Clifford Charles Devlin „Cliff“ Thorburn CM (* 16. Januar 1948 in Victoria, British Columbia) ist ein ehemaliger kanadischer Snookerspieler, der zwischen 1972 und 1997 Profispieler war. Auch wenn er ebenso als Amateur erfolgreich war, datieren die meisten seiner Erfolge in diese Zeit. So gewann er als Profispieler zum Beispiel die Snookerweltmeisterschaft 1980 und drei Ausgaben des Masters. Zusätzlich war er für eine Saison Weltranglistenerster und spielte zwei Maximum Breaks. Seit dem Tod von Ray Reardon am 19. Juli 2024 ist er der älteste noch lebende Snookerweltmeister.
Nach einer Zeit als herumziehender Poolbillardspieler (hustler) wurde Thorburn Anfang der 1970er-Jahre Kanadas führender Snookerspieler. Nach einigen Erfolgen in Nordamerika wurde er 1972 Profispieler, gewann aber in den folgenden Jahren mehrfach die kanadische Amateur-Meisterschaft. Als Profi stieg er binnen weniger Jahre in die Weltspitze auf. Erste Erfolge feierte er vor allem bei den Canadian Open sowie bei der Snookerweltmeisterschaft 1977 und beim Masters 1978, wo er jeweils ins Finale einzog. In den anschließenden Jahren schied der Kanadier nur selten vor einem Viertelfinale eines Turnieres aus. Eine Saison nach seinem Weltmeister-Titel wurde er auch Weltranglisten-Führender. Auch wenn er nach nur einer Saison den ersten Platz der Rangliste wieder abgeben musste, blieben ihm seine Erfolge erhalten: Dreimal siegte er in den 1980ern beim Masters, bei der WM 1983 wurde er zudem wieder Vize-Weltmeister und spielte sein erstes Maximum Break.
Nach einem positiven Drogentest bei den British Open 1988 brach Thorburns Form allerdings ein, auch wenn ihm noch ein zweites 147er-Break gelang. Auf der Weltrangliste deutlich verschlechtert, beendete er 1997 offiziell seine Profikarriere. Als Amateur konnte der Kanadier, der für seine langsame, defensive und zermürbende Spielweise bekannt ist, 2001 noch einmal kanadischer Meister werden. Zusätzlich spielte der Sachbuchautor und Billardtrainer regelmäßig bei Senioren-Turnieren und Exhibitions mit. Thorburn wurde unter anderem zum Member of the Order of Canada ernannt sowie in die Hall of Fame des kanadischen Sports und in die Snooker Hall of Fame aufgenommen.
Thorburn wurde Anfang 1948 in Victoria, der Hauptstadt der kanadischen Provinz British Columbia, geboren. Als Kind wurde er von seiner Mutter verlassen und wuchs bei seinem Vater und seiner Großmutter auf. Später heiratete er und wurde Vater zweier Söhne. Im April 1983 erlitt Thorburns Frau während der laufenden Weltmeisterschaft eine Fehlgeburt. Während seiner aktiven Karriere wurde Thorburn für kurze Zeit durch die Spätfolgen einer Erkältung beeinträchtigt, je nach Quelle im Rahmen der Snookerweltmeisterschaft 1980 oder im Rahmen der Ausgabe 1983. Mitte der 1980er-Jahre verunglückte sein langjähriger Manager und enger Freund Darryl McKerrow bei einem Jagdausflug in Manitoba tödlich. Wurde er Ende der 1970er-Jahre eine Zeit lang noch von Maurice Hayes gemanagt, stand er später bei Barry Hearns Matchroom Sport unter Vertrag.
Nachdem er die High School abgebrochen hatte, probierte sich Thorburn zunächst in verschiedenen Berufen. Recht schnell begann er aber, seinen Lebensunterhalt mit Wettspielen in nordamerikanischen Poolbillardhallen zu verdienen, frei nach dem Film The Hustler. Poolbillard ist in Nordamerika weit verbreitet, im Gegensatz zum Snooker, für das Kanada bis dahin kaum bekannt war (einzelne hervorstechende Snookerspieler wie George Chenier und Leo Levitt gab es dennoch). Dafür trampte er durch Nordamerika und schlug sich mit Gelegenheitsjobs und gegebenenfalls der Heilsarmee durch.
Im Jahr 1969 begann Thorburn, neben dem Poolbillard auch Snooker zu spielen. Da er recht schnell erfolgreich war, galt er bereits 1971 als führender kanadischer Snookerspieler, nachdem der bisher dominierende George Chenier ein Jahr vorher gestorben war. Seine Erfolge feierte Thorburn nach kurzer Zeit in ganz Nordamerika, so gewann er 1971 und 1972 die nordamerikanische Meisterschaft. Zu jener Zeit reisten einige führende Snookerspieler aus Europa nach Kanada, wobei Thorburn regelmäßig als Gegner dieser Spieler auftrat. Zu diesen Spielern gehörten Altmeister Fred Davis und Verbandsboss Rex Williams, aber auch John Spencer, der zusammen mit Ray Reardon die 1970er-Jahre im Snooker prägte. Nach und nach bildete sich bei Thorburn die Überzeugung heraus, dass er es dauerhaft mit diesen Spielern aufnehmen könne. Infolgedessen zog es Thorburn nach England, wo er bereits 1972 offiziell Profispieler wurde. In den folgenden Jahren pflegte Thorburn es, zwischen England und Kanada zu pendeln. Laut John Virgo hatte der Kanadier aber zeitweise Zweifel, ob er in England eine Zukunft hat, doch er ließ sich eines Besseren überzeugen. In England trainierte der Kanadier zunächst mit John Spencer in Bolton, später mit Willie Thorne in Leicester.
Erste Profijahre und Aufstieg in die Weltspitze
Bereits während seiner ersten beiden Saisons erzielte Thorburn einige gute Ergebnisse und besiegte unter anderem Dennis Taylor bei der Snookerweltmeisterschaft 1973. In den nächsten beiden Saisons konnte er seine regelmäßig guten Ergebnisse wiederholen und sich somit auf einem hohen Niveau etablieren. Bereits bei den Canadian Open 1974 gewann er sein erstes Profiturnier. Obwohl sich die Snookerweltrangliste in ihren ersten Jahren zunächst nur aus den Ergebnissen der Snookerweltmeisterschaft berechnete, belegte Thorburn bei der allerersten Aufstellung bereits Rang 10, auch wenn er sich danach auf Platz 13 verschlechterte. Erst im Rahmen der Snookerweltmeisterschaft 1977 gelang ihm ein großer Erfolg bei der Weltmeisterschaft, als er ins WM-Finale einzog. Dort verlor er allerdings gegen John Spencer. Dieser Erfolg sicherte aber dem Kanadier endgültig einen Platz in den Top 10 der Rangliste; er verbesserte sich auf Rang 6.
In den nächsten beiden Saisons konnte Thorburn sein Formniveau halten. Dabei gewann er die Canadian Open 1978 und erreichte das Endspiel des Masters 1978. Das wichtige Masters ist eines von drei Triple-Crown-Turnieren, neben der Snookerweltmeisterschaft und der UK Championship. An letzterer waren zunächst nur Briten teilnahmeberechtigt, er als Kanadier durfte erst Anfang der 1980er-Jahre mitspielen. Auf der Weltrangliste war Thorburn in den folgenden zwei Spielzeiten auf Platz 5 platziert. Während der 1970er-Jahre nahm der Kanadier trotz seines Profistatus regelmäßig auch an Amateurturnieren teil. Fast jährlich spielte er bei der kanadischen Meisterschaft mit, die zu diesem Zeitpunkt sowohl für Amateure als auch für Profispieler offen war. Im Jahr 1972 sowie zwischen 1974 und 1977 konnte Thorburn dabei kanadischer Meister werden. Regelmäßig nahm er zudem an den Pontins Spring Open teil, dies allerdings wie auch eine Teilnahme an den Pontins Camber Sands Open nur mit beschränktem Erfolg.
Weltmeistertitel und Weltranglistenerster
Die Saison 1979/80 verlief für Thorburn äußerst erfolgreich, denn er erreichte bei fast jedem Turnier mindestens das Viertelfinale. Neben einer Finalniederlage beim Bombay International gewann Thorburn die Canadian Open sowie die Canadian Professional Championship. Außerdem zog er erneut ins Endspiel der Snookerweltmeisterschaft ein, wo er auf Alex Higgins traf, der wegen seiner innovativ offensiven Spielweise und seinen Skandalen seit gut 10 Jahren zur spielerischen Weltspitze und zu den schillerndsten Figuren der Snooker-Welt gehörte. Mit Higgins hatte Thorburn während seiner gesamten Karriere eine gewisse Rivalität, die zwar primär am Snookertisch ausgelebt wurde, aber auch aus verbalen und körperlichen Auseinandersetzungen abseits von Partien bestand. Davon abgesehen bewunderte Thorburn aber Higgins für seine Spielweise. Das WM-Finale 1980 zwischen dem Kanadier und dem nordirischen Publikumsliebling war ein enges Spiel, das Thorburn mit 18:16 für sich entscheiden konnte. Damit war er Snooker-Weltmeister. Häufig wird der Kanadier dabei als erster Weltmeister aus Übersee angesehen. Allerdings war bereits bei der BACC-Snookerweltmeisterschaft 1952 der Australier Horace Lindrum Weltmeister geworden, doch die Legitimität der von Lindrum gewonnenen Ausgabe ist umstritten. Auf der Weltrangliste platzierte sich Thorburn dadurch auf dem zweiten Platz, er konnte also den Langzeit-Führenden Ray Reardon nicht vom ersten Platz verdrängen.