Carlos Pérez del Castillo (* 2. Juni 1944 in Montevideo, Uruguay; † 23. August 2025) war ein uruguayischer Diplomat und Politiker. Er war unter anderem Ständiger Vertreter seines Landes und Vizeaußenminister.
Carlos Pérez del Castillo wurde am 2. Juni 1944 im uruguayischen Montevideo geboren. Er besuchte das Lycée Français in Montevideo und studierte dann in Australien an der Australian National University in Canberra. Er machte dort einen Bachelor-Abschluss in Wirtschaftswissenschaften. Er besaß auch ein Diplom in Agrarwissenschaften des Dookie Agricultural College. Er arbeitete zunächst für zwei Jahre im Büro für Landwirtschaft (Bureau of Agricultural Economics) Australiens.
Er wechselte dann in den Staatsdienst Uruguays, wo er 1969 zum wirtschaftlichen Berater in der Botschaft Uruguays in Australien wurde. Dies blieb er bis 1971. Pérez del Castillo arbeitete dann für ein Jahr im International Trade Centre in Genf, bevor er 1973 leitender Beamter für Wirtschaftsangelegenheiten bei UNCTAD wurde. Er wurde später auch Leiter der Abteilung für landwirtschaftliche Rohprodukte und Vieh (Department of Agricultural Raw Materials and Livestock Sector). In dieser Funktion war er an der Verhandlung des International Tropical Timber Agreement beteiligt. Insgesamt blieb er in dieser Tätigkeit bis 1982.
Im Jahr 1982 wurde er Koordinator für internationale Wirtschaftsprogramme der Vereinten Nationen bei der Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik in Santiago in Chile. Drei Jahre später, im Jahr 1985, wurde er Generaldirektor für Wirtschaftsangelegenheiten im Außenministerium Uruguays und war direkt beteiligt an der Organisation der Uruguay-Runde. In dieser Funktion verblieb er bis 1987. Im März 1986 war er an einem Prozess beteiligt, der später zur Gründung der Cairns-Gruppe führte.
Im Jahr 1987 wurde er zum Sekretär des Lateinamerikanischen Wirtschaftssystems gewählt. Seine Amtszeit ging vier Jahre und beschäftigte sich vor allem mit drohenden Schuldenfragen der Region. Nach Ende seiner Amtszeit wurde er 1992 Partner und Generaldirektor bei CPC Consultora Internacional, einer uruguayischen Beraterfirma. Pérez del Castillo beriet in dieser Funktion viele private Unternehmen bei ihren internationalen Wirtschaftsstrategien und die Regierungen von Chile und Costa Rica.
Drei Jahre später, 1995, wechselte er zurück ins Außenministerium und wurde Vizeaußenminister Uruguays, was er bis 1998 blieb. In dieser Funktion diente er auch zeitweise als geschäftsführender Außenminister Uruguays. Er war in dieser Tätigkeit insbesondere als Hauptverhandlungsführer beim MERCOSUR beteiligt und gründete mit Theo Ben Gurirab das African-Latin American Institute.
Im März 1998 wurde Pérez del Castillo zum Ständigen Vertreter seines Heimatlandes bei den Vereinten Nationen in Genf, zum Ständigen Vertreter bei der Welthandelsorganisation (WTO), zum Ständigen Vertreter bei UNCTAD, und zum Ständigen Vertreter bei den anderen internationalen Organisationen in Genf ernannt. Dies blieb er bis Februar 2004. Zu den anderen internationalen Organisation gehörten die Internationale Arbeitsorganisation, UNHCHR, die Weltgesundheitsorganisation, die World Meteorological Organization, die Weltorganisation für geistiges Eigentum, UNDP, die International Communications Union und UNHCR.
Im Rahmen seiner Vertretung bei der Welthandelsorganisation wurde er im Jahr 1999 zum Vorsitzenden des Rates für handelsbezogene Aspekte der Rechte des geistigen Eigentums, im Jahr 2000 für ein Jahr zum Vorsitzenden des Rates für den Handel mit Waren, im Jahr 2002 zum Vorsitzenden des Dispute Settlement Body und im Jahr 2003 für ein Jahr zum Vorsitzenden des Allgemeinen Rates der Welthandelsorganisation. Im Rahmen des Vorsitzes des Allgemeinen Rates war er maßgeblich an der Organisation der 5. Ministerkonferenz der WTO beteiligt. Auch war er Vorsitzender der Arbeitsgruppe für den Beitritt Algeriens zur WTO. Im Rahmen seiner Vertretung bei UNCTAD war er 2001 Mitglied des UNCTAD Advisory Body bis 2004. Von 2001 bis 2002 war er Vorsitzender des U.N. Diplomatic Committee.
Im Februar 2004 wurde er zum Berater des Präsidenten Uruguays für Internationale Handelsverhandlungen ernannt. Er war unter anderem bei der Verhandlungen von UNCTAD XI in São Paulo im Juni 2004 beteiligt. Im Jahr 2005 war er einer der Kandidaten zur Wahl des Generaldirektors der WTO. Am Ende wurde Pascal Lamy neuer Generaldirektor.
Am 18. Oktober 2005 wurde er als Panelist im WTO-Panel im Fall European Communities and Certain Member States - Measures Affecting Trade in Large Civil Aircraft ausgewählt. Im Februar 2006 wurde er Berater für die FAO in Rom. In den weiteren Jahren arbeitete der uruguayische Diplomat für zahllose internationale Organisationen. Dazu gehörte beispielsweise eine Mitgliedschaft in einer Expertengruppe, die über eine Reform der UNESCO beraten sollte oder das Amt des Vizevorsitzenden des Vorstands des International Food and Agriculture Trade Policy Council mit Sitz in Washington oder das des uruguayischen Zentrums für internationale Beziehungen (CURI). Als Berater war er unter anderem für ALADI, UNCTAD, UNDP, das Inter-American Institute for Cooperation on Agriculture (IICA) oder die Inter-Amerikanische Entwicklungsbank tätig. Im Dezember 2009 wurde er Vorsitzender des Consortium-Vorstands von CGIAR und 2012 Vorsitzender eines Beratungsgremiums für das Forum der Vereinten Nationen über Entwicklungsstandards.
Im Jahr 2015 wurde er Sonderberater des Außenministeriums für Handelsverhandelungen und 2016 Botschafter in Belgien und Botschafter bei der Europäischen Union. Dies verblieb er bis April 2022.
Pérez del Castillo verstarb am 23. August 2025. Seine Beerdigung fand am 26. August statt.
Pérez del Castillo sprach Englisch, Französisch und Spanisch.
Ständiges Mitglied der Harvard University Trade Group