An diesem Tag

Cliff Carlisle

US-amerikanischer Country-Sänger

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Clifford Raymond „Cliff“ Carlisle (* 6. Mai 1904 in Spencer County, Kentucky; † 2. April 1983 in Lexington, Kentucky) war ein US-amerikanischer Old-Time- und Country-Musiker, der als Pionier des Blue Yodeling gilt, einer abgewandelten Form des alpenländischen Jodelns. Zudem war er einer der ersten Künstler, die in der Country-Musik die Steelguitar einsetzten. Carlisle hat mehr als 300 Schallplatten aufgenommen.

Cliff Carlisle wurde 1904 nahe Mount Eden in Taylorsville im Spencer County in Kentucky in einer kleinen Hütte geboren. Er war das dritte von acht Kindern. Seine Eltern besaßen eine kleine Tabak-Farm, wo er schon in frühester Jugend bei der Feldarbeit mithalf. Als Kind kaufte er sich eine Gitarre von Sears and Roebuck für 4,95 Dollar, die er bald beherrschte. Sein Vater Van Luther Carlisle, der Musiklehrer in der Sonntagsschule war, brachte ihm Singen und Gitarrespielen bei.

Beeinflusst wurde er neben der Country-Musik und dem Blues von den frühen Aufnahmen Frank Fereras, einem Star der hawaiischen Musik. Um dem Klang von Fereras Steel Guitar so nahe wie möglich zu kommen, legte er unter die Saiten seiner Gitarre eine kleine Metallscheibe, die den sehnsuchtsvollen Ton imitieren sollte. Als Jugendlicher nahm Carlisle an Talentwettbewerben teil und spielte in Bars; im Alter von 16 Jahren trat er regelmäßig gemeinsam mit seiner Cousine Lilian Truax auf. Das Duo brach jedoch bald nach Truax’ Heirat auseinander.

1924 lernte Carlisle den Bauarbeiter Wilbur Ball kennen, der ebenfalls Gitarre spielte und sang. Die beiden Musiker stiegen in den B.F. Keith Vaudeville Circuit ein, reisten fortan mit Vaudevilles und Zelt-Shows durchs Land und traten als das erste Blue Yodeling Duo auf. Ein Foto zeigt Carlisle und Ball im Hawaii-Anzug und mit Blumenkranz um den Hals. Carlisle selbst sagte später dazu, dass er und Ball entweder im Western-Outfit oder im Hawaii-Anzug auftraten, je nachdem, wie das Publikum es wünschte. Jedoch spielten sie vorwiegend in den Südstaaten, wo Hawaiian-Musik nicht sonderlich beliebt war. 1930 traten Carlisle und Ball erstmals bei WHAS in Louisville auf, was ihre Popularität positiv beeinflusste, da dieser Radiosender eine größere Reichweite als lokale Rundfunkstationen hatte.

Noch im selben Jahr spielte Carlisle seine ersten Schallplatten für Champion Records und Gennett Records ein, die im Stil des damaligen Stars Jimmie Rodgers gehalten waren. Ein Jahr später spielten sie dann mit dem Singing Brakeman, wie Rodgers genannt wurde, zusammen. Rodgers hatte ihn und Ball im Radio gehört und Carlisle das Angebot gemacht, mit ihm einige Titel einzuspielen. Carlisle begleitete Rodgers auf der Steel Guitar, er ist unter anderem bei den Titeln Waiting for a Train und California Blues (Blue Yodel No.4) zu hören. Seinen ersten Hit hatte Carlisle 1931 mit dem Shanghai Rooster Yodel.

Als Carlisle Ende 1931 zur American Record Corporation (ARC) wechselte, gelang ihm der Durchbruch. Da ARC eine Dachgesellschaft verschiedener Labels war, wurden seine Platten von Conqueror Records, Gennett Records und Oriole Records veröffentlicht. Neben regelmäßigen Radioauftritten in Charlotte, North Carolina, auf WBT und Cincinnati, Ohio, auf WLW folgten einige Auftritte in der Grand Ole Opry, der populärsten Radioshow der USA. Zur selben Zeit war er schon Mitglied des National Barn Dance geworden. 1934 ersetzte sein Bruder Bill Carlisle den zuvor ausgestiegenen Wilbur Ball an der Rhythmusgitarre. Mit ihm hatte er auf dem Sender WLAP in Louisville, Kentucky, eine eigene Barn Dance Show, den Carlisle Family Barn Dance.

Nachdem Carlisle 1936 nach längerer Krankheit seine Karriere wiederaufnahm, gelangen ihm in der folgenden Zeit mit Titeln wie Get Her by the Tail on a Down Hill Grade (1936), The Nasty Swing (1936), A Wild Cat Woman and a Tom Cat Man (1937) und You’ll Miss Me When I’m Gone (1938) weitere Hits. You’ll Miss Me When I’m Gone wurde später auch von Elvis Presley unter dem Titel Just Because aufgenommen. Carlisles Titel wurden außerdem von Regal-Zonophone Records und Panachord Records in Großbritannien, Kanada und Australien veröffentlicht, unter anderem der Mouse’s Ear Blues und Sal’s Got a Meatskin, allerdings häufig unter dem Pseudonym Fred Kirby & Bob Phillips. Während in Australien lediglich elf Platten auf den Markt kamen, konnte Carlisle in England mit Erscheinungen auf den Labels Regal, Zonophone und Panachord auf eine starke Präsenz zurückblicken. Regal und Zonophone vermarkteten Carlisle als „The New Regal Yodeller“ in Anlehnung an Jimmie Rodgers, den „alten Regal Yodeller“.

Carlisles Texte behandelten oft countrytypische Themen wie das Leben der Wanderarbeiter und Eisenbahner sowie die Liebe, aber es finden sich auch politische und gesellschaftskritische Texte in seinem Repertoire, wie zum Beispiel Pay Day Fight und Shanghai Rooster Yodel. Seine stark am Blues orientierten Stücke veröffentlichte er oft unter anderen Namen wie Amos Greene und Bob Clifford, da Blues immer noch als die musikalische Ausdrucksform der Afroamerikaner galt und man als etablierter weißer Amerikaner im rassistischen Klima des Südens ernsthafte Probleme bekommen konnte, wenn man sich zu offensichtlich der Stilmerkmale dieses Genres bediente. Seit 1936 hatte Carlisle begonnen, mit seinem Sohn Tommy Carlisle, genannt Sonny Boy Tommy, aufzutreten und Schallplatten aufzunehmen, was zu Konflikten mit den Kinderarbeitsgesetzen der USA führte. Jedoch spielte er mit ihm bis zum Zweiten Weltkrieg Platten ein, als Tommy zur Armee eingezogen wurde.

Mit Sonny Boy Tommys Eintreten in Carlisles Shows hatte sich sein Repertoire von den bluesigen Stücken entfernt und bewegte sich nun in Richtung von Cowboy-Songs und Gospel. Mit Valley of Peace hatte Carlisle einen Hit und 1939 folgte mit Unclouded Day ein weiterer Gospel-Erfolg.

Seinen letzten Solo-Hit hatte Carlisle 1939 mit Footprints in the Snow, der später ein beliebter Bluegrass-Titel wurde. Anfang der 1940er Jahre verlor Carlisle immer mehr an Popularität; im Radio war Carlisle jedoch weiterhin aktiv. Auf dem Sender WMPS in Memphis, Tennessee war er regelmäßig zu hören und auch auf WWNC in Asheville, North Carolina, war er zusammen mit seinen Ramblin Cowboys vertreten. Anders sah es mit seinen Platten aus, denn seine Soloaufnahmen hatte er bereits 1939 eingestellt. Lediglich Duette mit seinem Bruder Bill kamen noch in die Charts. Einige ihrer Titel sind leicht am Hillbilly Boogie orientiert, einer frühen Form des Rockabilly. Das Publikum hatte das Interesse am Blue Yodeling und an traditioneller Country-Musik verloren, Honky-Tonk und Western Swing dominierten die Country-Szene. Jedoch war er noch regelmäßig beim Radiosender WMPS in Memphis zu hören, war in der Opry noch ein gern gesehener Gast und war Mitglied des Tennessee Barn Dance. Mit Rainbow at Midnight, das Platz fünf der Billboard-Charts erreichte, hatte er zusammen mit seinem Bruder seinen letzten Hit. Trotzdem schrieb er für seinen Bruder Bill und dessen Gruppe The Carlisles weiterhin Titel, unter anderem zwei ihrer bekanntesten, No Help Wanted und Too Old to Cut the Mustard. 1951 war Carlisle für kurze Zeit selbst Mitglied dieser Gruppe.

Anfang der 1950er Jahre wurde Carlisle dann völlig vom aufkommenden Rock ’n’ Roll verdrängt; gesundheitliche Beschwerden veranlassten ihn schließlich, der Musikszene den Rücken zu kehren. Er zog nach Lexington, wo er den Rest seines Lebens verbringen sollte. 1955 begann er, wie sein Vater als Musiklehrer zu unterrichten. In seiner Freizeit malte er Ölgemälde oder verbrachte seine Zeit mit seiner Familie, zu der auch bereits Enkelkinder gehörten. Erst ein Jahrzehnt später wurde Carlisle durch die junge Folk-Bewegung wiederentdeckt, nachdem die Rooftop Singers seinen Hit Tom Cat Blues gecovert hatten. Neben öffentlichen Auftritten nahm er mit Wilbur Ball für das Rem Label wieder einige Platten auf. Danach setzte er sich endgültig zur Ruhe.

Cliff Carlisle starb am 2. April 1983 im Alter von 78 Jahren an einem Herzinfarkt in Lexington, Kentucky.

Mit mehr als 300 veröffentlichten Platten in Nordamerika, Australien und Europa sowie mit mehr als 600 geschriebenen Songs gilt Cliff Carlisle als einer der erfolgreichsten Country-Musiker der 1930er Jahre. Sein Repertoire umfasste Blues, Gospel, Cowboy-Musik, Hawaiian-Musik und Hillbilly. Auch wenn er im Stil Jimmie Rodgers’ spielte, so entwickelte er doch eine eigenständige musikalische Aussage.

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