Carl Philipp Wrede, seit 1814 Fürst von Wrede, (* 29. April 1767 in Heidelberg, Kurfürstentum Pfalz; † 12. Dezember 1838 in Ellingen, Königreich Bayern) war ein bayerischer Generalfeldmarschall, Politiker und Diplomat. Er unterzeichnete den Vertrag von Ried vom 8. Oktober 1813, durch den Bayern auf die Seite der Alliierten wechselte und in die Befreiungskriege eintrat.
Herkunft, Familie und erste Berufsjahre
Carl Philipp Wrede (manchmal auch in der Schreibweise Karl Philipp Wrede) wurde als der Sohn von Ferdinand Joseph Wreden und dessen Gattin Katharina geb. Freiin von Jünger geboren. Er war das jüngste von dreizehn Kindern. Sein Vater war kurpfälzischer Regierungsrat und Landschreiber des Oberamtes Heidelberg; er wurde 1790 während des Reichsvikariats von seinem Dienstherrn, Kurfürst Karl Theodor, in den erblichen Adels- und Reichsfreiherrnstand erhoben, damals wurde der Familienname in „Wrede“ verkürzt. Nach Abschluss seines Studiums trat Carl Philipp Wrede(n) 1787 die Stelle eines Hofgerichtsrates und Assessors beim Oberamt Heidelberg an. Bereits 1785 trat er als Forstmeister in Lindenfels in Erscheinung.
Wie die angebliche Abstammung von dem westfälischen Adelsgeschlecht Wrede, wurde der geburtsmäßige Freiintitel der Mutter offenbar als „Aufhübschung“ der Ahnentafel beigelegt: sie war eine verwitwete Pfeffer und die Tochter des Gastwirts »Zum Löwen« und Ratsherrn zu Bruchsal Johann Andreas Jünger und seiner Frau Maria Magdalena geb. Gall. Sie wurde am 26. Januar 1729 in Bruchsal geboren, heiratete am 21. März 1746 Ferdinand Joseph Wreden und starb am 28. März 1804 in Heidelberg.
Carl Philipps Großvater Franz Joseph Wreden (* 1695) war 1737 kurpfälzischer Hofgerichtsrat, Landschreiber des Oberamts Heidelberg und Amtsverweser zu Dilsberg, verheiratet mit Anna Maria geb. Wideck. 1753 war er Geheimer Rat und Amtsverweser in Groß-Umstadt. Er starb als Landschreiber von Groß-Umstadt. Seine Witwe und seine Kinder, nämlich Carl Philipps Vater Ferdinand Joseph Wreden, kurpfälzischer Regierungsrat und Landschreiber des Oberamts Heidelberg, Georg Christoph Wreden, Auditeur des General Freiherr von der Ostenschen Infanterieregiments, Maria Luisa Englert geb. Wreden und Franz Wreden, Leutnant und Auditeur im Anhalt-Zerbstischen Kürrassierregiment, verkauften die vom Großvater besessenen Häuser 1759. Carl Philipps Großvater Franz Joseph Wreden wurde am 1. April 1695 in Wiedelah im Harz geboren und starb am 30. Juli 1754 in Heubach/Hessen. Er heiratete am 16. März 1720 in Mannheim Anna Maria Josepha geb. Wideck († 23. Februar 1763 in Heidelberg). Sie war eine Tochter des Ratsherrn Franz Wideck von Sagan/Schlesien und seiner Ehefrau Euphrosine. Der Vater von Carl Philipps Großvater Heinrich Wrede war Stift Hildesheimischer Amtmann zu Wiedelah im Harz (1642–1720) und heiratete etwa 1687 Christina Hillebrand.
Erster Koalitionskrieg (1792–1797)
Im Sommer 1792 erfolgte die Ernennung Wredes zum pfälzischen Landkommissär bei dem Truppencorps des österreichischen Feldzeugmeisters Fürst Hohenlohe, der in der Umgebung von Schwetzingen seine Truppen sammelte. Nach Ernennung zum Oberlandeskommissär war er für die am Rhein stehende österreichische Armee unter Dagobert Sigmund von Wurmser zuständig und begleitete in dieser Funktion bis 1798 die Feldzüge gegen Frankreich.
Am 18. Juni 1794 zum Titularoberst ernannt, wurde Wrede wegen seiner in den Kriegen erworbenen Verdienste am 1. März 1798 zum Oberkriegskommissär in der Rheinpfalz ernannt. Am 28. Februar 1798 ernannte ihn Kurfürst Carl Theodor zum kurpfälzischen Obrist-Forstmeister.
Zweiter Koalitionskrieg (1799–1802)
Am 19. August 1799 wurde er mit Wirkung vom 18. Juni 1794 zum wirklichen Oberst im Generalstab ernannt und erhielt sogleich den Auftrag, in der Rheinpfalz ein Freiwilligencorps auszuheben und in Einsatzbereitschaft zu versetzen. Hierzu stellte er ein eigenes Bataillon teils durch allgemeine Werbung auf, mit dem er am Feldzug gegen Frankreich 1799 sich an den Gefechten bei Obrigheim und Langenzell (4. November), bei Wimpfen (20. November) und bei Lobenfeld (3. Dezember) besonders durch persönliche Tapferkeit und taktisches Geschick auszeichnete. Dafür erhielt er am 11. Dezember 1799 das Kurpfalz-bayerische Militär-Ehrenzeichen.
Mit kurfürstlichen Erlass vom 30. März 1800 wurde Wrede zum Brigadier der rheinpfälzischen Brigade der Subsidientruppen mit Generalmajors-Rang ernannt, die der Division des Generallieutenant von Zweybrücken unterstellt war. In den Schlachten bei Meßkirch am 5. Mai 1800 und bei Memmingen am 10. Mai 1800 bewährte er sich in besonderem Maße, dass er am 14. Mai 1800 im Alter von 33 Jahren zum Generalmajor der Infanterie ernannt wurde.
In der Schlacht von Hohenlinden am 3. Dezember 1800 versuchte Wrede mit seinen letzten Reserven, das Blatt noch zu wenden, musste jedoch erkennen, dass es auf dem Schlachtfeld nichts mehr zu gewinnen gab. So sammelte er die Reste seiner und der österreichischen Truppen und schlug sich durch die französischen Linien nach Dorfen durch. Nach Friedensschluss wurde er Mitglied der Kommission zur Neubildung der Bayerischen Armee unter dem Vorsitz von Wilhelm in Bayern.
Im März 1801 wurde Wrede in diplomatischer Mission nach Wien entsandt, übernahm jedoch 1802 wieder seine pfälzische Brigade und besetzte das an Bayern gefallene Hochstift Würzburg. Dort blieb er bis März 1803 und übernahm in Ulm die schwäbische Brigade.
Am 28. September 1804 wurde er zum Generallieutenant befördert.
Dritter Koalitionskrieg (1805)
Beim Beginn des Feldzugs gegen Österreich 1805 war er Vize-Kommandeur des bayerischen Armeekorps bestehend aus sechs Brigaden, den Oberbefehl hatte Generallieutenant von Deroy inne. Am 11. Oktober 1805 überraschte er starke Vorposten des österreichischen Generals Michael von Kienmayer und nahm den Großteil gefangen. Am nächsten Tag zog er in das von den österreichischen Truppen verlassene München ein und wurde von der Stadtbevölkerung stürmisch begrüßt. Nach kurzem Aufenthalt verfolgte er die Österreicher mit etwa 240 Berittenen aus dem 1. Dragoner- und 3. Chevaulegers-Regiment bis zur Erschöpfung von Pferden und Männern und brachte mehrere hundert Gefangene, Pferde und Gepäck ein. Wegen einer Verwundung von Deroys am 2. November 1805 übernahm Wrede gemäß Armeebefehl vom 13. November 1805 das Kommando über das bayerische Armeekorps. Trotz zahlenmäßiger Unterlegenheit stellte er in der verlorenen Schlacht bei Iglau (2. bis 5. Dezember 1805) gegen Erzherzog Ferdinand sein militärisches Können unter Beweis. Nach Friedensschluss wurde er zum Kommandeur der in Schwaben sowie während der Abwesenheit von Deroy der in Tirol und Bayern stationierten bayerischen Truppen. Mit Armeebefehl vom 1. März 1806 wurde ihm das Großkreuz des Militär-Max-Joseph-Ordens verliehen.
Vierter Koalitionskrieg (1806–1807)
Am Feldzug 1806 konnte Wrede wegen einer Erkrankung zunächst nicht teilnehmen, sondern traf erst am 4./5. April 1807 bei seiner 2. Division, die seit Anfang März bis dahin von Kronprinz Ludwig geführt wurde, in Pultusk ein. Während des am 16. Mai stattfindenden Gefechts bei Poplawi zeichnete er sich wiederum in besonderem Maße aus. Nach Rückkehr wurde ihm mit Armeebefehl vom 24. Dezember 1807 das Generalkommando in Schwaben mit Sitz in Augsburg übertragen.