An diesem Tag

Cheyenne (Volk)

Volksstamm der Indianer Nordamerikas

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Die Cheyenne sind ein Volksstamm der Indianer Nordamerikas, deren Vorfahren einst im Westen der Großen Seen im Gebiet des Kulturareals des nordöstlichen Waldlandes lebten, die jedoch zusammen mit den kulturell sowie sprachlich verwandten Arapaho dem Druck der mit Gewehren bewaffneten und militärisch überlegenen Ojibwe und Assiniboine nach Westen und Südwesten ausweichen mussten; ab 1750 waren beide Völker die dominante militärische sowie politische Macht der Central Great Plains und der Front Range im Westen von Nebraska und Kansas, im Südosten von Wyoming sowie im Osten von Colorado und gehörten als nomadische Plainsindianer zum Kulturareal der Prärien und Plains.

Historisch waren sie enge Verbündete der Arapaho, der Arikaree und später (ihrer einstigen Feinde) der Lakota-Sioux, Comanchen, Kiowa und Plains Apache. Zu ihren traditionellen Feinden zählten die Shoshone, Ute, Osage und Pawnee sowie insbesondere ihre Erzfeinde, die Crow.

Der Name „Cheyenne“ stammt vermutlich von der Bezeichnung Šahíyena aus der Sprache der Dakota Sioux (Náhtovonaho – „Nördliche Sioux“) und der Assiniboine und bedeutet „kleine Šahíya“. Obwohl die Identität der Šahíya nicht bekannt ist, meinen viele Stämme, dass damit entweder die Cree oder die Anishinabe (Ojibwe oder Chippewa) (die Cheyenne nannten sie: Sáhea'eo'o) gemeint sind oder ein Volk, das wie die Cree, Anishinabe und Cheyenne der Algonquian-Sprachfamilie angehörten. Auch die Assiniboine nannten sie Šahíyena, die Lakota-Sioux Šahíyela, die Arikaree kannten sie als Šaahéʾ, die Skidi-Föderation der Pawnee als Sáhi und die Südlichen Bands der Pawnee als Sáhe oder auch als Cárarat. Die Volksetymologie für „Cheyenne“ bedeutet „ein wenig wie eine fremde Sprache“ oder „Volk mit einer fremden Sprache“ (wörtlich: „Rotsprecher“). Die Cree bezeichneten die Cheyenne in ihrer Sprache als Kâ-nêhiyawêsicik (ᑳ ᓀᐦᐃᔭᐁᐧᓯᒋᐠ – „Volk, das ein bisschen Cree spricht“).

Die sprachlich, kulturell sowie politisch eng assoziierten Arapaho bezeichneten die Cheyenne hingegen als Hítesííno’ („scarred ones“ – „Jene, die Narben haben“, „Narbige“).

Die Cheyenne Nation oder Tsêhéstáno entstand laut ihren Überlieferungen aus ursprünglich drei verbündeten Stämmen, den Só'taeo'o oder Só'taétaneo'o (üblicherweise: Suhtai oder Sutaio; Einzahl: Só'taétane), den Tsétsêhéstâhese (üblicherweise: Tsitsistas, Einzahl: Tsétsėhéstaestse) und den sich diesen später angeschlossenen Masikota (Cheyenne-Lakota), die sich später in weiteren Bands aufteilten bzw. weitere Bands von benachbarten Stämmen aufnahmen. Die Bedeutung des Namens Tsétsêhéstâhese ist bis heute umstritten, manche Cheyenne meinen, er leite sich irgendwie von tsétsėhestase („Jene, die wie wir sind“ bzw. „Jene, die uns gleichen“) ab. Heute wird jedoch die Bedeutung meist einfach als „Volk“ wiedergegeben.

Für die Cheyenne selbst gehörten die Só'taeo'o / Só'taétaneo'o und Masikota zwar zur politisch geeinten Cheyenne Nation (Tsêhéstáno), jedoch wurden sie nicht als Tsétsêhéstâhese (Tsitsistas) betrachtet, sondern als verwandte und verbündete Völker, mit leicht abweichenden Sprachen bzw. Dialekten und Traditionen sowie eigenständiger Identität. Die Só'taeo'o / Só'taétaneo'o und Masikota wurden innerhalb der Cheyenne zu politisch und militärisch mächtigen Bands, und obwohl sie oft mit den anderen Bands zusammen umherzogen, bevorzugten sie es, in separaten Camps abseits der übrigen Cheyenne zu lagern; insbesondere die Só'taeo'o / Só'taétaneo'o waren dafür bekannt, nicht außerhalb (wie die anderen Cheyenne und Masikota), sondern nur innerhalb ihres Stammes zu heiraten, um ihre separate Identität und Sprache erhalten zu können. Erst auf Grund der starken Verluste durch Epidemien, Kriege, des Vordringens der Frontier sowie des Zusammenbruchs des politischen Systems der Cheyenne schlossen sich Überlebende dezimierter Bands anderen an, so dass die Só'taeo'o / Só'taétaneo'o ab ca. 1830 bereits ihre Sprache größtenteils aufgegeben hatten.

Die verschiedenen Bands und Lokalgruppen der Cheyenne durchstreiften große Gebiete der Great Plains; ihre Stammesgebiete reichten von den Black Hills (Mo'ôhtávo'honáéva – „Ort der schwarzen Felsen“) in South Dakota (Ho'óhomo'éno – „Land der Sioux“) und dem Powder River Country (Páeo'hé'e – „Gunpowder River“ oder „Coal River“) in Montana (Ho'honáéšé'e – „felsiges Gebiet“) und Wyoming (Hetanévo'ēno – „Ort der Arapaho“), über die Flussgebiete des Platte River (Meneo'hé'e – „Moon Shell River“, der North Platte River wurde ebenfalls so genannt), des Republican River (Ma'êhóóhévâhtseo'hé'e – „Red Shield River“, so genannt, da hier die Krieger der Ma'ėhoohēvȧhtse (Red Shield Warriors Society) sich versammelten) und Smoky Hill River (Mano'éo'hé'e – „gather(timber) river“) der Central Great Plains im Westen von Nebraska und Kansas bis zum Arkansas River (Mó'soonêó'he'e – „Flint (Arrowpoint) River“) im Süden auf die Südlichen Plains im Osten Colorados und Westen Oklahomas (Heévȧhetanéno – „wirklich heißes Land“).

Die Cheyenne und Arapaho initiierten die Errichtung von Bent’s Fort im Jahr 1833 am oberen Arkansas River, um direkt bei den amerikanischen Händlern ihre Waren eintauschen zu können, um nicht auf andere Stämme als Zwischenhändler angewiesen zu sein; zudem wollten sie Zugang zu den Pueblo-Märkten in New Mexico sowie zu den riesigen Bisonherden und Mustangherden der Südlichen Plains von Texas, New Mexico und Oklahoma erreichen. Viele große und mächtige Bands zogen ab 1815 bis 1840 südwärts bis zum Arkansas River und etablierten sich hier als erfolgreiche Händler des Santa Fe Trails. Die im Norden zurückgebliebenen Bands streiften im Gebiet der Black Hills, des Powder River und des Yellowstone River (Mo'éheo'hé'e – „Elk River“ – „Wapiti-Fluss“) und blieben meist nördlich des Platte River und des North Platte River, wobei die südwärts gezogenen Bands sich meist südlich des Platte River aufhielten und zwischen dem South Platte River (Vétaneo'hé'e – „Fat River“ oder „Tallow River“) südwärts bis zum Arkansas River streiften.

Gegen 1840 hatten die nördlichen und südlichen Bands eine eigenständige Identität als Nördliche Cheyenne sowie als Südliche Cheyenne entwickelt. Die Grenze der Stammesgebiete war der South Platte River in Colorado – hier befand sich jedoch auch im Gebiet der heutigen Stadt Denver ein traditioneller Versammlungsplatz für beide Stammesgruppen der Cheyenne sowie ein wichtiger Handelsplatz für benachbarte Stämme (siehe auch: Southern und Northern Arapaho).

Hatten die einzelnen Bands der zwei Stammesgruppen sich trotzdem immer wieder gegenseitig besucht und kamen alle Bands während des Sonnentanzes sowie anderer Zeremonien zusammen, wurden diese Kontakte extrem erschwert, als mitten durch ihr Siedlungsgebiet entlang des Platte Rivers die berühmten Siedlertrecks auf dem Oregon Trail, Mormon Trail, California Trail und Bozeman Trail zogen (und viele Epidemien auslösten) sowie dieses ab Mitte des 19. Jahrhunderts durch die transkontinentale Eisenbahn (Ma'aataemeo'o – „eiserne Straße“) zerschnitten wurde. Durch mehrere Epidemien, das Vordringen der Siedler sowie das allmähliche Verschwinden der Bisons bereits geschwächt, brach der traditionelle Lagerkreis der Lokalgruppen und Bands auseinander.

Durch die Verträge von Fort Laramie 1851 und 1868 wurde die Trennung in Südliche Cheyenne und Nördliche Cheyenne von den USA offiziell anerkannt und festgeschrieben.

Politische und Soziale Organisation

Stammesgruppen und Bands der Cheyenne

Die Cheyenne Nation oder Tsêhéstáno unterteilte sich in zehn politisch, militärisch, kultisch sowie oftmals auch demographisch dominante manaho bzw. Bands, die aus mehreren Lokalgruppen (engl.: local groups) bestanden, die sich wiederum aus mehreren bzw. einer dominanten matrilinearen und matrilokalen Großfamilien (engl.: extended families) zusammensetzten; neben diesen zehn dominanten Bands gab es noch weitere kleinere Bands, die sich den Cheyenne anschlossen, jedoch politisch keine Rolle spielten. Im Winter spalteten sich die Bands in einzelne Lokalgruppen auf, die in zwar benachbarte, jedoch separate Winterquartiere zogen, um in der harten Jahreszeit über genügend Raum zur Jagd zu verfügen. Im Sommer und Herbst hingegen schlossen sich die einzelnen Lokalgruppen wieder zu Bands zusammen, um erfolgreich gemeinsam auf Bisonjagd zu gehen oder heiligen Zeremonien und Rituale zu unternehmen. In dieser Zeit kamen während des Sonnentanzes (Sun Dances) auch alle Bands der Cheyenne Nation zusammen und bildeten einen großen Lagerkreis (Tipi Ring), in dem jede Band ihren festgelegten und bestimmten Platz hatte.

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