Caroline Murat geb. Bonaparte (* 25. März 1782 in Ajaccio, Korsika; † 18. Mai 1839 in Florenz), eigentlich Maria Annunziata Carolina Buonaparte war Königin von Neapel und die jüngste Schwester von Napoléon Bonaparte.
Caroline Bonaparte wurde als siebtes von insgesamt acht Kindern von Carlo Buonaparte und Laetitia Ramolino geboren. Die Familie gehörte zum korsischen Kleinadel und war seit dem 16. Jahrhundert auf der Insel Korsika ansässig. Die acht Bonaparte-Geschwister wuchsen auf Korsika unter französischer Besatzung auf. 1793 floh die Familie nach Frankreich. Napoleon konnte mittlerweile auf eine erfolgreiche Karriere in der französischen Armee blicken. Seine Familie lebte auf dem französischen Festland nun an seiner Seite. Vorerst ließ sich die Familie in Marseille nieder.
Immer wieder besuchten die Geschwister Napoleon auf seinen Feldzügen bzw. Hauptquartieren. So kam es, dass Caroline 1797 in Napoleons Quartier in Mombello General Joachim Murat kennen lernte. Die beiden verliebten sich ineinander; doch Napoleon, der nach dem Tod des Vaters die Rolle des Familienoberhauptes eingenommen hatte, verbot die Eheschließung der beiden. Als Napoleon als General nach Paris umsiedelte, folgte ihm seine Familie. Caroline wurde auf die Mädchenschule St. Germain geschickt, wo sie von Madame Campan ausgebildet wurde. 1799 änderte sie offiziell, wie all ihre anderen Geschwister, ihren Vornamen. Aus Maria Annunziata Carolina Buonaparte wurde Caroline Bonaparte.
Nach dem Staatsstreich des 18. Brumaire VIII, bei dem sich Murat in Napoleons Augen hervorgetan hatte, und durch die Fürsprache von Josephine Bonaparte gab Napoleon den beiden doch die Zustimmung zur Eheschließung. Am 20. Januar 1800 heirateten Caroline und Joachim auf Schloss Mortefontaine. Zwei Jahre darauf holte sich das Ehepaar den kirchlichen Segen. Insgesamt bekam das Paar vier Kinder, wobei Caroline darauf spekulierte, dass eines ihrer Kinder die Nachfolge des kinderlosen Napoleon antreten würde.
Talleyrand urteilte über Carolines Ehrgeiz: „Ein Kopf wie Cromwell auf dem Körper einer schönen Frau.“
Sowohl Caroline als auch Murat pflegten Affären mit unterschiedlichen Partnern. Caroline hatte u. a. eine Affäre mit Metternich, der zu diesem Zeitpunkt österreichischer Botschafter in Paris war. Von dieser Affäre erhoffte sich Caroline vor allem politische Vorteile.
1805 gewann Napoleon im Feldzug gegen Österreich und Russland das Großherzogtum Kleve und Berg und übertrug es 1806 seinem Gefolgsmann Murat. Zu dieser Zeit hatte das Großherzogtum, mit der Hauptstadt Düsseldorf, 320.000 Einwohner, durch eine Gebietsvergrößerung ein Jahr später stieg die Zahl auf fast eine Million. Während seiner zweijährigen Regierung als Herzog war Joachim insgesamt nur vier Monate vor Ort anwesend. Caroline war mit dem neuen Titel, der ihr bloß die Anrede königliche Hoheit verlieh, nicht zufrieden, da einige ihrer Geschwister mittlerweile von Napoleon bereits die Königswürde verliehen bekommen hatten. Während des Spanienfeldzuges hofften Joachim und Caroline auf die spanische Königskrone, da Joachim der Oberbefehlshaber der Truppen in Madrid war. Allerdings verlieh Napoleon die spanische Krone an seinen älteren Bruder Joseph, der dafür sein Königreich Neapel abgeben musste, das 1808 Murat übertragen wurde.
Als Königin von Neapel musste Caroline ihren Titel als Herzogin sowie die dazugehörigen Besitztümer abgeben. Als Königin hatte sie dennoch keine entscheidende Machtposition. Erst als Joachim 1812 am Russlandfeldzug teilnahm, wurde sie zur Regentin erhoben. Zwischen den Murats und Napoleon kam es in dieser Zeit immer wieder zu Konflikten, da Napoleon Murat nicht die Rolle eines Souveräns, sondern lediglich die eines Statthalters zubilligte. Aufgrund dessen hielt sich Caroline viel in Paris auf, um zwischen den Fronten zu vermitteln. Das Königspaar erwies sich als gut für den Staat. Durch ihre Minister und gute Beratung konnten die Staatsschulden behoben und die Infrastruktur ausgebaut werden. Caroline entwickelte sich zu einer Mäzenin der Künste, vor allem der Archäologie. Auch ihrer finanziellen Unterstützung war es zu verdanken, dass die Ausgrabungen von Pompeji vorangebracht wurden.
Die Geburt von Napoleon II. zerstörte ihre Hoffnung, dass ihr ältester Sohn Napoléon Achille Murat ihrem Bruder nachfolgen könnte. So verbündete sie sich mit Napoleons Feind, Clemens von Metternich, der nach der Herrschaft der hundert Tage vergeblich versuchte, Murats Thron zu retten.
Das Verhältnis zwischen Joachim Murat und Napoleon spitzte sich in den weiteren Jahren immer mehr zu. Vor allem der Russlandfeldzug führte zu stärkeren Konflikten. Murat nahm nach dem desaströsen Feldzug Kontakt zum Wiener Hof auf, um mit Franz II. über den Schutz seines Königreiches zu verhandeln. Ob Caroline von diesen Verhandlungen wusste, ist nicht überliefert. Allerdings nahm sie 1813 selbst Kontakt zum Wiener Hof auf, um selbige Situation zu klären. Der Wiener Hof forderte von den Murats, dass sie sich nicht nur neutral in den europäischen politischen Konflikten verhielten, sondern sich gegen Napoleon wandten und zu den Alliierten übertraten. 1814 reiste der österreichische Gesandte Graf Adam Albert von Neipperg nach Neapel, um dem Königspaar ein Ultimatum zu stellen. Sollten sie nicht in ein Bündnis mit den Alliierten eintreten, rücke Österreich mit seiner Italienarmee in das Königreich Neapel ein. Fouché war ebenfalls in Neapel und versuchte den Seitenwechsel zu verhindern, aber von einer Lossagung von Frankreich zu überreden. Caroline setzte sich schließlich durch und das Bündnis mit Österreich wurde am 11. Januar 1814 offiziell geschlossen. Joachim Murat erklärte daraufhin Frankreich den Krieg und schickte Truppen in einem Scheinkrieg gegen die Italienarmee Eugène de Beauharnais’, des Stiefsohns Napoleons aus erster Ehe. Der Verrat der Murats stieß auf große Kritik, viele waren enttäuscht und wandten sich von ihnen ab.
Nach Napoleons Abdankung 1814 und seinem Exil auf Elba wurde das Königreich Neapel zum Treffpunkt französischer Exilanten. Während der 100-Tage-Herrschaft Napoleons kämpfte Joachim Murat wieder an dessen Seite. Caroline übernahm währenddessen erneut die Regentschaft. Joachims Rückkehr an Napoleons Seite bedeutete den Bruch für das Bündnis mit Österreich. Trotz des Bündnisbruchs suchte Caroline 1815, als Neapel geplündert wurde, Schutz in Österreich. Dort wurde ihr von der Regierung erlaubt, sich in Triest als „Gräfin von Lipona“ (Anagramm von Napoli) niederzulassen. In Triest wartete sie auf ihren Ehemann, der selbst im Königreich Neapel-Sizilien einen gescheiterten Restaurationsversuch unternahm und am 13. Oktober 1815 in Pizzo in Kalabrien auf Anordnung des Bourbonenkönigs Ferdinand IV. standrechtlich erschossen wurde.
Auf dem Wiener Kongress wurde bestimmt, dass die Mitglieder der Familie Bonaparte ihre Titel und Besitztümer zurückgeben mussten. Außerdem wurde festgelegt, dass sie das französische Staatsgebiet verlassen und von da an im Exil leben mussten. Für Caroline bedeutete dies, dass sie nicht zurück nach Neapel oder Frankreich, insbesondere Paris konnte. Sie lebte von nun an in Österreich. Dort erwarb sie das Schloss Frohsdorf bei Wien. In den nächsten fünf Jahren residierte sie dort mit ihrem neuen Lebensgefährten General Francesco Macdonald (1777–1837), der 1814/15 Kriegsminister Murats in Neapel gewesen war und den sie 1830 heiratete. 1820 kam es in Neapel zu Unruhen, wofür Caroline von König Ferdinand IV. verantwortlich gemacht wurde. Daraufhin war sie regelmäßigen Durchsuchungen ausgesetzt und die Regelungen wurden verstärkt. Auch der Tod Napoleons 1821 brachte für Caroline keine Verbesserung ihres Exils. Erst die Intervention von Metternich brachte Lockerungen in ihr Leben. Auf sein Wirken hin durfte sie sich in Triest niederlassen. Weiterhin verlangte Caroline die Rückgabe ihrer ehemaligen Besitzungen und Vermögenswerte, welche ihr von Frankreich und Neapel verweigert wurden. Durch einen Anteil am Erbe ihrer Schwester Pauline verbesserte sich ihre Lage.