Ciriaco «Ciri» Sforza (* 2. März 1970 in Wohlen, Kanton Aargau) ist ein ehemaliger Schweizer Fussballprofi und heutiger -trainer.
In seiner aktiven Zeit zählte Sforza zu den erfolgreichsten Schweizer Spielern der 1990er Jahre; er gewann u. a. den UEFA-Cup, die Champions League sowie zwei deutsche Meisterschaften. Nach Abschluss seiner Spielerkarriere schlug er die Trainerlaufbahn ein und betreute seit 2006 verschiedene Schweizer Vereine.
Ciriaco Sforza ist der Sohn italienischer Einwanderer und wurde in Wohlen, einer Kleinstadt im Kanton Aargau, geboren. Seit 1990 besitzt er das Schweizer Bürgerrecht (sog. Secondo). Sforza hat drei Schwestern, sein Vater Fortunato war Anstreicher und unterstützte das fussballerische Talent seines Sohnes. Zunächst war «Ciri» Jugendspieler beim FC Villmergen und beim FC Wohlen, bevor er 1986 auf Betreiben von Raimondo Ponte in die Nachwuchsabteilung des Traditionsvereins Grasshopper Club Zürich (GC) wechselte. Da Sforza schon früh den Sprung in das Profikader schaffte, brach er eine Ausbildung zum Installateur ab. Am 2. Spieltag der Saison 1986/87 gab er gegen den FC St. Gallen (2:2) sein Debüt als Einwechselspieler. Gegen Ende der Rückrunde kam Sforza regelmässig im Mittelfeld der Grasshoppers zum Einsatz und brachte es insgesamt auf 21 Spiele (ein Tor). Im Folgejahr gewann er als 18-Jähriger mit GC durch einen 2:0-Finalsieg über den FC Schaffhausen den Schweizer Cup. Nachdem Ottmar Hitzfeld zur Saison 1988/89 neuer Trainer in Zürich geworden war und Sforza zum Rechtsverteidiger umschulen wollte, wechselte dieser im Januar 1989 im Tausch für Thomas Wyss innerhalb der Nationalliga A zum FC Aarau. Dort spielte Sforza weiterhin auf seiner Lieblingsposition im Mittelfeld und schaffte mit dem Verein, den die Sportpresse als «unabsteigbar» bezeichnete, zweimal in Folge den Klassenerhalt in der Abstiegsrunde.
Nachdem sich Sforza in der höchsten Spielklasse hatte etablieren können, kehrte er im Sommer 1990 zu den Grasshoppers zurück. Die Ablösesumme lag bei 770'000 Schweizer Franken. Sein erstes Pflichtspiel war die Niederlage im Supercup-Final gegen Neuchâtel Xamax am 21. Juli 1990 (5:4 nach Penaltyschiessen). Hitzfeld setzte den 20-jährigen Sforza fortan an der Seite von Thomas Bickel, Marcel Koller und Alain Sutter im zentralen Mittelfeld ein, und der Neuzugang entwickelte sich zum Leistungsträger. 1990/91 gewann er mit den Hoppers die Schweizer Meisterschaft (28 Einsätze/ein Tor) und wurde Nationalspieler. Am 31. Mai 1993 verloren die Grasshoppers den Cupfinal deutlich mit 1:4 gegen den FC Lugano. Mittlerweile galt Sforza als einer der hoffnungsvollsten Spieler des Landes und erhielt die Auszeichnung als Schweizer Fussballer des Jahres 1993.
Im Sommer 1993 unternahm Sforza den nächsten Karriereschritt und entschied sich für einen Wechsel zum 1. FC Kaiserslautern (FCK) in die Bundesliga. Mit 2,4 Millionen D-Mark Ablöse war er zu diesem Zeitpunkt der teuerste Transfer der Vereinsgeschichte. Mit dem zurückgekehrten Andreas Brehme stand ihm im Mittelfeld ein routinierter Führungsspieler zur Seite, und gleich am ersten Spieltag (16. August 1993) erzielte Sforza beim 2:0-Auswärtssieg über den 1. FC Köln ein Tor. Von Beginn an übernahm der Neuzugang die zentrale Rolle des Spielmachers und drückte der von Friedel Rausch trainierten Mannschaft seinen Stempel auf. Sforza bereitete 12 Tore vor (zweitbester Wert der Bundesliga) und war mit acht Treffern in 29 Partien selbst torgefährlich. Die Roten Teufel hielten den Meisterschaftskampf 1993/94 lange offen. Beim 4:0 gegen den FC Bayern München am 31. Spieltag, dem Höhepunkt einer Aufholjagd mit sechs Siegen zum Saisonende, war Sforza der überragende Matchwinner (ein Tor, drei Vorlagen). Am Saisonende wurde Kaiserslautern mit nur einem Punkt Rückstand hinter den Bayern Vizemeister. Nach seinen starken Leistungen und dem Auftritt bei der Weltmeisterschaft fand sich Sforza auf der Kandidatenliste des Ballon d’Or wieder und erhielt zwei Stimmen. In der Folgesaison (1994/95) belegte Sforza mit dem FCK den 4. Tabellenplatz. Er hatte seine starke Form aus dem Vorjahr bestätigt und beim 3:2-Heimsieg über den VfB Stuttgart (4. Spieltag) den einzigen Doppelpack seiner Karriere erzielt. Nie wieder sollte er sich derart torgefährlich präsentieren wie in seinen ersten beiden Jahren in Kaiserslautern, und obwohl Sforza das Spiel des FCK ordnete, erwarb er sich durch seine Spielweise auch den Ruf als Schlitzohr. Der formstarke Sforza hatte das Interesse von Bayern München auf sich gezogen, die sich im Frühjahr 1995 intensiv um eine Verpflichtung bemühten. Nach Bekanntgabe des Transfers zu den verhassten Bayern zog der Spieler den Unmut der Fans auf sich und wurde bei Heimspielen im Fritz-Walter-Stadion gnadenlos ausgepfiffen. Dies ging sogar so weit, dass Friedel Rausch die Stadionregie anwies, Sforza nicht zu häufig auf der Anzeigetafel einzublenden. Kaiserslautern konnte den Abgang der Leistungsträger Stefan Kuntz und Ciriaco Sforza nicht kompensieren und musste im Folgejahr (1996) erstmals aus der Bundesliga absteigen.
Die Bayern zahlten eine Ablösesumme in Höhe von sieben Millionen Mark für Sforza, der als Wunschspieler des neuen Trainers Otto Rehhagel galt. Beim Rekordmeister startete der Mittelfeldstratege mit vielen Vorschusslorbeeren und genoss das volle Vertrauen Rehhagels, der ihm trotz einem prominent besetzten Kader die Rolle als Ballverteiler im Zentrum zugedacht hatte («Der Ciriaco ist unser Spiritus Rector»). Ausgerechnet beim 3:2-Auswärtssieg gegen Kaiserslautern am 6. Spieltag erzielte er per Freistoss einen Treffer und lieferte eines seiner besten Spiele ab. Allerdings erlebte Sforza 1995/96 eine durchwachsene Saison (zwei Tore und sechs Vorlagen in 30 Einsätzen). Trotz einem Bundesliga-Startrekord mit sieben Siegen in Serie blieb die Beziehung zwischen Trainer und Verein unterkühlt, weshalb Rehhagel Ende April 1996 vorzeitig entlassen wurde. Unter dem als Interims-Trainer einspringenden Vereinspräsidenten Franz Beckenbauer hatte Sforza einen schweren Stand, und für die Bayern reichte es in der Bundesliga nur zur enttäuschenden Vizemeisterschaft hinter Borussia Dortmund. Erfolgreicher waren sie jedoch auf internationaler Bühne und konnten den UEFA-Cup gewinnen. Dabei stand Sforza in beiden Finalspielen gegen Girondins Bordeaux in der Startelf und absolvierte jeweils die vollen 90 Minuten. Während seiner Zeit bei den Bayern erwarb sich der als undurchsichtig geltende Sforza den Ruf, kein einfacher Charakter zu sein, und wurde von Vizepräsident Karl-Heinz Rummenigge sogar als «Stinkstiefel» bezeichnet. Als Manager Uli Hoeneß dem Mittelfeldspieler vorwarf, seine Ablösesumme durch schwache Leistungen drücken zu wollen, wehrte sich Sforza vehement und bezeichnete die Aussage öffentlich als «Frechheit». Nicht ohne Nebengeräusche strebte der Schweizer einen vorzeitigen Vereinswechsel an und beendete sein Engagement in München nach nur einer Saison.
Zur Spielzeit 1996/97 wechselte Sforza zu Inter Mailand in die italienische Serie A. Trainer war Roy Hodgson, unter dem Sforza bereits in der Schweizer Nationalmannschaft gespielt hatte, und der Neuzugang sollte dem Mittelfeld der Nerazzurri die fehlende Kreativität bringen. Der ambitionierte Klubeigentümer Massimo Moratti hatte im Sommer 1996 mit Youri Djorkaeff, Iván Zamorano, Nwankwo Kanu und Fabio Galante weitere namhafte Transfers getätigt, um das Kader zu verstärken. Sforza führte sich gleich am 1. Spieltag mit dem 1:0-Siegtreffer gegen Udinese Calcio gut ein und traf auch zwei Tage später beim Auswärtssieg über EA Guingamp im UEFA-Cup (3:0). Obwohl Sforza sein fussballerisches Potenzial aufblitzen liess, konnte er nach einem vielversprechenden Beginn im weiteren Saisonverlauf nicht nachhaltig beeindrucken. Da der englische Nationalspieler Paul Ince dieselbe Position im zentralen Mittelfeld für sich beanspruchte und bei gleichzeitigem Einsatz wenig mit Sforza harmonierte, suchte dieser lange nach seiner Rolle. Zudem beeinträchtigte ihn gegen Ende der Saison ein Haarriss im Schienbein. Inter beendete die Serie A als Dritter, auf internationaler Bühne stiessen sie in den UEFA-Cup-Final vor. Dort unterlagen die favorisierten Mailänder den legendären Eurofightern des FC Schalke 04 nach Penaltyschiessen und beendeten die Spielzeit ohne Titel. Anschliessend verliessen sowohl Hodgson als auch Ince und Sforza den Verein. Obwohl er sich mit dem Engagement im Heimatland seiner Eltern einen Kindheitstraum erfüllt hatte, bedauert Sforza seine Zeit bei Inter Mailand und bezeichnet sie rückblickend als «Enttäuschung und Fehler».