An diesem Tag

Christopher Marlowe

Englischer Dramatiker, Dichter und Übersetzer

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Christopher Marlowe (getauft 26. Februar 1564 in Canterbury; † 30. Mai 1593 in Deptford), Spitzname „Kit“, war ein englischer Dichter, Dramatiker und Übersetzer des elisabethanischen Zeitalters.

Die Kenntnisse über Christopher Marlowes Persönlichkeit und Leben sind spärlich und lückenhaft. Sie sind überwiegend aus indirekten, sehr unterschiedlichen Quellen, Aufzeichnungen, Zeugnissen und Fundstücken im Laufe von Jahrhunderten „mosaikstückhaft“ rekonstruiert worden.

Die frühneuenglische Sprache kannte keine geregelte Orthographie, weshalb man den Namen Marlowe sehr unterschiedlich geschrieben vorfindet, u. a. als Malyn, Marlar, Marley, Marlen, Marle, Marlin, Marly, Marlye, Marlyn, Marlo, Marlow, Merling, Merlin, Merley, Morley, Morleyn. Bei verschiedenen Quellen mit unterschiedlich geschriebenen Namen wird zum Teil kontrovers darüber diskutiert, ob es sich jeweils eindeutig um Christopher Marlowe gehandelt habe.

Die früheste Quelle über Christopher Marlowe ist der Taufeintrag der St.-Georgs-Kirche in Canterbury vom 26. Februar 1564. Sein genauer Geburtstag steht nicht fest, er wird zwischen dem 15. und 26. Februar 1564 vermutet. Er wurde als zweites Kind des Schuhmachers und „freien Manns“ („freeman“) von Canterbury John Marlowe († Februar 1605) und seiner Ehefrau Catherine Arthur († Juli 1605) aus Dover geboren, deren Hochzeit am 22. Mai 1561 beurkundet ist. Auch sein Urgroßvater Richard Marley und Großvater Christopher Marley waren Schuhmacher. Der Vater war acht Jahre zuvor aus Ospringe (heute Teil von Faversham) nach Canterbury gezogen. Von den neun Kindern überlebten sechs das Kindesalter. Bei den jüngeren Geschwistern handelt es sich um Margaret (* 1565), Joan (* 1569), Thomas I (* 1570, früh gestorben), Ann (* 1571, Heirat 1593), Dorothy (* 1573, Heirat 1594) und Thomas II (* 1576). Eine Quelle aus Canterbury (1573), die einen 12-jährigen Jungen Christopher Mowle als Marlowe erkennt, wurde bisher nicht allgemein anerkannt.

Am 14. Januar 1579 begann er offiziell mit einem Stipendium an der King’s School in Canterbury. Zu dieser Zeit ist belegt, dass er versiert im Lateinischen war. Über seine Schulbildung bis zu diesem Datum ist nichts bekannt. Als Schulgefährte an der King's School wurde der Bruder des Dramatikers John Lyly, Will Lyly, (Lilly oder Lylie) erkannt. Der Satiriker Stephen Gosson und der Physiologe William Harvey begannen an dieser Schule ihre Ausbildung vor bzw. nach Marlowe. Der Erzbischof von Canterbury in den Jahren 1559 bis 1575, Matthew Parker, der durch seine frühere Kaplanstätigkeit bei Elisabeths Mutter Anna Boleyn eine enge Bezugsperson für Königin Elisabeth I. war, hatte in seinem Testament ein Universitäts-Stipendium für einen Schüler der King's School in Canterbury am Corpus Christi College der Universität Cambridge hinterlassen, wofür einige Jahre nach seinem Tod († 1575) sein Sohn Jonathan (John) Parker Christopher Marlowe auswählte. John Parker war ein Freund von Sir Roger Manwood, Lord Chief Baron of the Exchequer. Es wurde eine Lateinische Elegie zu dessen Ehre anlässlich seines Todes 1593 entdeckt, als deren Autor man Marlowe annimmt. Das lateinische Epitaph fand sich auf der Rückseite des Titelblatts eines Exemplars (1629) von Marlowes und George Chapmans Hero und Leander.

Es ist belegt, dass Marlowe nach seinem Weggang nach Cambridge (1580) mindestens noch zweimal nach Canterbury zurückgekehrt ist, einmal im Herbst 1585 anlässlich einer Testamentsbeurkundung (siehe Signatur) einer Mrs. Benchkyn und 1592, als er in eine Auseinandersetzung mit dem Sänger und Komponisten William Corkine II verwickelt war, der 1612 das Liederbuch Second Book of Airs veröffentlichte.

Marlowe verließ fast 17-jährig gegen Ende 1580 Canterbury, um sein Stipendium am Corpus Christi College in Cambridge anzutreten. Nachweislich des Universitätsregisters wurde er am 17. März 1581 als „convictus secundus“ „Coll.corp.xr.Chrof.Marlen“ immatrikuliert. Der Name „Christof. Marlyn“ erscheint in der Liste der Studenten des Corpus Christi College, die zum Erwerb des B. A. zugelassen waren, während der Name „Marley“ als der 199ste von 231 Studenten, auf der „Ordo Senioritatis“ im „Grace Book“ der Universität Cambridge 1583/84 gelistet wird.

In Cambridge, wo er für die nächsten sieben Jahre offiziell eingeschrieben war, erwarb er 1584 seinen B. A. und 1587 seinen M. A. Unbekannt ist der genaue Zeitraum, in dem er Freund des gleichaltrigen Thomas Walsingham wurde, des jüngeren Vetters seines Gönners Sir Francis Walsingham, der der einflussreiche „Geheimdienstchef“ der Königin Elisabeth war. Francis Walsingham verdankte seine eigene Position am Hof und seinen Sitz im Privy Council (ab 1573) seinem mächtigen Gönner und Vertrauten William Cecil, Lord Burghley, Königlicher Schatzkanzler und Chefberater der Königin und auch Kanzler der Universität Cambridge. Sowohl Francis und Thomas Walsingham als auch Lord Burghley müssen, soweit die Quellen dies hergeben, in Marlowes Leben und Tätigkeit in Cambridge und London eine herausgehobene Rolle gespielt haben.

Literaturhistoriker konnten bis heute nicht klären, wann Marlowes Freundschaft mit Thomas Walsingham begann. In Edward Blounts Zueignung des Versepos Hero & Leander an Thomas Walsingham kennzeichnet er die enge Beziehung zwischen Walsingham und dem Dichter Marlowe „the man that hath been dear unto us“, Es ist belegt, dass Thomas Walsingham mit seinem älteren Vetter Francis Walsingham und Philip Sidney in der Bartholomäusnacht am 24. August 1572 in der englischen Botschaft in Paris weilten, während des Massakers an den Hugenotten, über das Marlowe sein Drama The Massacre at Paris schrieb. Francis Walsinghams einzige Tochter aus zweiter Ehe Frances heiratete 1583 in erster Ehe Sir Philip Sidney, in zweiter Ehe Robert Devereux, 2. Earl of Essex, in dritter Ehe Richard Burke, 4. Earl of Clanricarde.

Thomas Walsingham, der schon im jugendlichen Alter bei seinem einflussreichen Vetter Francis Walsingham in Diensten stand, gilt als Freund und Patron und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch als der Liebhaber Marlowes.

Mittels der erhaltenen Quellen der Abrechnungen des Stipendiums und Aufzeichnungen der Ausgaben aus der Kantine des College („College Buttery“) ist man über seine tatsächliche Anwesenheit in Cambridge einigermaßen informiert. Aus diesen Quellen wird deutlich, dass er häufiger für längere Zeiten abwesend war, beispielsweise sieben Wochen im Juni–September 1582, sieben Wochen im April–Juni 1583. Für das akademische Jahr 1584/85 (sein erstes Jahr als Dominus Marlowe, B.A.) scheint er weit weniger als die Hälfte der vorgeschriebenen Zeit anwesend gewesen zu sein. Obwohl Zahlungsunterlagen für das Akademische Jahr 1585/86 fehlen, zeigen seine „Buttery Accounts“, dass er offiziell nur zwischen April und Juni 1586 abwesend war. Über seine Aufenthalte während seiner Abwesenheiten gibt es wenige Kenntnisse bis auf einen Aufenthalt in seiner Heimatstadt Canterbury, bei dem er eine Unterschrift unter dem Testament der ansonsten unbekannten Person Catherie Benchkyn im August 1585 leistete. Von diesem Testament stammt Marlowes erhalten gebliebene Signatur, bei der er mit „Christofer Marley“ unterschrieb, zusammen mit der Unterschrift seines Vaters.

Man vermutet, dass Francis Kett, der 1569 sein B.A. und 1573 sein M.A. am selben Corpus Christi College absolviert hatte und am 14. Januar 1589 wegen Ketzerei in Norwich auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde, ein Fellow und Tutor an seinem College war und ihn in seinen religiösen Haltungen beeinflusst haben dürfte.

In Cambridge, etwa im Jahr 1582/83, übersetzte er Ovids erotische Liebesgedichte Amores und Lucans Pharsalia, Erstes Buch (Gedicht über die Schlacht von Pharsalos) aus dem Lateinischen. Marlowes 1596 in Druck gelangte Ovid-Übersetzung erlag der Zensur und wurde 1599 auf Befehl des Erzbischofs von Canterbury John Whitgift und des Bischofs von London Richard Bancroft durch Verbrennung verbannt. Als sein erstes vollständiges Theaterstück aus der gleichen Zeit, das verlorengegangen ist, wird von einigen Experten The True History of George Scanderbeg vermutet. Literarhistoriker gehen mehrheitlich davon aus, dass er Königin von Carthago Dido unter Mithilfe von Thomas Nashe sowie Tamburlaine, Teil I noch in Cambridge innerhalb der Zeit etwa von 1584/86 konzipiert haben dürfte, mit dem er später in London großen Erfolg hatte.

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