Sir Christopher Wren (* 20. Oktoberjul. / 30. Oktober 1632greg. in East Knoyle nahe Tisbury in Wiltshire; † 25. Februar 1722jul. / 8. März 1723greg. in Hampton Court) war ein britischer Astronom und Architekt. Er gehörte 1662 zu den Gründungsmitgliedern („Founder Fellows“) der Royal Society, deren Präsident Wren von 1680 bis 1682 war.
Wren ist ein Sohn seines gleichnamigen Vaters Christopher Wren (1589–1658) und dessen Frau Mary Cox († 1647).
Nach seiner ersten Ausbildung wurde er bei Charles Scarborough anatomischer Assistent. Am 25. Juni 1650 begann er am Wadham College in Oxford zu studieren, wo er 1651 Bachelor of Arts und 1653 Master of Arts wurde. Angenommen als Fellow war er anschließend am All Soul’s College, wo er bis 1657 naturwissenschaftlichen Studien nachging. 1657 wurde er Professor am Lehrstuhl für Astronomie am Gresham College in London. 1659 wurde er zum Professor für Astronomie an der University of Oxford berufen, wo er 1661 den Grad eines Doktors für Zivilrecht erhielt. Von der Universität Cambridge wurde er zum Dr. jur. promoviert. Daneben beschäftigte ihn besonders die Baukunst. Seine Professur gab er 1673 auf, um als Architekt tätig zu werden. Für das 1664 erschienene Werk Cerebri anatome (lateinisch für „Anatomie des Gehirns“) von Thomas Willis fertigte Wren detailreiche Zeichnungen an. Seine Fähigkeit bei der Anfertigung von feinen und präzisen Zeichnungen wurde bekannt und Karl der II. von England beauftragte ihn mit der Herstellung von Zeichnungen mikroskopisch vergrößerter Insekten. Wren erfand eine Maislegemaschine. 1659 führte er die intravenöse Medikamentengabe (1659 noch mittels einer Feder und einer Blase) bei Tieren ein und um 1660 experimentierte er mit der Transfusion von Blut von Tier zu Tier.
Im Jahr 1661 hat er den ersten Regenmesser konstruiert. 1665 ging er nach Frankreich, um die unter Ludwig XIV. errichteten Bauwerke zu studieren, wodurch er zu einem strengen Klassizismus geführt wurde. Nach dem großen Brand von London (1666) wurde er zum Baumeister der Stadt und 1668 zum königlichen Generalarchitekten von England ernannt. Zusammen mit Robert Hooke entwickelte er die Pläne zum Wiederaufbau Londons. Als solcher hat er über 60 Kirchen und öffentliche Gebäude, darunter den neuen Teil des Hampton Court Palace, den Palast zu Winchester, den Kensington Palace, die Bibliothek des Trinity College zu Cambridge, gebaut. Sein Hauptwerk ist die von 1675 bis 1710 erbaute St Paul’s Cathedral in London.
Wren ist eine der hervorragendsten Erscheinungen in der englischen Architektur. Wie viele englische Baumeister der Zeit war er Autodidakt. Seine Bedeutung lag darin, dass er als einer der ersten Architekten bewusst in unterschiedlichen Stilen baute. Zwar bevorzugte er für viele Bauwerke einen nüchternen Klassizismus, doch finden sich auch andere Stilelemente bei ihm, sei es dem italienischen Barock, sei es der Gotik entlehnt. Dieser Hang zum Eklektizismus blieb in der Folgezeit in der englischen Architektur bestehen.
Sein langjähriger Mitarbeiter Nicholas Hawksmoor war im Anschluss an die Zusammenarbeit mit Wren Mitarbeiter von John Vanbrugh und leitete die Bauausführung unter anderem von Blenheim Palace und Castle Howard.
Dass man ihm ein Denkmal errichtete, lehnte Wren immer ab. Sein Werk sollte für ihn sprechen. So erinnert seine Grabplatte in der Krypta der St Paul’s Cathedral mit der Inschrift Lector, si monumentum requiris, circumspice („Betrachter, wenn Du ein Denkmal suchst, sieh dich um“) an den Architekten.
Am 18. Mai 1691 wurde Wren Mitglied der Freimaurer. Die Aufnahmezeremonie fand in der St Paul’s Cathedral statt, die in den Tagebüchern von John Evelyn erwähnt wird.
Am 20. November 1673 wurde Wren in Anerkennung seiner Verdienste als Knight Bachelor geadelt und führte fortan das Prädikat „Sir“.
1986 wurde der Asteroid (3062) Wren nach ihm benannt.
Christopher Wrens Hauptwerk ist die von 1675 bis 1710 erbaute St Paul’s Cathedral in London. Auch das Sheldonian Theatre in Oxford und das Pembroke College in Cambridge gehen auf ihn zurück. Mit Robert Hooke entwarf er das Monument zur Erinnerung an den Großen Brand.
An account of the rise and attempts, of a way to conveigh liquors immediately into the mass of blood. In: Philosophical Transactions of the Royal Society. Band 1, Nr. 7, 4. Dezember 1665, S. 128–130 (doi:10.1098/rstl.1665.0057, JSTOR:101456).
The description of an instrument invented divers years ago by Dr Christopher Wren, for drawing the out-lines of any object in perspective. In: Philosophical Transactions of the Royal Society. Band 4, Nr. 45, 25. März 1669, S. 898–899 (doi:10.1098/rstl.1669.0003, JSTOR:100986).
Generatio corporis cylindroidis hyperbolici, elaborandis lentibus hyperbolicis accommodati. In: Philosophical Transactions of the Royal Society. Band 4, Nr. 48, 21. Juni 1669, S. 961–962 (doi:10.1098/rstl.1669.0018, JSTOR:101001).
A description of Dr. Christopher Wren’s engin, designed for grinding hyperbolical glasses; as it was in a manner promised numb. 48. p. 962. In: Philosophical Transactions of the Royal Society. Band 4, Nr. 54, 15. November 1669, S. 1059–1060 (doi:10.1098/rstl.1669.0046, JSTOR:101029).
Hugo Altmann: Wren, Sir Christopher. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 32, Bautz, Nordhausen 2011, ISBN 978-3-88309-615-5, Sp. 1554–1580.
James A. Bennett: Christopher Wren. Astronomy, Architecture, and the Mathematical Sciences. In: Journal for the History of Astronomy. Band 6, 1975, S. 149–184 (online).
James A. Bennett: The mathematical science of Christopher Wren. University Press, Cambridge 1982.