Sir Charles Morice Pole, 1. Baronet (* 18. Januar 1757 in Stoke Damerel; † 6. September 1830 in Aldenham Abbey) war ein britischer Admiral, Adliger und Politiker. Als Marineoffizier stieg er bis zum Konteradmiral auf, ehe er ab 1802 fünfmal als Abgeordneter für das House of Commons gewählt wurde. Obwohl er nicht mehr im aktiven Dienst war, wurde er weiter zum Admiral und kurz vor seinem Tod zum Admiral of the Fleet befördert.
Charles Pole entstammte einer Nebenlinie der Familie Pole, einer Familie der Gentry aus Devon. Er war das zweite von fünf Kindern und der zweite Sohn von Reginald Pole († 1767) und dessen zweiten Frau Anne Buller, einer Tochter von John Francis Buller aus Morval. Sein Vater war ein Enkel von Sir John Pole, 3. Baronet, der in dem Dorf Stoke Damerel unweit des Marinestützpunkts Plymouth Dock lebte. Sein älterer Bruder war Reginald Pole.
Aufstieg während des Amerikanischen Unabhängigkeitskriegs
Pole besuchte zunächst ab die Grammar School in Plympton und ab dem 16. Januar 1770 die Royal Naval Academy im Portsmouth Dockyard. 1772 trat er als Midshipman in die Royal Navy ein und diente zunächst auf der 32-Kanonenfregatte Thames. Im Dezember 1773 wechselte er auf das 50-Kanonenschiff Salisbury, dem Flaggschiff, mit dem Kommodore Sir Edward Hughes nach Indien aufbrach. Von Hughes zum Lieutenant befördert, wechselte Pole am 26. Juni 1777 in Indien auf die 24-Kanonenfregatte Seahorse und 1778 auf das 60-Kanonenschiff Rippon, dem Flaggschiff von Kommodore Edward Vernon. Auf diesem Schiff nahm Pole am 9. August 1778 am Gefecht vor Pondicherry gegen ein französisches Geschwader teil, nachdem Frankreich auf amerikanischer Seite in den Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg eingetreten war. Am 25. Oktober 1778 wurde Pole zum Kommandanten der 18-Kanonensloop Cormorant befördert, mit der er Depeschen von Vernon nach Großbritannien zurückbrachte. Am 12. März 1779 erreichte Pole mit der Cormorant Großbritannien, wo am 18. März seine Beförderung bestätigt wurde. Am 22. März 1779 wurde er als Post-Captain Offizier auf dem Linienschiff 1. Ranges Britannia, ehe er am 27. März 1781 Kommandant der 32-Kanonenfregatte Success wurde. Mit dieser eskortierte er im März 1782 das bewaffnete Versorgungsschiff Vernon nach Gibraltar, als am Morgen des 16. März vor Kap Spartel die spanische 34-Kanonenfregatte Santa Catalina gesichtet wurde. Mit Unterstützung der Vernon griff Pole sofort das spanische Schiff an, das schließlich schwer beschädigt die Flagge strich. Pole ließ die Prise notdürftig reparieren, doch am 18. März wurden weitere Schiffe gesichtet. Damit die Santa Catalina nicht wieder in die Hände des Feindes fiel, ließ Pole sie verbrennen. Zu spät entdeckte er, dass die vermeintlich gegnerischen Schiffe zwei britische Fregatten waren, die einen Konvoi eskortierten.
Pole verdankte seine rasche Beförderung und seine attraktiven Kommandos sicher dem Einfluss seiner Familie. Diesem Einfluss führte wohl auch dazu, dass er im Gegensatz zu vielen anderen Offizieren nach Kriegsende ein Kommando behielt. 1783 wurde er Kommandant des 64-Kanonenschiffs Crown und am 30. August 1786 Kommandant des 64-Kanonenschiffs Scipio. Nachdem es ab 1789 zur Nootka-Krise mit Spanien gekommen war, wurde Pole am 10. Mai 1790 Kommandant der 36-Kanonenfregatte Melampus und 1791 Kommandant des 74-Kanonenschiffs Illustrious.
Dienst während der Koalitionskriege gegen Frankreich
Nachdem Großbritannien am 20. Februar 1793 den Krieg gegen Frankreich erklärt hatte, wurde Pole im März 1793 Kommandant des 74-Kanonenschiffs HMS Colossus, die der Mittelmeerflotte unter Admiral Hood zugeteilt wurde. Dabei nahm er unter Hood an der Eroberung von Toulon teil. 1794 kehrte er mit der Colossus nach Großbritannien zurück, wo er der Kanalflotte unter Admiral Howe zugeteilt wurde. Dabei gehörte die Colossus dem Geschwader von Konteradmiral Montagu an, dem Howe befohlen hatte, einen aus Amerika kommenden französischen Konvoi abzufangen. Aufgrund mangelnder Aufklärung fanden Montagus Schiffe weder die französischen Schiffe noch Howes Flotte. Deshalb nahm Pole nicht an der Schlacht vom 1. Juni 1794 teil, sondern sah nur nach Brest zurückkehrende französische Schiffe. Der erfolglose Montagu zog sich mit seinen Schiffen nach England zurück und erreichte am 12. Juni den Plymouth Sound. Am 1. Juni 1795 wurde Pole zum Rear Admiral of the blue befördert. Zusammen mit Konteradmiral Sir Hugh Cloberry Christian sollte er das Kommando über die Marinestation auf den Leeward Islands übernehmen. Aufgrund von Stürmen konnten sie allerdings erst am 20. März 1796 England verlassen. Dabei brachten sie bis Ende Mai Verstärkungen für die britischen Truppen auf der Insel St. Lucia, die versuchten, die Insel von Frankreich zu erobern. Im November 1796 kehrten Pole und Christian auf der 18-Kanonensloop HMS Beaulieu nach England zurück.
Rolle während der Meuterei vor Spithead und Nore
Im März 1797 wurde Pole zum First Captain der HMS Royal George ernannt, dem Flaggschiff von Admiral Bridport. Dadurch wurde er Mitte April in die Meuterei der Flotte vor Spithead verwickelt. Am 16. April sandte ihn Bridport nach London, wo er der Admiralität direkt über die Meuterei berichten konnte. Anschließend kehrte er zu seinem Schiff zurück, um Bridport zu berichten, dass die Führung der Admiralität nach Portsmouth kommen würde, um sich vor Ort mit der Situation zu befassen. Zusammen mit den Admiralen Gardner und Colpoys teilte Pole am 18. April den Abgesandten der Meuterern auf der HMS Queen Charlotte mit, zu welchen Zugeständnissen die Admiralität bereit sei. Nach Beratungen lehnten die Meuterer zunächst die Zugeständnisse ab und beharrten auf Erfüllung ihrer Forderungen, ehe sie am 20. April doch dem Angebot der Admiralität zustimmten. Schließlich erreichten die Admirale eine Begnadigung der Meuterer, die Pole den Abgesandten auf der Queen Charlotte vorlas. Damit beendete er faktisch die Meuterei vor Spithead. Als es im Mai 1797 auf Schiffen der vor der Nore-Sandbank liegenden Flotte ebenfalls zu Meutereien kam, berichtete Pole seinem Freund William Young, der in der Admiralität arbeitete, regelmäßig von der Situation. Dabei unterrichtete er ihn auch über unerfreuliche Tatsachen wie Unregelmäßigkeiten und mangelnde Disziplin bei Flottenoffizieren. Gegenüber den Meuterern zeigte er jedoch kein Verständnis.
Späterer Dienst als Marineoffizier
Am 14. Februar 1799 wurde Pole zum Rear Admiral of the Red befördert, doch erhielt nicht ein von ihm angestrebtes Amt in der Admiralität. Stattdessen diente er weiter in der Kanalflotte unter Admiral Bridport. Im April 1799 konnte der französische Admiral Bruix trotz der britischen Blockade mit seiner Flotte aus Brest ausbrechen. Dann kehrte Bruix jedoch noch Brest zurück, von wo er angeblich weiter nach Rochefort segeln wollte. Bridport segelte daraufhin nach Rochefort, um Bruix zuvorzukommen. Am 4. Juni sichtete Bridport eine spanische Flotte, die in eine Bucht der Île-d’Aix auswich. Dort sollte sie von einem kleinen Geschwader unter Pole blockiert wurde. Einige Wochen später wurde die Blockadeflotte durch das 80-Kanonenschiff HMS Sans Pareil und durch die HMS Royal George verstärkt, die nun als Poles Flaggschiff diente. Pole griff die spanischen Schiffe am 2. Juli an, die zwischen der Île-d’Aix und einer Untiefe vor Anker lagen. Dabei wurden sie von einer schwimmenden Batterie gedeckt, deren Geschütze eine wesentlich weitere Reichweite als die Geschütze der britischen Schiffe hatten. Pole war deshalb nicht in der Lage, den Angriff durchzuführen, weshalb er seinen Schiffen befahl, den Angriff abzubrechen und sich zurückzuziehen. Obwohl die Briten durch französische Ruderkanonenboote verfolgt wurden, erlitt keine Seite Beschädigungen oder hatte Verluste.
Am 1. Mai 1800 wurde Pole Commodore-Governor von Neufundland. Am 28. Juni brach er von Spithead aus auf dem 60-Kanonenschiff HMS Agincourt nach Neufundland auf. Bereits am 16. November kehrte er nach Großbritannien zurück, wo er am 1. Januar 1801 zum Vizeadmiral befördert wurde. Am 2. Juni 1801 sollte er Admiral Nelson als Kommandanten der Ostseeflotte ablösen. Pole segelte auf der 32-Kanonenfregatte HMS Aeolus in die Ostsee, wo er am 17. Juni seine Flagge auf dem Linienschiff HMS St George setzte. Ihm blieb aber nur übrig, die britische Flotte zurück nach Großbritannien zu bringen, wozu er Anfang August 1801 die Ostsee verließ. Trotz starkem Gegenwind konnte er die Flotte unbeschadet durch den Großen Belt führen. Am 20. August erreichte er Spithead, von wo er unverzüglich weiter nach Spanien aufbrach. Am 27. August erreichte er Kap St. Vincent, von wo er bis November vor Cádiz kreuzte und eine elf Schiffe starke gegnerische Flotte blockierte. Anschließend kehrte er nach Großbritannien zurück, wo er am 4. Dezember seine Flagge einholte. Am 18. Januar 1802 wurde ihm erneut das Neufundland-Kommando übertragen, doch bevor er aufbrechen konnte, wurde er am 6. April durch Admiral James Gambier abgelöst. Zwar wurde Pole am 9. November 1805 zum Admiral befördert, doch er erhielt kein Flottenkommando mehr.