Caritas Pirckheimer, vor 1483 Barbara Pirckheimer (* 21. März 1467 in Eichstätt; † 19. August 1532 in Nürnberg) war Äbtissin des Klarissenklosters in Nürnberg und durch ihre humanistische Bildung berühmt. Sie widersetzte sich dem Stadtrat bei dessen Versuchen, das Kloster gegen den Willen der Nonnen aufzulösen. Unterstützung erhielt sie dabei von Philipp Melanchthon.
Während es über die Kindheit von Barbara Pirckheimer bis hin zu ihrer Wahl zur Äbtissin des Klarissenklosters nur wenig gesicherte Informationen gibt, lässt sich ihr Handeln als Äbtissin zur Zeit der Reformation in Nürnberg genau nachvollziehen. In den Jahren 1524 bis 1528 schrieb sie als kritische Beobachterin alle Ereignisse in Form einer Chronik auf. Constantin Höfler, der die Handschrift 1852 veröffentlichte, gab ihr den Titel „Denkwürdigkeiten aus dem Reformationszeitalter“. In ihren „Denkwürdigkeiten“, die auch einen Teil ihrer Korrespondenz enthalten, berichtet sie über die bewegte Geschichte ihres Klosters in diesen Jahren. Sie dokumentieren ihre konfliktreiche Bemühungen 1524-28 um den Bestand des durch den Übertritt der Reichsstadt zur Reformation äußerst gefährdeten Klarissenklosters in Nürnberg.
Caritas Pirckheimer stand im regen Briefwechsel mit vielen Persönlichkeiten ihrer Zeit, unter anderem mit ihrem Bruder Willibald, Erasmus von Rotterdam, Conrad Celtis und Sixtus Tucher. Auch ist von ihr ein Brief an den Maler Albrecht Dürer überliefert. In den erhaltenen Schreiben an und über die Äbtissin findet besonders ihre Bildung Anerkennung. Wichtige Angelegenheiten besprach sie mit ihrem Bruder Willibald. Ihre Beziehung stellte jedoch kein einseitiges Verhältnis dar, da auch Caritas ihren Bruder beriet und mit ihm über theologische Streitpunkte diskutierte. Neben Willibald Pirckheimer, dem Ratsjuristen und ehemaligen Rektor der Wittenberger Universität Christoph Scheurl und dem Klosterpfleger Kaspar Nützel, einem Lutheraner, erhielt vor allem Sixtus Tucher, Propst von St. Lorenz, zahlreiche Schreiben der Äbtissin. Er pflegte mit Pirckheimer ein enges freundschaftliches Verhältnis.
Daneben stand sie in Kontakt mit den Predigern und Beichtvätern ihres Klosters, den Franziskanern Stephan Fridolin (um 1430–1498, Autor des „Schatzbehälters“) und Nikolaus Glasberger (um 1450–1508, Chronist des Franziskanerordens).
Barbara Pirckheimer wurde am 21. März 1467 in Eichstätt als Tochter des Juristen und Diplomaten Johannes Pirckheimer geboren und wuchs in einer Nürnberger Patrizierfamilie auf. Ihr Vater war als Rat des Eichstätter Bischofs Wilhelm von Reichenau tätig. Ihren Taufnamen Barbara erhielt sie von ihrer gleichnamigen Mutter, einer geborenen Löffelholz. Diese starb bei der Geburt des dreizehnten Kindes. Barbara Pirckheimer war die Älteste in der Geschwisterschar. Insgesamt acht Töchter erreichten das Erwachsenenalter, jedoch nur ein Sohn, Willibald. Sechs Töchter traten ebenfalls in ein Klarissen- bzw. in ein Benediktinerinnenkloster ein, nur seine Tochter Juliana heiratete. Der Vater verbrachte als Witwer seine letzten Lebensjahre im Barfüßerkloster Nürnberg und empfing vier Jahre vor seinem Tod im Jahre 1497 die Priesterweihe.
Möglicherweise bereits im Alter von acht Jahren kam Barbara zu ihrem Großvater Hans Pirckheimer nach Nürnberg. Die zweite Ehefrau des Großvaters, Walburga Pirckheimer, die selbst kinderlos war und die unverheiratete Schwester des Großvaters, Katharina Pirckheimer, galten als sehr gebildet und unterrichteten Barbara zu Hause, bevor sie die Klosterschule besuchte. An ihrer Erziehung war auch ihr Großvater beteiligt, ein Ratsherr, der sich intensiv mit dem Humanismus befasste. Darüber hinaus lehrte er seine Enkelin Latein.
Zur weiteren Erziehung und zum Unterricht kam Barbara schließlich zwölfjährig in die Klosterschule der Klarissen. Dies war kein ungewöhnlicher Schritt, da die vier Nürnberger Lateinschulen nur Jungen aufnahmen. Es ist dokumentiert, dass Barbara bereits nach zwei Jahren Unterricht an dieser Schule Latein verstehen und sprechen konnte. Doch durfte sie entgegen ihrem Wunsch erst bei Erreichen des Mindestalters (16 Jahre) in das Noviziat eintreten. Spätestens 1485 wurde Barbara als Novizin des Konvents der Klarissen aufgenommen und erhielt zur Einkleidung den Ordensnamen Caritas (lateinisch „Nächstenliebe“).
Im Klarakloster lebten vor allem Töchter des Nürnberger Patriziats, darunter auch Tanten von Caritas. 1491 trat ihre leibliche Schwester Klara in die Gemeinschaft ein und 1513 folgten ihre Nichten Crescentia und Katharina Pirckheimer.
Caritas Pirckheimer stand jedoch weiterhin im regen Briefwechsel mit Willibald, der sie von Zeit zu Zeit am Klausurgitter besuchen durfte. Nicht nur er, sondern auch seine Freunde, die dem humanistischen Kreis angehörten, tauschten sich mit ihr aus. Zu ihnen zählte unter anderem Christoph Scheurl, der ein Loblied auf die Familie Pirckheimer schrieb. Conrad Celtis widmete Caritas seine Herausgabe der Werke der Roswitha von Gandersheim sowie eine lateinische Ode, die er 1502 verfasste. Ihm ist zu verdanken, dass Caritas als klausurierte Nonne zur öffentlichen Person wurde, verklärt zur virgo docta von nationalem Rang.
Willibald ließ Caritas humanistische Bücher für die Klosterbibliothek zukommen, unter anderem auch von Erasmus von Rotterdam, die ihr und ihren Mitschwestern die Möglichkeit gaben, auch hinter Klostermauern an der aktuellen Diskussion teilzunehmen.
Unterstützung erhielten die Klarissen von Anton Tucher, der im Jahre 1517 dem Konvent eine Orgel stiftete. Musikinstrumente in Kirchen gab es damals nur selten. Dieses Jahr kann als Höhepunkt der Klostergeschichte gelten; das Kloster hatte einen so guten Ruf, dass viele Patrizierfamilien ihm ihre Töchter anvertrauten.
Caritas Pirckheimer als Äbtissin
Caritas Pirckheimer unterrichtete ab 1490 als sogenannte Kindsmeisterin die Klosterschülerinnen, ordnete die Klosterbibliothek und übernahm anschließend das Amt der Novizenmeisterin, bis sie am 20. Dezember 1503 zur Äbtissin gewählt wurde. Der Konvent umfasste etwa 60 bis 70 Schwestern.
Prägend für ihre Spiritualität waren die franziskanischen Theologen Heinrich Vigilis und Stephan Fridolin, ferner der Austausch mit Sixtus Tucher und die Lektüre der Kirchenväter, besonders des Hieronymus. Caritas wie ihre Schwester Clara waren auch von den Schriften von Erasmus von Rotterdam inspiriert; besonders gefallen hatten ihnen die Neuübersetzung des Neuen Testaments.
Als Äbtissin legte Caritas großen Wert auf die religiöse Ausbildung der Nonnen. Alle Schwestern erhielten Lateinunterricht. Sie sollten die Sprache, in der sie beteten, verstehen und darüber hinaus die Fähigkeit besitzen, die Bibel in der Übersetzung der Vulgata zu studieren. Durch eine umfassende, humanistisch geprägte Bildung sollte den Schwestern eine Auseinandersetzung mit ihrem Glauben und als Folge davon eine tiefgehende Frömmigkeit ermöglicht werden.
Des Weiteren verwaltete die Äbtissin, gemeinsam mit dem Pfleger, den Besitz des Klosters. Sie fertigte eine Klosterabrechnung für den Rat an und entschied über die Verwendung von eingehenden Zinszahlungen. Viel Zeit nahm zudem das Verfassen von Briefen oder Dankschreiben für erhaltene Spenden in Anspruch.
Schon vor Beginn der Reformation hatte sich die finanzielle Lage des Klosters drastisch verschlechtert. Die Ursache hierfür lag in den sinkenden Einnahmen und den extrem gestiegenen Ausgaben. Hohe Kosten verursachten die Erweiterung der Klarakirche und die daran anschließenden Renovierungsarbeiten an den Klostergebäuden. In einem Schreiben an den Papst schilderte Caritas 1505 die bedrohliche Situation des Konvents und bat deshalb um die Bewilligung eines Ablasses. Auf diese Weise wurde auch für weniger gut bemittelte Nürnberger, die keine Stiftungen tätigen konnten, ein Anreiz geschaffen, einen Beitrag zur Erhaltung des Klosters zu leisten. Rom schickte daraufhin die Genehmigung eines Ablassbriefes.
Die finanzielle Situation des Klaraklosters verschlimmerte sich jedoch erneut, als der Rat 1525 beschloss, eine Verbrauchssteuer (Ungelt) auf Bier und Wein zu erheben. Weil die Schwestern selbst Bier brauten, bekamen sie die Folgen des Erlasses deutlich zu spüren.