Claude Arrieu (eigentlich Louise-Marie Simon; * 30. November 1903 in Paris; † 7. März 1990 ebenda) war eine französische Komponistin.
Arrieu, 1903 in der französischen Hauptstadt geboren, studierte am Pariser Konservatorium Klavier bei Marguerite Long, Komposition bei Paul Dukas und Jean Roger-Ducasse, Harmonielehre bei Noël Gallon sowie Kontrapunkt bei Georges Caussade. 1932 erhielt sie den 1er Prix de Composition. Neben ihrer Kompositionstätigkeit unterrichtete sie von 1929 bis 1933 und war von 1935 bis 1947 in vielfältiger Weise für den französischen Rundfunk tätig. Während der deutschen Besetzung Frankreichs verlor sie ab 1941 vorübergehend ihre Stellung dort. Sie war an der Entwicklung der Musique concrète beteiligt und schuf 1943/44 in Zusammenarbeit mit Pierre Schaeffer die Musik zur experimentellen Radiokomposition La Coquille à Planètes. Ab 1947 war sie als freischaffende Komponistin tätig. 1949 gewann ihre Rundfunkmusik Frédéric Général den Prix Italia.
Arrieu schrieb rund 400 Werke für nahezu alle musikalischen Gattungen, darunter auch rund 30 Filmmusik- und 40 Rundfunkpartituren. Ihre Opern, meist Opéras bouffes wie Cadet-Roussel und La princesse de Babylone, sind dramatisch und komisch zugleich. Ihre Kompositionen werden – ebenso wie die Werke Strawinskis – dem Pariser Neoklassizismus des 20. Jahrhunderts zugerechnet. Rhythmisch-metrischen Aspekten gilt ihr Hauptaugenmerk, in der Harmonik findet sie zu eigenständigen Lösungen. Mit den neuen Techniken der elektronischen Musik hat sie sich in ihrer Zeit beim Rundfunk beschäftigt, sie haben in ihr Werk jedoch keinen Eingang gefunden.
La princesse de Babylone, 1953–1955
Balthazar ou Le mort vivant, 1966
Un clavier pour un autre, 1969/70
Je 1 Konzert für Klavier (1932), 2 Klaviere (1938), Flöte (1946), Trompete (1965), 2 Violinkonzerte (1938; 1949)
Mystère de noël; Oratorium, 1951
Cantate des sept poèmes d'amour en guerre, 1944
Les chansons bas für Gesang und Klavier nach Gedichten von Mallarmé, 1933
Candide, musique radiophonique auf Texte von Jean Tardieu nach Voltaire, 1946
Nocturne für Oboe und Klavier, 1976
Trio für Oboe, Klarinette und Fagott, 1936
Histoire de Paris für Streichquartett, Kontrabass und Schlagzeug, 1947
Suite en trio für Oboe, Klarinette und Fagott, 1955
Dixtuor für 2 Flöten (Piccolo), Oboe (Englischhorn), 2 Klarinetten, 2 Fagotte, Horn, Trompete, Posaune, 1967
Suite en quatre für Flöte, Oboe, Klarinette und Fagott, 1980
Jörg Jewanski: Arrieu, Claude. In: Ludwig Finscher (Hrsg.): Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Zweite Ausgabe, Personenteil, Band 1 (Aagard – Baez). Bärenreiter/Metzler, Kassel u. a. 1999, ISBN 3-7618-1111-X (Online-Ausgabe, für Vollzugriff Abonnement erforderlich)