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Charles Marie de La Condamine

Französischer Mathematiker und Astronom

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Charles-Marie de La Condamine (* 28. Januar 1701 in Paris; † 4. Februar 1774 ebenda) war ein französischer Reisender, Mathematiker, Enzyklopädist und Astronom. Er erlangte insbesondere Bekanntheit durch seine Südamerikareise 1735–1745 und als engagierter Befürworter der Pockenimpfung in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Von 1743 bis 1745 bereiste Charles-Marie de La Condamine den Amazonas und trug wesentlich zu einer besseren Kenntnis der Region, sowohl geografisch, als auch botanisch und zoologisch bei. La Condamine gilt als ein Wegbereiter von Alexander von Humboldt, der von 1799 bis 1804 Südamerika, Mexiko, Kuba und Nordamerika bereiste.

Ebenfalls bedeutend ist La Condamines Einsatz für die Pockenimpfung, wo er maßgeblich zur Verbreitung der Inokulation in Frankreich und Europa beitrug. Charles-Marie de La Condamine war Mitglied der Académie des Sciences und der Académie française. Er war international mit zahlreichen aufgeklärten Intellektuellen seiner Zeit vernetzt.

Charles-Marie de La Condamine wurde 1701 als Sohn des Steuerbeamten Charles de La Condamine (1649–1711) und seiner Frau Marguerite-Louise de Chources (* ca. 1670–1710) in Paris geboren. Das Paar hatte zwei Kinder und Charles Marie noch eine ältere Schwester, die Anne Marie Louise de La Condamine (* ca. 1700–1771). In den ersten Jahren wurde La Condamine auf einem Internat unterrichtet und besuchte anschließend das Collège Louis-le-Grand, wo unter anderem der renommierte Pater Charles Porée sein Lehrer war. Nach seiner Schullaufbahn trat La Condamine in das Militär ein und nahm mit einem Dragoner-Regiment 1719 im Krieg gegen Spanien an der Belagerung von Roses teil. Kurze Zeit später trat der junge La Condamine ernüchtert aus dem Militär aus und wandte sich den aufgeklärten und wissenschaftlichen Kreisen von Paris zu. Hier erteilte er dem damals erst 14-jährigen Louis de Tressan Mathematikunterricht und schloss Freundschaft mit Voltaire. Gemeinsam beschlossen er und Voltaire 1729–1730 die Pariser Lotterie zu „knacken“: Hintergrund war eine Berechnung La Condamines, nach der man einen Reingewinn von etwa 1 Million livres erzielen würde, wenn man die Gesamtheit der Lose aufkaufte. Den beiden gelang der Coup – der zuständige Minister hatte sich verkalkuliert – und sie gewannen jeweils 500.000 livres bei dem Geschäft.

Eintritt in die Académie des Sciences (1730)

Seine mathematisch-naturwissenschaftliche Begabung und seine guten Kontakte waren es schließlich auch, die La Condamine zur Pariser Académie des Sciences führten: Am 12. Dezember 1730 wird er dort zum Adjunkt für das Fach Chemie ernannt. Seine ersten Arbeiten veröffentlichte er 1731 zu den geometrischen Kegeln und zu kristallinen Gebilden. Schon bald darauf verließ er allerdings Paris und brach zu seiner ersten Reise auf: An Bord eines Schiffes unter Führung des Freibeuters René Duguay-Trouin bereiste er das Mittelmeer bis zur Levante und verbrachte unter anderem fünf Monate in Konstantinopel. 1732 kehrte er mit reicher wissenschaftlicher Ausbeute zurück und präsentierte seine vielfältigen Beobachtungen, von den antiken Stätten Griechenlands bis zu medizinischen Kuriositäten, als Observations mathématiques et physiques faites dans un voyage de Levant vor der Akademie.

Expedition nach Südamerika (1735–1745)

Die 1730er Jahre waren aber vor allem die Zeit einer großen grundsätzlichen Debatte der Physik: der Frage nach der Erdfigur. Während die traditionelle Lehrmeinung in Frankreich (vertreten unter anderem von Jacques Cassini) ganz nach Descartes annahm, dass die Erde wie ein Wirbel am Äquator enger war als an den Polen, vertraten vornehmlich jüngere Wissenschaftler, darunter auch La Condamine und Pierre-Louis Moreau de Maupertuis, die „englische“ Auffassung nach Newton, die ganz im Gegenteil davon ausging, dass die Erde an den Polen abgeflacht war und somit am Äquator breiter. Um diesen Streit zu beenden und die „wahre“ Gestalt der Erde zu ermitteln (was auch für präzise Kartographie von enormer Bedeutung war) wurden zwei Expeditionen gebildet, die jeweils die Messung eines Meridians vornehmen sollten: Während Maupertuis nach Lappland aufbrach, um am Polarkreis einen Längengrad zu messen, wurde La Condamine Mitglied der zweiten Expedition, die nach Südamerika an den Äquator – in das damalige Vizekönigreich Peru – geschickt wurde.

Am 16. Mai 1735 lief die Expedition im Auftrag Ludwigs XV. im Hafen von La Rochelle aus und erreichte nach Etappen in Santo Domingo und Panama im März 1736 schließlich den Äquator. Neben La Condamine waren unter anderem Louis Godin (Leiter und dienstältestes Akademie-Mitglied), Pierre Bouguer (ein früheres mathematisches „Wunderkind“) und Joseph de Jussieu (Botaniker) Teil der Expedition. Später wurde die Gruppe noch um die beiden spanischen Offiziere Jorge Juan und Antonio de Ulloa sowie den kreolischen Kartographen Pedro Vicente Maldonado ergänzt. Mit Maldonado verband La Condamine eine große Freundschaft, die über die Reisezeit hinausging.

Messungen zur Erdgestalt (1736–1743)

Bereits ab Santo Domingo kam es zwischen den drei Wissenschaftlern La Condamine, Godin und Bouguer zu erheblichen Spannungen. Alle drei beanspruchten die führende Rolle in der Expedition: Während Godin und Bouguer auf Anerkennung und Erfahrung in der Akademie verweisen konnten, hatte La Condamine als einziges Mitglied praktische Reiseerfahrung, die in der unwirtlichen Wildnis von großem Wert war. Wegen der Differenzen trennten sich die Wege der drei immer wieder: Um beispielsweise vom Hafen von Guayaquil nach Quito zu gelangen, beschloss La Condamine, alleine eine beschwerlichere und längere Landroute zu wählen. Die Aufteilung ermöglichte der Expedition zugleich, mehr und verschiedene Beobachtungen vorzunehmen. Auf dem Weg nach Quito musste La Condamine dichte Wälder und erste Gebirgszüge der Anden überwinden, bevor er die Stadt schließlich erreichte. Etwas später reiste La Condamine ebenfalls alleine in die Hauptstadt des Vizekönigreichs nach Lima, um dort wichtige Angelegenheiten für die Expedition zu erledigen. Auf seinen Reisen durch Peru untersuchte La Condamine unter anderem Chinin (und dessen fiebersenkende Wirkung), über das er eine Abhandlung für die Akademie verfasste. Die Forschungen in Südamerika waren enorm vielfältig, so führte La Condamine mit Bouguer auch verschiedenste Beobachtungen und Experimente in den Anden durch (unter anderem auf dem Chimborazo), wo in Höhen geforscht werden konnte, die in Europa unerreichbar waren.

Die Breitengradmessungen selbst nahmen die Wissenschaftler mit Hilfe des Triangulationsverfahrens vor. Hierzu wurden Pyramiden in den Bergen errichtet, die anschließend als Visierpunkte für die Messungen dienten. 1739 schlossen sie die (erdbezogenen) geometrischen Messungen ab und nahmen ergänzend notwendige astronomische Messungen in der Stadt Cuenca vor. Erst 1743 waren schließlich alle Arbeiten abgeschlossen. Sie bestätigten die Theorie Newtons: Die Erde ist an den Polen abgeplattet.

Die Rückreise traten die Wissenschaftler auf unterschiedlichen Wegen an: Während Louis Godin und Joseph de Jussieu zunächst in Südamerika blieben, reiste Pierre Bouguer mit dem Schiff auf ähnlichem Weg wie bei der Hinreise zurück. La Condamine hingegen wählte einen gefährlicheren Weg, um die Gelegenheit zu weiteren neuen Erkenntnissen und Forschungen zu haben: Er entschied sich, den Kontinent auf dem Amazonas zu durchqueren und anschließend von Cayenne aus nach Frankreich zurückzukehren.

La Condamine gilt als der erste wissenschaftlich gebildete Mann, der den Amazonas in seiner vollen Länge befuhr. Vor ihm hatten seit dem 16. Jahrhundert Spanier (u. a. Francisco de Orellana, Pedro de Ursúa und Lope de Aguirre) und Portugiesen (u. a. Pedro Teixeira) den Amazonas auf der Suche nach Gold, Gewürzen, Macht und Reichtum befahren. Im 17. Jahrhundert waren es insbesondere geistliche Missionare (u. a. Cristóbal de Acuña, Samuel Fritz) die sich in den Dschungel vorwagten, um dort indianische Völker zum Christentum zu bekehren. Während also die ersten Reisenden aus wirtschaftlichen, machtpolitischen oder religiösen Motiven auf dem Fluss reisten, waren bei La Condamine zum ersten Mal Forschung und Wissenschaft das Anliegen der Reise. So stand am Ende der Reise in seiner Relation abrégée d’un voyage … dans … l’Amérique eine Beschreibung des Amazonas aus vorrangig wissenschaftlicher Sicht, die das Abenteuer nahezu gänzlich ausblendete. Für einen Reisenden der Aufklärung ziemte es sich nicht abenteuerlustig zu sein; Rationalität, Präzision und Wissenschaftlichkeit waren die Ideale dieser Zeit, nach denen auch La Condamine seine Reise organisierte und beschrieb.

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