Christopher „Chris“ Froome OBE (* 20. Mai 1985 in Nairobi, Kenia) ist ein ehemaliger kenianisch-britischer Radrennfahrer. Zwischen 2013 und 2018 fuhr er als Kapitän des Team Sky und gilt mit sieben Grand-Tour-Siegen als einer der erfolgreichsten Radsportler der 2010er Jahre. Er gewann viermal die Tour de France (2013, 2015, 2016, 2017), wobei ihm im Jahr 2017 das Double mit der Vuelta a España gelang. Im Jahr darauf gewann er auch den Giro d’Italia, womit er erst der dritte Fahrer war, der saisonübergreifend alle drei Grand Tours innerhalb eines Jahres für sich entschied. Weiterhin holte er zweimal die Bronzemedaille im Einzelzeitfahren der Olympischen Spiele.
Chris Froome wurde am 20. Mai 1985 in Nairobi als jüngster von drei Brüdern geboren. Seine Eltern stammten aus England und waren nach Kenia ausgewandert, wo sein Vater ein Reiseunternehmen führte. Nach der Scheidung seiner Eltern verließ sein Vater die Familie und zog nach Südafrika, während seine Mutter die drei Kinder großzog. Im Alter von 13 Jahren ging Chris Froome bei seinem ersten Radrennen an den Start, wo seine Mutter den Kontakt zu seinem späteren Mentor David Kinjah herstellte, der Pionierarbeit im Profiradsport in Kenia leistete und einen Verein für arme Kinder leitete. Laut David Kinjah war Chris Froome damals nicht besser als seine anderen Schützlinge, wenngleich er etwas besonderes an sich hatte.
Mit 14 Jahren zog Chris Froome nach Südafrika, wo er in Johannesburg ins Internat der St. Andrew's School ging. In den Ferien kehrte er jedoch regelmäßig nach Kenia zurück. Nach der High School begann Chris Froome ein Wirtschaftsstudium, das er jedoch nach zwei Jahren abbrach, um sich auf seine Radsportkarriere zu fokussieren. Nachdem er sich anfangs dem Mountainbikesport gewidmet hatte, reiste er im Jahr 2006 als 20-jähriger nach Melbourne, wo er an den Commonwealth Games teilnahm. Er ging damals unter kenianischer Flagge im Einzelzeitfahren und Straßenrennen der Junioren an den Start und belegte dabei die Plätze 17 und 25. Aufgrund seiner Leistungen wurde nun erstmals sein späterer Teamchef Dave Brailsford auf ihn aufmerksam. 2006 gewann er mit der Tour de Maurice sein erstes Etappenrennen.
Wenige Monate nach seinem 21. Geburtstag schaffte Chris Froome den Sprung nach Europa und nahm an den Straßenradsport-Weltmeisterschaften von Salzburg teil. Im Einzelzeitfahren des Klasse U23 kollidierte er wenige Meter nach dem Start mit einem Rennkommissar, da er die erste Kurve falsch eingeschätzt hatte. Er belegte schlussendlich den 36. Rang, wobei ihm rund dreieinhalb Minuten auf den siegreichen Belgier Dominique Cornu fehlten. Im Straßenrennen erreichte er das Ziel als 45. mit der ersten größeren Gruppe.
Erster Vertrag beim Team Konica Minolta
Im Jahr 2007 unterschrieb Chris Froome im Alter von 21 Jahren seinen ersten Vertrag beim südafrikanischen UCI Continental Team Konica Minolta. Sein erstes Rennen bestritt er unter kenianischer Flagge beim Giro del Capo, den er als bester Fahrer seiner Mannschaft auf dem sechsten Gesamtrang beendete. Nachdem er die U23-Austragung von Lüttich–Bastogne–Lüttich bestritten hatte, feierte er seinen ersten internationalen Erfolg beim Giro delle Regioni, wo er die 5. Etappe in Montepulciano vor dem Franzosen Cyril Gautier gewann. Die italienische Nachwuchsrundfahrt zählte damals zum UCI Nations’ Cup U23, wobei Chris Froome in der länderübergreifenden Mannschaft des World Cycling Centre (WCC) an den Start ging. Kurz nach seinem 22. Geburtstag gewann Froome sein erstes Rennen in der Elite-Klasse, als er sich im Mai auf der 6. Etappe der Tour of Japan in Izu durchsetzte.
In der zweiten Saisonhälfte ging Chris Froome bei den Afrikaspielen an den Start und holte im Straßenrennen hinter Daryl Impey und Frekalsi Debesay die Bronzemedaille. Wenige Tage später gewann er bei den UCI-B-Weltmeisterschaften in Kapstadt die Silbermedaille im Einzelzeitfahren. Ein weiteres nennenswertes Ergebnisse im Jahr 2007 war ein zweiter Etappenrang beim GP Tell, den er bei einer anspruchsvollen Bergankunft in Arosa hinter dem Schweizer Mathias Frank belegte. Weiters nahm er an den Straßenradsport-Weltmeisterschaften von Stuttgart in der Klasse U23 teil.
Mit der Saison 2008 wechselte Chris Froome auf Initiative des Südafrikaners Robbie Hunter zum britischen Team Barloworld, das als UCI Professional Continental Team an den größten Rennen des Radsportkalenders teilnahm. Da er auch einen britischen Pass besaß, fuhr er nun an unter der Flagge des Vereinigten Königreichs. Im Frühjahr kehrte er zum Giro del Capo zurück, wo er hinter seinem Teamkollegen Christian Pfannberger Zweiter der Gesamtwertung wurde. Im März entschied er die Nachwuchswertung der Volta ao Distrito de Santarém für sich, ehe er mehrere Frühjahresklassiker bestritt und auch bei Paris–Roubaix und Lüttich–Bastogne–Lüttich an den Start ging. Obwohl er im Anschluss keine nennenswerten Resultate einfahren konnte, wurde Chris Froome im Alter von 23 Jahren als erster in Kenia geborener Fahrer für die Tour de France nominiert. Diese nahm er wenige Wochen nach dem Tod seiner Mutter in Angriff, die aufgrund einer Krebserkrankung im Jahr 2008 verstarb. Seine beste Etappenplatzierung erreichte Froome auf dem 14. Abschnitt mit einem 17. Rang, ehe er seine erste Frankreich-Rundfahrt mit einem Rückstand von mehr als zwei Stunden auf dem 82. Gesamtrang beendete. Überschattet wurde sein Tour-de-France-Debüt von dem positiven Doping-Test seines Teamkollegen Moisés Dueñas, der im Vorfeld der 11. Etappe aus dem Rennen genommen wurde. Am Ende der Saison wurde Froome Dritter des Giro dell’Appennino, ehe er den vierten Gesamtrang bei der Herald Sun Tour belegte.
Zu Beginn der Saison 2009 wurde Froome bei der Tour Méditerranéen Etappendritter am Mont Faron, ehe er das zweite Eintagesrennen des reformierten Giro del Capo gewann. Dabei legte er die letzten 30 Kilometer als Solist zurück und setzte sich mit einem Vorsprung von rund dreieinhalb Minuten durch. Im Mai ging Chris Froome erstmals beim Giro d’Italia an den Start, wo er mit einem Rückstand von einer Stunde und 15 Minuten den 36. Gesamtrang belegte. Bei den britischen Meisterschaften erreichte er das Ziel in der ersten Gruppe musste sich im Sprint um die Medaillen jedoch Kristian House, Daniel Lloyd und Peter Kennaugh geschlagen geben. Am Ende der Saison wurde er erstmals für die Elite-Rennen der Straßenradsport-Weltmeisterschaften nominiert und belegte im Einzelzeitfahren den 18. Rang.
Wechsel zum Sky Procycling Team
Bereits im September des Jahres 2009 wurde der Wechsel von Chris Froome zum britischen UCI WorldTeam Sky Procycling bekanntgegeben. Die von Dave Brailsford gegründete Mannschaft sicherte sich zudem die Dienste seines Teamkollegen Geraint Thomas, mit dem Froome bereits eine Saison bei Barloworld gefahren war. Ziel des Teams war es binnen fünf Jahren den ersten britischen Tour-de-France-Sieger zu stellen, wobei Bradley Wiggins als Kapitän unter Vertrag genommen wurde. In seiner ersten Saison beim Sky Procycling Team konnte der zwischenzeitlich 25-jährige Froome nicht überzeugen. Er bestritt seinen zweiten Giro d’Italia, wurde auf der 19. Etappe jedoch disqualifiziert, nachdem er sich, um die Etappe trotz Kniebeschwerden beenden zu können, in einem Anstieg von einem Polizeimotorrad hatte ziehen lassen. Als Grund für seine inkonstanten Leistungen wurde später ein Bilharziose-Befall genannt, den sich Chris Froome bei einem Aufenthalt in Afrika zugezogen hatte. Diese Wurmerkrankung führt zur Zerstörung von Erythrozyten. Nachdem die Krankheit von europäischen Ärzten übersehen worden war, erhielt Froome die Diagnose in Kenia, als er im Vorfeld eines routinemäßigen UCI-Blutpasstests um eine Untersuchung eines einheimischen Arztes bat. Am Ende der Saison holte Chris Froome hinter seinem Teamkollegen Bradley Wiggins die Silbermedaille bei den britischen Zeitfahrmeisterschaften, ehe er bei den Commonwealth Games in Neu-Delhi an den Start ging und den fünften Platz belegte.
Nach einer seiner durchwachsen ersten Saison beim Sky Procycling Team gelang Chris Froome schließlich der Durchbruch bei der Vuelta a España 2011. Nachdem er zuvor keine nennenswerten Resultate einfahren hatte können, ging er bei dieser als Helfer von Bradley Wiggins an den Start, der die Tour de France zuvor mit einem Schlüsselbeinbruch frühzeitig aufgegeben hatte. Bei der Spanien-Rundfahrt hielt sich Chris Froome auf den ersten Abschnitten schadlos, ehe er die erste anspruchsvolle Bergankunft von La Covatilla mit einem Rückstand von nur sieben Sekunden auf dem fünften Etappenrang beendete. Tags drauf wurde er im 47 Kilometer langen Einzelzeitfahren von Salamanca Zweiter hinter dem Deutschen Tony Martin, wobei er die Strecke 23 Sekunden schneller als Bradley Wiggins absolvierte. Zugleich übernahm er das Rote Trikot des Gesamtführenden und lag 20 Sekunden vor seinem Kapitän, der zu diesem Zeitpunkt hinter dem Dänen Jakob Fuglsang Gesamtdritter war. Obwohl Chris Froome die Gesamtführung übernommen hatte, musste er sich im Team weiterhin Bradley Wiggins unterordnen, da dieser nach wie vor als größter Hoffnungsträger galt. Auf der nachfolgenden 11. Etappe stellte sich Froome bei der Bergankunft des Cabeza de Manzaneda in die Dienste seines Teamkollegen und musste nach einem Zeitverlust von 27 Sekunden das Rote Trikot an seinen Kapitän abgeben. Nachdem die beiden Briten ihre Platzierungen auf den nachfolgenden Etappen verteidigen konnten, gewann der Spanier Juan José Cobo die Bergankunft auf dem Alto de Angliru und übernahm zugleich die Gesamtführung. Chris Froome erwies sich in den steilen Rampen des Schlussanstiegs als einer der stärksten Fahrer und distanzierte seinen Kapitän, der nun auf den dritten Gesamtrang zurückfiel. Zwei Tage später gewann Chris Froome die Bergankunft auf dem Peña Cabarga und feierte so seinen ersten Grand-Tour-Etappensieg. Zudem etablierte er sich neben Juan José Cobo als stärkster Fahrer, während Bradley Wiggins weiter an Zeit verlor. Vor den verblieben vier Etappen lag Froome nur 13 Sekunden hinter dem Gesamtführenden Spanier zurück, wobei sich die abschließenden Etappen als zu wenig selektiv erwiesen. Schlussendlich erreichte Chris Froome Madrid als Gesamtzweiter, während mit Bradley Wiggins ein weiterer Fahrer des Sky Procycling Team auf dem Podium stand. Im Jahr 2019 wurde Juan José Cobo nachträglich aufgrund von Unregelmäßigkeiten im Biologischen Blutpass für den Zeitraum von 2009 bis 2011 gesperrt, womit ihm der Gesamtsieg bei der Vuelta a España aberkannt wurde. Dieser ging somit an Chris Froome über der so mit 26 Jahren seine erste Grand Tour gewann. Nach seinem Podestplatz bei der Vuelta a España stand Chris Froome nach eigener Aussage kurz vor einem Teamwechsel. Berichten zufolge flog Dave Brailsford, der Teamchef des Sky Procycling Team mit einem Privatjet nach Spanien, um seinen Schützling selbst ein neues Vertragsangebot zu unterbreiten. Fünf Tage nach dem Ende der Vuelta a España verlängerte Froome seinen um drei weitere Jahre, wobei er im Vorfeld der Spanien-Rundfahrt aufgrund seiner Leistungen kurz vor dem Rauswurf gestanden war.