Carl Peter Thunberg (* 11. November 1743 in Jönköping; † 8. August 1828 auf Tunaberg bei Uppsala) war ein schwedischer Mediziner und Naturforscher. Er leistete bedeutende Beiträge zur botanischen und entomologischen Erforschung der südafrikanischen Kapregion sowie Japans. Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet „Thunb.“. In der Zoologie wird „Thunberg“ als Autorenname verwendet.
Nach seinem Studium an der Universität Uppsala wurde Thunberg, gefördert durch Carl von Linné, nach Paris geschickt, um dort seine medizinischen Kenntnisse zu vervollkommnen. Bei einem Zwischenaufenthalt in Amsterdam bei Johannes und Nicolaas Laurens Burman entstand die Idee, Thunberg zur japanischen Handelsstation der Niederländischen Ostindien-Kompanie auf der Insel Dejima zu entsenden. Nachdem die Finanzierung der Reise durch einflussreiche Amsterdamer Bürger sichergestellt war, trat Thunberg für sieben Jahre in deren Dienst. Nach einem knapp dreijährigen Aufenthalt in der niederländischen Kapkolonie (Südafrika) verbrachte Thunberg anderthalb Jahre in Japan. Auf dem Rückweg forschte er für kurze Zeit in Batavia (Indonesien) und auf Ceylon (Sri Lanka).
Nach fast neunjähriger Abwesenheit kehrte Thunberg nach Uppsala zurück. Dort war er in verschiedenen Positionen Nachfolger von Carl von Linné dem Jüngeren, zunächst als botanischer Demonstrator am Botanischen Garten von Uppsala, später als ordentlicher Professor der Medizin und Botanik. Es entstanden die Florenwerke Flora Japonica (1784) und Flora Capensis (1823), deren botanische Systematik auf Linnés Sexualsystem der Pflanzen beruht. Sein von 1788 bis 1793 veröffentlichter Reisebericht Resa uti Europa, Africa, Asia, förrättad åren 1770–1779 wurde in mehrere Sprachen übersetzt, darunter ins Deutsche. Von 1780 bis 1828 wurden unter Thunbergs Vorsitz knapp 300 Dissertationen verteidigt. Thunberg ist Erstbeschreiber zahlreicher botanischer und zoologischer Taxa.
Carl Peter Thunberg wurde in Jönköping in der südschwedischen Landschaft Småland geboren. Er war der Sohn von Johan Thunberg († 1751) und dessen Frau Margareta, geborene Starkman. Sein Vater war Buchhalter der Eisenhütte von Hörle und betrieb nebenher einen kleinen Handel, den seine Mutter nach dem Tod ihres Mannes weiterführte. 1753 heiratete Thunbergs Mutter den Kaufmann Gabriel Forsberg (1722–1788), wodurch sich die finanzielle Situation der Familie verbesserte. Ursprünglich sollte Thunberg zu einem Kaufmann in die Lehre geschickt werden. Auf Anraten seines Lehrers besuchte er dann aber ab dem zwölften Lebensjahr die Trivialschule. Thunbergs Eltern ermöglichten ihm darüber hinaus Privatunterricht beim Theologen, Philologen und Konrektor Håkan Sjögren (* 26. Januar 1727; † 20. März 1815), später Dekan am Dom zu Växjö.
Am 17. September 1761 wurde Thunberg an der Universität Uppsala immatrikuliert. Aufgrund seiner Herkunft trat er der Smålands nations Kamratförening bei, der Carl von Linné seit 1744 vorstand. Neben dem Studium unterrichtete Thunberg die Kinder des Akademiebeamten und seines späteren Schwiegervaters Gabriel Ruda (1726–1798). Als Anwärter der Philosophie (Cand. phil.) verteidigte er am 2. Juni 1767 unter dem Vorsitz von Linné die Dissertation mit dem Titel Venae Resorbentes. Mit seiner zweiten Dissertation De Ishiade (Über Ischias) vom 28. Juni 1770 unter dem Anatomen Jonas Sidrèn (1723–1799) erlangte er den akademischer Grad eines Lizenziaten der Medizin.
Um seine Studien im Ausland fortsetzen zu können, erhielt Thunberg aufgrund einer Empfehlung durch Linné ein Stipendium Kåhreanum aus dem 1684 von Gudmund Kåhre (?–1689) gestifteten Stipendienfond. Von Uppsala aus begab er sich nach Stockholm und blieb anschließend eine Zeitlang in Jönköping. Über Helsingborg gelangte Thunberg nach Helsingør, wo er auf seine Schiffspassage nach Amsterdam wartete und zwischenzeitlich Kopenhagen aufsuchte. Am 18. September 1770 begann die Überfahrt nach Amsterdam. Am 1. Oktober 1770 landete er auf der Insel Texel an und erreichte vier Tage später schließlich Amsterdam. Hier verkehrte Thunberg im Haus von Johannes Burman, Professor der Medizin und Botanik am Athenaeum Illustre Amsterdam (bei dem Linné 1735 zu Gast gewesen war und dort sein Werk Bibliotheca Botanica fertiggestellt hatte), und dessen Sohn Nicolaas Laurens Burman (der unter Linné studierte). Er hatte dort Zugang zu Burmans naturhistorischer Sammlung und der Bibliothek. In der Sammlung bestimmte er für die Burmans zahlreiche Minerale, Insekten und Pflanzen, hauptsächlich Gräser und Moose. Thunberg beeindruckte die Burmans mit seinen Fertigkeiten. Es entstand die Idee, Thunberg zu einer der entlegenen Handelsstationen der Niederländischen Ostindien-Kompanie (Vereenigde Oostindische Compagnie, VOC) zu entsenden. Während seines Aufenthaltes besuchte Thunberg den von David van Royen geleiteten Hortus Botanicus in Leiden und unternahm einen Ausflug nach Den Haag. Am 26. Oktober schiffte er sich ein, um seine Reise nach Paris fortzusetzen. Sie führte ihn über Texel und Le Havre nach Rouen. Dort stattete er dem dortigen Jardin des Plantes einen Besuch ab und traf dessen Leiter, den Arzt und Botaniker Amable Guy Bertrand Pinard (1713–1796). Am 1. Dezember 1770 traf Thunberg schließlich in Paris ein.
Während seines über sieben Monate währenden Aufenthaltes in Paris vertiefte Thunberg seine medizinischen Kenntnisse über Anatomie, Chirurgie und Geburtshilfe. In Paris erreichte Thunberg ein auf den 24. März 1771 datierter Brief, in dem Nicolaas Burman ihm anbot, im kommenden Herbst nach Japan zu reisen. Thunberg informierte sogleich Linné über dieses Angebot und erbat seinen Rat. In seiner Antwort drängte Linné ihn, sich auf die Reise zu begeben, da noch nie ein Botaniker, der sich zum Linnéschen System der Pflanzen bekennt, dort gewesen sei. Linné erwähnte einige Pflanzen, über die er gern mehr Kenntnisse hätte: Sie entstammten dem fünften Teil von Engelbert Kaempfers Amoenitatum exoticarum (1712), der sich zwischen 1690 und 1692 in Japan aufgehalten hatte. Thunberg plante daraufhin, bis zum Juli in Paris zu bleiben, um die hiesigen Gärten, beispielsweise den Jardin du Roi, und die Pariser Umgebung zu erforschen. Am 18. Juli 1771 verließ er Paris in Richtung Rouen. Bei seiner Ankunft am 30. August 1771 in Amsterdam hießen ihn die Burmans herzlich willkommen.
Inzwischen konnten die Burmans mehrere einflussreiche Amsterdamer Bürger für die Finanzierung von Thunbergs Reise nach Japan gewinnen:
Egbert Vrij Temminck (* 22. Dezember 1706; † 27. Juni 1785):Direktor der Niederländischen Westindien-Kompanie von 1738 bis 1742, Direktor der Ostindien-Kompanie von 1742 bis 1785, Bürgermeister von Amsterdam von 1749 bis 1784, Kommissar des Amsterdamer Hortus Medicus von 1766 bis 1784.
David ten Hoven (* 8. März 1724; † 27. Juni 1787):Kaufmann, Amsterdamer Regierungsbeamter und Schwager von Temminck; siehe Gattung Hovenia
Jan van de Poll Pietersz (* 9. September 1726; † 16. August 1781):Direktor der Sociëteit van Suriname von 1770 bis 1781, Bürgermeister von Amsterdam 1779; siehe Gattung Pollia
Jean Deutz (* 9. Dezember 1743; † 29. Januar 1784):Jurist, Amsterdamer Regierungsbeamter, Direktor der Sociëteit van Suriname von 1782 bis 1784; siehe Gattung Deutzia
Da es nur Mitgliedern der Niederländischen Ostindien-Kompanie gestattet war, Japan zu betreten, begann Thunberg am 30. September 1771 seinen Dienst in der Kompanie. Er bekleidete den Rang eines Ondermeester (außerordentlicher Chirurg) mit einem monatlichen Gehalt von 22 Gulden. Die nötigen Kenntnisse der niederländischen Sprache sollte Thunberg bei einem längeren Aufenthalt in der Kapkolonie erwerben. Ausgestattet mit Empfehlungsschreiben, unter anderem von Pieter van Reede van Oudtshoorn (* 8. Juli 1714; † 23. Januar 1773) an den dortigen Gouverneur Ryk Tulbagh, brach er am 10. Dezember 1771 erneut nach Texel auf. An Bord der Schoonzigt, die vom schwedischen Kapitän Jan Rodecrantz befehligt wurde, verließ er am 30. Dezember 1771 den Hafen von Texel.
Niederländische Kapkolonie (1772 bis 1775)