Christian Friedrich Erndel (* 1683 in Dresden; † 23. Januar 1767 ebenda) war ein königlich-polnischer und kurfürstlich-sächsischer Generalmajor bei dem Ingenieur-Korps.
Christian Friedrich Erndel, 1684 geboren, war 1718 als Kapitän bei den Festungsgebäuden angestellt und avancierte 1730 zum Major, 1735 zum Oberstleutnant und 1742 zum Oberst. 1746 erhielt er das Kommando der Landbrigade und vertauschte dieses 1749 mit der Feldbrigade. 1751 wurde er zum Generalmajor befördert. Von Feldzügen hat er nur den polnischen Erbfolgekrieg mitgemacht, sonst war er bei den Festungsbauten beschäftigt. 1753 ging er in Pension und starb am 23. Januar 1767.
Für Matthäus Daniel Pöppelmann fertigte Erndel 1726 im Rang eines Ingenieur-Kapitäns den Flurplan des Rittergutes Großsedlitz: Beschriftet Grund-Riß / Des Ritter Gutts Groß Sedlitz / Wie solches in allen seinen Reinen und Grentzen vermö / ge derer allhier gezeichneten / Rein-Steine / Sr. Königlichen Majestät in Pohlen / und / ChurFürstlichen Durchlautigkeit zu Sachsen / und zwar denen hierzu Allergnädigste ernennten…
Bereits 1670 hatte der sächsische Kurfürst Johann Georg II. ein Dekret erlassen, dass an der Straße zwischen der Ostraer Brücke (Weißeritz) und dem 1568 zur Versorgung des Hofes und der Festung Dresden gegründeten Vorwerk Ostra eine neue Siedlung entstehen sollte. Auf Veranlassung des sächsischen Kurfürsten und Königs von Polen, Augusts des Starken, erstellte Erndel 1729 einen Bebauungsplan, um mit einem gleichmäßigen Straßenraster der wachsenden Vorstadt die gewünschte Regularität zu geben. Ein Jahr später erklärte der Kurfürst die Siedlung Ostra zur »Neustadt« (kurz NeuOstra genannt), neben der 1685 unter gleichem Namen im rechtselbischen Stadtteil Altendresden gegründeten Neuen Königsstadt (kurz Neustadt genannt).
Während des Polnischen Erbfolgekriegs (1733–1735) wurden bereits am 3. April 1733 die Truppen in ihren Bezirken zusammengezogen, jedoch der endgültige Mobilmachungsbefehl erst am 6. Juni erlassen. Es wurden zwei Korps aufgestellt, das erste (14 Bataillone, 20 Eskadrone, 18 Geschütze) unter dem General der Infanterie Adolph Herzog von Weißenfels und das Reservekorps (7 Bataillone, 12 Eskadrone, 12 Geschütze) unter dem General der Kavallerie Graf Wolf Heinrich von Baudissin. Dem 1. Korps wurden an Ingenieur-Offizieren Major Erndel, Kapitäne Naumann, Grodemez, Ingenieure De la Cacherie, Herrmann, Kondukteure Neumann, Le Bert zugeteilt. Mitte August sammelten sich die Truppen in ihren Lagern, das 1. Korps in der Lausitz, das Reserve-Korps an der Elbe, jedoch verzögerte sich der Befehl zum Einrücken in Polen infolge politischer Verhältnisse. Diese Zeit wurde dazu benutzt, um auch die Reserve nach der Lausitz zu ziehen und die Vorbereitungen für den Einmarsch nach Polen zu treffen. Es war dazu der Bau von Brücken über den Bober und über die Oder notwendig. Zur Ausführung der Brückenschläge wurde der Major Erndel mit zwei Ingenieuren und der Pontonierkompagnie zunächst bis Christianstadt vorgeschoben. Nachdem hier der Übergang über den Bober sichergestellt war, wurden die Arbeiten für die Oderbrücken bei Kleinitz und Milzig in Angriff genommen; das Material für dieselbe wurde durch kaiserliche Kommissare beigetrieben.
Trotz des Eintretens von Russland für den Kurfürsten von Sachsen ging am 12. September die Wahl Stanislaus Leszczyńskis zum König von Polen durch; doch schon waren die Russen unter dem General von Lacy im Anmarsch, um die Wahl seines Gegenkandidaten zu erzwingen. Stanislaus verließ Warschau und schlug vorläufig in Danzig seine Residenz auf, während unter dem Drucke der russischen Armee der Kurfürst von Sachsen als August III. zum König von Polen am 5. Oktober ausgerufen wurde. Am 24. Oktober erhielt der Herzog von Weißenfels den Befehl, mit dem 1. Korps in Polen einzurücken. Mitte Februar wurde daher die Festung Danzig von einem russischen Korps eingeschlossen und einen Monat später die eigentliche Belagerung begonnen. Die Teilnahme der Sachsen war bei der geringen Stärke der Russen unbedingt notwendig, jedoch konnten bei den noch nicht beruhigten Verhältnissen in Polen für diesen Zweck nicht mehr als 8000 Mann bereitgestellt werden, welche am 25. Mai unter dem Befehl des Herzogs von Weißenfels vor der Festung eintrafen. Mit diesen Truppen marschierten von Ingenieuroffizieren der Gen.-Quartm.-Lt. Oberst Fürstenhoff, Major Erndel, die Kapitäne Krubsatius und Mildner, vier Ingenieure und vier Kondukteure, sowie die Pontonierkompagnie.
Im darauffolgenden Jahr erstellte Erndel unter Leitung von Generalleutnant von Bodt ein Gutachten über den Verteidigungsbau der Festung Stolpen.
In den Jahren 1735–1738 war Erndel Major der Ingenieur-Korps unter Generalleutnant Jean de Bodt auf der Festung Königstein. Letzterer war seit 1728 als Chef des Ingenieur-Korps und Direktor der Fortifikations- und sämtlicher Festungs- und Militärgebäude angestellt, wenig später war ihm auch die Verwaltung der Zivilgebäude übertragen worden, da er Kabinettsminister und kommandierende General Wackerbarth wegen seiner sonstigen vielen und hohen Stellen und wegen seines Alters auf diese Ämter freiwillig verzichtete.
Den Ingenieuren fielen im Frieden die verschiedensten technischen Aufgaben zu, neben der Fortifikation auch das Zivilbauwesen, Vermessung, Stromregulierungen, landwirtschaftliche Meliorationen und dergleichen mehr. Jedoch konnten bei ihrer großen Anzahl nicht sämtliche Offiziere beschäftigt werden. Da sie für diesen Fall nur das Wartegeld erhielten, so musste sich eine große Anzahl von ihnen kümmerlich durchs Leben schlagen; denn das Gehalt reichte nicht aus, die notwendigsten Ausgaben zu decken. Viele halfen sich damit, dass sie sich einem Nebenverdienst durch Unterricht in der Ingenieurwissenschaft verschafften. Ihre Schüler waren zum größten Teil junge Edelleute, Kadetten und Pagen, die nicht Ingenieure von Beruf werden wollten, sondern nur aus Liebhaberei diese Wissenschaft erlernten.
Die von den Ingenieuren ausgeführten Vermessungen betrafen zum großen Teil die königlichen Güter und Domänen in Sachsen und Polen. Neben den Vermessungen lief gleichzeitig die Instandhaltung der Gebäude und Vornahme von Verbesserungen Hand in Hand; so waren in Polen dauernd Ingenieuroffiziere stationiert, um die königlichen Besitzungen im baulichen Stand zu halten, und „zur besseren Ordnung und Gewissheit mit den anstoßenden Geistlichen und anderen Plätzen unterschiedliche Ausmessungen vorzunehmen“. In Sachsen war es besonders Hubertusburg, dem große Aufmerksamkeit geschenkt wurde, es waren dort Ingenieuroffiziere „zur Einrichtung der Alleen“ kommandiert. 1736 wurde durch zwei Kapitäne eine genaue Aufnahme und Zeichnung der Vorstädte von Dresden zum Zwecke der Regulierung derselben fertig gestellt. Später hat sich die Aufnahme auch auf die österreichische Grenze ausgedehnt, indem vom Dezember 1733 bis Sommer 1734 vier Offiziere unter dem Major Johann Rudolph Fäsch (1680–1749) zur Aufnahme der Nieder- und Oberlausitz, wie der böhmischen Landesgrenze befehligt waren. Über die Elbe hat sich diese Aufnahme nicht erstreckt, da bei Ausbruch des Ersten Schlesischen Krieges derartige Pläne nicht vorhanden waren und erst durch Major Erndel angefertigt werden mussten. Oberst Isenbrand war lange Jahre mit der „Aufsuchung, Ausmessung, Abwiegung und Absteckung der Floßgraben und Kanallinien von der Merseburgischen Grenze bis an die Schwarze Elster, und von da bis an die Elbe bei Nünchritz“ beschäftigt. Zur Regelung der Festungs- und anderer militärischer Bauten war im Jahre 1720 die Ober-Militär-Baukommission eingesetzt worden. Sachsen besaß zu jener Zeit noch an Festungen bzw. Festen Häußern: Wittenberg, Pleißenburg, Königstein, Sonnenstein, Stolpen, Torgau, Senftenberg, Freiberg.
Der König-Kurfürst Friedrich August I. hatte sich in den letzten Jahren viel mit der Bedeutung und Widerstandsfähigkeit der Festung Königstein beschäftigt. Es existiert von seiner Hand geschrieben ein Projekt, welches die Befestigung der Umgebung des Königsteins ins Auge fasst. Um nämlich eine Blockade zu verhindern, wollte er Forts auf den Höhen der beiden Elbufer bauen, die ihre eigene Garnison und Kommandanten haben, aber dem Gouverneur der Festung unterstellt sind. Als mit solchem Werken zu besetzende Punkte waren der Lilienstein, der Pfaffenstein, der Quirl und der Hang des Königsteins in Aussicht genommen. Die Forts waren als bastionierte Vierecke mit Gräben in Felsen gehauen und Kasematten unter dem Wall gedacht.