Karl Heinz (auch Carl-Heinz) Hargesheimer (* 19. Mai 1924 in Köln; † zwischen 31. Dezember 1971 und 5. Januar 1972 ebenda) war ein deutscher Fotograf, der unter dem Künstlernamen Chargesheimer [ˈʃaʁgəsˌhaɪ̯mɐ] bekannt wurde.
Chargesheimer studierte nach dem Zweiten Weltkrieg an den Kölner Werkschulen Grafik und Fotografie. Sein Interesse galt verschiedenen Künsten, wie der Oper, dem Schauspiel, Bühnenbild und Kostümen sowie der Malerei, jedoch hauptsächlich der Fotografie, innerhalb der er ab 1950 mit abstrakten Lichtstrukturen auf Fotopapier und Fotomontagen experimentierte.
Ab 1955 arbeitete Chargesheimer als freier Fotograf und fiel sowohl durch bissige Porträts von Personen des öffentlichen Lebens als auch durch lebensnahe Reportagen über seine Landsleute auf. Er veröffentlichte 14 Bildbände zu verschiedenen Themen wie Städte, Landschaften und Theater. Nebenbei erschuf er Meditationsmühlen, bewegte Skulpturen aus Acrylglas.
Nachdem Chargesheimer sich mit dem Bildband Cologne intime (1957) einen Namen gemacht hatte, bestellte der Spiegel-Herausgeber Rudolf Augstein bei ihm kurz vor der Bundestagswahl 1957 ein Porträt von Konrad Adenauer für die Titelseite. Augsteins Hoffnungen entsprechend entstand das Bild eines „in Granit gemeißelten, maskenhaften Antlitz', das von politischer Versteinerung und Vergreisung erzählte“. Durch die folgende allgemeine Entrüstung wurde Chargesheimer bundesweit bekannt.
Chargesheimer liebte Köln und war der Stadt zeitlebens eng verbunden. Er sah die Entwicklung der Stadt in der Wiederaufbauphase und auch später sehr kritisch. Die von ihm 1958 porträtierte Straße Unter Krahnenbäumen änderte immer mehr ihren Charakter. In seinem letzten Buch Köln 5 Uhr 30 macht er 1970 fotografisch eine kritische Bestandsaufnahme: „einen melancholischen Abgesang an ‚seine‘ Stadt Köln, die im Beton zu erstarren drohte.“
Die Deutsche Gesellschaft für Photographie (DGPh) zu Köln ehrte Chargesheimer 1968 mit ihrem Kulturpreis.
Freunde Chargesheimers porträtieren ihn als Einzelgänger, der es sich und anderen manchmal schwer machte, aber sehr begabt war und auch ein großzügiger Mensch sein konnte. Er litt sehr unter dem herrschenden Fotobetrieb, der ihm das eigene Denken nicht erlaube und der mit seinen Fotos umginge „wie Deutschland im Krieg mit den Polen“. Auch deshalb wandte er sich ab Mitte der 1960er-Jahre seinen Meditationsmühlen zu, die er im Rahmen einer Einzelausstellung im Kunstpavillon in Soest präsentierte. Im Jahr 1970 wurde Chargesheimer für seine Meditationsmühlen mit dem Karl Ernst Osthaus-Preis der Stadt Hagen ausgezeichnet. In der Begründung zur Preisverleihung hieß es „Chargesheimers lichtkinetische Objekte entsprechen in ihrer bildnerischen Absolutheit und in ihrer technischen Vollendung einer wichtigen Grundtendenz heutiger Kunstentwicklung“. Eine große, funktionsfähige Meditationsmühle wird im Museum Wilhelm Morgner in Soest ständig ausgestellt.
Anfang Januar 1972 wurde Chargesheimer tot in seiner Wohnung aufgefunden. Er wurde auf dem Kölner Melaten-Friedhof beigesetzt. In der Folgezeit galt seine Grabstätte lange als unauffindbar; sie wurde erst in den 2000er Jahren in Flur 11 F:65 wiederentdeckt. Ende der 1950er bis Anfang der 1960er Jahre lebte er mit der Schauspielerin Gisela Holzinger zusammen. Chargesheimer war seit 1963 mit Ann Redlin (1940–1974) verheiratet; die Ehe wurde später geschieden. Redlin ist ebenfalls auf dem Melaten-Friedhof beerdigt.
1957: Cologne intime. Köln: Greven
1958: Im Ruhrgebiet, Text: Heinrich Böll, Köln: Kiepenheuer und Witsch
1958: Unter Krahnenbäumen. Köln: Greven, mit einem Vorwort von Heinrich Böll
neu aufgelegt 1998 im Schaden Verlag, ISBN 3-932187-02-4
1959: Berlin. Bilder einer großen Stadt. Köln: Kiepenheuer und Witsch
1959: Romanik am Rhein. Köln: Greven
1960: Menschen am Rhein. Frankfurt: Büchergilde Gutenberg
1961: Zwischenbilanz. Köln: Greven
1961: Armstrong & Fitzgerald. Fotomappe mit 16 Bildern. Köln, Dumont
1965: Köln farbig photographiert. Köln: Verkehrsamt, mit Peter Cornelius und Horst Bauman