Claus-Ekkehard Bärsch (* 3. Oktober 1939 in Weimar; † 16. Mai 2020 in Dietramszell) war Universitätsprofessor an der Universität Duisburg-Essen. Sein Forschungsschwerpunkt war die Religionspolitologie, für die er im Jahr 1996 ein Institut in der Rechtsform eines e. V. in Duisburg gründete.
Bärsch war Sohn eines Landwirts, der 1945 nach Russland verschleppt wurde und seitdem als vermisst gilt. Bärsch wuchs in der sowjetischen Besatzungszone auf. 1957 legte er sein Abitur in Leipzig ab und zog anschließend in die Bundesrepublik Deutschland. 1958 bis 1968 studierte er Rechtswissenschaft, Kirchenrecht, Rechtsphilosophie und Rechtsgeschichte in München mit anschließendem Referendariat und Assessorexamen. Die drei darauffolgenden Jahre arbeitete er als selbstständiger Rechtsanwalt.
1962 lernte er die spätere Politikwissenschaftlerin und Universitätsprofessorin Hedda Herwig kennen. Beide waren Schüler des deutsch-amerikanischen Politologen und Philosophen Eric Voegelin. Bärsch und Herwig waren sich seitdem freundschaftlich verbunden geblieben. Jahre später übten beide Lehrtätigkeiten in der Universität-Gesamthochschule Duisburg aus. Im Vorwort zu seinem späteren Buch Der junge Goebbels schrieb Bärsch beispielsweise: „Der Freundschaft mit der Kollegin Hedda J. Herwig verdanke ich zentrale intellektuelle Einsichten. Ohne ihre ständige Kritik hätte ich viel übersehen oder gar nicht gemerkt.“
1972 wurde Bärsch bei Eric Voegelin an der Ludwig-Maximilians-Universität München zum Dr. phil. promoviert und habilitierte sich 1977 mit venia legendi für Politische Wissenschaft und Sozialphilosophie.
1981 nahm er seine Lehrtätigkeit am Institut für Politische Wissenschaft an der damaligen Universität-Gesamthochschule Duisburg mit den Fachgebieten Politische Theorie und Ideengeschichte auf, die von zwei auswärtigen Lehrtätigkeiten unterbrochen war: von 1990 bis 1991 an der Humboldt-Universität Berlin und von 1991 bis 1993 an der Universität Potsdam. In Duisburg war er schon nach seiner Promotion als wissenschaftlicher Assistent bei Michael Hereth tätig gewesen.
Vier Jahre lang (1993–1996) war er Direktor des Salomon-Ludwig-Steinheim-Instituts für deutsch-jüdische Geschichte in Duisburg. 1996 gründete er das Institut für Religionspolitologie e. V. in Duisburg. 1998 veröffentlichte Bärsch ein umfangreiches Hauptwerk mit dem Titel Die politische Religion des Nationalsozialismus. In dem Buch ging es Bärsch, wie dem Vorwort entnommen werden kann, um „nicht weniger“ als „eine Erfassung der NS-Ideologie, in der alle wesentlichen Merkmale berücksichtigt werden“. Bärsch gab in seinem Vorwort zudem zu erkennen, dass es sich bei dem Historiker Julius H. Schoeps um einen „alten Freund“ von ihm handelte.
Am 7. Februar 2006 ging Bärsch in den Ruhestand. Der Titel seiner Abschiedsvorlesung in dieser Universität lautete: Der Zusammenhang von Religion, Theologie, Philosophie und Politik aus der Perspektive der Religionspolitologie.
Im Wintersemester 2006/07 lehrte Bärsch an der Universität Innsbruck. Er leitete die Lehrveranstaltung „Einführung in die Wissenschaftstheorie“.
Im Wintersemester 2008/09 lehrte er an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Thema seiner Vorlesung war Die Grundzüge des Verhältnisses von Politik und Religion im Christentum, im Islam, in der Aufklärung und den politischen Religionen der Moderne.
Bärsch starb im Mai 2020 im Alter von 80 Jahren in Dietramszell.
Bärschs Schwerpunkt liegt auf den Fachgebieten Politische Theorie und Ideengeschichte und seine Forschungsschwerpunkte sind Theorie der Geschichte und des Rechts, Nationalsozialismus und Religionspolitologie.
Der Staatsbegriff in der neueren deutschen Staatslehre und seine theoretischen Implikationen (= Beiträge zur politischen Wissenschaft. Bd. 20). Duncker und Humblot, Berlin 1974, ISBN 3-428-03218-7 (Zugleich: München, Universität, Dissertation, 1972).
Die Gleichheit der Ungleichen. Zur Bedeutung von Gleichheit, Selbstbestimmung und Geschichte im Streit um die konstitutionelle Demokratie. Fink, München 1979, ISBN 3-7705-1756-3 (Zugleich: Duisburg, Gesamthochschule, Habilitations-Schrift, 1977, unter dem Titel: Selbstbestimmung, Gleichheit und Geschichte.).
mit Julius H. Schoeps und Joachim H. Knoll: Konservativismus, Liberalismus, Sozialismus. Einführung, Texte, Bibliographien (= UTB. 1032). Fink, München 1981, ISBN 3-7705-1942-6 (Nachdruck, unveränderte Auflage. ebenda 1991).
Erlösung und Vernichtung. Dr. phil. Joseph Goebbels. Zur Psyche und Ideologie eines jungen Nationalsozialisten. 1923–1927. Klaus Boer, München 1987, ISBN 3-924963-18-5 (Spätere Auflagen erschienen unter dem Titel: Der junge Goebbels. Erlösung und Vernichtung. Klaus Boer, München 1995, ISBN 3-924963-72-X; Fink, München 2004, ISBN 3-7705-3806-4).
Max Brod im Kampf um das Judentum. Zum Leben und Werk eines deutsch-jüdischen Dichters aus Prag. Passagen-Verlag, Wien 1992, ISBN 3-85165-024-7.
Die politische Religion des Nationalsozialismus. Die religiöse Dimension der NS-Ideologie in den Schriften von Dietrich Eckart, Joseph Goebbels, Alfred Rosenberg und Adolf Hitler. Fink, München 1998, ISBN 3-7705-3172-8 (2., vollständig überarbeitete Auflage. ebenda 2002).
als Herausgeber mit Peter Alter und Peter Berghoff: Die Konstruktion der Nation gegen die Juden. Fink, München 1999, ISBN 3-7705-3326-7.