Caroline Schelling (* 2. September 1763 in Göttingen; † 7. September 1809 in Maulbronn) war eine deutsche Schriftstellerin und Übersetzerin. Getauft als Dorothea Caroline Albertine Michaelis, Tochter eines Göttinger Professors, wurde sie 1788 zur Witwe. 1796 heiratete sie August Wilhelm Schlegel, von dem sie sich 1803 scheiden ließ. Kurz darauf heiratete sie Friedrich Schelling. In Jena zählte sie zu den Universitätsmamsellen und gilt als Muse verschiedener Dichter und Denker der Frühromantik.
Caroline Schelling wurde als Dorothea Caroline Albertine Michaelis in Göttingen geboren. Als Tochter des Professors Johann David Michaelis (1717–1791) mit den Schwerpunkten Theologie und Orientalistik verkehrte sie früh mit den dortigen Gelehrtenfamilien und war mit Therese Heyne sowie mit deren späterem Ehemann Georg Forster befreundet. Caroline erhielt in jungen Jahren Privatunterricht von einem Studenten der Theologie. Vom 13. bis 14. Lebensjahr ging sie auf ein Mädchenpensionat in Gotha.
Am 15. Juni 1784 heiratete sie ihren Jugendfreund, den Clausthaler Amts- und Bergarzt Johann Franz Wilhelm Böhmer (1754–1788), einen Sohn des Juristen Georg Ludwig Böhmer (1715–1797). Am 28. April 1785 brachte sie ihr erstes Kind Auguste („Gustel“) Böhmer zur Welt. Therese („Röschen“), das zweite Kind mit Böhmer, wurde am 23. April 1787 geboren. Am 4. Februar 1788 starb ihr Mann an einer Wundinfektion. Caroline Böhmer, erneut schwanger, zog mit Therese und Auguste zurück ins Göttinger Elternhaus. Dort wurde das dritte Kind Wilhelm im August 1788 geboren, es lebte nur wenige Wochen.
In Göttingen lernte sie Georg Ernst Tatter kennen, der sich dort als Begleiter dreier englischer Prinzen aufhielt, und verliebte sich in ihn. Im Frühjahr 1789 zog sie mit ihren Töchtern zu ihrem Stiefbruder Christian Friedrich „Fritz“ Michaelis (1754–1814) nach Marburg, der dort Professor der Medizin war. Am 17. Dezember 1789 starb auch Therese. Caroline und Auguste Böhmer zogen im Herbst 1789 zurück nach Göttingen.
1791 starb der Vater, die Mutter zog nach Braunschweig, das Elternhaus wurde verkauft. Als „kokette junge Witwe“, wie sie sich selbst nannte, übersiedelte Caroline Böhmer mit Auguste im März 1792 nach Mainz, wo sie die ursprünglich auch aus Göttingen stammende – von ihrem Mann Johann Nikolaus Forkel getrennt lebende – Meta Forkel bei sich aufnahm, die wiederum schwanger geworden war von dem damaligen Studenten Johann Heinrich Liebeskind (1768–1847). Viel verkehrte sie auch mit dem Ehepaar Georg Forster und Therese Heyne, das seit 1785 verheiratet war.
Im Oktober 1792 wurde Mainz durch französisch-revolutionäre Truppen unter Custine eingenommen. Caroline Böhmer hatte schon zuvor keinen Hehl aus ihrer demokratisch-revolutionären Gesinnung gemacht – obwohl sie keine eigentliche Klubistin werden konnte, da in die „Gesellschaft der Freunde der Freiheit und Gleichheit“ keine Frauen aufgenommen wurden. Zwar war ihr Schwager Johann Georg Wilhelm Böhmer als Sekretär des französischen Generals Custine nach Mainz gekommen, doch hielt sie von ihm Abstand und äußert sich sehr kritisch über ihn:
Zwischen Therese Forster und deren Hausfreund Ludwig Ferdinand Huber kam es zu intimen Beziehungen, die Georg Forster hinnahm. Schließlich zog Therese Forster im Einvernehmen mit ihrem Ehemann im Dezember 1792 mit Huber in die Schweiz. Nun dichtete man Caroline Böhmer ein Verhältnis mit Forster an.
Die Reaktion der deutschen Kräfte gegen die französische Revolution im Allgemeinen und die Mainzer Republik im Besonderen hatte nach anfänglichen militärischen Niederlagen, z. B. im September 1792 bei Valmy, inzwischen Fortschritte errungen. Truppen der Koalition begannen Anfang 1793, die französisch besetzten Reichsteile zurückzuerobern. Dennoch wurden am 18. März 1793 die Mainzer Republik und drei Tage später ihr Anschluss an das revolutionäre Frankreich ausgerufen.
In dieser Zeit wurde Caroline Böhmer schwanger von dem 19-jährigen Leutnant Jean Baptiste Dubois-Crancé, der Anfang 1793 als Neffe des französischen Generals d’Oyré in Mainz stationiert war und dem sie sich in einer Ballnacht im Februar hingegeben hatte – „ein Kind der Glut und Nacht“, wie sie schreibt. Am 25. März 1793 reiste Forster im Auftrag der Mainzer Republik zu weiteren politischen Gesprächen nach Paris ab. Allein gelassen und unter dem Eindruck der drohenden Rückeroberung von Mainz durch preußische Truppen, verließ auch Caroline Böhmer fünf Tage später Mainz. Begleitet wurde sie von der Mutter und Schwiegertochter des führenden Mainzer Jakobiners Georg von Wedekind, dessen Kindern und Schwester, Meta Forkel und ihrer achtjährigen Tochter Auguste.
Caroline Böhmer und ihre Begleitung wurden noch am selben Tag im benachbarten Oppenheim vom preußischen Militär aufgehalten und, als Caroline Böhmers Verbindung zu den führenden Mainzer Jakobinern erkannt wurde, festgenommen. Außerdem hielt man sie, der Namensgleichheit wegen, für die Ehefrau ihres Schwagers Georg Böhmer. Zunächst wurde sie auf der Festung Königstein im Taunus festgehalten, dann ab 14. Juni in Kronberg im Taunus unter Hausarrest gestellt. Sie fürchtete die Entdeckung ihrer Schwangerschaft und war entschlossen, sich zu töten, falls diese entdeckt würde.
Verwandte, Freunde und Bekannte wie die Brüder Friedrich und August Wilhelm Schlegel versuchten, ihre Freilassung zu erreichen. Die Eingabe ihres Bruders Gottfried Philipp Michaelis direkt an König Friedrich Wilhelm II. von Preußen brachte endlich Erfolg. Der Monarch antwortete:
Nach Zahlung von Kosten wurden Caroline und Auguste Böhmer am 5. Juli 1793 freigelassen. August Wilhelm Schlegel kam aus Amsterdam und brachte sie von Kronberg nach Leipzig und schließlich im benachbarten Städtchen Lucka bei einem Arzt unter. Dort brachte sie unter falschem Namen am 3. November 1793 ihren Sohn Wilhelm Julius zur Welt. Friedrich Schlegel besuchte sie dort mehrfach, sorgte für sie und war einer der Taufpaten. Mit einem Offizier des revolutionären Frankreichs in Verbindung zu stehen, war damals gefährlich. Caroline Böhmer wagte es zwar, mit dem Vater des Kindes zu korrespondieren, lehnte aber dessen Eheangebot ab. Auch wollte sie ihm das Kind nicht zur Adoption in Frankreich überlassen. Stattdessen gab sie das Kind im Januar 1794 in Lucka in Pflege und zog mit ihrer Tochter Auguste zunächst zu Freunden, dem Ehepaar Gotter nach Gotha. In späteren Briefen schildert sie, wie sehr sie und Auguste an Wilhelm Julius hingen. Sie sah aber ihren Sohn nie wieder, er starb am 30. April 1795 im Alter von zwei Jahren an einer Infektionskrankheit.
Caroline Böhmer blieb nach der Haftentlassung in Deutschland als „leichtfertige“ Frau und „Democratin“ gesellschaftlich geächtet und durch die Obrigkeit konsequent diskriminiert. Einen Beitrag zur Beschädigung ihres Rufes hatte ein 1793 unter dem Titel Die Mainzer Klubbisten zu Königstein: Oder, die Weiber decken einander die Schanden auf erschienenes Pasquill beigetragen. Der anonyme, über die privaten Verhältnisse im Haus Forster relativ gut informierte Autor zeigt Caroline Böhmer, Meta Forkel und die Damen Wedekind in der Festungshaft auf Königstein als großsprecherische, geile Weiber, die nichts anderes im Sinn haben, als sich gegenseitig die Männer abzujagen.
Als sie ihre Heimatstadt Göttingen besuchte, wurde sie per Dekret zur unerwünschten Person erklärt. Der geplante Zuzug nach Dresden wurde von vornherein untersagt. Das war Folge ihrer offenbar lückenlosen behördlichen Überwachung zumindest im Kurfürstentum Hannover. Von der Landeshauptstadt aus wurden diese repressiven Maßnahmen sorgfältig im Voraus und auf Dauer festgelegt, wie sich z. B. aus einem Schreiben an die Göttinger Behörde von 1794 ergibt:
Selbst alte Freunde wandten sich von Caroline Böhmer ab oder kamen – wie ihre Gastgeber in Gotha – ihretwegen unter Druck. 1795 fand sie mit ihrer Tochter Auguste notdürftig Unterkunft bei ihrer Mutter in Braunschweig. Dorthin kam aus Amsterdam einige Monate später August Wilhelm Schlegel. Auch mit Rücksicht auf ihre schwierige wirtschaftliche und gesellschaftliche Lage heiratete Caroline Böhmer ihn am 1. Juli 1796; eine Woche später zogen sie nach Jena um, wo sie sich in den akademischen Kreisen der Universitätsstadt besser aufgenommen fand. Auch Goethe stattete ihr dort am 17. Juli einen Überraschungsbesuch ab, und im Dezember fuhren Caroline und August Wilhelm Schlegel auf einige Tage nach Weimar.