An diesem Tag

Charlotte Berend-Corinth

Künstlerin der Berliner Secession

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Charlotte Berend-Corinth (geboren am 25. Mai 1880 in Berlin; gestorben am 10. Januar 1967 in New York) war eine deutsche Malerin, Lithographin, Buchillustratorin und Autorin der Moderne. Sie gehörte zu den erfolgreichsten und bekanntesten Malerinnen des frühen 20. Jahrhunderts. Ab 1906 stellte sie ihre eigenen Werke in Ausstellungen der Berliner Secession aus und war 1915 auf der Herbstausstellung der Galerie Fritz Gurlitt vertreten.

Sie war zudem Schülerin, Ehefrau und häufiges Modell des erfolgreichen Malers Lovis Corinth. In der Ehe mit ihm konzentrierte sie sich vor allem auf ihre Familie sowie die Gesundheit und Karriere ihres Ehemanns. Nach dem Tod von Lovis Corinth im Jahr 1925 war sie in Deutschland als einzige Frau in der Jury der Berliner Secession aktiv. Seit den 1930er Jahren und vor allem nach ihrer Flucht vor den Nationalsozialisten und der Emigration in die USA war sie weiter als Künstlerin erfolgreich. Sie schrieb zudem mehrere Bücher und verwaltete das Werk ihres Mannes. 1958 veröffentlichte sie das Werkverzeichnis Die Gemälde von Lovis Corinth, das bis heute als Standardreferenz genutzt wird.

Charlotte Berend wurde als zweite Tochter des jüdischen Baumwollimporteurs Ernst Berend und seiner Frau Hedwig, geborene Gumpertz, in der Berliner Kochstraße geboren. Ernst Berend stammte aus einer jüdischen Kaufmannsfamilie mit Wurzeln in Dessau und Hamburg, während die Familie Gumpertz seit mehr als 200 Jahren in Preußen lebte und zu den ältesten Schutzjuden des Landes gehörte. Das Geschäft des Vaters befand sich zunächst am Berliner Alexanderplatz, 1884 verlegte er es wie viele erfolgreiche jüdische Kaufleute in das Geschäftsviertel am Kurfürstendamm. Die Familie lebte seitdem in der nahen Burggrafenstraße.

Gemeinsam mit ihrer älteren Schwester Alice Berend (1875–1938), die später als Schriftstellerin bekannt wurde, ging Charlotte auf die öffentliche Charlottenschule nahe dem Magdeburger Platz. In der Schule erhielt sie ihren ersten Zeichenunterricht bei Eva Stort, einer Privatschülerin von Max Liebermann mit sehr modernen Ansichten zum Kunstbetrieb, und bei Karl Stauffer-Bern. Nach ihrem Schulabschluss 1897 entschied sie, ebenfalls Malerin zu werden. Obwohl anfänglich dagegen, willigte ihr Vater aufgrund der zeichnerischen Begabung in ein Kunststudium seiner Tochter ein. 1898 absolvierte sie die Prüfung für die Aufnahme an der Königlichen Kunstschule zu Berlin in der Klosterstraße 75, die als „Vorschule“ der Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums Berlin diente. Sie studierte dort als eine von nur zwei Frauen bei Maximilian Schäfer. Ein Jahr später wurde sie in die Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums aufgenommen und führte ihre Studien bei Ludwig Manzel fort, wo ihr als Fortgeschrittene sogar die Teilnahme an den Herrenklassen im Aktzeichnen erlaubt wurde.

Am 28. Februar 1900 erschoss sich ihr Vater, da er bei Börsenspekulationen sowohl sein eigenes Vermögen verloren wie auch treuhänderische Gelder veruntreut hatte. Hedwig Berend zog mit ihren beiden Töchtern in eine kleine Wohnung am Halensee, Charlotte musste ihr teures Studium beenden.

Charlotte Berend hat 1900 im Rahmen einer Ausstellung bei Paul Cassirer die ersten Bilder von Lovis Corinth gesehen. 1901 stellte sie sich bei ihm vor, um als erste Schülerin die von ihm in Berlin begründete private „Malschule für Weiber“ bzw. die „Malschule für Akt und Porträt“ besuchen zu können. Eine akademische Kunstausbildung war nicht möglich, da Frauen an der Kunstakademie von Ausnahmen abgesehen bis 1919 nicht als Schüler angenommen wurden und somit private Malschulen die einzige Möglichkeit waren. Ab 1902 stand sie Corinth regelmäßig als Modell zur Verfügung und wurde rasch sein bevorzugtes Modell. Das erste Bild Porträt Charlotte Berend im weißen Kleid war ein Vollporträt in einem hellen Kleid mit dunkler Schärpe und entstand am Ende des Semesters auf Anregung von Corinth. Über das Entstehen des Bildes schrieb Charlotte Berend-Corinth später:

Charlotte Berend war zu diesem Zeitpunkt zweiundzwanzig Jahre alt, Lovis Corinth vierundvierzig. Der Kunsthistorikerin Irmgard Wirth folgend „verehrte“ er sie und „wünschte sie sich als Frau und Gefährtin“. Im gleichen Jahr begleitete sie ihn allein zu einer Studienreise nach Horst in Pommern, dem heutigen Niechorze. Während des Aufenthaltes dort vertiefte sich die Beziehung von Lovis Corinth und Charlotte Berend und sie wurden ein Liebespaar. Es entstand in dieser Zeit auch das Gemälde Selbstporträt mit Charlotte Berend und Sektkelch. Charlotte Berend beschrieb in ihren Lebenserinnerungen Mein Leben mit Lovis Corinth, wie sie beide engumschlungen auf einem Steg saßen und sie ihm die Geschichte ihres ersten Heiratsantrags erzählte. Während des Badeurlaubs malte Lovis Corinth das Bild Petermannchen ebenso wie das Paddel-Petermannchen, und Charlotte skizzierte ihren Lehrer in Bleistiftzeichnungen. Sie erhielt zudem ihren ersten offiziellen Auftrag und entwarf das Bühnenbild für zwei Kindertheaterstücke, die von ihrer Schwester Alice geschrieben wurden.

Am 26. März 1904 fand die standesamtliche Hochzeit zwischen Lovis Corinth und Charlotte Berend statt, wobei sie den Doppelnamen Berend-Corinth annahm. Spätere Darstellungen nennen für die Trauung oft den 23. März, die Trauung ist jedoch beurkundet unter StA Berlin-Charlottenburg 1, Heiratsregister Nr. 57/1904. Ein möglicher Hintergrund für die spätere Vorverlegung des Datums könnte das Geburtsdatum des gemeinsamen Sohnes Thomas sein, der am 13. Oktober 1904 (Taufdatum: 4. April 1905) und damit nur sieben Monate nach der Hochzeit geboren wurde. Die Geburt der Tochter Wilhelmine Corinth folgte fünf Jahre später am 13. Juni 1909.

Ab 1906 stellte Charlotte Berend-Corinth ihre ersten Bilder bei den Ausstellungen der Berliner Secession aus, in der ihr Mann ein führendes Mitglied war. Das erste von ihr gezeigte Bild war Die Mütter im Jahr 1906. 1908 präsentierte sie in der 15. Secessionsausstellung mit dem heute verschollenen Gemälde Die schwere Stunde die Darstellung einer Frau in den Geburtswehen, von dem im Lentos Kunstmuseum Linz eine Ölstudie erhalten ist. Sie beeindruckte trotz des gewagten Themas das Publikum und die Fachpresse. Sie konzentrierte sich jedoch in der Zeit vor allem auf die Familie und darauf, als Modell für ihren Mann zur Verfügung zu stehen. Ab 1909 begann sie mit verschiedenen grafischen Arbeiten in Form von lithographischen Mappenwerken und ersten Buchillustrationen. Sie wurde 1911 selbst Mitglied der Berliner Secession und blieb dies auch nach der Abspaltung der Neuen Secession.

Nach einem schweren Schlaganfall Lovis Corinths 1911 unterbrach sie ihre Arbeiten und konzentrierte sich auf die Pflege ihres Ehemanns, der weiter als Künstler aktiv und erfolgreich blieb. Sie begann 1912 mit ihren Illustrationen für eine Ausgabe von Hans Christian Andersens Die kleine Seejungfrau und reiste zur Erholung gemeinsam mit ihrem Mann an die Riviera in Italien. 1914 besuchten beide Monte-Carlo, St. Moritz und Rom. Charlotte Berend-Corinth erkrankte ihrerseits auf dieser Reise schwer und wurde in dieser Zeit von ihrer Schwester Alice gepflegt.

Im Jahr 1915 wurde Charlotte Berend-Corinth zum ersten Mal in die Jury der Ausstellung der Berliner Secession berufen; sie war 1915 auf der Herbstausstellung der Galerie Fritz Gurlitt vertreten. 1916 arbeitete sie an einer Folge von lithografischen Porträts des Schauspielers Max Pallenberg, die sehr gut besprochen wurde. Eine weitere Serie grafischer Darstellungen der Opernsängerin Fritzi Massary präsentierte und verkaufte sie 1917 in der Ausstellung der Secession. Es folgten weitere Serien zu Massary, den Tänzerinnen Anita Berber und Valeska Gert sowie weiteren Persönlichkeiten des Dresdner Theaters.

Nach einem ersten Besuch der Familie Corinth in Urfeld am Walchensee im Jahr 1918 auf Empfehlung der Schauspielerin Ilka Grüning kaufte Lovis Corinth 1919 dort ein Grundstück, auf das Charlotte Berend-Corinth ein Haus für „die Corinther“ bauen ließ. Lovis Corinth schrieb dazu: „Von allem, was du für mich getan hast, war deine größte Tat doch der Bau unseres Hauses am Walchensee“. Das Haus wurde zum Rückzugsort der Familie, an dem Corinth seine berühmten Walchensee-Bilder, Porträts und Stillleben malte, während seine Frau sich seinem Willen beugte und die Malerei zeitweise aufgab. Stattdessen konzentrierte sie sich auf ihre Mappenwerke. 1921 malte sie allerdings wieder, diesmal ein Selbstporträt in nachdenklicher Pose als moderne Frau mit kurzgeschnittenem Haar.

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