Chelsea Elizabeth Manning (* 17. Dezember 1987 als Bradley Edward Manning, in Oklahoma City) ist eine US-amerikanische Whistleblowerin. Sie war Angehörige der US-Streitkräfte und als Nachrichtendienstanalytikerin tätig. Manning wurde im Mai 2010 unter dem Verdacht verhaftet, Videos und Dokumente kopiert und der Website WikiLeaks zugespielt zu haben. In dem daraus resultierenden Verfahren wurde in insgesamt 21 Punkten Anklage erhoben. Nach einem Teilgeständnis wurde sie Ende Juli 2013 in 19 Punkten, darunter Spionage und Diebstahl, für schuldig befunden. Das verhängte Strafmaß betrug 35 Jahre Freiheitsstrafe, doch erließ US-Präsident Barack Obama am 17. Januar 2017 Manning einen Großteil der Strafe. Am 17. Mai 2017 wurde sie freigelassen. Vom 8. März 2019 bis März 2020 war sie zwecks Erzwingung einer Zeugenaussage in Beugehaft; nach Auflösung des Gremiums, vor dem sie aussagen sollte, wurde sie entlassen.
Manning wuchs als Junge in Crescent auf, einer kleinen City in Logan County, am äußersten Rand der Oklahoma City Metropolitan Area. Laut der älteren Schwester waren beide Eltern alkoholkrank. Aufgrund seiner Beschäftigung als IT-Manager war der Vater öfter auf mehrwöchigen Reisen, in diesen Zeiträumen waren die Kinder sich weitgehend selbst überlassen.
Im Alter von acht Jahren lernte Manning vom Vater, in C++ zu programmieren; schnell eignete sie sich weiteres Wissen an und verbrachte einen guten Teil der Freizeit vor dem Computer. Im Jahr 2000 ließen sich die Eltern scheiden, und Manning vertraute ihrer Mutter sowie einem Freund an, dass sie sich in einen Jungen verliebt habe. Die vermeintliche Homosexualität Mannings war in der Schule Ursache für Mobbing.
Zwischen 2001 und 2005 lebte Manning mit der Mutter in Wales und kehrte anschließend in die USA zurück. Ab diesem Zeitpunkt liebte sie offen Männer (Androphilie) und hatte mehrere Lebensabschnittspartner. Nachdem sie ein begonnenes Studium abgebrochen und mehrmals die Arbeitsstelle gewechselt hatte, legte Mannings Vater ihr nahe, sich bei der United States Army zu bewerben, um Stabilität in ihr Leben zu bringen. Rückblickend gab Manning an, gehofft zu haben, der Armeedienst würde den Schmerz in ihrem Leben verschwinden lassen.
Manning trat im Oktober 2007 in die United States Army ein. Nach der Grundausbildung in Fort Leonard Wood, Missouri wurde Manning aufgrund ihrer IT-Fachkenntnisse in Fort Huachuca, Arizona zur Nachrichtendienstanalytikerin ausgebildet. In weiterer Folge war Manning in Fort Drum sowie von Mitte 2009 bis Mai 2010 auf dem vorgeschobenen Stützpunkt („Forward Operating Base“) Hammer etwa 60 Kilometer östlich von Bagdad stationiert. Aufgrund ihrer Ausbildung und ihrer Funktion als nachrichtendienstliche Analytikerin in einem Aufklärungs- und Abwehrbataillon erhielt sie die Freigabe für die Geheimhaltungsstufen „Top Secret / Sensitive Compartmented Information“ und hatte sowohl in Fort Drum als auch in der FOB Hammer Zugang zu geheimen Informationen über das SIPRNet (ein Rechnernetz des Außen- und Verteidigungsministeriums der USA). Im Irak bestand Mannings Aufgabe darin, die über das SIPRNet übermittelten Informationen anderer Einheiten zu analysieren und daraus Lagebilder der Sicherheitslage zu erstellen, ihre Dienstzeiten waren ausschließlich nachts, daher schlief sie tagsüber und hatte kaum Kontakt zu anderen Soldaten.
Während Manning in ihrem Privatleben offen Beziehungen zu Männern pflegte, musste sie diese innerhalb der Army geheim halten, um nicht mit der damals noch geltenden Regelung „Don’t ask, don’t tell“ in Konflikt zu kommen. In einem anonymen Interview für ein Internet-Nachrichtenportal erklärte sie, dass diese Regelung für sie das Schlimmste am Militär sei und sie deswegen ein Doppelleben führen müsse. Mannings Beziehung zu einem Studenten zerbrach im Herbst 2009 kurz vor ihrer Verlegung in den Irak.
Im November 2009, einen Monat nach ihrer Ankunft im Irak, wandte sich Manning an einen Berater für Geschlechterfragen und gab an, dass sie sich als Frau fühle und daher vollständig in der weiblichen Geschlechtsrolle leben sowie geschlechtsangleichende Maßnahmen ergreifen wolle. Dem Therapeuten vertraute sie auch an, dass aufgrund einer ihrer militärischen Analysen ein Unschuldiger getötet worden sei.
Weitergabe vertraulicher Dokumente
Manning war ihrer eigenen Aussage nach immer mehr darüber bestürzt, wie gering das öffentliche Bewusstsein über die Sinnlosigkeit dieses Krieges war. Sie begann, sich in Chatrooms der Plattform WikiLeaks einzuloggen und dort Unterhaltungen mitzuverfolgen.
Am 5. Januar 2010 lud Manning 400.000 den Irakkrieg betreffende Dokumente aus der CIDNE-Datenbank herunter und brannte sie auf CDs. Drei Tage später tat sie das Gleiche mit 91.000 Dokumenten, die Afghanistan betrafen. Laut Mannings Aussage geschah dies vollkommen einsehbar für jeden anderen Soldaten. Mindestens eine der CDs beschriftete sie mit der Aufschrift „Lady Gaga“, um ihren Inhalt als Musik zu tarnen. Die CDs konnte Manning ohne Einschreiten anderer Soldaten aus der Sicherheitszone hinaus und wieder hinein transportieren. Von den CDs kopierte Manning die Daten auf die SD-Karte ihrer persönlichen Kamera, die sie Ende Januar 2010 auf einen zweiwöchigen Heimaturlaub in die USA mitnahm. Dort kontaktierte sie die Washington Post und die New York Times, doch erreichte sie nur eine uninteressierte Journalistin und einen Anrufbeantworter. Ein Besuch des Büros von Politico scheiterte laut Manning an schlechten Wetterbedingungen, weshalb sie kaum das Haus ihrer Tante habe verlassen können. Am 11. Februar kehrte Manning in den Irak zurück.
Rund um den 18. Februar 2010 las Manning ein Gespräch über die isländische Finanzkrise im Wikileaks-Chatroom. Sie recherchierte in den ihr zugänglichen Datenbanken und übermittelte mehrere diplomatische Depeschen, die die Untätigkeit der USA gegenüber Island betrafen, an Wikileaks. Innerhalb weniger Stunden wurden die Depeschen von der Plattform veröffentlicht. Im selben Zeitraum debattierten einige Analysten über ein Video, das in einem Ordner des Judge Advocate General’s Corps abgelegt war und den Beschuss und Tod irakischer Zivilisten und Journalisten der Nachrichtenagentur Reuters durch einen amerikanischen Kampfhubschrauber am 12. Juli 2007 in Bagdad zeigte. Manning gab später an, sie habe das Video an Reuters übermitteln wollen, sei jedoch durch die Veröffentlichung der Island-Depeschen beeinflusst worden, weiteres Material an Wikileaks zu senden. Am 5. April 2010 wurden die von Wikileaks bearbeiteten Videoaufnahmen unter dem Titel Collateral Murder veröffentlicht.
Zu den von Manning weitergegebenen Videos zählen möglicherweise auch Aufnahmen des Luftangriffes bei Garani am 4. Mai 2009 im Westen Afghanistans. Weiterhin finden sich in den Dokumenten 303 Fälle von Folter durch die Besatzungstruppen im Irak im Jahr 2010. Auch Informationen, die Ende November 2010 zu der Veröffentlichung von Depeschen US-amerikanischer Botschaften durch Wikileaks und im April 2011 zur Offenlegung von Informationen über das Gefangenenlager Guantanamo führten, gehen auf sie zurück.
Am 26. Mai 2010 wurde Manning im Irak unter dem Verdacht verhaftet, militärische Videos und Dokumente kopiert und als Whistleblowerin der Website WikiLeaks zugespielt zu haben.
Über die Hintergründe der Verhaftung gibt es unterschiedliche Darstellungen:
Manning soll sich ab dem 21. Mai 2010 Adrian Lamo, einem Sicherheitsspezialisten der US-Regierung, in einem Chat anvertraut haben. Drei Tage später informierte Lamo US-Behörden, die in weiterer Folge den Chat mitverfolgten. Manning offenbarte, dass sie die Daten auf eine CD gebrannt und als Musik-Videos von Lady Gaga beschriftet habe, daraufhin nahmen die US-Behörden Manning am 26. Mai fest. Lamo hatte den Chat mitgeschnitten, dieser wurde vom Technikmagazin Wired zunächst auszugsweise und im Juli 2011 schließlich vollständig veröffentlicht.
Nach anderen Informationen soll Lamo als Mitarbeiter des geheimen „Project Vigilant“, eines durch Spenden aus der Privatwirtschaft unterstützten Selbstschutzprojekts, über das Surfverhalten auf Manning aufmerksam geworden sein und nachgewiesen haben, dass Manning das Video Collateral Murder an Wikileaks sendete. Entweder Lamo oder Chet Uber, der Leiter des Projekts, sollen dann die Behörden informiert haben.