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Charlotte Aglaé d’Orléans

Prinzessin von Frankreich und durch ihre Ehe Herzogin von Modena

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Charlotte Aglaé d’Orléans (* 22. Oktober 1700 in Paris; † 19. Januar 1761 ebenda), auch Mademoiselle de Valois genannt, war ein Mitglied der französischen Königsfamilie aus dem Haus Orléans. Durch ihre Ehe mit Francesco III. d’Este wurde sie 1737 Herzogin von Modena. Sie machte in Frankreich vor allem durch ihre Extravaganzen und Verrücktheiten, so zum Beispiel ihre Affäre mit dem stadtbekannten Schürzenjäger Louis François Armand de Vignerot du Plessis, von sich reden. Über ihr bewegtes Leben berichten alle wichtigen Memoiren ihrer Zeit, von denen Saint-Simons über Barbiers, René Louis d’Argensons und Besenvals bis zu den Aufzeichnungen Jean Buvats und den Richelieu-Memoiren von Jean-Louis Giraud-Soulavie.

Charlotte Aglaé war eine von sechs Töchtern des französischen Regenten Philippe II. d’Orléans und seiner Ehefrau Françoise Marie de Bourbon. Durch ihre Mutter, einer legitimierten Tochter Ludwigs XIV. und seiner Maitresse en titre Madame de Montespan, war sie eine Enkelin des Sonnenkönigs. Die Mutter hegte zeit ihres Lebens eine tiefe Abneigung gegen ihre Tochter, und auch ihr Bruder Louis mochte seine Schwester nicht. Die Ablehnung dieser beiden Familienmitglieder machte Charlotte-Aglaés Leben vor allem in späteren Jahren sehr schwer.

Ihre Eltern verheirateten sie 1720 mit dem späteren Herzog von Modena, Francesco III. d’Este. Aus der Ehe gingen zehn Kinder hervor, von denen nur fünf das Erwachsenenalter erreichten:

Alfonso d’Este (* 18. November 1723; † 16. Juni 1725)

Francesco Costantino d’Este (* 22. November 1724; † 16. Juni 1725)

Maria Teresa Felicita d’Este (* 6. Oktober 1726; † 30. April 1754), ⚭ 25. Dezember 1744 Louis Jean Marie de Bourbon, Herzog von Penthièvre

Ercole d’Este (1727–1803), 1780 Herzog von Modena, ⚭ 1741 Maria Teresia Cybo (1725–1790), Tochter des Herzogs Alderano Cybo von Massa und Carrara

Matilda d’Este (* 7. Februar 1729; † 14. November 1803)

ein Sohn (* 14. Juli 1730; † 12. Juli 1731)

Beatrice d’Este (* 24. November 1731; † 3. April 1736)

Maria Fortunata d’Este (* 15. Juli 1734; † 21. September 1803) ⚭ 27. Februar 1759 Louis François II. de Bourbon, Fürst von Conti

Benedetto Filippo d’Este (* 30. September 1736; † 16. September 1751)

Maria Ernestina d’Este (* 12. Februar 1741; † 4. August 1774)

Charlotte Aglaé wurde als dritte überlebende Tochter Philippes II. de Bourbon, Herzog von Orléans, und seiner Ehefrau Françoise Marie de Bourbon im Palais Royal in Paris geboren. Ihre Großmutter Elisabeth Charlotte beschrieb sie als den faulsten Menschen auf Erden. Sie sei zwar „gar nicht übel geschaffen“ und habe schöne Augen sowie eine schöne Haut, besäße aber auf der anderen Seite eine hässliche Nase und fehlenden Anmut in allem, was sie täte.

Ihre Taufe fand erst am 3. Juli 1710 kurz vor der Hochzeit ihrer ältesten Schwester Marie Louise Élisabeth mit dem Herzog von Berry statt. Kurz nach diesem Ereignis, als Charlotte Aglaé noch nicht einmal zehn Jahre alt war, schickten ihre Eltern sie gemeinsam mit ihrer zwei Jahre älteren Schwester Louise Adélaïde zur weiteren Ausbildung nach Chelles. Ihre Großmutter hatte zuvor angeboten, die beiden Mädchen, die nicht ins Kloster geschickt werden wollten, zu sich in das Schloss Saint-Cloud zu nehmen, doch Charlotte Aglaés Mutter hatte das Angebot ausgeschlagen. Françoise Marie de Bourbon hoffte insgeheim, dass sich ihre beiden Töchter in Chelles dazu entschließend würden, Nonne zu werden, doch dieser Wunsch erfüllte sich nur im Fall von Louise Adélaïde. Charlotte Aglaé blieb dort bis August 1714, ihre Schwester sogar bis Oktober 1715. Gerüchte gingen um, dass Charlotte nur aus dem Kloster geholt worden sei, weil sie verheiratet werden sollte, was sich aber als nicht zutreffend erwies. Allerdings hatte ihre Schwester, die Herzogin von Berry, ein Jahr zuvor versucht, eine Heirat für sie mit dem Fürsten von Conti zu vermitteln, was vom König jedoch abgelehnt worden war.

Nachdem die Prinzessin seit Verlassen des Konvents in der Abtei Val-de-Grâce untergebracht gewesen war, wohnte sie seit Anfang 1715 wieder im Pariser Palais Royal und begleitete ihre Eltern zu verschiedenen offiziellen Anlässen. Ihre Großmutter Elisabeth Charlotte zeigte sich enttäuscht ob der körperlichen Entwicklung ihrer Enkelin: „Wie sie noch ein kindt war, meinte ich, sie würde recht schön werden, aber ich bin sehr in meiner hoffnung betrogen …“, schrieb sie in einem ihrer zahlreichen Briefe. Charlotte Aglaés Mutter, die Zeit ihres Lebens kein Interesse an ihren Töchtern zeigte, versuchte, sie für eine Hochzeit mit ihrem Cousin, dem Fürsten von Dombes, zu erwärmen, hatte damit aber keinen Erfolg. Als Konsequenz daraus schickte Françoise Marie de Bourbon ihre widerspenstige Tochter zu ihrer Großmutter nach Saint-Cloud. Sie war der festen Meinung, ihrem Bruder, dem Herzog von Maine, und dessen Sohn wäre das Los erspart geblieben, auf Betreiben ihres Mannes, des Regenten, im August 1718 vom Rang eines Prinzen von Geblüt zu gewöhnlichen Pairs zurückgestuft zu werden, wenn eine ihrer Töchter mit dem Fürsten von Dombes verheiratet gewesen wäre.

Liselotte von der Pfalz zeichnete fortan in ihren Briefen, da sie nun tagtäglich mit ihrer Enkelin zusammen war, ein noch weniger schmeichelhaftes Bild von ihr als zuvor. Sie sei falsch, lüge und würde ihrer Familie sicherlich noch viel Ärger bereiten. Im Gegensatz dazu war Charlotte Aglaé bei vielen ihrer Zeitgenossen sehr beliebt und als liebenswürdige Person geschätzt. Die Prophezeiung ihrer Großmutter sollte sich dennoch erfüllen, denn bei einer der zahlreichen gesellschaftlichen Anlässe lernte sie 1718 den Herzog von Richelieu kennen und begann eine Affäre mit ihm, obwohl zur selben Zeit schon ihre Cousine Louise-Anne de Bourbon-Condé eine Liaison zu ihm unterhielt. Als der Herzog am 29. März 1719 als Mitwisser der Verschwörung von Cellamare in der Bastille eingesperrt wurde, besuchte sie ihn dort heimlich und versuchte, ihren Vater zu seiner Freilassung zu bewegen, doch der blieb hart. Charlotte Aglaés Großmutter wusste lange Zeit nichts von der Affäre. Als sie jedoch erfuhr, wie sehr ihre Enkelin die Familie durch ihr Verhalten kompromittiert hatte, schickte sie sie erbost zu ihrer Mutter nach Paris zurück, die ihre Tochter aber auch nicht bei sich haben mochte. Ihr Vater war sich sehr wohl bewusst, dass er etwas gegen das ungehörige Betragen seiner Tochter unternehmen musste, denn er musste befürchten, dass ihr Verhalten die Heiratsverhandlungen für ihre jüngere Schwester Louise Élisabeth mit dem Kronprinzen von Spanien Ludwig beeinträchtigen könnte. Eine Verheiratung seines enfant terrible ins Ausland war demnach die beste Lösung für seine Familie.

Ein Heiratsprojekt zwischen Charlotte Aglaé und dem Grafen von Charolais, für den sein Bruder Louis IV. Henri de Bourbon bei den Eltern der Prinzessin anfragte, platze ebenso wie Charlottes beabsichtigte Verheiratung mit Karl Emanuel III., dem Prinzen von Piemont und späteren König von Sardinien. Liselotte von der Pfalz warnte ihre geliebte Stieftochter Anne Marie d’Orléans in einem Brief an sie also völlig umsonst vor dieser schlechten Wahl. Gegen Ende des Sommers 1719 machten neue Gerüchte in Paris und Versailles die Runde: Charlotte Aglaé solle mit dem 22-jährigen Francesco, Erbprinz von Modena, verheiratet werden. Die Idee zu dieser Verbindung stammte von dem Markgrafen Rangoni Machiavelli, der als Modeneser Gesandter in Versailles weilte. Der Regent war dem Vorschlag sehr zugetan, denn eine solche Ehe würde Modena und sein Herrscherhaus, das zeitweilig mit dem Heiligen Römischen Reich kooperiert hatte, wieder enger an Frankreich binden und zudem seine lasterhafte Tochter vom französischen Hof entfernen. Der Graf von Salvatico wurde als außerordentlicher Gesandter nach Frankreich geschickt, um offiziell um die Hand Charlotte Aglaés anzuhalten. Die designierte Braut war indes gar nicht davon begeistert, ins Ausland verheiratet zu werden und verweigerte ihr Einverständnis zu dieser Verbindung. Um seine Tochter umzustimmen, bot der Regent im Gegenzug für ihre Einwilligung die Freilassung des Herzogs von Richelieu an. Sie nahm daraufhin den Heiratsantrag des politisch unbedeutsamen Prinzen an, und Richelieu kam am 30. August 1719 aus der Haft frei. Obwohl anschließend aus Paris erst nach Conflans, dann nach Saint-Germain-en-Laye und schließlich nach Richelieu verbannt, verstand es der Herzensbrecher, weiterhin mit der Prinzessin in Verbindung zu bleiben und ihr Hoffnungen zu machen. Sie spielte tatsächlich mit dem Gedanken, sich trotz des gegebenen Versprechens der Heirat zu widersetzen. Erst als seine Briefe an sie immer seltener wurden und schließlich ausblieben, ergab sie sich in ihr Schicksal. Für die Ehe war ein Dispens des Papstes notwendig, denn die Brautleute waren mehrfach miteinander verwandt. In dem am 31. Januar 1720 unterschriebenen Heiratsvertrag wurde für die Prinzessin die enorme Mitgift von 1,3 Millionen Livres festgelegt. Dabei nicht eingerechnet waren die fast 500.000 Livres, welche sie bereits in Form von Schmuck ihr Eigen nennen konnte.

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