An diesem Tag

Christian Friedrich Hunold

Deutscher Dichter

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Christian Friedrich Hunold (* 29. September 1680 in Wandersleben bei Gotha, Thüringen; † 16. August 1721 in Halle (Saale)) wurde unter dem Pseudonym Menantes der berühmteste unter den deutschsprachigen „galanten“ Autoren des frühen 18. Jahrhunderts (siehe dazu auch galanter Roman).

Christian Friedrich Hunold wurde am 29. September 1680 im Thüringer Marktflecken Wandersleben geboren. Sein Vater war Tobias Hunold (* 1650; † 3. März 1691), Hochgräflich Hatzfeldischer Amtmann, Pächter des Vorwerkes (heute: Grundschule) und Mühlenbesitzer, seine Mutter: Barbara Catharina (* 1652; † 6. Februar 1691). Nachweisbar sind die Namen und Lebensdaten von drei Geschwistern: Georg Heinrich (* um 1675; † 23. Juni 1728), Martha Katharina (* 4. Oktober 1689; † 1765), Friedrich Wilhelm (* um 1681; † 25. Mai 1697), Hunolds Briefe (soweit von Wedel 1731 überliefert), erwähnen noch einen Bruder, der 1705 in Thorn starb.

Im Alter von zehn Jahren verlor Hunold kurz nacheinander beide Eltern (im Februar und März 1691 wie die Akten überliefern, an einer „hitzigen Krankheit“), die Kinder erhielten einen (unbekannten) Vormund, Hunold selbst besuchte die Stadtschule in Arnstadt.

Im Juli 1691 setzte er die Ausbildung am Gymnasium Illustre Augusteum in Weißenfels fort, er blieb dort bis in den Sommer 1698. Die Wahl der Schule lässt vermuten, dass er mit guten Leistungen aufgefallen war, denn das Weißenfelser Gymnasium gehörte zu den berühmtesten Institutionen Mitteldeutschlands. Christian Weise hatte hier gelehrt, August Bohse, der unter dem Pseudonym Talander Romane veröffentlichte und zu diesem Zeitpunkt der berühmteste der „galanten“ Autoren deutscher Sprache war, befand sich in Anstellung des Weißenfelser Hofes und dürfte mit dem Gymnasium verbunden gewesen sein, das Wert auf moderne Ausbildung in den „belles lettres“ in der Landessprache legte.

Von 1698 bis zum Winter 1699/1700 studierte Hunold an der Universität Jena. Eingeschrieben war er für die Jurisprudenz, sein Schwerpunkt lag jedoch während des Grundstudiums auf den Sprachen. Aus der Weißenfelser Zeit rührte eine Freundschaft mit Johann August Meister (dem Sohn des vom Weißenfelser Hof bestallten Küchenmeisters Christoph Meister), eine Beziehung von größerer Bedeutung, da Hunold sich in dessen Schwester, Johanna Sophia Meister, verliebt hatte. Die Möglichkeit, um ihre Hand anzuhalten und eine Karriere am Weißenfelser Hof oder in dessen Umfeld zu machen, zerschlug sich, als Hunold Ende 1699 von seinem Vormund die Nachricht erhielt, dass sein Vermögen von ehemals 4.000 Reichstalern bis auf einen Rest von 80 Talern aufgebraucht war.

Flucht nach Hamburg und Karriere: 1700–1706

Die Eröffnung der finanziellen Lage traf Hunold als Desaster. Sein Lebensstil in Jena war kostspielig gewesen, er hatte sein Erbe in Raten von 100 Talern bezogen und Ruhm als „galanter Student“ genossen. Gute Kleidung, das Spielen wenigstens eines Musikinstruments (er spielte Gambe und Flöte), Fähigkeiten im Fechten, Tanzen und Reiten gehörten zum Renommee und mussten in Privatstunden finanziert werden. Im Winter 1699/1700 floh Hunold, ohne sich bei den Freunden in Jena und Weißenfels zu verabschieden, über die reguläre Kutschverbindung nach Hamburg, der zweitgrößten Stadt des Reichs – und der Stadt, in der sich noch am ehesten ohne abgeschlossene Ausbildung und ohne Protektion Geld verdienen ließ. In Braunschweig musste Hunold die Reise wegen der andauernden Kälte unterbrechen und drohte sein verbleibendes Vermögen durch diesen erzwungenen Aufenthalt zu verlieren. Der Zwischenstopp sollte von Bedeutung in seinem Leben werden, da er hier Benjamin Wedel, den Buchhandelsgehilfen des Hamburger Verlegers Gottfried Liebernickel kennenlernte.

Wedel versorgte Hunold nicht nur mit wintergerechter Kleidung (er war galant gekleidet, „als ob er zum Tanzen gehen wollte“, so Wedel in seiner Biographie Hunolds, 1731), er bot ihm in Hamburg zudem noch selben Jahres, 1700, die Chance, seinen ersten Roman bei Liebernickel zu verlegen. Hunold hatte sich bei einem Dählenlöper, einem niedrigen Advokaten, als Schreiber verdingt, sich dann aber für eine Demütigung, die ihm eine der Töchter des Hauses coram publico erteilte, mit einem Spottgedicht revanchiert. Hunold war der Dame im Haus begegnet, hatte ihr vor ihren männlichen Begleitern seine Reverenz mit dem Kompliment „Der Dame Diener“ erwiesen und war von ihr mit der Gegenauskunft, er könne ihr die Schuhe zuschnüren, wenn er ihr Diener sein wolle, abgespeist worden. Das Spottgedicht hatte er aus der Situation heraus verfasst und der kleinen Gesellschaft an der Zimmertür hinterlassen:

Das Gedicht ging durch Hamburgs Kaffeehäuser und kostete Hunold seinen ersten Arbeitsplatz.

Sein erster Roman, Die Verliebte und Galante Welt (Hamburg: Liebernickel, 1700), war ein sofortiger und unerwarteter Geschäftserfolg. Liebernickel sicherte Hunold das stattliche Honorar von zwei Reichstalern pro Druckbogen zu (der Druckbogen ergab im Falle von Romanen im Oktavformat 16 Seiten). Das Geheimnis des Erfolgs war die Leichtigkeit, mit der der Autor, gerade 20, seine eigene Generation als modisch feierte und seinen Roman mit kleinen, möglicherweise wahren Liebesgeschichten ausstattete – ein Bruch mit den konventionelleren Romanen Bohse/Talanders und deren weit offiziöseren, weniger privaten Sujets, sowie eine Anknüpfung an die aktuellen Skandalromane französischer Autoren. (Eingehender zur Romangeschichte der Artikel Roman.)

Der Erfolg brachte Hunold in Hamburg ins Rampenlicht. Er gab private Seminare in Poesie, veröffentlichte Gedichte, arbeitete vorübergehend als Herausgeber eines politischen Journals, verkaufte unter der Hand Gelegenheitsdichtungen – Auftragsgedichte zu Beerdigungen und Jubiläen, die mit zwei Dukaten das Stück (2 2/3 Reichstalern) vergütet wurden, jedoch besser nicht mit dem eigenen Namen verbunden erschienen.

Zentrum des modischen Lebens war in Hamburg die Oper am Gänsemarkt. Reinhard Keiser, Christoph Graupner, Georg Friedrich Händel, Johann Mattheson und Georg Philipp Telemann setzten hier im Verlauf der nächsten Jahrzehnte die musikalischen Akzente. Die Sängerin Conradi gehörte zum Ensemble. Die Textdichter nahmen eine zentrale Stellung im Opernbetrieb ein – sie lieferten die Vorlagen, die nach neuester Mode vertont wurden; ihre Texte wurden gedruckt und gesammelt und bildeten das deutsche Drama des frühen 18. Jahrhunderts. Die Librettisten waren, das geht aus einem der Romane der Zeit hervor, zudem für die Regie der Stücke zuständig (Zitate hierzu im Artikel zu Hamburgs Oper am Gänsemarkt).

Hunold schloss Freundschaft mit Barthold Feind, mit dem er bis 1706 die Wohnung teilte – eine Beziehung, die in Konkurrenz und Feindschaft ausartete. Er verliebte sich, soweit ersichtlich, anfänglich in die Conradi, wechselte dann jedoch zu deren Rivalin, der R. Furore machte er weniger mit seinen zwei Operntexten zu biblischen Sujets, als mit seinem von Reinhard Keiser vertonten Oratorium, das wegen seiner konzeptionellen Nähe zur Oper Widerstand in Kirchenkreisen erntete.

Versuche, in eine gesicherte Anstellung zu gelangen, scheiterten. Auf eine inoffizielle Ausschreibung hin begab er sich 1703 an den fürstbischöflichen Hof nach Eutin in der Erwartung, hier Erzieher der Prinzen zu werden. Erst nach einiger Zeit erfuhr er unter der Hand, dass er auf Betreiben des Ober-Hofmarschalls geholt worden war, der ihn als Lehrer seiner eigenen Kinder haben wollte. Die begehrte Stelle eines Prinzenerziehers war überhaupt nicht offen. Schadenersatz konnte Hunold nicht einklagen. Er nahm den Posten schließlich an, was ihm die Rückreise nach Hamburg ermöglichte und sich mit einem Auftrag verbinden ließ: Sein zukünftiger Arbeitgeber war Bücherliebhaber und ließ sich bereden, über Hunold einen größeren Buchkauf in Hamburg zu tätigen. Das Geld hierzu, 20 Reichstaler, erhielt Hunold nicht in bar. Es lag in Hamburg für ihn bereit, wo er es in wertlose Klosterhandschriften umsetzte, die er mit der Notiz nach Eutin sandte, dass diese Ware zwar nicht ganz das Erwartete sei, die Reise sei schließlich nicht minder unerwartet verlaufen. Er wolle die erwünschten Schriften erst mitbringen, sobald die versprochene Stelle frei sei. Im Freundeskreis feierte man die 20 Reichstaler bei Sekt.

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