Carlos Castaneda (eigentlich spanisch Carlos César Salvador Arana Castañeda oder Carlos Aranha Castañeda, * 25. Dezember 1925 in Cajamarca; † 27. April 1998 in Los Angeles) war ein US-amerikanischer Ethnologe und Schriftsteller peruanischer Abstammung. In den 1970er und 1980er Jahren erlangten seine Bücher internationale Popularität. Darin berichtet er, dass er im Rahmen seiner Feldforschung über die Ureinwohner Mexikos sowie deren Gebrauch von Heilkräutern und Heiligen Kakteen (Peyote) einen Yaqui-Indianer namens „Don Juan Matus“ kennengelernt und von ihm eine Sichtweise der Wirklichkeit (englisch separate reality) gelernt habe, die seinen bisherigen wissenschaftlichen und religiösen Welterklärungsmodellen widersprach. Hierbei maß der Autor den sog. bewusstseinserweiternden natürlichen Drogen zunächst eine hohe Bedeutung bei; jedoch distanzierte er sich in den jüngsten seiner Werke – erst Ende der 90er Jahre veröffentlicht – weitgehend von dieser Sicht. Seine Schriften wurden von der New-Age-Bewegung aufgegriffen und spielten zeitweise nicht nur in esoterischen Zusammenhängen eine wichtige Rolle.
Castaneda, Sohn von César Arana Burungaray (1892–1970), einem Uhrmacher und Goldschmied, und Susana Castañeda Novoa († 1949), wuchs in Peru auf. In den 1940er Jahren besuchte Castaneda die öffentliche Schule 91, spanisch La Escuela Estatal Primaria de Menores N° 83004 Ex 91 „Juan Clemente Verjel“ und die weiterführende Schule „San Ramón“ in seiner Heimatstadt Cajamarca, spanisch Glorioso Colegio San Ramón für drei Jahre, machte dort aber keinen Abschluss.
Im Jahr 1948 zog die Familie Arana in die Hauptstadt Lima. Castaneda machte hier seinen Abschluss auf dem „Primer Colegio Nacional Benemérito de la República de Nuestra Señora de Guadalupe“, später besuchte er „Bellas Artes“, spanisch La Escuela Nacional Superior Autónoma de Bellas Artes (ENSABAP), die nationale Kunstakademie von Peru. Nach eigenen Angaben schickte man ihn in ein Internat nach Buenos Aires und später in die Vereinigten Staaten.
1951 ging Castaneda in Callao an Bord eines kleinen Schiffes („S. S. Yavari“), das ihn mit 16 anderen peruanischen Staatsbürgern nach San Francisco (Kalifornien) bringen sollte. Im September 1951 erreichte Castaneda den Hafen von San Francisco unter dem Namen „César Aranha“ (laut seinem peruanischen Pass mit der Nummer 34477). Nach eigenen Angaben kam er 1951 mit 15 Jahren nach San Francisco, wo er bei einer Adoptivfamilie lebte und 1955 an der „Hollywood High School“ einen Abschluss machte. Am 23. September 1951 stellte er den Antrag auf US-amerikanische Staatsbürgerschaft, seine Einbürgerung erfolgte am 21. Juni 1957.
1955 nahm Castaneda an Kursen des Los Angeles City College (LACC) erstmals unter dem Namen Carlos Castaneda teil. Während der ersten zwei Jahre belegte er Kurse in Journalismus, Wissenschaft und Literatur und besuchte zwei Kurse für kreatives Schreiben bei Vernon King. Im Jahr 1957 wurde ihm auf Antrag („Petition for Naturalization No. 199531“) die amerikanische Staatsbürgerschaft zuerkannt.
1959 machte Castaneda seinen Abschluss („Associate of Arts degree“) am LACC in Psychologie. Im gleichen Jahr ging er an die UCLA. 1960 besuchte er dort unter anderem Vorlesungen bei McCusick und Clement Meighan („Methods in Field Archaeology“).
1973 promovierte er zum Dr. phil. Seine Dissertation veröffentlichte er später unter dem Titel Reise nach Ixtlan.
In einem Interview sagte Margaret Runyan Castaneda (1921–2011), dass sie von 1960 bis 1973 mit Carlos Castaneda verheiratet gewesen sei, obgleich Castaneda die Ehe verschwieg und in seiner Sterbeurkunde stand, dass er nie verheiratet gewesen sei.
Weitere Ehefrauen waren Florinda Donner-Grau, er heiratete sie am 27. September 1993 in Las Vegas (Marriage license No. C 472101) sowie am 29. September 1993 Carol Muni Tiggs Alexander ebenfalls in Las Vegas. In der Heiratsurkunde Nr. C 472425 ist Carol Tiggs als erste Ehe aufgeführt, ebenso wie in der Heiratsurkunde mit Donner-Grau.
Castaneda starb um 3 Uhr am Morgen des 27. April 1998. Sein Leichnam wurde noch am gleichen Tag durch das Spalding Mortuary in Culver City eingeäschert, die Überreste am 28. April in Mexiko bestattet. In der Sterbeurkunde wird die unmittelbare Todesursache als metabolische Enzephalopathie (hepatische Enzephalopathie) für einen Zeitraum von zwei Tagen, ausgelöst durch Leberversagen für einen Zeitraum von zwei Wochen, aufgrund von Leberzellkrebs für einen Zeitraum von zehn Monaten – also seit Juli 1997 – aufgeführt. Castanedas Tod wurde erst am 19. Juni 1998 öffentlich bekannt gemacht.
Castaneda beschrieb in seinen Büchern (siehe Werke) in autobiografischem Erzählstil, wie er das Wissen erlangte, das ihm Don Juan vermittelte, und wie er im Laufe der Zeit seine eigene Stellung im Leben auf diesem „Pfad des Wissens“ erkannte.
Außerdem entwickelte er in Zusammenarbeit mit seiner Ehefrau Florinda Donner-Grau (mit früherem Namen: Regine Margarita Thal) und Carol Tiggs ein System von Übungen zur Harmonisierung körperlicher Energien, die als „magische Bewegungen“ bezeichnet wurden und die er in einem weiteren Buch veröffentlichte. Seit 1993 werden hierzu kommerzielle Workshops (Tensegrity) angeboten. Der Name dieser Übungen wurde den Arbeiten von Richard Buckminster Fuller entlehnt. Sie bestehen aus gezielten Muskelanspannungen, kämpferischen Bewegungen und Atmungskoordination. Verschiedentlich wurden sie mit sogenannten harten Qi-Gong-Übungen verglichen, die man in den nordchinesischen, koreanischen und japanischen Kampfkünsten häufig findet. Da die Tensegrity-Übungen in den zehn vorhergehenden Publikationen von Castaneda nicht direkt erwähnt werden, sind sie innerhalb der Castaneda-Fangemeinde umstritten.
Darüber hinaus veröffentlichten Florinda Donner-Grau, Carol Tiggs und Taisha Abelar Erlebnisberichte, in denen sie ihre Lehrzeit bei einem gewissen Don Juan und seinen Gefährten darstellen sowie Begegnungen mit Castaneda schildern. Alle drei Frauen traten nach Castanedas Tod nicht mehr öffentlich in Erscheinung.
1968 erschien im kalifornischen Universitätsverlag University of California Press Castanedas Buch „Die Lehren des Don Juan“. Beworben mit der Aussage: „Es wurde angenommen, der Westen habe keinen Weg des spirituellen Wissens hervorgebracht, der mit dem großen System des Ostens vergleichbar wäre“, erreichte das Buch binnen drei Jahren eine Auflage von 300.000 Stück.
Eine Aussage, die hinter den „Lehren des Don Juan“ in Castanedas Werken steht, lautet: Der Mensch und die Welt, die ihn umgibt, sind ein unergründliches Geheimnis; nur wer den „Weg des Herzens“ geht, kann den „Weg des Kriegers“ beschreiten, sein Bewusstsein erweitern und seine Lebensenergie effektiver nutzen. Dies geschehe durch ihre gezielte Umverteilung des Sinnes, dass jene ihrer Anteile, die aus Gründen der Erziehung und sonstiger kulturellen Prägung dem Betrieb destruktiver Aktivitäten zu dienen begonnen hatten, daraus zunehmend wieder abgezogen würden. Dies setzte dann das energetische Potenzial frei, welches, in die konstruktive, lebensbejahende Grundhaltung des Kriegers investiert, sein Empfinden, Denken und seine Handlungen charakterisiert.
Die wichtigsten Ziele diesen Weges sind: „Das Bekämpfen des Gefühls der eigenen Wichtigkeit“, „Den Eigendünkel ablegen“ und „Den Spiegel der Selbstbetrachtung zerbrechen“. Das Gefühl der eigenen Wichtigkeit, die Dünkel und Selbstbespiegelung sind nach Meinung der Zauberer dem heutigen Menschen aufgenötigte Eigenheiten, die seine Lebensenergie sinnlos binden, ihn daher schwächen. Da nach Don Juan das Wesen der Wirklichkeit aus frei fließender Energie besteht, scheint das Kriterium zur Beurteilung von Sinn und Unsinn ihr selbst immanent und ökonomischer Art zu sein. Unersetzlich und grundlegend ist auch das sog. Rekapitulieren, welches über Jahre hinweg zu praktizieren sei. Wesenhaft besteht es daraus, sämtliche Erfahrungen des bisherigen Lebens – insbesondere mit den Menschen, die man gekannt hat – wieder zu erinnern und während dessen zu verarbeiten. Hierbei würden nach und nach auch traumatische Erfahrungen wieder zugänglich, die bis dahin vergessen oder in den Bereich des Unbewussten verdrängt worden waren.