An diesem Tag

Chiricahua

Indianerstamm in Arizona

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Die Chiricahua sind eine Stammesgruppe der Apachen im Südwesten der Vereinigten Staaten und (vormals) im Nordwesten von Mexiko und zählen kulturell – zusammen mit den Lipan, Jicarilla und Kiowa Apache (Plains Apache) – zu den Östlichen Apache (engl. Eastern Apache). Manchmal werden sie zusammen mit den östlich lebenden Mescalero als Zentrale Apache (engl. Central Apache) bezeichnet.

Ihre Sprache, das Chiricahua oder Ndee Bizaa, eine Dialektvariante des Mescalero-Chiricahua, gehört jedoch – zusammen mit dem Navajo (Diné bizaad) und dem Westlichen Apache – zum Westlichen Zweig der südathapaskischen Apache-Sprachen der athapaskischen Sprache aus der Na-Dené-Sprachfamilie.

Die heute allgemein gebräuchliche Stammesbezeichnung „Chiricahua“ stammt aus der Sprache der feindlichen Opata für die bevorzugten Siedlungs- und Jagdgebiets von mindestens drei Apache-Lokalgruppen zwischen den Dragoon Mountains und Chiricahua Mountains, die die Opata als Chiwi Kawi oder Chihuicahui/Chiguicagui („Berg der wilden Truthühner“) bezeichneten; später übernahmen die Spanier diese topographische Bezeichnung für die dort ansässigen Apache (und eine Gebirgskette) als „Chiricahui/Chiricahua“. Andere Quellen vermuten das Nahuatl (mit der Bedeutung: „Großer Berg“) als Ursprung der Bezeichnung für das bergige Territorium im Südosten Arizonas und seiner Bewohner. Von den im Nordwesten lebenden Westlichen Apache wurden sie als Ha'i'ą́há / Aiáhal / Aiaho / Hiu-hah oder Hák'ą́yé („Volk der aufgehenden Sonne“, „Volk im Osten“) bezeichnet. Die Chiricahua bezeichneten Fremde (andere Indianer, Spanier, Mexikaner und Amerikaner) als Enee, ⁿdáa oder Indah / N'daa (Dieses Wort hat zwei mögliche Bedeutungen: „fremde Menschen, nicht-Apache“ bzw. „Feind“ sowie: „Auge“.) Die Chiricahua nannten Europäer (mit Ausnahme der Spanier und Mexikaner) Daadatlijende („Blau/Grünäugige Menschen“) oder Indaaɫigáí / Indaaɫigánde („Weißhäutige oder hellfarbige/blassgefärbte Menschen“, wörtlich: „Fremde (feindliche), nicht-Apache, mit weißer/heller Haut“). Łigáí bedeutet „es ist weiß“ oder „es ist blass gefärbt/hellfarbig“, das í am Ende wird meist als „derjenige, der ist“ übersetzt, im Kontext von Menschen jedoch meist als „die Gruppe, die … ist“ (Hoijer, Harry (1943). „Pitch Accent in the Apachean Languages“. Language).

Die Chiricahua nannten sich selbst nicht „Chiricahua“ oder gar „Apache“, sondern wie die meisten indigenen Völker einfach (je nach Dialekt) Nde, Ne, Néndé, Héndé oder Hen-de („Das Volk“, „Menschen“). Sie identifizierten sich meist nur als Bedonkohe (Bidankande) oder als Chokonen (Tsokanende), grenzten sich jedoch von benachbarten Apache-Gruppen als eine sprachliche, kulturelle, verwandtschaftliche und daher auch teilweise politische (meist im Sinne gegenseitiger militärischer Unterstützung) Einheit mit einer hierdurch gemeinsamen Identität als „Chiricahua“ ab. Heute bezeichnen sie mit Chidikáágu (eine Apache-Übernahme des spanischen Wortes: Chiricahua) die Angehörigen der Chiricahua im Allgemeinen und mit Indé alle Apache (ohne Unterscheidung der Stammeszugehörigkeit).

Zunehmend wird heute die Bezeichnung Apache als herabsetzend und erniedrigend empfunden, da diese Namensgebung der feindlichen Zuni für Athapasken auf Apachu („Fremder, Feind“) zurückgeht. Vermehrt wird deshalb für die verschiedenen Apache-Gruppen der Begriff Inde und für die Navajo/Navaho Diné verwendet. Genauso verhält es sich im Falle der Papago (Tohono O’Odham) oder der Sioux (Lakota, Nakota (auch Nakoda) oder Dakota).

Ihr ehemaliges Wohngebiet lag im südwestlichen New Mexico, dem südöstlichen Arizona sowie in der Sierra Madre Occidental im Norden von Sonora und Chihuahua. Die verschiedenen Gruppen der Chiricahua streiften vom San Pedro River in Arizona im Westen bis zum Rio Grande in New Mexico im Osten und vom Salt River (span.: Rio Salado – ‘Salziger Fluss’) und dem Oberlauf des Gila River im Norden bis in die Gegend des Presidios Carrizal (rund 41 Meilen südlich von Nuevo Casas Grandes) im Nordwesten Chihuahuas, sowie in Sonora bis südlich von Bavispe, entlang des Oberlaufs des Río Yaqui. Ihre Gebiete umfassten die Gila Wilderness, Sonora-Wüste, die Chihuahua-Wüste sowie die von den Chiricahua als Blaue Berge bezeichnete Sierra Madre Occidental. Die vorher hier lebenden Zuni wurden vertrieben; daher deren Bezeichnung für die Athapasken als Apachu (‘Fremder’ – ‘Feind’). Dieses Wort wurde von Spaniern, Mexikanern und später Amerikanern als Apaches übernommen. Im Nordwesten von den Chiricahua lebten die Westlichen Apachen sowie die Yavapai, im Norden die Diné, im Osten die Mescalero, im Süden und Südwesten Tohono O’Odham, Hia-Ced O’Odham, Akimel O’Odham, Maricopa sowie Opata. Mit den Yavapai, den Westlichen Apachen sowie mit den Diné herrschte ein gespanntes Verhältnis, das trotz der sprachlichen und kulturellen Verwandtschaft oft in Feindschaft umschlug. Hingegen zählten die Chiricahua ihre östlichen Verwandten, die Mescalero, stets zu ihren verlässlichen Verbündeten. Bei den sesshaften und Ackerbau treibenden Stämmen der Oberen Pima, Unteren Pima, Opata, Maricopa sowie anderen sesshaften mexikanischen Stämmen als auch später bei den Spaniern und Mexikanern waren die Chiricahua, wie auch die anderen Apache-Gruppen, als Räuber, Diebe und grausame Krieger bekannt und gefürchtet. Die Chiricahua dehnten ihr Stammesgebiet auf Kosten der sesshaften Stämme weit nach Süden aus und vertrieben die Sobaipuri und Opata aus Arizona und großen Teilen des nördlichen Sonora.

Die westlichen Gruppen der Chiricahua wohnten in einfachen, kuppelförmigen Wickiups aus Ästen und Zweigen, die bei Regenwetter zusätzlich mit Fellen (später Segeltuch) bedeckt wurden, während die östlichen Chiricahua (Chihenne) am Rio Grande das Tipi von den Prärie-Indianern übernommen hatten.

Die Chiricahua waren in vier Gruppen oder Bands aufgeteilt, die in der Regel aus mehreren Lokalgruppen (local bands) bestanden. Diese setzten sich wiederum aus zwei bis fünf matrilokalen und bilateralen Großfamilien (extended families) zusammen, von den Apachen als gotah bezeichnet. Die gotahs waren mehrere, jeweils ein kowa (Wickiup) bewohnende Kernfamilien, die zusammen mit anderen verwandten Familien in einer Rancheria (spanisch: Siedlung) lebten. Daher waren die Mitglieder einer Gruppe mit den meisten, wenn nicht sogar mit allen anderen verwandt. Jede Großfamilie besaß durch Gewohnheitsrecht ihr eigenes Land, in dem sie ihren Lebensunterhalt durch die Jagd auf Hirsche und andere Tiere und das Sammeln von Wildgemüse bestritt. Als sie den Südwesten erreichten, gesellten sich der Feldbau (nur bei den Chihenne) und das Beutemachen auf Raubzügen zu dieser wirtschaftlichen Basis. Die Chiricahua wechselten oft ihre Siedlungen aus Furcht vor Vergeltung und lebten stets in den geschützten Hochlandregionen, in Canyons und Gebirgstälern. Die südlichen Gruppen, die Nednhi als auch manche südliche Lokalgruppe der Chokonen, schützten ihre Lager zudem durch Wachposten. Nur die Lokalgruppen hatten gewählte Anführer (Nantan, manchmal auch Frauen), es gab jedoch keine anerkannten Häuptlinge, die eine allumfassende Macht über die ganze Gruppe ausüben konnten. Diese Anführer besaßen Prestige, das sie sich durch ihre Fähigkeiten und durch persönliche Überzeugungskraft erworben hatten. Zudem waren die meisten Nantans zusätzlich Diyins (Medizinmänner), die eine spezielle Kraft (diya) besaßen. Diese ermöglichte ihnen, Menschen zu führen und die sakralen Aspekte des Raubzuges als auch des Krieges zu berücksichtigen. Alle bekannten Anführer, wie Cochise, Mangas Coloradas, Victorio, Juh waren jeweils nur Nantans ihrer eigenen Lokalgruppe. Cochise war jedoch niemals der Häuptling aller Chokonen oder Mangas Coloradas derjenige aller Chihenne. Cochise war zwar Nantan und Diyin der Chihuicahui-Lokalgruppe der Chokonen. Diese Tatsache verpflichtete aber keineswegs Chihuahua, den Anführer der Chokonen-Lokalgruppe, automatisch zu Gehorsam, sondern er war frei in seinen Entscheidungen und konnte sich, wenn er wollte, Cochise zeitweise anschließen. Allerdings hatten Victorio oder Mangas Coloradas enormen Einfluss auf benachbarte Lokalgruppen, aber sie befehlen oder für sie einen verbindlichen Vertrag abschließen konnten sie nicht.

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