Clara Josephine Schumann geb. Wieck (* 13. September 1819 in Leipzig; † 20. Mai 1896 in Frankfurt am Main) war eine deutsche Pianistin, Komponistin, Klavierpädagogin und Herausgeberin. Sie war von 1840 bis zu seinem Tod 1856 die Ehefrau Robert Schumanns.
Am Anfang ihrer Karriere als Pianistin, die sie als Wunderkind begann, standen virtuose Klavierwerke – auch eigene – im Vordergrund. Später waren Robert Schumann, Frédéric Chopin, Felix Mendelssohn Bartholdy, Ludwig van Beethoven, Johann Sebastian Bach, Franz Schubert und Johannes Brahms ihre bevorzugten Komponisten. Damit legte sie einen Grundstein für das Konzertrepertoire des späten 19. und des 20. Jahrhunderts.
Seit den 1960er Jahren wurde sie als Komponistin wiederentdeckt. Seitdem wurden nach und nach nahezu alle überlieferten Kompositionen Clara Wiecks/Schumanns in modernen Noten-Editionen oder als Digitalisate von Handschriften und Drucken greifbar. Sie sind Gegenstand der Musikwissenschaft und des Konzertwesens und sind in Ton- und Videoaufnahmen weit verbreitet.
Clara Wieck wurde im Haus Hohe Lilie am Leipziger Neuen Neumarkt 48 (heute Neumarkt, mit Kaufhaus überbaut) geboren und am 6. Oktober 1819 in der Nikolaikirche auf den Namen Clara Josephine getauft. Ihre Paten waren Ferdinand Schmidt (Jurist in Plauen), ihre Tante Emilie Tromlitz (1802–1885), Carl Traugott Streubel und Johanne Reichel (Kaufmannswitwe).
Ihre Eltern waren Friedrich Wieck (1785–1873) und Mariane Wieck geb. Tromlitz (1797–1872). Der Vater war studierter Theologe. Wegen seiner Leidenschaft für die Musik ließ er sich auf dem Klavier ausbilden. Außerdem gründete er eine Klavierfabrik und eine Leihanstalt für Musikalien. Claras Mutter war die Tochter eines Kantors. Sie hatte Klavierunterricht bei ihrem späteren Mann erhalten und war als Sängerin, Pianistin und Klavierlehrerin tätig. Die erste Tochter Adelheid starb als Kleinkind 1818. Dann folgten Clara und die Brüder Alwin (geboren 1821), Gustav (geboren 1823) und Viktor (geboren 1824). Zum Zeitpunkt von Viktors Geburt waren die Eltern aber bereits getrennt. 1825 wurde die Ehe geschieden. Die drei älteren Kinder Clara, Alwin und Gustav blieben beim Vater. Viktor starb 1827. Alwin wurde Geiger und Musiklehrer, Gustav wurde Instrumentenbauer.
Friedrich Wieck heiratete 1828 in zweiter Ehe die zwanzig Jahre jüngere Clementine Fechner und hatte mit ihr die Töchter Marie, die später Klavierunterricht bei ihm bekam, und Cäcilie (1834–1893), die bis zu ihrer Erkrankung im 16. Lebensjahr ebenfalls eine vielversprechende junge Pianistin war. Friedrich Wieck nannte sie in seinen Schriften gerne neben Clara und Marie als eine seiner „drei Töchter“.
Die Mutter Mariane Wieck schloss schon 1825 eine zweite Ehe mit dem Klavierlehrer Adolph Bargiel und zog mit ihm nach Berlin, wo sie weiter als Klavierlehrerin tätig war. Aus dieser Ehe gingen vier Kinder hervor, darunter der Sohn Woldemar Bargiel, der später Komponist wurde. Die Schwestern Clementine (1835–1869) und Cäcilie Bargiel (1831–1910) waren beide als Klavierlehrerinnen tätig.
Vom Leipziger Wunderkind zur international anerkannten Künstlerin
Clara lernte erst sehr spät das Sprechen, vermutlich im Alter von vier Jahren, als sie ein Jahr lang getrennt vom Vater mit ihrer Mutter bei ihren Großeltern Tromlitz in Plauen verbrachte. Mariane Wieck hatte das Versprechen abgeben müssen, Clara am 5. Geburtstag dem Vater zurückzugeben. Schon vor dem Plauener Aufenthalt hatte Clara am Klavier „mehrere Uebungen mit stillstehender Hand leicht gelernt und selbst leichte Accompagnements nach dem Gehör zu Tänzen gespielt“. Wieder zurück beim Vater erhielt sie nun im Alter von fünf Jahren intensiven Klavierunterricht, meist von Friedrich Wieck persönlich. Nur in den ersten Jahren delegierte Wieck den Klavierunterricht manchmal an die von ihm 1826 nach Leipzig geholte Klavierlehrerin Emilie Reichold.
Friedrich Wiecks ganzes Augenmerk galt Clara, bei der er wegen ihres musikalischen Talents die Absicht verfolgte, sie so rasch wie möglich als Wunderkind und Klaviervirtuosin bekannt zu machen. Zwar schickte er seine Tochter ab dem 1. Januar 1825 zum Unterricht in die private Handarbeitsschule der Geschwister Marbach und ab dem 5. Oktober 1825 etwa ein Jahr lang für täglich 3 bis 5 Stunden in das Noack’sche Institut, eine private Elementarschule, wo sie schreiben und rechnen lernte, doch bestand er auf einem täglichen, diesen Elementarunterricht einschränkenden Klavierunterricht und auf konzentrierten Übezeiten. Zum Ausgleich und zur körperlichen Ertüchtigung verordnete er lange Spaziergänge. Dadurch blieb Claras Ausbildung weitgehend auf die Musik beschränkt; später lernte sie aber auch Fremdsprachen.
Erfolge stellten sich bald ein; Clara Wieck fand schon bei ihren frühen privaten Auftritten große Anerkennung. Für den Vater war sie das Aushängeschild seiner klavierpädagogischen Methode, die er auch Musikern wie Robert Schumann und Hans von Bülow angedeihen ließ.
Am 20. Oktober 1828 trat sie zum ersten Mal öffentlich im Leipziger Gewandhaus auf und spielte bei einem Konzert von Caroline Perthaler neben Emilie Reichold die rechte Partie eines vierhändigen Werks von Friedrich Kalkbrenner.
Die Leipziger Allgemeine musikalische Zeitung schrieb:
Ab 1827 führte Friedrich Wieck ein Tagebuch für Clara – in der Ich-Form, als habe sie es selbst geschrieben.
Später ließ er sich Claras eigene Tagebucheintragungen zum Lesen vorlegen. Ein von Friedrich Wieck am 29. Oktober 1828 verfasster Tagebucheintrag in Claras Namen lautet:
Das strenge pianistische Training war nach heutigen Maßstäben nicht kindgerecht. Clara Schumann schrieb dazu 1894 in einem Brief, ihr habe ein verständiger Vater zur Seite gestanden, „[…] der über ihre Gesundheit wachte, sorgte, daß sie tüchtig spazieren ginge, nie in späte Gesellschaften Einladungen annähme, nie zu viel hintereinander übte, nie am Nachmittag vor einem Abendconcerte anderes thäte als ruhete, kurz, der sie bewachte. Die Leute würden ihn freilich einen Tyrannen nennen, wie es mein Vater sich gefallen lassen mußte, – ich danke es ihm aber noch täglich; die Frische, die mir bis in’s hohe Alter geblieben ist, (in der Kunst wenigstens) dies danke ich ihm!“
Zunächst bestand das weitgehend vom Vater bestimmte Vortragsprogramm aus gefälligen und zugleich technisch anspruchsvollen Kompositionen, zum Beispiel von Friedrich Kalkbrenner, Camille Pleyel, Ignaz Moscheles und Henri Herz. Auch ihre eigenen frühen Kompositionen wurden eingebunden. Erst nachdem sich der Einfluss des Vaters verringert hatte, spielte Clara in ihren Konzerten Werke von Ludwig van Beethoven, Johann Sebastian Bach und Robert Schumann.
Friedrich Wieck sah sich als Claras Impresario, der die oft mit Strapazen verbundenen Konzertreisen organisierte. Er trug Sorge dafür, dass Einladungen zu Konzerten ausgesprochen wurden und dass der Flügel am Veranstaltungsort funktionierte. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts kam es oft vor, dass sich ein Flügel nur schwer beschaffen ließ oder nicht gestimmt war. Vor jedem Konzert tat sich zudem die bange Frage auf, ob die Mechanik der Instrumente „mitspielen“ würde. Wieck hatte daher stets Klavierwerkzeug bei sich und betätigte sich vor Konzerten meist noch als Klavierstimmer und -reparateur. Später ging er dazu über, eigens ausgesuchte Instrumente an den Ort des Auftritts vorauszuschicken, damit Clara auf einem ihr vertrauten Flügel spielen konnte.