Caspar Diethelm (* 31. März 1926 in Luzern; † 1. Januar 1997 ebenda) war ein Schweizer Komponist und Politiker (FDP).
Caspar Diethelm war der Sohn des Juristen Caspar Diethelm-Holzmann (1890–1946) und der Bertha Diethelm-Holzmann (1894–1979), beide aus Sarnen im Kanton Obwalden. Er lebte in Sarnen und Luzern.
Diethelm studierte am Konservatorium und an der Kirchenmusikschule Luzern. Hinzu kam Privatunterricht in Komposition bei Johann Baptist Hilber (1891–1973) und Albert Jenny. Prägend waren für ihn die Meisterkurse bei Paul Hindemith sowie Arthur Honegger. Des Weiteren nahm er an den Ferienkursen in Darmstadt bei Karlheinz Stockhausen und Luigi Nono teil. Seine Ausbildung zum Dirigenten vervollständigte er bei Ernst Hans Beer und Alexander Krannhals.
Von 1963 bis 1993 wirkte er als Dozent für Musikgeschichte, theoretische Fächer, Komposition und Kammermusik am Konservatorium Luzern. Zugleich betätigte er sich als Dirigent eigener Werke im In- und Ausland. Seine rege Vortragstätigkeit fand in weiten Kreisen Beachtung, ebenso wie die von ihm verfassten Essays.
Diethelms Œuvre umfasst 343 Werke verschiedener Besetzungen. Er komponierte über 100 Werke für grosses Orchester, Kammer- und Streichorchester, darunter 8 Symphonien und Solokonzerte für nahezu jedes Instrument, sowie 1 Ballett. Dazu kommen an die 40 Werke für Chor mit Orchester, Instrumentalensemble oder Orgel, darunter 3 grosse Oratorien sowie zahlreiche Kantaten. Auch für Chor a cappella existieren zahlreiche Werke, darunter viele Messen und Motetten. Für Blasorchester und Brass Band schrieb er über 20 Werke. Ausserdem entstand eine reichhaltige Literatur für Kammermusik vom Solostück bis zum Nonett, z. B. 6 Streichquartette, Solosonaten für alle Instrumente, 22 Klaviersonaten sowie zahlreiche Werke mit aussergewöhnlichen Besetzungen.
Neben solchen, die höchste Ansprüche an Interpreten und Zuhörer stellen, komponierte er auch zahlreiche Werke für Laien, etwa die Reihe der Concerti Diletti für Laienstreichorchester; Chor- und Liedsätze sowie Messen für Laienchöre; Kammermusik und Klavierstücke für den Unterricht.
Zu erwähnen sind auch zahlreiche Bearbeitungen und Rekonstruktionen, wie das Flötenkonzert von Franz Xaver Stalder, die Sinfonia Concertante von Constantin Reindl, Quintettsätze für Klarinette und Streichquartett sowie Streichquintettsätze von Mozart.
Von 1964 bis 1966 war er Obwaldner Verfassungsrat und von 1966 bis 1980 für die FDP Mitglied des Obwaldner Kantonsrats, den er 1972/1973 präsidierte.
Diethelm arbeitete von 1946 bis 1979 Grundbuchverwalter in Sarnen und Sachseln. Zudem wirkte er als Botaniker, Mineraloge (mit einer umfassenden Sammlung von zum Teil selbstgeschliffenen Quarzen und Achaten) und Pilzsachverständiger.
1985: Kunst- und Kulturpreis der Stadt Luzern
Seine Tonsprache ist höchst eigenständig. Durch ihre Ausdruckskraft und Vitalität erschliesst sie sich dem Hörer ganz unmittelbar. Diethelm setzte sich mit den neuesten Tendenzen der Musik (Zwölftontechnik, Atonalität, Serialismus und Aleatorik) auseinander, lehnte aber alle dogmatischen Korsetts stets ab. Stattdessen entwickelte er seinen eigenen Stil, der durch Jenny, Hindemith, Honegger und Martin beeinflusst ist.
Diethelms Musik ist geprägt durch schweizerische Elemente und bevorzugt die grossräumige melodische Linearität. Die Harmonik ist freitonal, die Rhythmik zum Teil elementar, geprägt durch stark tänzerische Impulse mit einer Vorliebe für grosse ungerade Zyklen. Äusserst wichtig erschien Diethelm auch die Anwendung von überschaubaren, nachvollziehbaren Formen, wie der dualistisch angelegte Sonatensatz, das Lied, Rondo, Bogen- und Zwiebelformen, in denen jedoch stets eigenständige, variable Lösungen gesucht wurden. In den späteren Werken zeichnet sich eine Wandlung im Denken des Komponisten ab: die Hinwendung zu einer meditativen Grundhaltung, zu einer neuen Spiritualität und die Verarbeitung von Einflüssen der aussereuropäischen Musik und Denkweise.
Geistliche Chorwerke und Messen
1956/1992 Liebe, Tod und Vollmondnächte, 8 Madrigale für 4-stimmigen gem. Chor nach japanischen Gedichten op. 29
1963/1992 Capriccio, «Satierchen» für 4-stimmigen gemischten Chor op. 41, Text: Robert Faesi
1977/1992 5 Madrigale für 4-stimmigen gemischten Chor op. 153, Text: William Blake
1981/1988 Dunkler Geist der Nacht, 4 deutsche Motetten für 5- bis 8-stimmigen gem. Chor op. 186, Text: Christian Morgenstern
1981–1984 100 Liedsätze auf Melodien des 15.–20. Jahrhunderts für 4-stimmigen gemischten Chor op. 228