Die Chicago Bulls sind eine Mannschaft der nordamerikanischen Basketball-Profiliga NBA. Heimstätte ist das United Center in Chicago, Illinois. Die Bulls gehören durch ihre Erfolge in den 1990er Jahren zu den weltweit bekanntesten Franchises der NBA.
Die Chicago Bulls waren das dritte NBA-Team, das in Chicago beheimatet war. Vor ihnen gab es bereits die Stags von 1946 bis 1950 und die Packers, die sich 1962 in Zephyrs umbenannten und seit 1997 als Washington Wizards bekannt sind. Die Bulls starteten mit der besten Siegesquote, die je ein Expansion Team in der NBA hatte, in die Saison 1966/67. Sie verbesserten sich in den kommenden Jahren weiter, erreichten jedoch nie die Spitze der Liga. Während der 70er-Jahre waren sie als eher körperlich spielendes, defensiv-orientiertes Team bekannt, das um das Defensivass Jerry Sloan und weitere Spieler wie Bob Love, Chet Walker, Norm Van Lier, Clifford Ray sowie Tom Boerwinkle aufgebaut war. Abgesehen von einem Division-Titel 1975 konnten sie jedoch keine nennenswerten Titel erringen. Ende der 70er und Anfang der 80er-Jahre zählten die Bulls, trotz Starspielern wie Artis Gilmore und Reggie Theus, zu den schlechteren Teams der NBA. 1979 verloren sie einen Münzwurf, der bestimmen sollte, wer den ersten Pick im kommenden Draft bekommen würde. Der erste Pick ging in diesem Entscheid an die Los Angeles Lakers, die sich in weiterer Folge damit Magic Johnson sicherten. Die Bulls holten sich mit dem zweiten Pick David Greenwood. In diesem Jahr übernahm Jerry Sloan das Traineramt, aber die Bulls verpassten die Play-offs. 1980 erfolgte, durch die Aufnahme der Dallas Mavericks, die Versetzung der Bulls von der Western in die Eastern Conference. 1981 wurden die Playoffs dann erstmals nach vier Jahren erreicht. Die kommenden drei Jahre standen jedoch im Zeichen des Misserfolges. Theus, der Franchisespieler der letzten Jahre, wurde in der Saison 1983/84 verkauft und der Neuaufbau damit neu eingeleitet.
Die Ankunft von Michael Jordan (1985 bis 1990)
Die große Wende für die Chicago Bulls kam im Sommer 1984, als sie den dritten Pick im kommenden NBA Draft bekamen. Die Houston Rockets sicherten sich Hakeem Olajuwon mit dem ersten Pick, die Portland Trail Blazers holten sich Sam Bowie mit dem zweiten Pick und die Bulls konnten sich die Rechte an dem jungen, aufstrebenden Talent Michael Jordan sichern. Die von Besitzer Jerry Reinsdorf und General Manager Jerry Krause gelenkten Chicago Bulls entschieden sich dafür, ihr Team um den jungen Shooting Guard von der University of North Carolina aufzubauen. In seinem ersten Jahr stellte Michael Jordan teaminterne Rekorde bei Punkten und Steals auf und führte die Bulls in die Playoffs. Belohnt wurde er dafür mit der Wahl zum NBA Rookie of the Year und seiner Wahl in das All-NBA Second Team.
Nach der Saison holten sich die Bulls John Paxson, der zusammen mit Michael Jordan und Dave Corzine in den kommenden beiden Jahren den Großteil des Angriffs der Mannschaft bilden sollte. Über den Draft wurde Forward Charles Oakley verpflichtet. Jordan brach sich in der Saison 1985/86 den Fuß und musste lange aussetzen, kehrte jedoch rechtzeitig für die Playoffs wieder zurück. Die Bulls mussten sich den Boston Celtics um den etablierten NBA-Superstar Larry Bird stellen und verloren. Jordan stellte im zweiten Spiel dieser Serie den nach wie vor gültigen NBA-Playoff-Punkte-Rekord von 63 Punkten auf. Bird bezeichnete Jordan nach dem Spiel als „Gott, der sich als Michael Jordan verkleidet hatte“ ("God disguised as Michael Jordan"). In der folgenden Saison führte Jordan mit seinen 37,1 Punkten pro Partie die Liga an und wurde der erste Spieler der Bulls, der jemals in ein All-NBA First Team gewählt wurde. In den Playoffs scheiterten sie jedoch erneut an den Celtics.
Der folgende Draft sowie ein Spielertausch mit den Sonics brachten den Bulls Scottie Pippen an 5. Stelle und Horace Grant an 10. Stelle ein. Jordan wurde in dieser Saison zum MVP der regulären Saison gewählt, die Bulls konnten fünfzig Siege einfahren, scheiterten in den Playoffs jedoch an den Detroit Pistons. Vor der Saison 1988/89 gab es einige personelle Änderungen im Team der Bulls. Charles Oakley verließ die Mannschaft, während Bill Cartwright, Will Perdue und Craig Hodges hinzukamen. Trotz dieser Veränderung und den Leistungssteigerungen von Pippen und Grant mussten die Bulls sich dem angehenden Meister, den Detroit Pistons, in den Playoffs nach sechs Spielen geschlagen geben. In der Saison 1989/90 führte Jordan die Liga zum vierten Jahr in Folge in der Punkte-Kategorie an. Scottie Pippen wurde erstmals zum NBA All-Star gewählt und Phil Jackson übernahm das Ruder als neuer Coach der Mannschaft. Stacey King und B. J. Armstrong verstärkten die Mannschaft auf dem Feld, erneut reichte es in den Playoffs nicht, um gegen die amtierenden und erneut angehenden Meister, die Detroit Pistons, zu gewinnen.
In der NBA-Saison 1990/91 konnten die Bulls erstmals 61 Siege für sich verbuchen und befanden sich klar auf dem Weg in die NBA Finals. Sie fegten die amtierenden Meister aus Detroit in vier Spielen aus den Eastern Conference Finals und setzten sich am 12. Juni 1991 in der Finalserie nach fünf Spielen gegen die Los Angeles Lakers und deren Superstar Magic Johnson durch. Michael Jordan wurde sowohl zum MVP der regulären Saison als auch der NBA-Finals gewählt.
Die folgende Saison war noch erfolgreicher für die Mannschaft aus Chicago, die es nach dem Titelgewinn vollbrachte, 67 Siege einzufahren. Der Weg in die NBA Finals war für dieses Team quasi programmiert und in der Finalserie bezwangen sie nach sechs Spielen die Portland Trail Blazers um Clyde Drexler. Jordan wurde erneut zum MVP der regulären Saison sowie der NBA-Finals gekürt. In der NBA-Saison 1992/93 wurde Charles Barkley von den Phoenix Suns zum MVP der regulären Saison gewählt. Auf ebendiese Mannschaft trafen die Bulls in den NBA-Finals und konnten sich auf ihrem Weg zum dritten Titel in Folge in sechs Spielen durchsetzen. Jordan wurde ebenso zum dritten Mal in Folge zum MVP der NBA-Finals gewählt. Er stellte dabei zusätzlich mit 41 Punkten pro Partie einen neuen NBA-Final-Rekord auf.
Jordans Rücktritt (1993 bis 1994)
Im Sommer nach der dritten aufeinanderfolgenden NBA-Meisterschaft gab Jordan bekannt, dass er sich vom professionellen Basketball zurückziehen würde. Scottie Pippen wurde zum neuen Anführer und Gesicht der Mannschaft und wurde zusammen mit seinen Teamkollegen Horace Grant und B. J. Armstrong zum NBA All-Star gewählt. Pippen wurde im Rahmen des NBA All-Star Games außerdem zum NBA All-Star MVP 1994 ernannt. Die Bulls konnten in der regulären Saison 55 Siege für sich verbuchen. Trotz dieser guten Bilanz verloren die Bulls bereits in der zweiten Runde der Playoffs in sieben Spielen gegen die New York Knicks.
Jordans Rückkehr (1994 bis 1995)
Vor der Saison zogen die Bulls nach 27 Jahren vom Chicago Stadium in das United Center um, dies war nicht die einzige Veränderung. Horace Grant, Bill Cartwright und Scott Williams verließen die Mannschaft und John Paxson gab seinen Rücktritt bekannt. Am 17. März 1995 wendete sich das Blatt jedoch, als bekannt wurde, dass Jordan wieder zurückkehren würde. Im fünften Spiel nach seiner Rückkehr erzielte er 55 Punkte gegen die Knicks. In den Playoffs mussten sich die Bulls jedoch den aufstrebenden Orlando Magic rund um Shaquille O’Neal und Penny Hardaway geschlagen geben.
Nach der Saison verloren die Bulls im Rahmen des Expansion Drafts B. J. Armstrong, konnten sich jedoch in einem Tausch Dennis Rodman holen.
Three-Peat Repeat (1995 bis 1998)
Mit der Startaufstellung von Michael Jordan, Ron Harper, Scottie Pippen, Dennis Rodman und Luc Longley sowie einer Bank bestehend aus Steve Kerr, Toni Kukoč und einigen weiteren Spielern, konnten die Bulls in der regulären Saison unglaubliche 72 Siege für sich verbuchen. Dieser Rekord hatte bis zur Saison 2015/16 Bestand, in der die Golden State Warriors 73 Siege in der regulären Saison schafften. Die Bulls setzten sich in den NBA-Finals gegen die Seattle SuperSonics durch und errangen ihre insgesamt vierte NBA-Meisterschaft. Jordan wurde zum MVP des NBA All-Star Games, der regulären Saison sowie der NBA Finals gewählt. Krause wurde zum Executive of the Year, Jackson zum Coach of the Year und Kukoc zum Sixth Man of the Year ernannt. Die Mannschaft stellte zahlreiche nach wie vor ungebrochene NBA-Rekorde auf.