An diesem Tag

Carola von Braun

Deutsche Politikerin (FDP), MdA, MdB

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Carola von Braun (auch Carola Freifrau von Braun; verheiratete Carola von Braun-Stützer; * 12. September 1942 in Nakuru, Kenia; † 7. August 2026) war eine deutsche Politikerin der FDP und Frauenrechtlerin. Sie war von 1980 bis 1983 Mitglied des Deutschen Bundestages, von 1984 bis 1990 Frauenbeauftragte des Senats von West-Berlin und von 1990 bis 1994 Landesvorsitzende der FDP Berlin sowie Vorsitzende der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus von Berlin.

Carola von Braun war die Tochter von Hildegard Beck-Margis (1915–2001) und des Diplomaten Sigismund von Braun (1911–1998). Sie wurde während des Zweiten Weltkriegs in der damaligen britischen Kolonie Kenia geboren, wo ihre Familie eine Zeit lang in einem Lager interniert war. Ihre Großmutter Hildegard Margis starb im Frauengefängnis Barnimstraße, nachdem sie wegen ihres Widerstandes im Zusammenhang mit der Gruppe um Anton Saefkow und Franz Jacob verhaftet worden war. Ihr Großvater väterlicherseits war der DNVP-Politiker Magnus von Braun, Minister in den Regierungen von Papen und Schleicher in der letzten Phase der Weimarer Republik. Ihr Onkel war der Raketentechniker Wernher von Braun, ihre Schwester ist die Kulturwissenschaftlerin Christina von Braun. Als Kind lebte die evangelisch getaufte Carola von Braun von 1944 bis 1949 mit ihrer Mutter und Geschwistern im Vatikan. Ihr Vater war während des Zweiten Weltkriegs Legationssekretär des Deutschen Reichs beim Heiligen Stuhl, beim Einmarsch der Alliierten in Rom entging die Familie durch die Flucht in den päpstlichen Staat einer drohenden Internierung.

Carola von Braun wuchs in Bonn auf, wo sie am Nicolaus-Cusanus-Gymnasium 1961 ihr Abitur ablegte. Anschließend studierte sie bis 1964 Anglistik und Geschichte, zunächst an der Universität Bonn, dann in Berlin. Nach dem Studium arbeitete sie zunächst als Journalistin. Ab 1973 war sie in Bonn als Mitarbeiterin von Bundestagsabgeordneten der SPD und der FDP (Dieter Lattmann, Helga Schuchardt und Anke Martiny) tätig. Im Jahr 1974 trat sie auch selbst in die FDP ein.

Von Braun wurde 1975 in den Kreistag des Rhein-Sieg-Kreises gewählt, wo sie von 1979 bis 1981 der FDP-Fraktion vorstand. Über die Landesliste Nordrhein-Westfalen wurde sie 1980 in den Deutschen Bundestags gewählt, dem sie bis zum vorzeitigen Ende der Legislaturperiode 1983 angehörte. In dieser Zeit war sie bildungs- und kulturpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion. Sie gehörte dem linksliberalen Flügel ihrer Partei an und war 1982 eine Gegnerin des Bruchs der sozialliberalen Koalition.

Unter dem Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen und dem Sozialsenator Ulf Fink (beide CDU) wurde Carola von Braun 1984 zur ersten Frauenbeauftragten des West-Berliner Senats (damals einer CDU-FDP-Koalition) ernannt. Das von ihr geleitete Referat wurde 1985 im Senat Diepgen II der Senatorin für Jugend und Familie Cornelia Schmalz-Jacobsen (FDP) unterstellt. Von Braun behielt diese Position auch nach dem Regierungswechsel zum rot-grünen Senat Momper 1989. Daneben gehörte sie von 1982 bis 1992 dem Kuratorium der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung an.

Im Zuge der deutschen und Berliner Wiedervereinigung wechselte von Braun zurück in die Parteipolitik. Am 2. September 1990 wurde sie zur ersten Vorsitzenden des Gesamt-Berliner FDP-Landesverbands gewählt, wobei sie sich gegen Hermann Oxfort vom rechten Flügel der Partei durchsetzte. Von 1986 bis 1994 war sie Mitglied des Bundesvorstands der FDP, von 1991 bis 1994 Mitglied des Bundespräsidiums der FDP. Bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus im Dezember desselben Jahres war sie Spitzenkandidatin ihrer Partei. Die in West-Berlin zuvor außerparlamentarische FDP erhielt bei dieser Wahl 7,1 Prozent der Stimmen und kehrte in das Abgeordnetenhaus zurück. Von Braun wurde anschließend auch zur Vorsitzenden der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus gewählt.

Im Februar 1994 gab sie zunächst den Landesvorsitz der FDP und dann den Fraktionsvorsitz auf. Gleichzeitig beendete sie auch die Parlamentsarbeit. Grund war ihre Verstrickung in die sogenannte „Figaro-Affäre“. Ihr wurde seinerzeit von fraktionsinternen Rechnungsprüfern vorgeworfen, private Flug- und Taxispesen sowie Friseurrechnungen über die FDP-Fraktionskasse abgerechnet zu haben. Wegen Fehlens tatsächlicher und rechtlicher Anhaltspunkte wurde das strafrechtliche Ermittlungsverfahren mit Verfügung der Staatsanwaltschaft beim Landgericht Berlin vom 26. September 1994 eingestellt. Auch der Landesrechnungshof Berlin hatte am Verhalten von Brauns nichts zu beanstanden.

Nach ihrem Ausscheiden aus dem Parteiamt und Niederlegung des Abgeordnetenmandats kehrte von Braun in die Berliner Landesverwaltung zurück, wo sie ab 1996 die zu diesem Zeitpunkt noch bestehende Abteilung Berufliche Bildung in der Senatsverwaltung für Arbeit, Berufliche Bildung und Frauen bzw. später das Referat Berufliche Bildung als Teil der zusammengelegten Abteilung Arbeit und Berufliche Bildung in der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Arbeit und Frauen leitete.

Aus erster Ehe stammen zwei Söhne. In einer späteren Ehe war sie bis zu dessen Tod im Jahr 2021 mit dem Juristen Jürgen Colsman verheiratet.

Im August 2026 starb von Braun im Alter von 83 Jahren.

Carola von Braun initiierte 1992 die Überparteiliche Fraueninitiative Berlin – Stadt der Frauen e. V. (Üpfi), ein über Fraktionsgrenzen wirkendes Bündnis engagierter Frauen des Berliner Abgeordnetenhauses, der Berliner Landesregierung, der Gewerkschaften, aus Wissenschaft, Kultur und weiteren Bereichen des öffentlichen Lebens. Sie war deren Vorstandssprecherin sowie Ehrenvorsitzende.

Seit den 1990er Jahren engagierte sich von Braun auch in der evangelischen Kirche, so gehörte sie acht Jahre lang dem Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentages und sechs Jahre der EKD-Synode an. Sie war von 2008 bis 2018 Vizepräsidentin der Evangelische Akademie zu Berlin.

Sie war Gründungsmitglied und später Ehrenmitglied der 1991 in Berlin gegründeten Deutsch-Ungarischen Gesellschaft e. V. Außerdem war sie Mitglied im Präsidium des Internationalen Bundes (IB), einem freien Träger der Jugend-, Sozial- und Bildungsarbeit.

2010: Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland

2015: Louise-Schroeder-Medaille

2026: Ehrung durch die Überparteiliche Fraueninitiative e. V.

Werner Breunig, Andreas Herbst (Hrsg.): Biografisches Handbuch der Berliner Abgeordneten 1963–1995 und Stadtverordneten 1990/1991 (= Schriftenreihe des Landesarchivs Berlin. Band 19). Landesarchiv Berlin, Berlin 2016, ISBN 978-3-9803303-5-0, S. 104 f.

Carola Freifrau von Braun. In: Internationales Biographisches Archiv 35/1994 vom 22. August 1994, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)

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