An diesem Tag

Christian Lorenz

Deutscher Rockmusiker, Keyboarder

Anúncio

Christian „Flake“ Lorenz (* 16. November 1966 in Ost-Berlin) ist ein deutscher Musiker. Der als Keyboarder der Band Rammstein bekannt gewordene Lorenz war zuvor Mitglied der Punkband Feeling B. Er ist auch als Schriftsteller und Radiomoderator tätig.

Lorenz wuchs mit seinen Eltern – sein Vater war Ingenieur im VEB Elektro-Apparate-Werke Berlin-Treptow „Friedrich Ebert“ (EAW), seine Mutter an der Humboldt-Universität und nebenbei publizistisch tätig – und seinem drei Jahre älteren Bruder in dem damals eigenständigen Stadtbezirk Prenzlauer Berg (heute: Bezirk Pankow) auf. Schon in der Kindheit entstand sein Spitzname „Flake“, den er bis heute beibehält. Eigenen Angaben zufolge wird er so genannt, seitdem er fünf Jahre alt war; Vorlage sei ein Handlungsort aus dem Trickfilm Wickie und die starken Männer gewesen. Da die Sendung – eine Adaption einer ab 1963 erschienenen Kinderbuchreihe von Runer Jonsson – jedoch erst 1974 in Deutschland erstausgestrahlt wurde, ist der Ursprung nicht eindeutig geklärt.

Seine Schulzeit beschreibt der Musiker als schwierig, da er stotterte und von Mitschülern gehänselt und in Müllcontainer gesperrt wurde. Er besuchte zunächst die Grundschule an der Heinrich-Roller-Straße, die nur wenige hundert Meter von der elterlichen Wohnung entfernt lag. In der fünften Klasse lernte er Paulo San Martín aus Chile kennen und freundete sich mit ihm an. Die Freundschaft besteht bis heute, der einstige Schulfreund ist als Band- und Produktionsassistent bei Rammstein tätig.

Bis zur 10. Klasse besuchte Lorenz die POS im Prenzlauer Berg, ab dem 1. September 1983 machte er eine Lehre als Werkzeugmacher im VEB Rationalisierung Berlin an der Schönhauser Allee. Ursprünglich wollte er Arzt werden, was ihm jedoch verwehrt blieb, da er aufgrund seiner schulischen Leistungen für eine Abiturientenlaufbahn nicht infrage kam. Eigener Aussage nach war der Grund hingegen die angekündigte Wehrdienstverweigerung. Zudem beschwerte sich die Schuldirektorin bei seinen Eltern, er benehme sich herablassend. Die landläufige Aussage, er werde wegen seines unerfüllten Berufswunsches heute noch von Fans und Bandkollegen „Doktor Lorenz“ genannt, korrigierte er 2017 in seinem Buch Heute hat die Welt Geburtstag:

Nach dem Ende seiner Ausbildung war er bereits als Musiker so aktiv, dass er seinen gelernten Beruf nicht mehr ausübte und nur noch Gelegenheitsjobs übernahm, einerseits, um die eher überschaubaren Gagen aufzubessern, die Feeling B zumindest in der Anfangsphase bekam, andererseits aber auch, um nicht wegen Verstoßes gegen die für Amateurmusiker bestehende Arbeitspflicht des asozialen Lebenswandels bezichtigt und deshalb verhaftet werden zu können. Seiner Einberufung in die Nationale Volksarmee entzog er sich bis zur Wende, indem er sich immer wieder von Ärzten krankschreiben ließ und sich beim Wehrkreiskommando selbst als psychisch labil bezeichnete.

Nach dem Fall der Mauer und der Einführung der Deutschen Mark reichte sein Verdienst als Musiker Lorenz zufolge nicht mehr aus, sodass er eine vom Staat geförderte ABM-Tätigkeit annahm. Mit Freunden gründete er einen gemeinnützigen Verein und betrieb unter anderem eine nur mäßig erfolgreiche Kunstgalerie, in der er und seine Mitstreiter eigene Gemälde ausstellten. Zudem arbeitete er ab 1990 im entstehenden Kunsthaus Tacheles, für das eine Gruppe Kreativer ein altes Warenhausgebäude an der Oranienburger Straße besetzt hatte. Dort half er beim Aus- und Einbau eines Theaters, betätigte sich als Regisseur im West-Berliner Schillertheater und war als ABM-Kraft unter anderem am Ausbau und an der Wiedereröffnung eines Kinos beteiligt. Später versuchte er, sich durch den An- und Verkauf gebrauchter Westautos Geld dazuzuverdienen. Im Alter von 30 Jahren, als er vom Staat eine Arbeitslosenhilfe bekam, machte er sich als Mitglied der Band Rammstein offiziell als Musiker selbstständig.

In späteren Jahren eröffnete er gemeinsam mit einem Geschäftspartner in Berlin einen Oldtimer-Verleih, in den er als Autofan zahlreiche eigene Fahrzeuge einbrachte. Nach finanziellen Schwierigkeiten und Differenzen mit dem Geschäftspartner stieg er jedoch aus dem Unternehmen aus.

Seine Liebe zur Musik entdeckte Lorenz nach eigenen Angaben zufällig. Auf eigenen Wunsch erhielt er ab der dritten Klasse Klavierunterricht, nachdem er einen Mitschüler sehr gekonnt spielen gehört hatte. Er wurde an der Musikschule Prenzlauer Berg angemeldet und übte zunächst ohne eigenes Klavier. Um die Noten zu lernen, klebte er Papierstreifen aneinander, auf die er Tasten gemalt hatte. Für 100 Mark erstanden seine Eltern schließlich ein gebrauchtes Klavier.

Als er im Alter von zehn Jahren nach einem Autounfall längere Zeit im Krankenhaus lag und nach der Entlassung noch zu Hause bleiben musste, schenkte ihm sein Vater, ein großer Jazz-, Country- und Bluesfan, einen Minett-Kassettenrecorder. Mit diesem Gerät nahm Lorenz in den folgenden Jahren Musik aus dem (West-)Radio auf, unter anderem die Sendungen des für seine Honecker-Witze bekannten RIAS-Moderators Lord Knud, später auch die Sendung Musik für den Recorder des DDR-Senders DT64, bei der zunächst eine Plattenseite einer ostdeutschen Band gespielt wurde und danach die einer internationalen Gruppe. Er gelangte unter anderem an einen Mitschnitt von Musik der Rolling Stones, die ihn begeisterte. Dadurch entstand sein Wunsch, in einer Band zu spielen. Er begann, die Bluesplatten seines Vaters zu hören, und dachte sich eigene Stücke aus, die er gemeinsam mit einem Freund auf Kassette aufnahm, um sie anderen vorzuspielen.

Seinen ersten Auftritt hatte er im Mai 1981 im Alter von 14 Jahren bei einem Rock-Schulfest an der EOS Heinrich Schliemann im Prenzlauer Berg, die sein Bruder Peter besuchte. Mit seinem chilenischen Schulfreund und dessen bulgarischem Bekannten übte er vier Stücke ein, lieh sich für den Auftritt das schuleigene E-Piano. Als die beiden „Bandkollegen“ kurz vor dem Auftritt wegen Lampenfiebers ausstiegen, überredete er den Schlagzeuger einer anderen dort auftretenden Gruppe, ihn bei seinem Vorspiel zu begleiten. Sein Auftritt endete nach drei Stücken: eines mit E-Piano und Schlagzeug, eines nur noch mit E-Piano – ein Großteil des Publikums und der Drummer hatten Lorenz zufolge die Halle verlassen – sowie ein kurzer Blues, den er auf seiner Mundharmonika spielte. Über diesen Auftritt schrieb Lorenz in seiner 2015 erschienenen Biografie:

Lorenz spielte dann in der christlichen Rhythm-and-Blues-Band Hilflos (später umbenannt in Tedeum), die in einer Kirche in Berlin-Pankow probte. Da er kein E-Piano besaß, bestand seine Probe daraus, dass er das Spiel der restlichen Mitglieder verfolgte und das Gehörte zu Hause am Klavier übte. Für Konzerte lieh er sich für jeweils 50 Mark von einem Bekannten dessen Instrument. Als die Gruppe sich auflöste, bemühte er sich um eine neue Band. Dies gestaltete sich aber schwierig, da er nach wie vor kein transportables Instrument besaß. Daraufhin kauften ihm seine Eltern für 2000 (Ost-)Mark – Lorenz zufolge das zweieinhalbfache Monatsgehalt seines Vaters – auf Annonce eine gebrauchte Weltmeister-Orgel des Typs TO 200/5, die allerdings nur unwesentlich leichter als ein Klavier war. Laut Lorenz konnten vier Personen sie tragen.

Im Jahr 1983, im Alter von 16 Jahren, wurde er Mitglied der Band Feeling B. Der Kontakt entstand über den Berliner Schlagzeuger Alexander Kriening – dieser war ebenjener Drummer gewesen, der Lorenz zwei Jahre früher beim Schulfest seines Bruders für ein Lied begleitet hatte. Dort musizierte er mit Kriening, zuvorderst aber mit dem Sänger Aljoscha Rompe und mit seinem späteren Rammstein-Bandkollegen, dem Gitarristen Paul Landers, ab 1990 auch mit dem neuen Gastschlagzeuger Christoph Schneider, heute ebenfalls Rammstein-Musiker.

Bei Feeling B sollte Lorenz mit seiner Weltmeister-Orgel nicht nur Melodien spielen, sondern vor allem die Rolle eines Bassisten übernehmen – dieser fehlte zu dieser Zeit in der Band und Lorenz’ Orgel brachte die technischen Voraussetzungen dafür mit, um die unteren Oktaven als Basstöne abzutrennen. Die Musik – eine Art Fun-Punk – machte auf den damals 16-jährigen Lorenz mächtig Eindruck:

Anúncio

Bald in der World in Stories App

Audio, Offline-Download, keine Werbung und mehr.

Premium entdecken
Christian Lorenz | World in Stories