An diesem Tag

Christian Huber (Mystiker)

Schweizer Bergbauer, Mystiker und Laienprediger

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Christian Huber (* 10. September 1693 in Guttannen; † 29. März 1739 oder 1749 oder 26. März 1739 ebenda) war ein Schweizer Bergbauer, Mystiker und Laienprediger.

Christian Huber wurde in Guttannen an der Grimselstrasse geboren, einem hoch gelegenen Alpendorf in der Schweiz. Seine Eltern waren Hans Huber und dessen Ehefrau Katharina (geb. Willi); er hatte mehrere Geschwister. Die Familie gehörte zur Schicht der Bergbauern, die unter schwierigen alpinen Bedingungen ihren Lebensunterhalt verdienen mussten.

Im Gegensatz zu vielen seiner Zeitgenossen erhielt Huber durch die Anleitung seiner Mutter eine Grundbildung im Lesen und Schreiben – eine in abgelegenen Bergregionen ohne öffentliche Schulen seltene Bildung.

Im Alter von 32 Jahren heiratete Huber am 13. Dezember 1725 Barbara (geb. Nägeli) aus Guttannen, die Tochter eines Nachbarn. Aus dieser Ehe gingen mehrere Söhne und Töchter hervor.

Als junger Mann entwickelte sich Huber zu einem geachteten Schwinger und Schützen, Fertigkeiten, die in dieser Epoche gesellschaftlich hochgeschätzt wurden. Sein Name war bei Schwing- und Schützenfesten wohlbekannt.

Berufliche Tätigkeit als Gemsjäger

Christian Huber war ein Bergbauer; die Gemsjagd wurde aber zu seiner Lieblingsbeschäftigung. Die Suche nach den Gemsen führte ihn regelmässig mehrtägig in die gefährlichsten Gebirgsgegenden. Seine Familie litt unter grosser Besorgnis bei diesen längeren Abwesenheiten, denn wie zeitgenössische Berichte vermerken, wagte sich Huber an Orte, wo ein kleiner Fehltritt zum Tode geführt hätte.

Die wirtschaftlichen Erträge dieser gefährlichen Arbeit waren jedoch erheblich. Gemsfelle und ‑hörner bildeten geschätzte Handelsartikel, die von sogenannten Pomatter Krämern aus dem Formazzatal aufgekauft und nach Italien gebracht wurden. Die Einkünfte aus dieser Jagdbeute übertrafen häufig die Erträge des wohlhabendsten Bauern des Dorfes aus seiner Viehzucht.

Die Vermehrung des häuslichen Wohlstandes durch erfolgreiche Jagdzüge sowie die abgeschlossene Lebensweise in den Bergen führten zu einer markanten Veränderung in Hubers Charakter. Er verfiel einer Art religiöser Schwärmerei, die in alltäglichen Ereignissen Übernatürliches zu erblicken begann. Gleichzeitig entwickelte sich in ihm eine rigide Form religiöser Strenge, verbunden mit gewissem Hochmut und übertriebener Bindung an äussere protestantische Kirchenformen.

Das entscheidende Ereignis für Hubers vollständige religiöse Umkehr ereignete sich in der Nacht vom 14. auf den 15. Dezember 1729. Der damals 36-jährige Jäger brach zu einer Jagdexpedition in die Berge auf, bewaffnet mit seiner Flinte und versehen mit Lebensmitteln. Das Gebirge war wenig verschneit, doch der hartgefrorene Boden machte den Aufstieg mühsam.

Huber verfolgte eine Gämse in die Gegend des Hohlicht. Um das Tier zu umgehen, erkletterte er eine steile Felswand durch eine Schratte und gelangte zu einem schmalen, schräg aufwärts führenden Gang. Nach Durchkletterung von etwa drei Vierteln der Schratte erreichte er eine kleine Erweiterung.

Dort machte er eine schockierende Entdeckung: Neben der Felswand lag das Gerippe einer verstorbenen Person neben einer verrosteten Flinte. Die Gefahr seiner gegenwärtigen Lage wurde ihm nun bewusst. Die Erinnerung an die alte Sage eines vor etwa hundert Jahren spurlos verschwundenen Guttanner Jägers namens Peter Strässi drängte sich ihm auf.

Huber erkannte, dass ihm nur zwei Alternativen blieben: Der mühsame Rückweg, den er nur mit extremer Lebensgefahr überwinden könnte, oder der langsame Hungertod an dieser Stelle. In dieser Situation gedachte er seiner Gattin, seiner Kinder und seiner Eltern. Er betete inständig zu Gott um Rettung und gelobte feierlich, nicht nur der Jagd, sondern allen weltlichen Freuden zu entsagen und fortan einen frommen, gottgefälligen Lebenswandel zu führen.

In einer verzweifelten Rettungsmassnahme zog Huber seine Schuhe und Strümpfe aus und ritzte sich in Hände und Füsse, um sich mit seinem eigenen Blut an den glatten Felsen «anzuleimen». Dann begann er den Rückweg. Es gelang ihm die Rückkehr zur Felswand, wo er ein Dankgebet für seine Rettung zum Himmel sandte.

Nach eigenen Angaben handelte es sich bei seiner religiösen Entwicklung weniger um einen plötzlichen Wendepunkt als vielmehr um einen langen inneren Reifungsprozess, in dem sich seine religiöse Überzeugung graduell verfestigte. Dies deutet auf eine bewusste Reflexion hin, die über die volksfromme Legendenbildung hinausging.

Asketisches Leben und Wirken als Wanderprediger

Nach seiner Rückkehr führte Huber ein radikal verändertes, weltabgewandtes Leben. In seinem Haus richtete er sich eine Kammer zur Schlafstätte ein, die mit einem harten Bretterbett ausgestattet war. Die Fenster wurden vollständig vernagelt, sodass nur spärliches Licht eindringen konnte. Seine Ernährung beschränkte sich ausschliesslich auf Milch, Käse und Ziger. Auch seine Kleidung war äusserst schlicht und bestand aus weissem Wolltuch.

Nebst intensiver Bibellektüre beschäftigte sich Huber nun häufig mit Büchern über Schweizer Geschichte und erlangte auf diesem Gebiet bedeutende Kenntnisse. Am Abend – im Sommer im Freien bei guter Witterung, im Winter in der Wohnstube – hielt er den Dorfbewohnern öffentliche Vorträge über biblische Themen und Schweizer Geschichtsthemen. Er wurde zum Verkünder einer pietistischen Heilsbotschaft. Seine Reden waren bekannt für ihre Flüssigkeit und Klarheit, weshalb auch gebildete Personen gerne zuhörten. Ein zentrales Anliegen seiner Predigttätigkeit war die Betonung der persönlichen Bekehrung, ein Gedanke, der sich von der institutionellen Kirchenpraxis seiner Zeit unterschied. Huber verstand Bekehrung nicht als automatisches Resultat der Taufe, sondern als bewusste, persönliche Entscheidung und innere Transformation.

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