Carlo Goldoni (* 25. Februar 1707 in Venedig; † 6. Februar 1793 in Paris) war ein venetischer Komödiendichter und Librettist.
Carlo Goldoni ist nach seinem aus Modena stammenden Großvater Carlo Alessandro Goldoni benannt, der in Parma studiert und dort zwei venezianische Patrizier kennengelernt hatte, die ihn davon überzeugten, sich in Venedig niederzulassen und eine Position in der im Jahr 1506 eingerichteten Behörde zur Überwachung des Handels zu übernehmen (Cinque Savi sopra la mercanzia - Fünf Weise des Handels). Aus seiner ersten Ehe mit einer jungen Frau aus der Familie Barilli entstammt sein erster Sohn Giulio Goldoni, der Vater des Dichters. Danach lernte der Großvater eine wohlhabende Witwe kennen, die zwei Töchter hatte. Er heiratete die Witwe Margherita Salvioni und bestimmte eine von ihren Töchtern zur Ehefrau seines Sohnes Giulio. So kam die Familie insgesamt zu Vermögen. Goldoni schreibt in seinen Memoiren, er habe im Haus des Großvaters Theater- und Opernaufführungen gesehen: „Wie hätte ich das Theater verachten können? Wie hätte ich dem Frohsinn abhold sein sollen?“ Der Großvater sei 1712 gestorben und danach sei das Vermögen schnell zerschmolzen. Diese Darstellung aus den 1787 in Paris in französischer Sprache erschienenen Memoiren ist umstritten, es gibt auch an anderen Stellen Widersprüche zu den ab 1761 auf Italienisch abgefassten Erinnerungen – der Großvater soll schon 1703 gestorben sein:„In Wirklichkeit ist Carlo Goldoni der Ältere bereits seit vier Jahren tot, als der Enkel geboren wird....Nicht erst seit 1712, schon wesentlich früher befindet sich die Familie in desolaten Verhältnissen; Von allem Glanz bleibt nicht mehr übrig als das Marionettentheater...“. Goldonis Memoiren sind nicht nur an dieser Stelle kritisch zu lesen, vor allem die chronologischen Abläufe sind nicht immer korrekt. Das der Familie verbleibende Vermögen war groß genug, um eine Bibliothek zu unterhalten, Goldoni von Hauslehrern unterrichten zu lassen und ihm eine gehobene Erziehung zu geben, die es ihm erlaubte, sich schon als Schüler mit dramatischen Versuchen zu beschäftigen.
Giulio und Margherita Goldoni hatten zwei Kinder, die früh starben, bis 1707 der Sohn Carlo geboren wird. 1712 gebar die Mutter noch ein weiteres Kind (Giampaolo Goldoni). Danach reiste der Vater zunächst ohne bestimmte Absicht nach Rom, knüpfte dort gesellschaftliche Kontakte und erhielt die Empfehlung, sein früheres Medizinstudium wieder aufzunehmen. Er folgte ihr, wurde vier Jahre später promoviert, eröffnete (1716) in Perugia eine Arztpraxis und handelte mit Medikamenten. Während der römischen Jahre verblieb die Mutter in Venedig allein mit Carlo, den Sohn Giampaolo gab sie zeitweise bei anderen Leuten in Pension. Zu diesem Bruder hatte Goldoni zeitlebens ein problematisches Verhältnis. Die Familie folgte Giulio dann nach Perugia und wohnte später in Chioggia. Der Vater praktizierte weiterhin in Perugia und folgte manchen seiner Patienten auch in andere Städte Italiens.
Berufserfahrungen und Studium der Rechte
Im Alter zwischen 12 und 14 Jahren (1719 und 1721) ging Carlo Goldoni in eine von Jesuiten geleitete Schule in Perugia (später auch in Rimini), begleitete seinen Vater hin und wieder in dessen medizinischer Praxis, entwickelte aber keine Freude an diesem Beruf. 1721 nahm der Vater ihn von der Schule und gab ihn zur Ausbildung (4. Schreibgehilfe) nach Venedig in das Anwaltsbüro seines Onkels Paolo Indric. Zwei Jahre später begann er mit dem Jurastudium in Pavia. Auf Vermittlung des Podestá von Pavia, eines Mailänder Senators Goldoni (mit der Familie aber nicht verwandt), erhielt Carlo 1723 ein Stipendium für das 1567 von Papst Pius V in Pavia gegründete Studieninternat Collegio Ghislieri, das noch heute existiert. Dort konnte er nicht nur wohnen, sondern erhielt neben der Universitätsausbildung viele kulturelle und wissenschaftliche Anregungen. Schon als Schüler hatte er geschrieben und hier verfasste er 1725 ein satirisches Intermezzo über die Bürger in Pavia (Der Koloss), das großes Aufsehen erregte. Er wurde aus dem Internat und der Universität gewiesen, kehrte zu seinem Vater zurück und führte in den nächsten zwei Jahren ein unstetes Leben, das zeitweise zu tiefen Depressionen führte.
1727 schickte der Vater ihn wieder zurück an die Universitäten Udine und Modena, in denen er das Jurastudium fortsetzte, aber teilweise durch praktische Tätigkeiten unterbrach: 1728–1729 wurde er „Koadjutor des Kriminalkanzlers“ (heute: Assistent des Staatsanwalts) in den zur Republik Venedig gehörenden Städten Chioggia und Feltre. Der Posten wurde nicht vergütet, verschaffte aber nützliche Kontakte zu einflussreichen Personen. Eine seiner Aufgaben war die Protokollführung bei Ermittlungsverfahren und Strafprozessen. Das Frontispiz von Bd. IX der Opere di Carlo Goldoni zeigt ihn am Schreibpult bei der Dokumentation einer Folterszene.
1731 starb der Vater mit 48 Jahren. Danach bemühte Goldoni sich um den Abschluss seines Studiums, der damals durch ein mündliches Promotionsverfahren erfolgte, zu dem man nur bei Nachweis bestimmter Kenntnisse (auch des Kirchenrechts) zugelassen wurde. Carlo Goldoni stellte diesen Antrag im gleichen Jahr erfolgreich an der Universität Padua und bestand die Prüfung. Danach wurde er 1732 in Venedig als Avvocato zugelassen. Dieser Begriff entsteht im 15. Jahrhundert, ist zunächst den Patriziern vorbehalten und öffnet sich im 18. Jahrhundert auch für bürgerliche Anwälte. Sie sind in Anwaltskollegien (corti) organisiert und wählen neue Kollegen hinzu. Dazu waren Mindestkenntnisse der in der Republik Venedig geltenden Gesetze nachzuweisen, die auch innerhalb der Republik nicht einheitlich waren: Das Strafrecht von Chioggia z. B. unterschied sich seit 1181 von den anderen Verwaltungsbezirken Venedigs.
Theaterautor, Diplomat, Rechtsanwalt
Goldoni bemühte sich nicht intensiv um anwaltliche Aufträge, sondern fuhr schon Anfang 1733 nach Mailand, um dort als Theaterautor Erfolg zu suchen. Schon als Kind war er fasziniert vom Theater:
In den Jahren seit 1719 hatte er schon einige Theatertexte verfasst und teilweise mit Laientheatern aufgeführt. 1729 während seiner Zeit als Gerichtsschreiber in Feltre unternahm er den Versuch, als Schauspieler in einem Liebhabertheater aufzutreten und führte dort seine eigens ohne Musik inszenierten Opern Didone und Siroe von Pietro Metastasio auf, ferner zwei komödiantische Intermezzi, die er zur Zeit des Karnevals schrieb: Il buon padre (Der gute Vater), sowie La cantatrice (Die Sängerin). Um sich jetzt in Mailand einen Ruf als Autor zu verschaffen, verfasste er die Stücke Amalasunta, Il Barcarole Veneziano, Belisario und La Birba (Der Betrug), konnte sie aber bei den Theatern nicht unterbringen. Er wohnte in der venezianischen Botschaft, hatte aber keine regelmäßigen Einkünfte.
Das änderte sich, als er in Verona den Impresario Giuseppe Imer traf, der den Belisario am 24. November 1734 im venezianischen Theater San Samuele (Eigentümer: Michele Grimani, dem noch drei andere Theater gehörten) aufführen lässt. Es wird – wie auch die anderen Stücke – ein großer Erfolg für Goldoni. Damals begegnete er der Geliebten von Imer, der Schauspielerin Giovanna Maria Casanova „Zanetta“ (1708–1776), die auch in seinen Stücken auftrat. Ihrem Sohn Giacomo Casanova sollte er im weiteren Verlauf seines Lebens hin und wieder begegnen.
Es folgten acht Jahre erfolgreicher Theaterarbeit, in denen sein Name in ganz Italien bekannt wurde. Etwa um diese Zeit begann auch die Zusammenarbeit zunächst mit Ciampi, dann aber mit Baldassare Galuppi, auf deren opere buffe der Hauptteil seiner Bedeutung als Librettist begründet ist. Dieser Zusammenarbeit entsprangen über die nächsten sieben Jahre einige der erfolgreichsten Buffo-Opern Italiens.
1736 übernahm Goldoni neben seiner Tätigkeit für das Teatro San Samuele das Teatro San Giovanni Chrisostomo, das ebenfalls Michele Grimani gehörte. 1738 konnte das Teatro San Samuele zwei berühmte Schauspieler mit Auslandserfahrung gewinnen. Für sie schrieb Goldoni die Komödie Momolo Cortesan (Girolamo, der Mann von Welt), wobei erstmals alle Dialoge im Text vorlagen und nicht improvisiert wurden.