Coco Chanel (* 19. August 1883 in Saumur, Pays de la Loire, als Gabrielle Bonheur Chasnel; † 10. Januar 1971 in Paris) war eine international bekannte französische Modeschöpferin und Unternehmerin.
Coco Chanel gründete Anfang der 1910er Jahre das Modehaus Chanel und prägte mit ihren Entwürfen die Modegeschichte. Ab 1913 war sie Wegbereiterin einer damals nahezu revolutionären funktionellen Damenmode mit wadenlangem Rock oder luftiger Hose, lose gegürtetem Oberteil und Kurzhaarschnitt für selbstbewusste moderne Frauen. In den 1920er Jahren kreierte Coco Chanel das „kleine Schwarze“, das noch immer einen Klassiker in der Damenmode darstellt. 1922 brachte sie das Parfüm Chanel Nº 5 auf den Markt, das als meistverkauftes Duftwasser der Welt gilt. Zwischen 1940 und 1944 arbeitete sie im von deutschen Truppen besetzten Paris als Agentin F-7124 für die deutsche Abwehr. Ab Mitte der 1950er Jahre wurde ihr Chanel-Kostüm aus einem losen, meist bordierten Tweed-Jäckchen und ausgestelltem Rock weltbekannt.
Coco Chanels Vermächtnis, das weltweit tätige Unternehmen Chanel, gehört mit einem Jahresumsatz von 9,62 Milliarden US-Dollar (2017) zu den größten und bedeutendsten in der Modebranche.
Um Coco Chanels Jugend ranken sich zahlreiche Legenden, zu deren Entstehung sie selbst beigetragen hat. Sie wurde als zweite uneheliche Tochter des Hausierers Henri-Albert Chasnel und der Wäscherin Eugénie Jeanne Devolle in einem Armenhaus in Saumur an der Loire (Anjou) geboren. In der am 20. August 1883 ausgestellten Geburtsurkunde wurde Chasnel als Nachname des Vaters und Gabrielle als Vorname des Kindes eingetragen. Erst 1884 heirateten ihre Eltern. Sie hatte fünf Geschwister, zwei Schwestern, Julia (* 1882) und Antoinette (* 1887), sowie drei Brüder, Alphonse (* 1885), Lucien (* 1889) und Augustin (* 1891), der nach wenigen Monaten starb.
Als Gabrielle Chasnel zwölf Jahre alt war, starb ihre Mutter. Der Vater gab sie und ihre ältere Schwester in die Obhut eines von Nonnen geführten Waisenhauses, wo Gabrielle den Beruf der Näherin erlernte. Ihren Vater sah sie nie wieder und gab später an, er sei nach Amerika ausgewandert. Mit Erreichen des 18. Lebensjahrs wurde sie aus dem Waisenhaus des Klosters Obazine entlassen. Dass sie ihre Kindheit tatsächlich im Kloster von Obazine verbracht haben soll, wird nach neustem Stand der Forschung auch infrage gestellt. So figuriert ihr Name für den einschlägigen Zeitraum nicht in den Annalen des Waisenhauses, sondern bei der Gemeinde Thiers. Danach erhielt sie als Barmherzigkeitsschülerin zwei Jahre kostenlos Unterricht im Pensionat Notre-Dame der Stiftsdamen von Saint Augustin in Moulins in der Auvergne. Mit 20 Jahren arbeitete sie als Angestellte in einem Aussteuer- und Babyartikelgeschäft, wo sie auch Logis erhielt, und nahm privat Aufträge als Schneiderin an.
Das Grand Café in Moulins, einer Garnisonsstadt, ließ Gäste als Sänger auftreten. Gabrielle Chasnel trug dort und im Varietétheater Rotonde vor allem zwei Lieder vor: Qui qu’a vu Coco? und Ko-Ko-Ri-Ko. Im Publikum saßen Offiziere des Jägerregiments, die ihr den Spitznamen „Coco“ gegeben haben sollen. 1906 lernte Coco Chanel im nahen Vichy, wo sie sich ebenso als Sängerin versuchte und in den Kurbädern Gelegenheitsarbeiten übernahm, Étienne Balsan kennen, den Erben einer einflussreichen Industriellenfamilie. Sein Vater, Auguste (1836–1896), hatte die Textilfabrik Balsan geleitet, die seit der Herrschaft Napoleon Bonapartes die französische Armee mit Uniformen versorgte, und war Bürgermeister und Verwalter der Banque de France in Châteauroux sowie Abgeordneter des Département Indre gewesen.
Das Liebesverhältnis Étienne Balsans mit Chanel galt als Mesalliance, dennoch folgte sie ihm auf sein Anwesen Royallieu in der Nähe des Schlosses von Compiègne und wurde mit 23 Jahren seine Geliebte. Sie verbrachte mehrere Jahre auf Royallieu. Hier machte Chanel Bekanntschaft mit dem mondänen Leben, lernte reiten, trieb Sport und ersann nebenbei zu diesem lässigen Lebensstil passende Kleidungsstücke. Hier traf sie auch ihre große Liebe, den Briten Arthur „Boy“ Capel.
Mit Balsans finanzieller Unterstützung eröffnete Chanel im Jahr 1909 in seiner Pariser Wohnung am Boulevard Malesherbes Nr. 160 ein Hutatelier. Chanels moderne, ungewohnt schlichte Hüte erfreuten sich im Bekanntenkreis Balsans und der gehobenen Pariser Gesellschaft rasch großer Beliebtheit, wurden an Pariser Persönlichkeiten gesehen und in Modezeitschriften abgebildet.
Mit einer Bürgschaft und einem Kredit ihres neuen Freundes, Arthur „Boy“ Capel, zog Chanels Hutatelier 1910 in ein Ladenlokal der Rue Cambon Nr. 21 in Paris, und im Seebad Deauville eröffnete 1913 eine Modeboutique namens Chanel Modes. Dieses Jahr gibt das Modehaus Chanel heute als Gründungsjahr an.
1915 besaß Coco Chanel Modesalons in Paris, Deauville und Biarritz. Sie entwarf schlichte, den Körper locker umspielende Kleider aus Baumwolljersey und kreierte damit eine neue funktionale Mode mit klaren Linien ohne die bis dahin üblichen Verzierungen. Chanel trug ihre eigene Mode und eine moderne Kurzhaarfrisur im Bob-Stil. 1918 eröffnete sie ihren Haute-Couture-Salon in der Rue Cambon Nr. 31. Chanels Geschäft wuchs schnell. Schon 1916 beschäftigte sie 300 Näherinnen, konnte ihre Schulden bei Capel begleichen und so ihre Unabhängigkeit sichern. Im selben Jahr erklärte die amerikanische Zeitschrift Vogue Chanels Stil zum „Inbegriff der Eleganz“. Ihre Mode unterschied sich durch ihre Zurückhaltung deutlich von der ihrer Konkurrenten.
Capel starb 1919 bei einem Autounfall. 1920 erwarb Chanel eine Villa namens Bel Respiro in Garches und bezog 1923 eine Stadtwohnung in der Rue du Faubourg Saint-Honoré Nr. 29 in Paris.
1924 gründete sie mit Geschäftspartnern die vom Modeunternehmen zunächst unabhängige Parfümsparte Parfums Chanel in Neuilly-sur-Seine, an der sie selbst 10 % der Anteile hielt. 1931 reiste sie für einige Wochen nach Hollywood, um auf Einladung des Filmproduzenten Samuel Goldwyn, der ihr die damals spektakuläre Summe von einer Million Dollar anbot, Kostüme für Gloria Swanson in dem Film Tonight or Never (1931) sowie für die Tänzerinnen der Goldwyn-Girls und Ina Claire in The Greeks Had a Word for Them (1932) zu entwerfen. Nachdem Chanels Arbeiten als für Hollywood nicht extravagant genug kritisiert worden waren, kehrte sie nach Paris zurück, jedoch nicht ohne in den USA Marlene Dietrich und Greta Garbo als Chanel-Kundinnen gewonnen zu haben.
Im November 1932 zeigte Chanel in ihrer Wohnung in Paris eine mit dem Illustrator Paul Iribe entworfene Schmuckkollektion mit dem Namen Bijoux de Diamants. Als Chanels Pariser Betrieb 1936 bestreikt wurde, hatte sie etwa 4000 Angestellte.
Im Jahr 1928 kaufte Chanel in Roquebrune-Cap-Martin an der Côte d’Azur ein Grundstück und ließ dort nach eigenen Vorstellungen ihre Villa La Pausa errichten, die 1930 fertiggestellt und 1953 verkauft wurde. Im Jahr 2015 verkündete das Haus Chanel, dass sich die Villa, deren Kaufpreis 2013 in der Presse auf 40 Millionen Euro geschätzt wurde, wieder im Unternehmensbesitz befinde.
Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939 schloss Coco Chanel ihr Modeunternehmen, und alle Mitarbeiter verloren ihre Arbeit. Sie zog sich nach Südfrankreich nahe der spanischen Grenze zurück und kehrte im Herbst 1940 nach Paris zurück.
Im Jahr 1937 hatte Chanel im Pariser Hotel Ritz an der Place Vendôme eine rückseitig zur Rue Cambon gelegene Zwei-Zimmer-Suite angemietet, in der sie fortan nächtigte und in der sie 1971 auch starb. Ihre eigentliche Wohnung, in der es kein Schlafzimmer gab, befand sich seit Mitte der 1930er Jahre auf der anderen Straßenseite über ihrem Atelier im zweiten Stock des Hauses Nr. 31 der Rue Cambon. Die Wohnung ist nahezu unverändert erhalten.
Nach Beginn der deutschen Besetzung Frankreichs im Zweiten Weltkrieg floh Coco Chanel zunächst in den unbesetzten Süden des Landes und kehrte im Herbst 1940 nach Paris zurück. In ihrem damaligen Wohnsitz, dem von den Besatzern beschlagnahmten Hotel Ritz, begegnete sie dem Diplomaten und früheren Presseattaché der deutschen Botschaft in Paris, Hans Günther von Dincklage, der auch für die Gestapo tätig war. Der Sohn eines preußischen Majors und der Tochter eines 1870 in England eingebürgerten deutschen Kaufmanns wurde ihr Liebhaber.