Chabarowsk (russisch Хабаровск [xɐˈbarəfsk] ; historisch auch chinesisch 伯力, Pinyin Bólì) ist eine Stadt in Russland am Amur, nahe der Grenze zu China. Sie hat 616.000 Einwohner (Stand: 2025) und ist die Hauptstadt der Region Chabarowsk im russischen Föderationskreis Ferner Osten in Ostasien.
Chabarowsk liegt im Fernen Osten Russlands am Fluss Amur auf 25 m ü. NN, 20 km entfernt von der chinesischen Grenze und 900 km nördlich der in der gleichen Zeitzone und am japanischen Meer gelegenen Stadt Wladiwostok.
Das Klima ist kontinental. Es wird im Winter mittags selten kälter als −30 Grad und ist daher deutlich milder als in den Gebieten nördlich oder westlich der Region Chabarowsk. Dafür weht häufig ein eisiger Wind über den Amur und durch die riesige Ebene, in der die Stadt liegt.
Der Amur führt bei Chabarowsk 1000 m³/s Wasser (Januar 1985) bzw. 17.300 m³/s Wasser (Mai 1985) und ändert immer wieder sein Flussbett, was besonders für den Grenzverlauf mit China Folgen hat, der immer wieder auf der politischen Tagesordnung ist. Etwas flussaufwärts vor der Stadt mündet der Ussuri in den Amur, der danach an Chabarowsk entlangfließt. Er verzweigt sich neben seinem Hauptarm in unzählige Nebenarme. Er ist im Stadtgebiet ca. zwei Kilometer breit und fließt weiter in den Tatarensund zwischen dem russischen Festland und der Insel Sachalin. Im Winter ist der Fluss stets zugefroren (November bis März) und wird zum Teil auch mit Radfahrzeugen befahren (seltener seit Fertigstellung der Straßenebene auf der Eisenbahnbrücke über den Fluss). Im Sommer wird er als Verkehrsweg genutzt, da er von Chabarowsk bis zur Mündung schiffbar ist.
Seit dem Unfall in einem Chemiewerk in China im Herbst 2005, wodurch auch der Amur vergiftet wurde, ist das Baden, das auch vorher zumindest am Strand der Chabarowsker Innenstadt wegen der schlechten Wasserqualität schon problematisch war, generell bedenklich geworden.
Chabarowsk wurde 1858 als Militärposten an der Mündung des Ussuri in den Amur gegründet und nach dem Kosaken Jerofei Pawlowitsch Chabarow, der im 17. Jahrhundert die Gegend erkundete, Chabarowka genannt. 1895 erhielt es seinen heutigen Namen.
Von August 1920 bis November 1922 gehörte die Stadt zur Fernöstlichen Republik, einem Marionettenstaat Sowjetrusslands. Im November 1922 wurde die Fernöstliche Republik Sowjetrussland eingegliedert.
Im Januar 1926 wurde der Fernöstliche Kraj mit der Hauptstadt in Chabarowsk geschaffen.
Während des Sowjetisch-chinesischen Grenzkriegs 1929 befand sich das Hauptquartier der Roten Armee in Chabarowsk. Bis heute ist der Ort Hauptstützpunkt des Militärbezirks Ferner Osten.
1938 wurde der Fernöstliche Kraj in Kraj Chabarowsk und Kraj Primorje aufgeteilt.
1949 fanden in der Stadt die Kriegsverbrecherprozesse gegen zwölf Mitglieder der japanischen Armee statt.
Von 2000 bis Dezember 2018 war die Stadt das Verwaltungszentrum des Föderationskreises Ferner Osten.
Die Gouverneurswahlen in Kraj Chabarowsk von 2013 wurden von Wiatscheslaw Sport aus der Partei Einiges Russland gewonnen. Nach den Wahlen für das regionale Parlament von 2014 erhielt Einiges Russland 30 von 36 Mandaten.
2018 wurden die Gouverneurswahlen überraschend von einem ehemaligen Geschäftsmann und Mitglied der LDPR, Sergei Furgal, gewonnen. Er wurde schnell populär, und nach den Wahlen für das regionale Parlament von 2019 erhielt die LDPR 30 Mandate von 36, die Partei Einiges Russland hingegen nur zwei.
Während der im Juni und Juli 2020 stattgefundenen Volksbefragung zu den Verfassungsänderungen war die Beteiligung in Kraj Chabarowsk eine der niedrigsten in Russland, der Anteil der Ja-Stimmen war ebenfalls unterdurchschnittlich.
Am 9. Juli wurde der Gouverneur Sergei Furgal angeblich wegen der Beteiligung an 2004 und 2005 stattgefundenen Morden festgenommen und nach Moskau gebracht. Präsident Putin setzte ihn nach wenigen Tagen per Dekret ab und ernannte Michail Degtjarjow zum amtierenden Gouverneur von Chabarowsk. Michail Degtjarjow war bis Dezember 2005 Mitglied der Partei Einiges Russland und Funktionär der putinfreundlichen Jugendorganisation Die gemeinsam Gehenden, danach wechselte er zur LDPR, galt aber weiterhin als putintreues Mitglied in der russischen Systemopposition.
Nach der Verhaftung von Furgal und besonders nach dem Amtsantritt des nie zuvor im russischen Fernosten gewesenen Degtjarjow flammten in Chabarowsk und anderen Orten der Region Proteste auf.
Von den fast 1,3 Mio. Einwohnern der Region Chabarowsk leben fast die Hälfte in der Stadt Chabarowsk – neben der Mehrheit der Russen auch Koreaner (die sich selbst Korjo-Saram nennen), Ukrainer und Chinesen.