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Castruccio Castracani

Herzog von Lucca

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Castruccio Castracani degli Antelminelli (auch Interminelli, Interminegli; * 29. März 1281 in Lucca; † 3. September 1328) war ein spätmittelalterlicher Condottiere, der sich durch politisches und militärisches Geschick als Herzog von Lucca etablieren konnte und seiner Stadt zeitweise die Vorrangstellung unter den Städten der Toskana verschaffte, außerdem wesentlichen Anteil hatte an Italienzug und Kaiserkrönung Ludwigs IV. von Bayern.

Castruccio wurde 1281 in Lucca als Sohn des Kaufmanns Gerio di Castracane degli Antelminelli und der Puccia degli Streghi geboren und gehörte der alteingesessenen, einflussreichen ghibellinischen Familie der Antelminelli an. Schon in jungen Jahren beteiligte er sich an den innerstädtischen Parteienkämpfen und unterstützte gemeinsam mit seinem Vater die Fraktion der kaisertreuen Weißen. Als diese im Frühjahr 1301 aus der Stadt vertrieben wurden, zog er sich mit seinem Vater zunächst nach Ancona zurück und begab sich dann nach dessen Tod zu einem Verwandten nach England, wo er mit Erfolg Geld- und Handelsgeschäfte betrieb und durch seine ritterlichen Fähigkeiten die Gunst Eduards II. erlangt haben soll. Wegen einer Gewalttat – er soll wegen einer Beleidigung seinen Gegner im Beisein des Königs durch einen Faustschlag getötet haben – musste er jedoch England fluchtartig wieder verlassen und begab sich in die Dienste von Alberto Scotti, des Herrn von Piacenza, der im Auftrag Philipps des Schönen mit einem Trupp von Söldnern in Nordfrankreich und Flandern Kampagnen gegen die Engländer durchführte. Castruccio beteiligte sich an verschiedenen Unternehmungen Scottis, nicht ohne zugleich seine geschäftlichen Aktivitäten weiterzuführen, und nahm unter anderem an der Schlacht von Saint-Omer (1303) teil. 1304 kehrte er aus geschäftlichen Gründen zurück nach Italien und betätigte sich dort weiter als Söldnerführer für Alberto Scotti und verschiedene andere Herren.

Als Heinrich VII. im Oktober 1310 in Italien einzog, schloss sich ihm auch Castruccio an und trat bald darauf in die Dienste von Uguccione della Faggiola, des Herrn von Arezzo und Pisa (seit 1313) und Anführers der toskanischen Ghibellinen. Aufgrund eines von Uguccione erzwungenen Waffenstillstands konnten die Antelminelli 1314 nach Lucca zurückkehren, und am 14. Juni 1314 verhalfen sie Uguccione durch Verrat zur handstreichartigen Eroberung der Stadt. Es wird angenommen, dass hieran auch Castruccio maßgeblich beteiligt war, der jedenfalls in der Folgezeit eine führende Rolle in Lucca übernahm, hierdurch dann aber bald in Konflikt mit Uguccione und dessen Sohn Neri della Faggiuola geriet, den Uguccione als Podestà und Stadthauptmann von Lucca eingesetzt hatte.

Im April 1316 wurde er von Neri in Lucca in Kerkerhaft genommen, um ihm wegen verschiedener befehlswidriger Unternehmungen den Prozess zu machen. Als Uguccione sich zu diesem Zweck aus Pisa nach Lucca aufmachte, erhoben sich jedoch in seiner Abwesenheit die Pisaner gegen ihn, und auch die Luccheser nutzten die Gelegenheit zu einer Rebellion, um sich von den Faggiola und damit auch von der Herrschaft Pisas zu befreien. Castruccio wurde aus dem Gefängnis befreit und von seinen Mitbürgern für ein Jahr zum Herrn der Stadt ausgerufen, während die Faggiola sich im Verlauf des Konflikts aus der Toskana an den Hof des Cangrande I. della Scala in Verona zurückziehen mussten und auch bei gelegentlichen Versuchen wie einem Zug Ugucciones im August 1317 gegen Pisa gegen Castruccio nichts mehr ausrichten konnten.

Bei der Ernennung Castruccios zum Herrn von Lucca war vereinbart worden, dass er die Herrschaft über das Umland dem mit ihm verbündeten Pagano dei Quartigiani überlassen und sich mit diesem im Jahresturnus abwechseln sollte. Dieses Mit- und Gegenspielers entledigte er sich jedoch bald, indem er ihn aus Stadt und Land vertrieb. Castruccio baute seine Position zielstrebig nach innen und außen weiter aus, ließ sich zum Stadthauptmann, Schutzherrn (Defensor) der Stadt und Signore auf Lebzeiten wählen und setzte sich durch Aktionen gegen Florenz an die Spitze der toskanischen Ghibellinen. Zusätzlich gelang es ihm, durch Unterstützung der aus Genua vertriebenen Ghibellinen bei der Belagerung ihrer Stadt auch einige Gebiete an der Genueser Riviera unter seine Kontrolle zu bringen. Um auch innerhalb Luccas gegen Aufstände besser geschützt zu sein, griff er außerdem im Juni 1322 zu der für die Zeitgenossen unerhörten Maßnahme, aus einem größeren Teil des Stadtgebietes die Einwohner zwangsweise umzusiedeln und dort für sich und seinen Anhang eine ummauerte Festung mit 29 Türmen zu errichten.

Im Konflikt mit Johannes XXII.

Als es nach dem Tod Heinrichs VII. zum Streit zwischen Ludwig IV. von Bayern und Friedrich dem Schönen von Habsburg kam, stand Castruccio zunächst auf der Seite des Habsburgers, der ihn 1320 zum Generalvikar von Lucca, Val di Nievole und Lunigiana ernannte. Nachdem Friedrich von Ludwig 1322 bei Mühldorf besiegt und in Haft genommen worden war, wechselte Castruccio allerdings die Seiten und wurde von Ludwig 1324 als Generalvikar bestätigt. Papst Johannes XXII. verweigerte Ludwig die Anerkennung und verhängte am 13. Juli 1324 den Bann über ihn, worauf Ludwig seinerseits im Oktober 1324 den Papst für abgesetzt erklärte. Im Juli 1325 exkommunizierte der Papst auch Castruccio, der jedoch seine Unternehmungen gegen die Genueser Guelfen und gegen Florenz unvermindert fortsetzte und schließlich auch Pistoia vereinnahmen konnte, nachdem er am 23. September 1325 bei Altopascio den Florentinern eine vernichtende Niederlage beigebracht hatte.

Die Florentiner riefen daraufhin im Dezember 1325 Herzog Karl von Kalabrien, den Sohn König Roberts, gegen Castruccio zu Hilfe und übertrugen ihm für zehn Jahre die Herrschaft über Florenz. Karl schickte zunächst im Mai 1326 einen Stellvertreter und traf Ende Juli 1326 persönlich aus Neapel ein. Ein zügiges und schlagkräftiges Vorgehen, zu dessen Unterstützung im Juni auch ein päpstlicher Legat eingetroffen war, konnte jedoch durch geschicktes Taktieren Castruccios und einen drohenden Zusammenschluss der lombardischen und toskanischen Ghibellinen vereitelt werden. Der Legat eröffnete daraufhin am 30. August 1326 in Florenz den Prozess gegen Castruccio und gegen Guido Tarlati, den Bischof von Arezzo, der bereits am 17. April 1326 durch den Papst und das Konsistorium in Avignon seines Amts enthoben worden war, sich jedoch dem Papst widersetzte und die kaiserliche Sache weiter unterstützte. Das Urteil, das die beiden Angeklagten exkommunizierte und aller ihrer Ämter enthob, wurde in Florenz in Gegenwart Karls auf dem Platz von Santa Croce verkündet. Den Gang der Dinge konnte es jedoch nicht mehr aufhalten, und auch verspätete Operationen Karls und seiner Verbündeten im darauffolgenden Oktober und Januar sowie ein Versuch, Lucca durch Bestechung in die Hand zu bekommen, blieben vorerst erfolglos.

Die durch den Sieg von Altopascio erreichte Eindämmung der Macht von Florenz hatte zugleich die Bedingungen für einen Italienzug Ludwigs von Bayern verbessert. Dieser hatte sich im Ulmer Vertrag von 1326 mit Friedrich dem Schönen geeinigt und traf im Frühjahr 1327 in Italien ein, wo er am 31. Mai 1327 in Mailand im Beisein Castruccios zum König von Italien gekrönt wurde. Da der Papst sich verweigert hatte und für abgesetzt erklärt war, ein Gegenpapst aber noch nicht zur Verfügung stand und auch der Erzbischof von Mailand sich durch Abwesenheit entzog, ließ Ludwig die Krönung in Mailand durch Guido Tarlati und den ebenfalls vom Papst bereits exkommunizierten Bischof von Brescia vollziehen.

Gemeinsam mit Ludwig belagerte Castruccio im September des Jahres Pisa und konnte nach einigem Widerstand im Oktober dort schließlich Einzug halten. In Pisa kam es dann zu einem Zerwürfnis mit Guido Tarlati, dem Castruccio Verrat vorwarf, weil dieser während der Schlacht um Altopascio nicht gegen Florenz vorgegangen sei, das andernfalls leicht hätte eingenommen werden können. Da Ludwig Tarlati hiergegen nicht in Schutz nahm, wandte dieser sich von Ludwig ab und kehrte zurück nach Arezzo, erlag jedoch unterwegs in der Maremma am 21. Oktober 1327 einer Krankheit und soll auf dem Sterbebett noch seinen Ungehorsam gegen die Kirche bereut und abgeschworen haben. Castruccio hingegen, auf dem Höhepunkt seiner Macht angelangt, wurde von Ludwig bei einem feierlichen Besuch in Lucca am Martinstag (11. November) 1327 ein neues Wappen und der Titel eines Herzogs von Lucca verliehen, mit zusätzlichen Rechten über Pistoia und verschiedene Städte der Toskana. Durch dieses Herzogtum, das in Rom noch bestätigt wurde, wurde erstmals in Italien eine Stadtherrschaft in ein Fürstentum umgewandelt.

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