Christoph Timotheus Seidel (* 20. September 1703 in Schönberg; † 30. Mai 1758 in Helmstedt) war ein lutherischer Theologe und Hochschullehrer der Universität Helmstedt.
Christoph Timotheus Seidel war jüngster Sohn des Pastors Christoph Matthäus Seidel (1668–1723) und dessen Frau Christine, geborene Kühne. Er besuchte nach Versetzung seines Vaters Schulen in Tangermünde und Neubrandenburg. Im Jahr 1719 schrieb er sich in die Matrikel der Universität Jena ein und wechselte 1721 auf Befehl des Königs Friedrich Wilhelm I. zur Universität Halle.
In Halle schloss er sich der besonders durch August Hermann Francke (1663–1727) und Joachim Justus Breithaupt (1658–1732) vertretenen Richtung des Pietismus an. Seinen Vater, der seit 1717 als Propst und Pastor der Nikolaikirche in Berlin wirkte, unterstützte er in dessen letzter Lebenszeit als Amanuensis.
Nach dem Tod des Vaters (8. Juni 1723) übernahm Seidel im Jahr 1724 eine Pfarre in Görlsdorf bei Frankfurt (Oder) und 1726 die königliche Pfarre in Vehlefanz, heute ein Ortsteil der Gemeinde Oberkrämer im Landkreis Oberhavel in Brandenburg.
Auf einer Reise nach Wolfenbüttel im Jahr 1727 predigte er dort vor Herzog August Wilhelm, der ihm darauf die Generalsuperintendentur und eine theologische Professur der Universität Helmstedt anbot. Im Jahr 1729 begann Seidel seine Vorlesungen an der Academia Julia Carolina und wurde am 14. März 1730 zum Doktor der Theologie promoviert. Ende des Jahres 1730 wurde er zum ordentlichen Professor ernannt und als Adjunkt des Generalsuperintendenten Friedrich Weise eingeführt, dem er nach dessen Tod im Amt folgte.
Während seiner Amtszeit als Hochschullehrer übernahm Seidel Ende des Jahres 1747 die Direktion der „Herzoglich Deutschen Gesellschaft“. Die „Herzoglich Deutsche Gesellschaft zu Helmstedt“ war 1746 mit der Absicht gegründet worden, die deutsche Sprache zu fördern, zu pflegen und philologisch zu erforschen. Er gründete 1749 die „Gesellschaft der Schriftforschenden“, in der unter seiner Leitung Lehrende und Studenten zum gemeinsamen Studium der Heiligen Schrift vereinigt werden sollten und wirkte wesentlich an der Schulordnung der Stadt Helmstedt vom 18. Juli 1755 mit.
Im Jahr 1758 starb Christoph Timotheus Seidel, in seiner vierten Amtsperiode als Prorektor der Universität Helmstedt. Seidel war zweimal verheiratet und hinterließ acht, zum Zeitpunkt seines Todes noch lebende Kinder. Sein ältester Sohn war Christoph Matthias Seidel (* 2. Juni 1729; † 27. Februar 1797), später Bürgermeister und Syndikus der Stadt Helmstedt.
Diss. de immortalitate animae ex lumine rationis demonstrata. Krottendorff, Halle/Magdeburg 1722. (Digitalisat)
Dissertationum Academicarum Pentas, De Immortalitate Animae Humanae, Ex Ipso Naturae Lumine Demonstrata Krottendorff, Halle/Magdeburg 1722. (Digitalisat)
Das erfreuliche Wiedersehen der Gläubigen in jenem Leben. Möller, Berlin 1726. (eine Predigt)
Von der Verleugnung seiner selbst; eine Predigt zu Wolfenbüttel gehalten. 1729.
Diss. theol. de investigatione attributorum Dei prima eaque inauguralis. Schnorr, Helmstedt 1750. (Digitalisat)
Diss. in qua ostenditur, Pontificios in ritu confirmationis a praxi Ecclesiae apostolicae plane aberrasse. Schnorr, Helmstedt 1732. (Digitalisat)
Die Abrede des sterbenden Jesu mit seinem Vater wegen seiner Seele, aus Luc. 23, 43. Drimborn, Helmstedt 1735. (Digitalisat) (eine Leichenpredigt)
Der Ausspruch des heiligen Geistes von der Hoffnung, die wir von den verstorbenen haben sollen. Buchholtz, Helmstedt 1736. (Digitalisat) (eine Leichenpredigt)
Progr. Veritas religionis christianae ex operationibus Spiritus S. ordinariis demonstrata. Helmstedt 1737.
Zuschrift von dem Zweck des Briefes Pauli an die Epheser. Helmstedt 1738.
Themata von gehaltenen Predigten. Halle 1739.