Cádiz (andalusisch Cái, latinisiert Gades) ist die Hauptstadt der Provinz Cádiz in der Autonomen Region Andalusien in Süd-Spanien mit 109.950 Einwohnern (Stand: 2025). Darüber hinaus ist sie Bischofsstadt des Bistums Cádiz y Ceuta. Die Einwohner von Cádiz werden Gaditanos genannt.
Die Altstadt von Cádiz liegt am Atlantik auf einer – heute durch Brücken mit dem Festland verbundenen – Felseninsel in der Bucht von Cádiz etwa 120 km (Fahrtstrecke) südlich von Sevilla bzw. ca. 120 km nordwestlich von Gibraltar.
Das Klima wird in hohem Maße vom Atlantik geprägt; die Temperaturen sind entsprechend wechselhaft. Regen (ca. 600–700 mm/Jahr) fällt hauptsächlich in den Wintermonaten.
Im Gegensatz zu den Orten innerhalb der Provinz ist das Klima vom Meer geprägt. Im Sommer sind Temperaturen um 30 °C vorherrschend. Der Atlantik und der Wind bestimmen das Klima. Bei Wind aus westlicher Richtung (Poniente), der kühle Atlantikluft transportiert, liegen Temperaturen um 30 °C, bei Levante, einem heißen Ostwind ähnlich den Föhnwinden der Nordalpen, werden über 40 °C erreicht. Selbst am Strand ist es manchmal unangenehm, denn der meist starke Wind wühlt den Sand auf und bläst ihn über den Strand. Im Gegensatz zu den anderen Stränden ist der Strand Playa de la Victoria durch die Bebauung relativ gut vor dem Wind geschützt. Die Perioden des Levante sind unregelmäßig und können zwischen zwei Tagen bis zu einem ganzen Monat andauern.
Die Hafenstadt Cádiz war lange Zeit die vielleicht weltoffenste Stadt Spaniens, doch hat die Isolation des Landes während der Franco-Ära vieles davon zunichtegemacht. Heute wirkt die Stadt eher provinziell.
Cádiz gehört zu den ältesten Städten Westeuropas. Der Legende nach wurde die Stadt durch Herakles gegründet; darauf beruft sich noch heute das Stadtwappen mit der Inschrift „Hercules Fundator Gadium Dominatorque“ (Herkules, Gründer und Herrscher von Cádiz).
Phönizier und Karthager: Gadir
Geschichtlich gesehen wurde Cádiz (phöniz.: 𐤂𐤃𐤓(𐤀), (ʾ)gdr (Gadir), d. h. „Festung“; griechisch Gadeira) von phönizischen Kauffahrern aus Tyros als Militärstützpunkt und Warenumschlagplatz gegründet. Die phönizischen Kolonisten erkannten die günstige Lage der Insel (erst im 17. Jahrhundert wurde sie zu einer Halbinsel) an der Mündung des Guadalete, in der Nähe des an Silber reichen Tartessos sowie auf halbem Weg zu den „Zinninseln“ (Britannien).
Der römische Historiker Velleius Paterculus gibt zwar als Zeitpunkt der Grundsteinlegung „80 Jahre nach dem Trojanischen Krieg“ an, also etwa 1100 v. Chr. nach einigen antiken Datierungen des Kriegs; archäologisch nachgewiesen ist eine Besiedlung des Gebiets jedoch erst ca. 300 Jahre später, wobei die ältesten Funde unter dem Teatro Cómico in Cadiz zum Vorschein kamen und ins späte 9. oder frühe 8. Jh. v. Chr. datieren.
Unter den Phöniziern, und später unter den Karthagern, wurde Gadir zu einem blühenden Handelszentrum. Seit dem 7. Jahrhundert v. Chr. gab es westphönizische Werkstätten, aus denen Gegenstände orientalischer Tradition stammen. Eine Bronzekanne von Torres Vedras stammt vermutlich aus einer gaditanischen Werkstatt. Das archäologische Museum der Stadt beherbergt zwei der äußerst seltenen phönizischen Sarkophage aus dem Jahre 541 v. Chr.
Mit der Ausbreitung der Herrschaft der Karthager im Westen kam Cádiz zu deren Reich und entwickelte sich seit etwa 500 v. Chr. zum bedeutendsten Handelszentrum des karthagischen Atlantikverkehrs. Die Stadt diente seit 237 v. Chr. Hamilkar Barkas als Ausgangspunkt für seine Feldzüge auf der Iberischen Halbinsel, ebenso Hannibal bei seinem Kriegszug des Jahres 218 v. Chr. Einige Jahre vor dem Ende des Zweiten Punischen Krieges zogen sich Hasdrubal und Mago nach der für sie unglücklich verlaufenen Schlacht von Ilipa (206 v. Chr.) nach Cádiz zurück. Während Hasdrubal bald nach Afrika zurückkehrte, wollten Überläufer den zurückgebliebenen Mago und die punische Besatzung den Römern ausliefern. Mago vereitelte den Abfall, fuhr dann zum Erhalt von Unterstützung nach Karthago und fand bei seiner Rückkehr die Tore von Cádiz verschlossen.
Berühmt war Cádiz in der Antike für sein Heiligtum des Melkart (Templo de Hércules Gaditano), des phönizischen Stadtgottes der Mutterstadt Tyros, der von Griechen und später Römern (fälschlicherweise) mit Herakles identifiziert wurde. Der Tempel lag auf der heutigen Isla de Sancti Petri etwa 18 km südlich der Stadt. Hannibal besuchte das Heiligtum vor seinem berühmten Zug über die Alpen. Als Poseidonios einen Monat in Cádiz verbrachte, besuchte er den Tempel ebenfalls. Seine teilweise bei Strabon erhaltenen Informationen darüber stellen eine wichtige Quelle für die heutige Kenntnis des Heiligtums dar, das vom almoravidischen Statthalter 1146 auf der Suche nach einem sagenhaften Schatz zerstört wurde. Da die Spanier ferner im 17. Jahrhundert ein Fort an der Stelle des antiken Tempels errichteten, blieben von diesem nur geringe Reste erhalten. Generell sind die Funde des antiken Cádiz recht spärlich; es fanden sich aber viele Münzen sowie Inschriften, die jedoch nicht sehr ergiebig sind.
Römer: Augusta Urbs Iulia Gaditana
Bald darauf kam die Stadt unter römische Herrschaft und erhielt den latinisierten Namen Gades.
Seitdem wurde Cádiz immer bedeutender und prosperierender. 49 v. Chr. leistete es Caesar in dessen Bürgerkrieg gegen Pompeius wertvolle Unterstützung. Caesar verlieh Cádiz das römische Bürgerrecht. Es wurde Municipium, erhielt unter Augustus den Namen Augusta Urbs Iulia Gaditana und entwickelte sich in der Kaiserzeit zu einer der reichsten und größten Städte im Westen des Römischen Reichs. Das römische Theater, heute zur Hälfte ausgegraben und restauriert, erinnert noch an die damalige Bedeutung der Stadt. Ein 75 km langer Aquädukt (Acueducto de Gades) versorgte die Stadt mit Süßwasser. Cicero hob in seiner Verteidigungsrede für den in Cádiz geborenen Balbus ihr Prestige deutlich hervor. Die puellae gaditanae, die Mädchen aus Cádiz, werden von Horaz und Plinius wegen ihres Tanzstiles erwähnt.
Westgoten, Byzantiner, Araber und Reconquista
Mit dem Untergang des Römischen Reiches verlor auch Cádiz an Bedeutung. Die römische Provinz Baetica wurde Ende des 5. Jahrhunderts von den Westgoten erobert und die Stadt dabei zerstört. 552 wurde die Stadt durch die Armeen des oströmischen Kaisers Justinian I. erobert und in die byzantinische Provinz Spania eingegliedert. Unter König Leovigild konnte das Westgotenreich Gades aber 572 zurückerobern.
Der Statthalter des Kalifen von Damaskus in Tanger, Tāriq ibn Ziyād, begann Anfang 711 mit der maurischen Invasion der Iberischen Halbinsel und der islamischen Eroberung des Westgotenreichs. Die entscheidende Schlacht fand im Juli ganz in der Nähe von Gades statt. Die Eroberer bauten die Stadt (arabisch Djesirat Kadis) wieder auf.