An diesem Tag

Christian Geissler

Deutscher Schriftsteller

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Christian Geissler (* 25. Dezember 1928 in Hamburg; † 26. August 2008 ebenda) war ein deutscher Schriftsteller.

Christian Geisslers Vater war ein Hamburger Bauunternehmer und überzeugtes Mitglied der NSDAP (Ortsgruppenleiter). Seine Mutter Marie Kurella-Geissler stammte aus Polen. Zwei Brüder der Mutter waren Mitglieder der KPD und im Moskauer Exil. Der eine wurde dort 1937 im Rahmen der stalinistischen Säuberungen erschossen. Der andere ist der DDR-Kulturfunktionär Alfred Kurella. Über seine Mutter sagte er einmal, sie sei Antifaschistin aus Wissen und Instinkt gewesen. Aus diesen Erfahrungen speiste sich seine Grundhaltung eines radikalen Antifaschisten. Zusammen mit seiner Schwester Brigitta (1927–1997) wuchs er in Hamburg auf. Er nahm 1944/45 als Flakhelfer am Zweiten Weltkrieg teil. Nach dem Abitur begann er 1949 in Hamburg evangelische Theologie zu studieren. 1950 war er kaufmännischer Lehrling in einem Industriebetrieb, und 1951 arbeitete er für ein halbes Jahr als Landarbeiter in England. Ab 1952 setzte er sein Theologiestudium an der Universität Tübingen fort. 1953 konvertierte er zum Katholizismus und wechselte zum Studium der Philosophie und Psychologie an die Universität München. 1956 brach er sein Studium endgültig ab und wurde freier Schriftsteller.

Sein Romandebüt Anfrage erschien 1960 im Claassen-Verlag und war ein großer Erfolg. Marcel Reich-Ranicki sah in dem Buch den lang ersehnten

Zur Neuausgabe im Jahr 2023 schrieb Ulrich Gutmair in der taz:

In den folgenden Jahren (bis 1959) war Geissler Mitarbeiter beim Norddeutschen Rundfunk und produzierte dort erste Rundfunk- und Fernsehsendungen. Von 1960 bis 1964 war er Redakteur der Werkhefte katholischer Laien. 1962 trat er aus der Katholischen Kirche aus. In den Jahren 1962 bis 1968 war er Mitglied des „Kuratoriums der Kampagne für Abrüstung und Ostermarsch“; von 1965 bis 1968 Redakteur der linken Literaturzeitschrift Kürbiskern. 1967 trat er in die illegale Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) ein, die er 1968 wieder verließ, da er den Kurs der geplanten und 1968 vollzogenen Neugründung Deutsche Kommunistische Partei (DKP) nicht billigte. Dass sich die DKP auf das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland verpflichtete, das „Grundgesetz des Eigentums“, wie Geissler es nannte, war für ihn nicht tragbar. Er sympathisierte mit der Terrororganisation RAF.

Ab 1969 arbeitete Geissler als Dokumentarfilmer; von 1972 bis 1974 war er Dozent an der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin. Ab 1973 engagierte er sich im Hamburger Komitee gegen Folter an politischen Gefangenen in der BRD. Bis Ende der 1970er Jahre lebte er in Hamburg, danach an wechselnden Orten im In- und Ausland. Von 1985 bis 2004 lebte er in Ostfriesland, danach wieder in Hamburg. Er war von 1971 bis zu seinem Austritt 1976 Mitglied des PEN-Clubs.

Sein Sohn Benjamin Geissler (* 1964) ist ebenfalls als Dokumentarfilmer tätig.

In den 1980er Jahren hatte sich Geissler der antiimperialistischen Linken politisch und künstlerisch stark angenähert. Der Roman Kamalatta von 1988 war eine literarische Auseinandersetzung mit dem bewaffneten Kampf der RAF. Jochen Schimmang schrieb 2019 angesichts der Neuausgabe des Romans:

1989 beteiligte sich Geissler an Solidaritätsaktionen, die den Hungerstreik der Gefangenen aus der RAF begleiteten. Es ging um bessere Haftbedingungen und ein Ende der Isolierung im Gefängnis. In der Schrift Dissonanzen der Klärung machte Geissler auch politische Differenzen mit Teilen der Antiimperialistischen Linken zum Gegenstand seiner literarischen Arbeit. Bis wenige Jahre vor seinem Tod verteidigte Geissler auf Podien und bei Diskussionsveranstaltungen den bewaffneten Kampf als eine Form linker Politik. Dabei zog er immer wieder historische Vergleiche. Für ihn ist die kampflose Kapitulation der Arbeiterbewegung vor dem NS-Regime das Grundtrauma, mit dem er sich sowohl in der Literatur als auch in seiner politischen Arbeit immer wieder beschäftigte.

Christian Geisslers Werk, das Romane, Gedichte, politische Publizistik, Fernsehspiele und Hörspiele umfasst, dokumentiert die Entwicklung eines engagierten Autors vom linkskatholischen Gesellschaftskritiker der frühen 1960er Jahre zum Kommunisten und Antiimperialisten, der in den 1970er Jahren einen auch sprachlich äußerst eigenwilligen Weg eingeschlagen hat. Die Veröffentlichungen der 1990er Jahre bekräftigten mit ihrer zunehmenden Verrätselung Geisslers Stellung als die eines Außenseiters innerhalb der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur.

In seiner letzten öffentlich gehaltenen Rede, MAIDEUTSCH. Rede zum Tag der Befreiung (2005) beschäftigte er sich wieder mit der Schuld und der Verantwortung der Deutschen:

Geissler erlag einem Krebsleiden.

Der autobiografische Roman seiner Ehefrau Sabine Peters, Feuerfreund (Göttingen 2010) beschreibt – kaum verschlüsselt – das gemeinsame Zusammenleben und die Reaktion der Protagonistin auf den Tod des langjährigen Weggefährten.

2012 gründeten Autoren, Freunde und Weggefährten Geisslers die Christian Geissler Gesellschaft, die sich unter anderem für eine Neuausgabe der Werke engagiert. Im Frühjahr 2013 erschien im Verbrecher Verlag eine Neuausgabe von Wird Zeit, dass wir leben. Geschichte einer exemplarischen Aktion als Auftakt einer Werkausgabe (eine vormals geplante Werkausgabe im Rotbuch Verlag in den 80er Jahren kam nicht über die Publikation eines Bandes, Das Brot mit der Feile, 1986 erschienen, hinaus) für das der Hamburger Journalist Detlef Grumbach ein Nachwort über die historischen Grundlagen des Romans verfasst hat. Grumbach ist Vorsitzender der Gesellschaft.

1972 eine ehrende Anerkennung beim Adolf-Grimme-Preis

1973 den Adolf-Grimme-Preis mit Bronze (für die Sendung Wir gehen ja doch zum Bund – Arbeiter unter 18)

1988 den Irmgard-Heilmann-Preis

1993 den Hörspielpreis der Kriegsblinden

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