An diesem Tag

Carl Peters

Deutscher Publizist; Begründer von Deutsch-Ostafrika (1856–1918)

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Carl Friedrich Hubertus Peters (Vorname auch: Karl; * 27. September 1856 in Neuhaus/Elbe; † 10. September 1918 in Woltorf bei Peine) war ein Publizist, Kolonialist und Afrikareisender mit stark ausgeprägter rassistischer Einstellung. Er gilt als Begründer der Kolonie Deutsch-Ostafrika.

Carl Peters wurde als achtes von elf Kindern des evangelischen Pastors Carl Johann Heinrich Arnold Peters und dessen Ehefrau Elisabeth Charlotte, geborene Engel, geboren. Er besuchte das Gymnasium Johanneum Lüneburg sowie die Klosterschule Ilfeld und galt als intelligenter wie auch sportlicher Schüler. 1876 legte er die Reifeprüfung ab und wurde wegen Kurzsichtigkeit vom Wehrdienst befreit. Er studierte an den Universitäten Göttingen, Tübingen und Berlin Geschichte, Philosophie und Geografie. Zu seinen Dozenten gehörten der Theologe Carl Heinrich Weizsäcker, die Historiker Bernhard von Kugler, Georg Waitz, Theodor Mommsen, Gustav Droysen, Heinrich von Treitschke und Karl Wilhelm Nitzsch sowie der Geograph Heinrich Kiepert. Gleichzeitig schrieb er journalistische Beiträge. Während seines Studiums wurde er 1879 Mitglied der Burschenschaft Primislavia Berlin. Carl Peters gewann 1878 die „Goldene Ehrenmedaille für Kunst und Wissenschaft“ und promovierte 1879 zum Doktor der Philosophie mit der Arbeit Untersuchungen zum Frieden von Venedig. Mit Bestehen des Oberlehrerexamens 1880 hätte er eine anschließende Referendarstelle als Gymnasiallehrer für Geographie und Geschichte einnehmen können.

Begegnung mit dem Britischen Empire

Im Dezember 1881 zog Peters nach London zu seinem vermögenden und in der englischen Hauptstadt angesehenen Onkel Carl Engel (1818–1882), einem Komponisten, Pianisten sowie Musikschriftsteller. In jenen Jahren beschäftigte sich Carl Peters intensiv mit der Philosophie und seinem Lieblingsphilosophen Arthur Schopenhauer. Zu Studienzwecken hielt er sich zu dieser Zeit unter anderem in Eastbourne, Boulogne-sur-Mer, Paris und Tunbridge Wells auf. In diesen Jahren kam er nach eigenen Angaben erstmals mit dem britischen Kolonialismus und der britischen Weltmachtpolitik in Berührung, die von nun an sein Weltbild beeinflussten. Während seines Londonaufenthaltes entwarf er auch ein Konzept für eine Expansion Deutschlands auf anderen Kontinenten außerhalb Europas nach dem Muster der von ihm studierten angelsächsischen Kolonialliteratur. Mit seiner Rückkehr 1883 nach Deutschland hatte er die Laufbahnen eines Dozenten für Philosophie und die eines Parlamentariers für sich geplant. In Deutschland war in diesen Jahren eine frühe Kolonialbewegung durch Wilhelm Hübbe-Schleiden, Robert Jannasch und Friedrich Fabri entstanden, die Peters mit großer Anteilnahme verfolgte und für die er durch Vorträge und herausgegebene Publikationen für seine kolonialpolitischen Pläne warb. 1882 erschien sein von Schopenhauer inspiriertes, wenig erfolgreiches Buch Willenswelt und Weltwille.

Das Anerbieten seines Onkels, sich als Engländer naturalisieren zu lassen und dadurch in den Genuss zahlreicher Privilegien zu gelangen, wies er als „Preußenfreund“ von sich. Nach dem Suizid von Karl Engel – Peters hielt sich zu diesem Zeitpunkt bereits wieder in Deutschland auf – erbte er dessen Vermögen und verkaufte einen großen Teil des Besitzes. Er veröffentlichte als Korrespondent in mehreren deutschen Zeitungen Beiträge über das öffentliche Leben und die ökonomischen Verhältnisse in Großbritannien, mit Schwerpunkt auf die britische Kolonialpolitik als eine der Quellen des Wohlstandes und der Unabhängigkeit. Die Engländer, so kritisierte er, verfügten über ein größeres Selbstbewusstsein und einen stärkeren Nationalstolz als die Deutschen (Das Deutschtum in London, 1883).

Nach der Rückkehr aus der britischen Hauptstadt ließ Peters sich in dem von ihm zunächst ungeliebten Berlin nieder und interessierte sich für die deutsche Kolonialbewegung. An dieser störte ihn, dass sie viel Öffentlichkeitsarbeit betrieb, aber keine konkreten Pläne zum Kolonieerwerb hatte. So gründete er gemeinsam mit Felix von Behr-Bandelin im März 1884 die Gesellschaft für deutsche Kolonisation (GfdK), übersiedelte zwischendurch nach Hannover und habilitierte im Sommer an der Universität Leipzig bei Wilhelm Wundt in Philosophie mit dem Thema Inwieweit ist Metaphysik als Wissenschaft möglich?

Noch vor seiner ersten Probevorlesung befand er sich bereits auf dem Weg nach Afrika. Die Wahl seines Ziels in Ostafrika war kurzfristig durch eine Reihe von Zufällen zustande gekommen. In der GfdK hatte es ausführliche Debatten über Gebiete gegeben, in denen man sich um Kolonien bemühen wollte. Eine Zeitlang war die Vorstandsmehrheit für Landerwerb in Südamerika. Peters gelang es, selbst den Vorsitz zu übernehmen und durch Neuberufungen die Mehrheit auf seine Seite zu ziehen. Ihm schwebte eine Gegend im Bereich des heutigen Simbabwe vor. Während Peters’ Abwesenheit aufgrund seiner Habilitation fand indes ein Vorschlag von Missionsinspektor Alexander Merensky die Mehrheit, sich Gebieten im Hinterland von Moçâmedes im heutigen Angola zuzuwenden. Die GfdK schrieb Anteile im Wert von 5000 Mark zur Finanzierung des Projekts aus, von denen 35 gezeichnet wurden. Am 20. August 1884 beschloss die Versammlung der Anteilseigner die „Anlegung einer selbstständigen deutschen Ackerbau- und Handelskolonie in Südafrika“. Während die für den Erwerb bestimmten Mitglieder Abschiedsbesuche bei ihren Familien machten, kam vom Auswärtigen Amt der Reichsregierung die Mitteilung, dass der Plan der GfdK sich auf Gebiete beziehe, die anerkanntermaßen zu Portugal gehörten, weshalb vom Deutschen Reich keinerlei Schutz zu erwarten wäre. In einer Vorstandssitzung am 16. September 1884 wurde beschlossen, das Reiseziel auf die Sansibar gegenüberliegenden Gebiete in Ostafrika umzulenken. Ausschlaggebend dafür war gewesen, dass Joachim von Pfeil, der einzige Expeditionsteilnehmer mit eigener Afrikaerfahrung, Henry Morton Stanleys Buch Through the Dark Continent kannte und dessen Beschreibung von Usagara im heutigen Tansania in die Debatte einbrachte. Der Vorstand erteilte Peters zusammen mit Karl Ludwig Jühlke und von Pfeil den Auftrag, Gebiete in Ostafrika zu erwerben, vorzugsweise in Usagara.

Die Gruppe wurde von dem Kaufmann August Otto begleitet und beschloss, weitmöglichst ihre Reisepläne zu verschleiern. Sie machte der Regierung keine Mitteilung. Nach Ankunft auf Sansibar wurde Peters am 8. November von Gerhard Rohlfs, dem dort gerade neu berufenen deutschen Generalkonsul, mitgeteilt, dass auch dieses Unternehmen nicht im Interesse des Reiches sei und sie mit keinerlei Schutz rechnen könnten.

Am 11. November setzte die Gruppe über nach Saadani auf dem Festland gegenüber der Insel Sansibar. Sie folgten dem Lauf des Flusses Wami ins Landesinnere. Hier begann Peters dann, „Schutzverträge“ mit einheimischen Herrschern abzuschließen. Das Ziel seiner Reise war die Region Usagara, mit deren Herrscher er am 4. Dezember 1884 einen Vertrag schloss. Auf dem Hinweg wurden in der Küstenlandschaft Useguha und auf dem Rückweg in den Regionen Nguru und Ukami ebenfalls Verträge abgeschlossen. Die Aktivitäten bestanden darin, dass Peters örtliche Oberhäupter aufsuchte und ihnen – oft nach reichlichem Alkoholgenuss – deutschsprachige Schriftstücke vorlegte, die sie dann mit Kreuzen unterzeichneten. Darin wurde ihnen Schutz vor Feinden zugesagt, umgekehrt wurde festgelegt, dass die Kolonisationsgesellschaft die alleinigen und uneingeschränkten Rechte hätte, Zölle und Steuern zu erheben, eine Justiz und Verwaltung einzurichten, bewaffnete Truppen ins Land zu bringen und Siedlern die „Berge, Flüsse, Seen und Forsten“ zur beliebigen Nutzung zu überlassen. Eine Prüfung, ob die afrikanischen Vertragspartner verstanden, was sie vorgelegt bekamen, oder ob sie überhaupt eine Vollmacht hatten, über die angesprochenen Befugnisse zu verfügen, wurde nicht vorgenommen.

Das Ziel von Carl Peters bestand darin, Schutzbriefe des Reiches für die „erworbenen“ Gebiete zu erhalten. Jedoch äußerte sich Reichskanzler Otto von Bismarck abschätzig über das, was Peters nach seiner Rückkehr der Reichsregierung vorlegte: „ein Stück Papier mit Neger-Kreuzen drunter“. Peters drohte damit, dass König Leopold von Belgien, der nach der Kongokonferenz gerade sein Reich in Zentralafrika ausbaute, auch an Ostafrika Interesse hätte. Bismarck lenkte ein, auch aus innenpolitischer Rücksicht gegenüber seinen nationalliberalen Verbündeten im Reichstag, und ließ, nach Vorbild britischer Charters, der in Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft (DOAG) umbenannten Kolonialvereinigung einen kaiserlichen Schutzbrief über die Landschaften Usagara, Nguru, Useguha und Ukami ausstellen. Damit hatte Peters’ Kolonialvereinigung den nötigen Rückhalt zur weiteren Ausdehnung.

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