An diesem Tag

Carlo Ruzzini

Doge von Venedig

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Carlo Ruzzini (* 11. November 1653 in Venedig; † 5. Januar 1735 ebenda) war, folgt man der Zählweise der staatlich gesteuerten Geschichtsschreibung der Republik Venedig, ihr 113. Doge. Er regierte vom 2. Juni 1732 bis zu seinem Tod gut zweieinhalb Jahre lang.

Seinen Aufstieg verdankte er weder hauptsächlich einer sonst häufigen Ämterlaufbahn noch einer militärischen Karriere, sondern vor allem seiner Tätigkeit als Botschafter und Gesandter an den Höfen in Madrid und Wien, bei den Friedensverhandlungen in Karlowitz und in Utrecht, dann in Konstantinopel. Nach diesen weit über ein Jahrzehnt in Anspruch nehmenden diplomatischen Aufgaben genoss er in Venedig höchstes Ansehen, wurde Prokurator von San Marco und saß in den wichtigsten Ratsgremien Venedigs.

Carlo Ruzzini wurde als dritter Sohn des späteren Prokurators Marco Ruzzini und seiner Ehefrau Caterina Zen di Giovanni geboren, die außer ihm noch vier Söhne und vier Töchter hatten. Zwar stellten die Ruzzini vor Carlo Ruzzini keinen Dogen, doch war Bianca Ruzzini die Mutter der Dogaressa Elisabetta Querini, der Ehefrau des Dogen Silvestro Valier. Carlo Ruzzini selbst war nicht verheiratet und hatte keine Kinder.

Die 1669 geschlossene Ehe seines älteren Bruders Giovanni Antonio mit Elena Donà gestattete es Carlo Ruzzini, sich ausschließlich seiner politischen Laufbahn zu widmen. Dabei pflegte er ein gutes Verhältnis zu seinen Neffen, die ihn zuweilen auf seinen Gesandtschaftsreisen begleiteten.

Carlo Ruzzini erhielt, nachdem er in den ersten Jahren von Hauslehrern unterrichtet worden war, eine sorgfältige Ausbildung an der vom Orden der Somasker betriebenen Schule bei Santa Maria della Salute, war zunächst Mitglied und später Savio des Ordens. Wegen seiner schwachen physischen Konstitution ließ ihn der Vater nicht außerhalb Venedigs lernen.

Wie üblich in Venedig, wo die jungen Adligen ihre Ämterlaufbahn zwischen 20 und 25 Jahren begannen, übernahm Carlo Ruzzini am 25. Februar 1679 den gleichfalls üblichen Einstiegsposten eines Savio agli Ordini bis zum 4. Oktober. Am 2. Januar 1680 wählte man ihn auf ein Jahr zum Provveditore sopra gli Uffici. Allerdings verhinderte die venezianische Gesetzgebung, dass, solange sein Vater im Collegio saß, er eine senatorische Karriere einschlagen konnte. Das galt auch für andere Verwandte.

In der Folge zog er es 1681 und erneut 1684 vor, mit einer Gesandtschaft nach Frankreich und ins Heilige Römische Reich zu gehen. So erlangte er erste Erfahrungen auf dem diplomatischen Parkett. Im April 1682 wurde er Provveditore sopra le Camere (bis September 1683), dann Savio alle Decime für das ganze Jahr 1685. Inzwischen konnte er auch im Rahmen des Senats aufsteigen, so dass er in den ersten Halbjahren 1686 und 1687 Savio di Terraferma wurde, also mit dem venezianischen Gebiet in Oberitalien, der Terraferma, befasst war, dann erneut von Oktober 1688 bis März 1689 und je für das gleiche Halbjahr 1689 und 1690.

Botschafter in Madrid (1691–1693) und in Wien (1695), Verhandlungen von Karlowitz (bis 1699)

Als er am 17. September 1689 als Botschafter an den französischen Hof in Paris ausgewählt wurde, lehnte er diese Aufgabe zwar ab, doch die Wahl vom 8. Juli 1690 für eine solche Reise nach Spanien nahm er an. Allerdings verzögerte sich seine Abreise um mehr als ein Jahr. Seinen ersten Bericht, seine relazione, auf dem Weg dorthin, verfasste er am 28. September 1691 in Padua. Er reiste von dort nach Lyon, dann über Pamplona nach Madrid, wo er drei Jahre blieb.

Noch während er sich dort aufhielt, wurde er am 17. Dezember 1693 zum Botschafter für den Hof in Wien nominiert. Als Plenipotentiar verhandelte er bis zum Abschluss des Friedens von Karlowitz – allerdings musste er seine Schritte bis ins Detail mit dem Senat abstimmen. Die beiden relazioni, die Abschlussberichte, hielt er erst nach seiner Rückkehr nach Venedig im Dezember 1699. Darin erkannte er die Verdienste im Kampf gegen die „empietà maomettana trapiantata dall’Africa“ an, also neutraler formuliert, gegen den aus Nordafrika eingedrungenen Islam. Doch beobachtete er auch starke Symptome des Niedergangs bis in die königliche Familie hinein.

Ende 1694 verließ er Madrid, im März 1695 reiste er von Venedig nach Wien, wo er am 12. Mai 1695 einzog. Die Verhandlungen mit den Osmanen und dem Reich zogen sich hin, doch am Ende fiel Venedig die Morea zu, wie die Halbinsel Peloponnes hieß, dazu einige Gebiete in Dalmatien. Ausführlich beschrieb Ruzzini die Mentalität der beteiligten Nationen, wobei er, wie im spanischen Fall, zahlreiche zeittypische Klischees nutzte.

Im innersten Zirkel (ab 1699), Botschafter in Madrid (1699–1702)

Im April 1699 verließ er Wien, um in Venedig nun selbst Savio del Consiglio zu werden (September 1699 – März 1700). Bis zum 30. April 1702 wurde er danach in kein Amt mehr gewählt.

Doch an diesem Tag wurde er, zusammen mit Federico Corner, erneut zum Botschafter in Spanien gewählt. Dies hing mit dem Spanischen Erbfolgekrieg zusammen, der Europa mehr als ein Jahrzehnt in Atem halten sollte. Venedig hatte als legitimen Erben Philipp V. anerkannt, der sich in Mailand aufhielt, um die Österreicher zu bekämpfen, deren Truppen in die Lombardei eingedrungen waren, in unmittelbarer Nachbarschaft der venezianischen Terraferma. Ruzzinis Mission dauerte vom 28. Juli bis in den November 1702. Beim König erhielten die Diplomaten allerdings erst am 23. Oktober in Mailand eine Audienz.

Sonderbotschafter in Konstantinopel (1704–1706)

Am 16. August 1704 wurde Ruzzini zum Sonderbotschafter beim osmanischen Sultan Ahmed III. gewählt, an dessen Hof er vergeblich für eine friedliche Konfliktlösung warb. Ihm war klar, dass die Osmanen an der Morea festhalten würden, deren Verlust sie nicht auf Dauer hinzunehmen gedachten. Für sie war die Halbinsel „la spina che punge il cuore, perch’è uno stato importante, vicino, pretioso“, sie sei der Dorn, der in ihr Herz steche, denn sie sei ein wichtiges, nahes, wertvolles Territorium.

Ruzzini versuchte es in seiner relazione zu vermeiden, „cose già molte volte spiegate“ zu wiederholen, und statt dieser schon oftmals erklärten Überlegungen zur Geographie, den Finanzen oder den Eigenheiten der Türken, lieber eine Art Handreichung für zukünftige Diplomaten zu verfassen.

Am 3. März 1706 erreichte ihn die Nachricht von seiner Wahl zum Procuratore di S. Marco de citra, dem zweithöchsten Rang, den die Republik nach dem Dogat zu vergeben hatte. Im September des Jahres kehrte er nach Venedig zurück, um von April bis September 1707 das Amt eines Savio del Consiglio einzunehmen, ebenso wie in der zweiten Jahreshälfte 1708.

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