Die Familie Callinet war eine französische Orgelbauerfamilie. Im 19. Jahrhundert zählte sie neben Stiehr und Mockers zu den bedeutendsten Orgelbauern im Elsass. Zu ihr gehörten:
François Callinet (* 1. Oktober 1754 in Ladoix; † 21. Mai 1820 in Rouffach);
Joseph Callinet, genannt Callinet Aîné, (* 15. November 1795 in Dijon; † 13. Juli 1857 in Rouffach) und
Claude-Ignace Callinet, genannt Callinet Cadet, (* 12. Juni 1803 in Rouffach; † 24. Juli 1874 in Vesoul);
dessen Sohn Louis-François Callinet, genannt Callinet fils (* 1. März 1834 in Rouffach; † um 1890, Ort unbekannt);
der Neffe von François Callinet, Louis Callinet (* 19. April 1786 in Ladoix; † 2. August 1845 in Paris).
François Callinet wurde am 1. Oktober 1754 in Ladoix geboren. Er lernte bei Karl Joseph Riepp in Dijon und anschließend bei dessen Schüler Joseph Rabiny, mit dem er ab 1786 assoziiert war und mit dessen Tochter er sich vermählte. Ab 1798 war er in Rouffach ansässig. Er starb am 21. Mai 1820 in Rouffach.
Joseph Callinet war der bedeutendste Orgelbauer der Callinet-Familie. Er erlernte seinen Beruf bei seinem Vater und arbeitete von 1837 bis 1843 mit seinem Bruder Claude-Ignace zusammen. 1844 stattete der junge Aristide Cavaillé-Coll ihm einen Besuch ab, als er gerade eine neue Orgel im Hundert-Seelen-Dorf Lutter erbaute. Cavaillé-Coll war so erstaunt über eine fast zwanzigregistrige Orgel in einem winzigen Dorf, dass er seinen berühmten Satz über das Elsass sagte: Il paraît que c’est le pays des orgues. C’est l’inverse de la France; il y a plus d’orgues que de pianos. Aufgrund einer schweren Erkrankung konnte Callinet ab 1852 nicht mehr arbeiten. Er starb 1857 in Rouffach.
In musikalischer Hinsicht war der deutsche Musiker Martin Vogt (1781–1854) ein einflussreicher Ratgeber für Joseph Callinet. Neben seiner Tätigkeit als Organist im Martinsmünster von Colmar war Vogt damals der meistverlegte Komponist von Kirchenmusik im Elsass und in der Nordschweiz.
Werkliste (vor dem Zusammenschluss mit Claude-Ignace Callinet)
Claude-Ignace Callinet (1803–1874)
Claude-Ignace Callinet wurde am 12. Juni 1803 in Rouffach geboren. Nach dem Tod seines Vaters François Callinet (1820) arbeitete er mit seinem Bruder Joseph zusammen, ging jedoch 1827 nach Paris zu seinem Cousin Louis Callinet. Er kehrte von dort vor 1833 nach Rouffach zurück. Von 1837 bis 1843 schloss er sich mit seinem Bruder Joseph zu Callinet Frères zusammen. Nach der Eingliederung des Elsass in das Deutsche Reich als Folge des Deutsch-Französischen Krieges verließ er Rouffach und ließ sich 1872 in Vesoul nieder. Dort starb er am 24. Juli 1874.
Werkliste (vor dem Zusammenschluss mit Joseph Callinet)
1837 schlossen sich die Brüder Joseph und Claude-Ignace Callinet als Callinet Frères zusammen. In dieser Zeit entstanden durchschnittlich sechs Orgeln jährlich.
Joseph und Claude Ignace Callinet nach der Trennung (ab Oktober 1843)
Im Oktober 1843 endete die fruchtbare Zusammenarbeit der beiden Brüder.
Werkliste (Joseph Callinet nach der Trennung der beiden Brüder)
Werkliste (Claude-Ignace Callinet nach der Trennung der beiden Brüder)