die Dokumentation Viva – Zu geil für diese Welt!, in der sie als Kommentatorin zu sehen ist.
Von 2006 bis 2010 war Fernandes mit dem Eiskunstläufer Rico Rex liiert. Ab 2011 war sie mit dem Schauspieler Christian Ulmen verheiratet, mit dem sie im April 2012 eine Tochter bekam. 2023 zog die Familie von Potsdam nach Mallorca. Im September 2025 gab das Paar die Trennung bekannt; die Ehe wurde im Februar 2026 in Palma geschieden. Seit der Trennung tritt Fernandes, die zwischenzeitlich einen Doppelnamen führte, wieder unter ihrem Geburtsnamen auf.
Aktivismus gegen sexualisierte digitale Gewalt
2024 trat Fernandes in der zweiteiligen ZDF-Dokumentation Die Spur: Deepfake-Pornos als Hauptprotagonistin auf, die sie bei ihren Kampf gegen Deepfake-Pornografie im Netz begleitet. 2025 nahm sie an der Sendung Bosetti Late Night teil. In der Folge Die Macht der KI thematisierte sie unter anderem Erfahrungen mit Deepfakes.
Fernandes kritisiert die Gesetzeslage in Deutschland, die zu wenig gegen sexualisierte Gewalt ausrichten könne. Deutschland sei ein „Täterparadies“. Spanien auf der anderen Seite schütze die Rechte von Frauen besser. Aus Solidarität für Fernandes fand am 22. März 2026 eine Demonstration unter dem Motto Gegen sexualisierte digitale Gewalt – Solidarität mit allen Opfern am Brandenburger Tor in Berlin statt, zu der mehrere tausend Teilnehmer kamen. Es sprachen dort zahlreiche Rednerinnen, darunter auch Luisa Neubauer, die für eine schärfere Gesetzgebung bei digitalen Straftaten gegen Frauen plädierten. Fernandes trat selbst bei einer Demonstration am 26. März 2026 in Hamburg auf.
In einem offenen Brief stellen zudem 250 prominente Frauen aus Politik, Kultur und Wirtschaft mehrere Forderungen an die deutsche Bundesregierung, darunter die Strafbarkeit nicht-einvernehmlicher sexualisierter Deepfakes.
Vorwürfe gegen Christian Ulmen