Claudia Pechstein (* 22. Februar 1972 in Berlin-Marzahn) ist eine ehemalige deutsche Eisschnellläuferin und Polizeihauptmeisterin der Bundespolizei. Mit fünf Olympiasiegen in den Jahren 1994, 1998, 2002 und 2006 sowie vier weiteren olympischen Medaillen ist sie eine der erfolgreichsten deutschen Olympioniken bei Winterspielen. Sie ist die erste Frau, die an acht Olympischen Winterspielen teilnahm.
Pechstein wurde in ihrer Karriere von der Internationalen Eislaufunion (ISU) mit Doping-Vorwürfen konfrontiert, die 2009 zu einer Sperre führten, gegen die sie über viele Jahre gerichtlich vorging. Im März 2025 teilten beide Seiten mit, dass man zu einer Einigung „im Geiste einer Versöhnung“ gelangt sei, ohne Details zu nennen. Eine Woche später erklärte sie auf einer Pressekonferenz ihren Rücktritt vom aktiven Sport.
Seit Juni 2024 ist Pechstein als Stützpunkttrainerin am Bundesstützpunkt Inzell tätig. Zum 1. August 2026 wurde sie fest Bundestrainerin in der Disziplin Allround, eine Position, die sie seit Mai des Jahres interimsweise innehatte.
Claudia Pechstein wuchs in Ost-Berlin auf. Bei der Kinder- und Jugendspartakiade der DDR 1985 wurde sie Erste über 1500 Meter. 1988 wurde sie Vizejuniorenweltmeisterin im Mehrkampf. Bei den ersten gesamtdeutschen Meisterschaften 1991 gewann Pechstein Silber über 3000 und über 5000 Meter.
Ihren ersten Erfolg im Profisport erreichte sie mit dem Gewinn der Bronzemedaille über 5000 Meter bei den Olympischen Winterspielen 1992 in Albertville. Trotz des Erfolgs blieb sie jedoch weiter im Schatten von Gunda Niemann, die diesen Wettbewerb gewann. Zwei Jahre später holte sie bei den Olympischen Winterspielen 1994 in Lillehammer die Goldmedaille über 5000 Meter und die Bronzemedaille über die 3000 Meter. Zwei Jahre später trat Pechstein erstmals bei Europa- und bei Weltmeisterschaften an. Bei den Einzelstreckenweltmeisterschaften 1996 in Hamar trat sie über 1500, 3000 und 5000 Meter an und gewann dabei zweimal Silber sowie Gold über 5000 Meter. Kurz darauf gewann sie bei der Mehrkampfweltmeisterschaft 1996 in Heerenveen eine Bronzemedaille. Sie beendete die Weltcup-Saison 1997/98 über 1500 und über 3000/5000 Meter auf dem zweiten Platz der Gesamtwertung.
Bei den Olympischen Winterspielen 1998 in Nagano stellte Pechstein über 3000 Meter mit einer Zeit von 4:08,47 min vorübergehend einen olympischen Rekord auf und gewann die Silbermedaille. Über 5000 Meter gelang ihr mit einer Zeit von 6:59,61 min ein neuer Weltrekord und der Gewinn der Goldmedaille. Über 1500 Meter wurde sie am Ende nur Siebte. Bei der Mehrkampfeuropameisterschaft 1998 gewann sie die Goldmedaille, bevor sie kurz darauf bei der Mehrkampfweltmeisterschaft in Heerenveen Silber erreichte. Bei den Olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City gewann sie über 3000 und über 5000 Meter die Goldmedaille. Auf beiden Strecken stellte sie zudem einen neuen Weltrekord auf. Über die 1500 Meter belegte sie am Ende den sechsten Platz. Für ihre Leistungen erhielt Pechstein im selben Jahr den Verdienstorden des Landes Berlin.
Bei den Olympischen Winterspielen 2006 in Turin trat sie über 1500 Meter nicht an. Über 3000 Meter belegte sie Platz fünf, über 5000 Meter gewann sie hinter der Kanadierin Clara Hughes die Silbermedaille und zudem die Goldmedaille im Teamwettbewerb mit der deutschen Mannschaft. Bei der Mehrkampfeuropameisterschaft 2007 kam sie auf den fünften Platz und ein Jahr später auf den vierten Platz, bevor sie bei der Eisschnelllauf-Mehrkampfeuropameisterschaft 2009 wieder die Goldmedaille errang.
Sperre wegen angeblichen Dopings 2009
Im Juli 2009 wurde bekannt, dass Pechstein im Februar 2009 von der ISU für zwei Jahre wegen angeblichen Blutdopings gesperrt worden war. Die ISU sah sie aufgrund von Indizien als des Blutdopings überführt an, nachdem bei der Mehrkampfweltmeisterschaft in Hamar bei einer Reihe von Blutproben der Retikulozytenanteil mit 3,5 Prozent um 1,1 Prozentpunkte über dem von der Internationalen Eislaufunion (ISU) festgelegten Höchstwert lag. Pechstein zählte damit zu den ersten Athleten, denen Doping mithilfe eines indirekten Nachweises, vergleichbar dem „Biologischen Pass“, vorgeworfen wurde. 2025 wurde Pechstein rehabilitiert.
Vier Tage nach Ablauf ihrer zweijährigen Sperre erfüllte Pechstein bei einem Vereinswettkampf in der Erfurter Gunda-Niemann-Stirnemann-Halle, am 12. Februar 2011 mit einer Zeit von 4:10,05 min über 3000 Meter sowie mit 2:01,22 min über 1500 Meter die geforderten Normzeiten für eine Weltcupteilnahme von 4:15 bzw. 2:03,50 Minuten. Am 18. und 19. Februar 2011 startete sie in Salt Lake City erstmals wieder bei einem Weltcuprennen. Dort lief sie die 5000 Meter in 6:51,62 min – ihre viertschnellste je gelaufene Zeit – sowie 1:55,38 min über 1500 Meter, siegte damit jeweils in der B-Gruppe und qualifizierte sich für das Weltcupfinale in Heerenveen, an dem nur Läufer der A-Gruppe teilnehmen durften, sowie für die Einzelstreckenweltmeisterschaften in Inzell. Beim letzten Weltcup der Saison 2010/11 in Heerenveen am 5. März 2011 lief sie über die 3000-Meter-Distanz in 4:09,60 min auf Rang vier, womit ihr auch für diese Strecke die Weltmeisterschaftsqualifikation gelang. Bei den Weltmeisterschaften in Inzell gewann sie die Bronzemedaille über 5000 Meter in 7:00,90 min, hinter Titelverteidigerin Martina Sáblíková und Stephanie Beckert. Im Team-Wettkampf belegte sie mit Isabell Ost und Stephanie Beckert ebenfalls Platz drei. Sie ist damit die älteste Medaillengewinnerin bei Einzelstreckenweltmeisterschaften.
Mit dem Ziel, sich für die Bahnradsport-Wettbewerbe der Olympischen Sommerspiele 2012 zu qualifizieren, nahm sie an den Deutschen Bahn-Meisterschaften 2011 in Berlin teil. Sie erzielte allerdings im 500-Meter-Zeitfahren und in der 3000-Meter-Einerverfolgung jeweils nur Rang zehn, so dass sie sich nicht für Olympia qualifizieren konnte.
Bei der Mehrkampf-Eisschnelllauf-Europameisterschaft 2012 in Budapest gewann Pechstein die Silbermedaille hinter Martina Sáblíková. In der Weltcup-Saison 2011/12 gelangen ihr in Weltcuprennen neun Podestplatzierungen, darunter ein Sieg im Massenstart beim Weltcup in Berlin am 11. März 2012 sowie fünf zweite und drei dritte Plätze. Bei den Einzelstrecken-Weltmeisterschaften in Heerenveen gewann sie Bronze über 5000 Meter hinter Martina Sáblíková und Stephanie Beckert. Auch im folgenden Jahr gewann sie bei diesem Wettbewerb jeweils die Bronzemedaille auf den beiden Langstrecken. Im Jahr 2015 gewann sie erneut Bronze über 5000 Meter.
Bei ihren sechsten Olympischen Spielen wurde sie 2014 in Sotschi Vierte über 3000 Meter und Fünfte über 5000 Meter.
2017 gewann Pechstein bei den Einzelstreckenweltmeisterschaften in Gangneung/Südkorea über 5000 Meter die Silbermedaille. Sie wurde damit, elf Tage vor ihrem 45. Geburtstag, zur ältesten WM-Medaillengewinnerin der Eisschnelllaufgeschichte. Die Zeit von 6:53,93 Minuten war ihre beste über diese Distanz seit ihrer Zweijahressperre zwischen 2009 und 2011.
Am 19. November 2017 holte Pechstein beim Weltcup in Stavanger über 5000 Meter ihren 33. Weltcupsieg. Mit 45 Jahren ist sie die älteste Weltcupsiegerin der Eisschnelllauf-Geschichte. Zugleich gelang ihr damit die Qualifikation für ihre siebenten Olympischen Winterspiele 2018. Tage später kam in Calgary im Massenstart ein weiterer Weltcupsieg hinzu. Bei den Olympischen Winterspielen 2018, während derer sie ihren 46. Geburtstag feierte, erreichte sie in vier Wettbewerben das Finale und belegte dort den neunten Platz über 3000 Meter, den achten Platz über 5000 Meter, den sechsten Platz in der Teamverfolgung und den 13. Platz im Massenstartrennen.
Bei den Deutschen Meisterschaften in Inzell am 29. Oktober 2021 gewann sie über 3000 Meter ihren 40. DM-Titel mit fast fünf Sekunden Vorsprung vor den mehr als 20 Jahre jüngeren Konkurrentinnen. Über 5000 Meter kam der 41. DM-Titel hinzu – mit noch größerem Vorsprung.
Mit dem 11. Platz im Massenstart-Finale des Weltcups 2021/2022 in Calgary und nach zwei elften Rängen am Wochenende 4./5. Dezember 2021 in Salt Lake City sicherte sie sich mit 49 Jahren am 12. Dezember 2021 ihre achte Olympiateilnahme bei den XXIV. Olympischen Winterspielen in Peking 2022. Sie ist damit die erste Wintersportlerin, die so oft an olympischen Spielen teilnehmen konnte. Zuvor war dies nur dem Skispringer Noriaki Kasai gelungen. Pechstein wurde zusammen mit Francesco Friedrich zur Fahnenträgerin der deutschen Mannschaft bei der Eröffnungsfeier gewählt. Zuvor hatte sie bereits zweimal die Ehre, die Fahne bei der Schlussfeier zu tragen – zum einen bei den Olympischen Winterspielen in Lillehammer 1994 und zum anderen in Turin 2006.