An diesem Tag

Chimamanda Ngozi Adichie

Nigerianische Schriftstellerin

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Chimamanda Ngozi Adichie (* 15. September 1977 in Enugu) ist eine nigerianische Schriftstellerin und Aktivistin. Ihr international rezipiertes und vielfach ausgezeichnetes Werk gilt als herausragendes Beispiel junger afrikanischer Literatur und des feministischen Postkolonialismus.

Adichies Familie stammt aus Abba im nigerianischen Bundesstaat Anambra. Sie wurde als fünftes von sechs Kindern geboren und wuchs in der Universitätsstadt Nsukka in einem einst auch von Chinua Achebe bewohnten Haus auf. Ihre Muttersprache ist Igbo. Adichies Vater war Mathematik-Professor.

Nach ihrem Schulabschluss begann sie ein Medizin- und Pharmaziestudium in Nigeria. Mit 19 Jahren zog sie für ein Studium in die USA. 2001 schloss sie dort ein Studium der Kommunikations- und Politikwissenschaften summa cum laude ab. Von 2005 bis 2006 war Adichie „Hodder Fellow“ an der Princeton University, 2008 erhielt sie an der Yale University einen Masterabschluss in Afrikanistik.

Adichie lebt in Nigeria und den USA. Sie ist mit dem Mediziner Ivara Esege verheiratet und hat mit ihm eine Tochter (geb. 2016) und Zwillingssöhne (geb. 2024), die eine Leihmutter geboren hatte. Der Sohn Nkanu starb am 7. Januar 2026 im Alter von 21 Monaten im Euracare-Krankenhaus in Lagos, nachdem er dort für diagnostische Untersuchungen vor einer geplanten Weiterbehandlung am Johns Hopkins Hospital in Baltimore aufgenommen worden war. Die Familie warf der Klinik vor, Nkanu nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt und zu stark sediert zu haben, was einen Herzstillstand ausgelöst habe; das Krankenhaus wies ein Fehlverhalten zurück und erklärte, die Behandlung habe internationalen Standards entsprochen. Die Gesundheitsaufsicht des Bundesstaats Lagos leitete eine Untersuchung ein. Ein Untersuchungsgremium des Medical and Dental Council of Nigeria sah einen möglichen Fall medizinischer Fahrlässigkeit. Das Krankenhaus beantragte vor Gericht, die für April 2026 vorgesehene Untersuchung der Todesumstände zu stoppen. Im Juni 2026 veröffentlichte Adichie ein bereits im April an den Klinikleiter gerichtetes Schreiben und äußerte sich damit erstmals öffentlich seit dem Tod ihres Sohnes. Darin warf sie Euracare vor, die Untersuchung zu verzögern und zu behindern. Sie kritisierte außerdem unvollständige und teils unzutreffende Krankenakten sowie die Angabe einer bakteriellen Meningitis auf der Sterbeurkunde, für die aus ihrer Sicht kein medizinischer Nachweis vorgelegen habe.

Adichie verfasst ihre Texte in englischer Sprache. Ihre Bücher wurden in mehrere Sprachen übersetzt, ihr vielfach ausgezeichneter Roman Americanah aus dem Jahr 2013 wurde zu einem weltweiten Bestseller. Das Werk wurde von der New York Times in eine Liste der bedeutendsten fiktionalen Bücher des 21. Jahrhunderts aufgenommen.

In ihrem vielbeachteten TED-Talk The Danger of a Single Story von 2009 verknüpft Adichie eigene Erfahrungen mit Fragen globaler Machtverhältnisse und Repräsentationsweisen und setzt sich mit den Gefahren einseitiger Geschichten und Darstellungsweisen auseinander. Sie legt dar, wie durch die Verengung der Perspektive Stereotype und Klischees entstehen, so etwa bei dem von westlichen Industriestaaten verzerrten Bild von Afrika. Der Vortrag wurde einer der reichweitenstärksten TED-Talks überhaupt.

2014 veröffentlichte sie ihr Buch We Should All Be Feminists (deutsch: Mehr Feminismus! Ein Manifest), basierend auf ihrem gleichnamigen TEDx-Talk. Die Pop-Sängerin Beyoncé sampelte auf ihrem Track ***Flawless folgenden Satz aus Adichies Vortrag: „Feminist(in): Eine Person, die an die politische, soziale und wirtschaftliche Gleichheit der Geschlechter glaubt.“ In den 2010er-Jahren wurde Adichie dadurch und durch Kooperationen mit Mode- und Kosmetikmarken zu einer Popkultur-Ikone: So brachte das Label Dior T-Shirts mit dem Slogan „We Should All Be Feminists“ heraus, und Adichie trat als Gesicht der Marke No 7 auf. Zugleich distanzierte sie sich von Beyoncés Feminismus-Verständnis, das „der Notwendigkeit von Männern ziemlich viel Raum gebe“; modische Sichtbarkeit nutze sie als bewusste Gegenrede zu der Annahme, Schönheit und Intellekt schlössen einander aus.

2017 wurde Adichie in die American Academy of Arts and Sciences sowie als auswärtiges Ehrenmitglied in die American Academy of Arts and Letters gewählt. Sie hat mehrere Ehrendoktortitel verliehen bekommen, u. a. 2016 von der Johns Hopkins University, 2017 von University of Edinburgh, und 2019 von der Universität Freiburg (Schweiz). Sie wurde 2019 in die Anthologie New Daughters of Africa aufgenommen, in der Margaret Busby die bedeutendsten Schwarzen Autorinnen der letzten zwei Jahrhunderte zusammentrug.

Im September 2021 traf sie sich im Schauspielhaus Düsseldorf zu einer öffentlichen Diskussion mit der damals amtierenden Bundeskanzlerin Angela Merkel. Am 21. September 2021 hielt sie bei der Eröffnungszeremonie des Ethnologischen Museums Berlin und des Museums für asiatische Kunst am Humboldt Forum eine Rede.

Nach einer zwölfjährigen Pause kehrte Adichie 2025 mit dem Roman Dream Count zur Fiktion zurück.

In dem Buch verknüpft sie vor dem Hintergrund der COVID-19-Pandemie die Lebenswege von vier afrikanischen Frauen mittleren Alters in Nigeria und den USA, die zwischen Zugehörigkeit, Mutterschaft und Selbstbestimmung stehen. Adichie greift dabei wieder zentrale Themen ihrer Arbeit auf, vor allem das Leben zwischen Afrika und Diaspora. Einer der Erzählstränge ist angelehnt an die Vergewaltigungsvorwürfe der Hotelmitarbeiterin Nafissatou Diallo gegen den französischen Politiker Dominique Strauss-Kahn. Adichie selbst beschreibt diese Referenz als „Geste zurückgegebener Würde“.

Das Buch stieß auf geteilte Resonanz. In einer positiven Rezension im Guardian wird die eigensinnige Erzählinstanz gelobt, zugleich kritisiert, dass der Roman aus zwar starken, aber nur lose verbundenen Strängen bestehe und „kleiner als seine Autorin“ wirke. Positiv hervorgehoben wird zudem Adichies ungeschönter, sachlicher Blick auf Körperlichkeit und weibliche Erfahrungen (u. a. Geburt, Erkrankungen, Sexualität) sowie die satirischen Blog-Passagen, die man als Kommentar auf maskuline Verantwortung in Reproduktionsfragen und als Distanzierung von woke-Progressivismen in den USA verstehen könne.

1998 For Love of Biafra (Drama)

2001 You in America (Kurzgeschichte)

Übers. Judith Schwaab: Blauer Hibiskus. Luchterhand, München 2005, ISBN 3-630-87181-X.

2004 The Thing Around Your Neck (Kurzgeschichte)

2006 Half of a Yellow Sun (Roman)

Übers. Judith Schwaab: Die Hälfte der Sonne. Luchterhand, München 2007, ISBN 978-3-630-87247-6.

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