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Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord

Französischer Staatsmann und Diplomat

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Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord [ʃaʀlə mɔ'ʀis də talɛ'ʀɑ̃ peʀi'gɔʀ] (* 2. Februar 1754 in Paris; † 17. Mai 1838 im Hôtel Talleyrand ebenda) war ein französischer Staatsmann.

Talleyrands Herkunft aus einer Adelsfamilie ermöglichte ihm den Aufstieg im Klerus des Ancien Régime. Während der Französischen Revolution diente er als Abgeordneter in den Generalständen und der Konstituante, in der er als Befürworter einer Konstitutionellen Monarchie und einer Reform der Kirche hervortrat. Angesichts der Herrschaft der Jakobiner entschied er sich 1792 für das Exil, erst im Königreich Großbritannien, später in den Vereinigten Staaten. Nach dem Sturz der Jakobiner kehrte Talleyrand 1796 nach Frankreich zurück und wurde 1797 von der Regierung des Direktoriums zum Außenminister berufen.

Im Staatsstreich des 18. Brumaire VIII spielte Talleyrand eine entscheidende Rolle dabei, das Direktorium mit dem Konsulat unter der Führung Napoleon Bonapartes zu ersetzen. Später unterstützte er die Krönung Napoleons zum Kaiser der Franzosen und damit die Schaffung des Ersten Französischen Kaiserreichs, in der Hoffnung, dass die Rückkehr zur Monarchie die politischen Wirren der Ersten Französischen Republik beenden würde. Unter Napoleon blieb Talleyrand zunächst Außenminister, trat allerdings 1807 wegen grundlegender Meinungsverschiedenheiten über den aggressiven Kurs der französischen Außenpolitik im Europa der Koalitionskriege zurück. Fortan konspirierte er mit den Widersachern Napoleons, dessen Expansionsstreben er als eine Gefahr für den Frieden auf dem europäischen Kontinent wahrnahm.

Nach Napoleons Absetzung und der Restauration der Bourbonen, an der er maßgeblich beteiligt war, wurde Talleyrand erneut Außenminister, diesmal für König Ludwig XVIII. In diesem Amt nahm er als Vertreter Frankreichs am Wiener Kongress teil, auf dem die europäischen Mächte die Neuordnung des Kontinents nach zwei Jahrzehnten Krieg aushandelten. Talleyrand gelang es, dass Frankreich als gleichberechtigte Großmacht im europäischen Mächtegleichgewicht anerkannt wurde und im Vergleich zum Vorkriegszustand keine größeren Gebietsverluste hinnehmen musste. Seine Differenzen mit den Ultraroyalisten führten jedoch dazu, dass Ludwig XVIII. ihn 1815 als Außenminister entließ.

Die nächsten Jahre verbrachte Talleyrand in der liberalen Opposition, bis mit der Julirevolution von 1830 Louis-Philippe I., ein Sympathisant der Liberalen, der als „Bürgerkönig“ in die Geschichte einging, den Thron bestieg. Dieser ernannte Talleyrand zum Botschafter im Vereinigten Königreich. In diesem Amt war er 1830 an der Londoner Konferenz beteiligte, in der die Großmächte die Unabhängigkeit des Königreichs Belgien aushandelten. 1834 zog Talleyrand sich aus Altersgründen aus der aktiven Politik zurück. Er verstarb 1838.

Für seine Verdienste erhielt er mehrere Titel in der noblesse impériale: 1806 Fürst von Benevent, 1807 Herzog von Talleyrand-Périgord und 1815 Herzog von Dino (duc de Dino).

Da er in fast allen Regimen seiner Zeit hohe Ämter innehatte und an mehreren Regierungsumstürzen beteiligt war, steht der Name Talleyrand heute für politischen Opportunismus und Anpassungsfähigkeit.

Talleyrand kam am 2. Februar 1754 in Paris als zweitgeborener Sohn von Charles Daniel, Comte de Talleyrand-Périgord (1734–1788), und seiner Gattin Marie-Victoire-Eléonore de Talleyrand-Périgord, geborene de Damas d’Antigny (1728–1809), auf die Welt. Er war Mitglied der Adelsfamilie Talleyrand-Périgord, die ihre Abstammung bis ins Frühmittelalter zurückverfolgte und einen hohen Prestigegrad für sich beanspruchte. Diese Herkunft verhalf seinen Familienmitgliedern zu hohen Stellungen, so seinem Onkel Alexandre-Angélique in der Kirche und seinem Halbonkel Gabriel-Marie im Militär und der Verwaltung. Auch seine Eltern hatten Stellungen am Königshof in Versailles inne, lebten jedoch im Gegensatz zu ihrer Verwandtschaft in einer finanziell prekären Lage und konnten sich zeitweise nicht einmal Dienstboten leisten. Der junge Talleyrand musste, wie die Marquise de Créquy in ihren Memoiren überspitzt formulierte, mit den Krumen auskommen, die dem König vom Tisch fielen.

Von früher Kindheit an wurde Talleyrand durch ein schweres Beinleiden an seinem rechten Fuß beeinträchtigt. Seinen eigenen Angaben zufolge (die er auch in seinen Memoiren verbreitete) erlitt er im Alter von wenigen Monaten in der Obhut einer Amme einen komplizierten Beinbruch. Da dieser nur unzureichend medizinisch versorgt und behandelt worden sei, seien seine Fußknochen verwachsen, so dass er sein Leben lang unter einem Klumpfuß (akzidentieller nach innen gekehrter Klumpfuß) zu leiden hatte. Weiter sei sein linker Fuß, der in der Zeit seiner starken Schmerzen allein das Gewicht seines Körpers habe tragen müssen, dadurch erheblich geschwächt worden. Das Ergebnis des Unfalls sei es gewesen, dass er „ein Hinkender“ geworden sei.

Erst 1988 gelang es dem Historiker Michel Poniatowski, die von Talleyrand lancierte Erklärung seiner Verkrüppelung aus einem Unfall als frei erfunden nachzuweisen. Die neuere Forschung geht davon aus, dass der Klumpfuß Talleyrands entweder ein erbliches Leiden war – an dem auch Talleyrands Onkel Gabriel-Marie zu leiden hatte – oder, was als wahrscheinlicher gilt, dass er die Folge einer Polio-Infektion war. Talleyrand vertuschte den eigentlichen Grund für seine Gebrechen vermutlich, um sich so vor dem Verdacht zu schützen, geisteskrank zu sein. Zu seinen Lebzeiten war nämlich die Ansicht verbreitet, dass aus dem Erbgut herrührenden Körperschäden meist auch mit biologisch verursachten mentalen Störungen verbunden seien.

Talleyrands Behinderung hatte zur Folge, dass er humpelte und sich, um gehen zu können, auf eine Krücke oder einen Gehstock stützen musste. Außerdem trug er zumindest in späteren Jahren orthopädische Spezialschuhe an seinem rechten Fuß: Diese Schuhe, die die Form eines Elefantenfußes hatten, fassten sein rechtes Bein in eine Metallschiene, die entlang der Wade bis zum Knie lief, wo sie mit einem Lederband befestigt war. Das knarrende Geräusch dieser Vorrichtung, das sein Kommen schon von fern akustisch ankündigte, brachte ihm den Spitznamen Der hinkende Teufel ein. Sein Biograph Jean Orieux hat diese für den Träger schmerzhafte Vorrichtung als „wahres Folterinstrument“ bezeichnet.

Rückblickend schilderte Talleyrand seine Beziehung zu seinen Eltern als lieblos. Die fehlende Zuneigung führte er nicht nur auf die damals übliche Erziehungspraxis zurück – wie die meisten Kinder aus Adelsfamilien verbrachte der junge Talleyrand die meiste Zeit mit Ammen statt mit seinen Eltern –, sondern vor allem auf seine körperliche Behinderung. Nur seine Urgroßmutter, bei der er als Kind einige Jahre lang im ländlichen Chalais lebte, habe ihm echt Zuneigung zukommen lassen. Nach seiner Rückkehr zu seinen Eltern sei er unmittelbar ins Collège d’Harcourt, ein Internat gebracht worden, welches er als eine Hölle empfand. Das Desinteresse seiner Eltern habe ihn einerseits von der Außenwelt isoliert, ihm andererseits jedoch auch gelehrt, Schicksalsschläge mit Gleichgültigkeit aufzunehmen, und ihm ermöglicht, eine starke Denkfähigkeit zu entwickeln. Das von Talleyrand in seinen Memoiren gezeichnete Bild einer glücklosen Kindheit entsprach jedoch ebenso wie die von ihm behauptete Verletzungsgeschichte nicht der Wirklichkeit: Seine Behauptung, seine Eltern bis zum vierten Lebensjahr nicht einmal gesehen zu haben, ist erwiesenermaßen falsch. Auch verbrachte er vor dem Besuch des Collège d’Harcourt anderthalb Jahre im Elternhaus. Private Briefe und Aufzeichnungen seiner Eltern belegen, dass sie sich sehr wohl Sorgen um Talleyrand und sein Wohlergehen machten.

Obwohl Talleyrand nach dem Tod seines ältesten Bruders Alexandre († 1757) eigentlich der erstgeborene Sohn seiner Eltern war, übertrugen diese das Erstgeborenenrecht anstatt auf ihn, den sie hierfür aufgrund seiner Behinderung für untauglich hielten, auf seinen jüngeren Bruder Archambaud de Talleyrand.

Talleyrand wurde von seinen Eltern für eine geistliche Laufbahn ausgewählt. Den Grund dafür sah er selber in seiner Behinderung, die ihn für die eigentlich für ihn vorgesehene Karriere im Militär untauglich machte. Der tatsächliche Hauptfaktor wird allerdings der Wunsch gewesen sein, dass Talleyrand in die Fußstapfen seines Onkels Alexandre-Angélique trete. Dieser hatte in der Kirche bereits Karriere gemacht und suchte deshalb einen geeigneten Nachfolger innerhalb seiner Verwandtschaft. Die Wahl fiel auf Talleyrand, da er als einziges männliches Familienmitglied im richtigen Alter war, eine Karriere im Klerus anzufangen. Dass ein Neffe seinen Onkel in seinem geistlichen Posten beerben konnte, war in dieser Zeit nicht unüblich. Außerdem versprach die Kirche in Zeiten des Ancien Régimes für Adelssöhne gute Aufstiegsmöglichkeiten, bis hin zum Minister des Königs – Aussichten, die mit dem Versprechen einer familiären Protektion durch den Onkel noch verstärkt wurden.

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