Cansever (* 8. Juli 1967 in Veles als Džansever Dalipova; † 8. August 2026 in Essen) war eine nordmazedonisch-türkische Sängerin der Arabeske- und Romani-Musik. Sie erlangte ab Ende der 1990er-Jahre durch Auftritte im türkischen Fernsehen sowie durch ihre markante, tiefe Stimme große Bekanntheit in der Türkei und auf dem Balkan.
Cansever wurde 1967 als jüngstes von sieben Kindern einer Roma-Familie in Veles geboren. Ihr Vater stammte aus Thessaloniki, ihre Mutter war eine bulgarischstämmige Romni. Die Familie wuchs unter sehr ärmlichen Verhältnissen auf. Im Alter von zwölf Jahren erlitt sie bei einem Unfall einen schweren Augenschaden und verlor das Sehvermögen auf einem Auge.
Seit 1994 litt Cansever an der chronisch-entzündlichen Wirbelsäulenerkrankung Morbus Bechterew (Ankylosierende Spondylitis). In ihren späten Lebensjahren erkrankte sie an Leukämie. Sie unterzog sich in Deutschland einer Stammzelltransplantation und verstarb dort am 8. August 2026 im Alter von 59 Jahren.
Cansever war nicht verheiratet und hatte keine eigenen Kinder.
Anfänge auf dem Balkan (1980er–1996)
Bereits als Jugendliche trat Cansever als Sängerin auf Familienfeiern und Hochzeiten im ehemaligen Jugoslawien auf. Ihr erstes Studioalbum Kemano Başal E Romenge (Romani für „Geige, spiele für die Roma!“) erschien 1991/92 in Nordmazedonien. In den darauffolgenden Jahren veröffentlichte sie weitere Kassettenalben in Romani-Sprache, darunter Ki Zandana (1992) und Soske (1993).
Durchbruch in der Türkei (ab 1997)
1997 reiste Cansever in die Türkei. Der nationale Durchbruch gelang ihr im selben Jahr nach einem Gastauftritt in der von İbrahim Tatlıses moderierten İbo Show. Ihre Live-Interpretation des Klageliedes Kara Çadır (Yemen Türküsü) fand breite Resonanz.
Im Anschluss nahm sie das Plattenlabel Ecce Müzik unter Vertrag und veröffentlichte ihr erstes türkischsprachiges Album Meçhul (1997). Mit Nachfolgealben wie Cemalim (1998) und Yollar Hasta Ben Yorgunum (2000) etablierte sie sich dauerhaft in der türkischen Arabeske-Szene.
In den 2000er- und 2010er-Jahren veröffentlichte sie weiterhin Alben, die sowohl Elemente der türkischen Arabeske als auch traditionelle Roma-Rhythmen kombinierten. Zu ihren späteren Veröffentlichungen zählen Hey Denysha (2013), Ben Ne Günler Gördüm (2014) und Doya Doya Arabesk (2016). Ihre Interpretation von Roman Havası erlangte erneute Bekanntheit, nachdem sie in der türkischen Fernsehserie Çukur verwendet wurde.
Cansever war für ihr unverwechselbares, tiefes Stimmkolorit und ihre emotionale Phrasierung bekannt. Die Kombination aus traditioneller Balkan-Musik und melancholischer Arabeske zeichnete ihr Werk aus. In den Medien wurde sie aufgrund ihrer Lebensgeschichte und ihrer ausdrucksstarken Darbietungen oft als eine der authentischsten Stimmen der Arabeske-Musik gewürdigt.
als Džansever Dalipova (Balkan / Romani)
1991: Kemano Başal E Romenge (Kassette; MPT)
1992: Ki Zandana (mit Sebo Ametovski, Diskos)
1994: Tu Sijan Mo Đeneti (AR Produkcija)
1996: Gili E Ulavdenge (Produkcija JG)
als Cansever (Türkei / Arabeske)
2000: Yollar Hasta Ben Yorgunum