An diesem Tag

Chris Dercon

Belgischer Kurator

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Chris Dercon (* 30. Juli 1958 in Lier) ist ein belgischer Kurator und Theaterwissenschaftler. Er war Direktor des Hauses der Kunst in München sowie der Tate Gallery of Modern Art in London und von August 2017 bis zum 13. April 2018 Intendant der Volksbühne Berlin. Von Januar 2019 bis Dezember 2022 war er Präsident der Vereinigung der Nationalmuseen und des Grand Palais des Champs-Élysées in Paris. Seit dem 19. Dezember 2022 leitet er als Generaldirektor die Fondation Cartier pour l'Art Contemporain.

Dercon studierte von 1976 bis 1982 in Amsterdam und Leiden Kunstgeschichte, Theaterwissenschaften und Filmtheorie. Im Anschluss arbeitete er als freier Mitarbeiter für Kunst und Kultur beim belgischen Rundfunk und Fernsehen sowie von 1983 bis 1988 am Sint-Lukas Hoger Instituut voor Beeldende Kunsten (Brüssel) als Dozent der Fachbereiche Video und Kino. 1988 wechselte Dercon als Programmdirektor ans MoMA PS1 nach New York. 1990 wurde er Direktor des Witte de With, Zentrum für zeitgenössische Kunst, in Rotterdam. 1994 wurde er für die künstlerische Leitung der documenta X nominiert. 1996 realisierte er die Ausstellung Face à l'histoire für das Centre Georges Pompidou in Paris. Von 1996 bis April 2003 war Dercon Direktor am Museum Boijmans Van Beuningen in Rotterdam.

Direktor des Hauses der Kunst in München

Von Mai 2003 bis März 2011 war Dercon Direktor des Hauses der Kunst in München. Er setzte neben der Arbeit mit der zeitgenössischen Kunst auch die Arbeit mit Architektur, Design, Mode, Film und Fotografie im Programm des Hauses der Kunst fort. Außerdem initiierte er einen „kritischen Rückbau“ des Hauses: Bauliche Änderungen, die nach dem Zweiten Weltkrieg als architektonische Entnazifizierung galten, wurden rückgängig gemacht, um den Blick auf den Ursprung des Hauses freizulegen und eine Auseinandersetzung mit seiner Geschichte zu ermöglichen. Unter Dercons Leitung lud das Haus der Kunst zahlreiche zeitgenössische Künstler und Kulturschaffende ein, die monumentalen Räume kritisch umzudeuten: Patti Smith, Yoko Ono, Zaha Hadid, Rem Koolhaas, Robert Storr, Christoph Schlingensief und Ai Weiwei.

Direktor der Tate Modern in London

In seiner Zeit an der Tate Gallery of Modern Art (2011 bis 2016) gelang es ihm, das Publikumsinteresse erheblich zu steigern. Dadurch konnte ein Erweiterungsbau der Architekten Herzog & de Meuron gerechtfertigt werden, der 2016 von Dercons Nachfolgerin im Amt, Frances Morris, eröffnet wurde.

Intendant der Volksbühne Berlin

Berlins Regierender Bürgermeister und Kultursenator Michael Müller teilte Ende April 2015 mit, dass Dercon ab 2017 die Nachfolge von Frank Castorf als Intendant der Volksbühne Berlin antreten werde. Die Entscheidung war von Kulturstaatssekretär Tim Renner vorbereitet worden.

Viele Mitarbeiter der Volksbühne und der Intendant des Berliner Ensembles, Claus Peymann, lehnten Dercon und seine Pläne für die Entwicklung des Hauses ab. Die Kritik lautete: Mit Dercon vollziehe sich eine Entwurzelung der Berliner Volksbühne und deren Internationalisierung. Dercon stehe für ein „austauschbares, für den globalen Festivalbetrieb produziertes Durchreisetheater“. Der globalisierte Kunstmarkt übernehme ein Stadttheater, das in der Welt ein starkes Profil besaß. Quasi alle namhaften Intendanten Berlins äußerten sich kritisch über den Wechsel.

Mit Dercon zeichne sich nicht nur ein Intendanten-, sondern ein Systemwechsel ab. Die Volksbühne solle als Repertoire- und Ensembletheater aufgelöst werden, das Sprechtheater solle durch Performance und Tanz abgelöst werden. Stattdessen sollten ein Kuratorenmodell, eine Eventmarke, ein internationales Label installiert werden. Das Theater wurde von Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz in Volksbühne Berlin umbenannt. Im September 2017 wurde das Haus von Dercon-Gegnern besetzt.

Am 13. April 2018 wurde bekannt, dass Dercon und der Berliner Kultursenator Klaus Lederer sich auf eine sofortige Beendigung von Dercons Engagement an der Volksbühne verständigt haben. Die Entscheidung sei im gegenseitigen Einvernehmen getroffen worden, hieß es in einer Erklärung der Kulturverwaltung.

Dercon war ab 2011 mit der Münchner Galeristin Sonja Junkers verheiratet, seit 2018 ist er mit der Schauspielerin und Literaturwissenschaftlerin Birte Carolin von Knoblauch verheiratet.

Liste der von Chris Dercon kuratierten Ausstellungen im Haus der Kunst

Carlo Mollino – Maniera Moderna (16. September 2011 bis 8. Januar 2012). Katalog.

Theatergarten Bestiarium (28. März 2011 bis 31. Juli 2011)

Future Beauty. 30 Jahre japanische Mode (4. März 2011 bis 19. Juni 2011)

Zukunft der Tradition – Tradition der Zukunft. 100 Jahre nach der Ausstellung „Meisterwerke muhammedanischer Kunst“ in München (17. September 2010 bis 9. Januar 2011)

Thomas Mayfried. Ephemera. Grafik-Design etc. (21. Mai 2010 bis 22. August 2010)

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