An diesem Tag

C/1858 L1 (Donati)

Komet

Anúncio

C/1858 L1 (Donati) ist ein Komet, der im Jahr 1858 mit dem bloßen Auge gesehen werden konnte. Er wird aufgrund seiner außerordentlichen Helligkeit zu den „Großen Kometen“ gezählt.

Am Abend des 2. Juni 1858 entdeckte Giambattista Donati in Florenz mit einem Teleskop einen unscheinbaren Kometen. Die Nachricht über die Entdeckung verbreitete sich schnell unter den europäischen Astronomen, aber in den Vereinigten Staaten erfolgten noch am 30. Juni und 7. Juli unabhängige Entdeckungen. Die Helligkeit des Kometen nahm beständig zu, aber Anfang August wurde der Komet in der Abenddämmerung zunächst immer schwieriger zu beobachten.

Mitte August verbesserte sich die Beobachtungssituation wieder und der Komet wurde zu dieser Zeit auf eine Helligkeit von 4,5 mag geschätzt. Die ersten Beobachtungen mit bloßem Auge gelangen wahrscheinlich Karl Christian Bruhns in Berlin am 28. August und am 2. September, als die Helligkeit 3 bis 4 mag betrug. Zwei Wochen später am 17. September später hatte sie bereits 1,4 mag erreicht.

Im September begann sich auch ein Schweif zu entwickeln, der von 1° Länge am 1. September bis zu 25° Länge am Monatsende anwuchs. Der Schweif selbst zeigte ab 8. September deutliche Querstreifen (Striae) und war leicht gekrümmt. Die Helligkeit des Kometen betrug von Ende September bis Mitte Oktober um 0 mag, und zwischen 22. September und 8. Oktober wurde der Komet von mehreren Beobachtern, darunter Johann Heinrich Mädler, Karl Christian Bruhns, Johann Friedrich Julius Schmidt, George Phillips Bond und William Rutter Dawes sogar mit Teleskopen am Taghimmel gesehen.

Nach dem Periheldurchgang entwickelte der Komet neben dem gekrümmten Staubschweif auch einen geraden Plasmaschweif von immer größerer Länge, die am 6. Oktober 40° betrug. Auch der Staubschweif erreichte am 11. Oktober zur Zeit der größten Annäherung des Kometen an die Erde eine solche Länge, während seine Breite 10 bis 16° erreichte. Danach nahm die Schweiflänge rapide ab und erreichte am 17. Oktober gerade noch 5°.

Der Komet wurde auch von zahlreichen Entdeckern, Reisenden und Abenteurern rund um die Welt gesehen. David Livingstone beobachtete den Kometen während seines Aufenthalts in Mosambik und beschrieb die Reaktion der Eingeborenen auf den Anblick. James Hector beobachtete den Kometen am 11. September auf einer Expedition in Kanada und Francis Leopold McClintock am 14. September auf einer Arktis-Expedition. Zwischen 7. Oktober und 5. November berichteten auch chinesische Astronomen von einem Kometen in Gestalt eines großen „Besensterns“.

Ab Mitte Oktober konnte der Komet schließlich bevorzugt von der Südhemisphäre aus beobachtet werden, aber seine Helligkeit betrug gegen Ende Oktober nur noch etwa 4 mag. Die letzte Beobachtung mit bloßem Auge gelang am 11. November. Teleskopisch konnte der Komet noch bis zum 4. März 1859 am Kap der Guten Hoffnung beobachtet werden.

Der Komet erreichte am 7. Oktober eine Helligkeit von 0–1 mag.

Auswirkungen auf den Zeitgeist

Donati war nach Ansicht vieler Zeitgenossen einer der beeindruckendsten und schönsten Kometen (wenn auch nicht der spektakulärste) des 19. Jahrhunderts. Der äußerst helle Komet hatte einen anmutig geschwungenen Schweif und inspirierte etliche Gemälde, Lyrik und Satire, insbesondere in Großbritannien und Frankreich. In Fernost lassen sich insbesondere Einflüsse auf die Gesellschaften in Siam und Japan feststellen.

Der Komet Donati war ein echtes Medienereignis zu seiner Zeit und war während September und Oktober 1858 häufig in den Nachrichten. Zeitungen und populäre Magazine berichteten über die Faszination und Aufregung, die die Erscheinung des Kometen in der europäischen Gesellschaft auslöste. Sie lieferten auch astronomische Informationen, während satirische Magazine sich über die Kometen-Ekstase lustig machten, die Großbritannien und Frankreich überzog. Der Komet hinterließ auch Eindrücke in den Werken oder Tagebüchern von Schriftstellern wie Charles Dickens, Nathaniel Hawthorne und Jules Verne.

Unter den vielen Gemälden, die durch das Erscheinen des Kometen beeinflusst waren, ist William Dyces eindringliche Meditation über die Zeit Pegwell Bay, Kent – a Recollection of October 5th 1858 erwähnenswert. Es zeigt mehrere Mitglieder seiner Familie in dem beliebten Ferienort bei Ramsgate beim Muschelsammeln. Über der Szene ist der kaum sichtbare Schweif des Kometen Donati wiedergegeben.

Auch William Turner aus Oxford, ein guter Beobachter von Naturphänomenen, schuf mit Donati’s Comet ein überwältigendes Werk, das Kurzlebigkeit und Zeitlosigkeit in sich vereint.

König Mongkut von Siam, ein Gelehrter, der astronomische Berechnungen durchführen konnte, beobachtete auch den Kometen und versuchte die abergläubischen Befürchtungen seines Volks durch öffentliche Reden auszumerzen. Auch in Japan wurde der Komet umfassend beobachtet und sowohl als böses Vorzeichen gedeutet, da er in einer schwierigen Zeit erschien, als auch als ein Vorbote besserer Zeiten.

Gegen Ende September 1858 begann eine neue Ära in der Kometenforschung, als zum ersten Mal photographische Aufnahmen eines Kometen gemacht wurden. Dies gelang dem englischen Fotografen William Usherwood mit Hilfe seiner Porträt-Kamera am 27. September 1858, und eine Nacht später auch dem amerikanischen Astronomen William Cranch Bond am Harvard-College-Observatorium. Die Aufnahmen auf Kollodiumplatten zeigten nur die helleren Regionen der Koma und Teile des Schweifs. Erst im Jahre 1881 wurde wieder ein Komet fotografiert.

Ein besonderes Merkmal dieses Kometen, was nur teleskopisch gesehen werden konnte, war der Reichtum an Details in der inneren Koma. Am 15. September 1858 wurde zuerst von Wilhelm Foerster etwas beobachtet, was er als „eine deutliche Ausströmung“ beschrieb. Auch Arthur von Auwers beobachtete in der ersten Oktoberhälfte ein „Büschel oder Fächer“, der vom Kometenkern in Richtung Sonne ausging. Zur gleichen Zeit wurden auch sechs oder sieben Hüllen um den Kometenkern beobachtet, die sich in die Koma auszubreiten schienen, und von innen nach außen schwächer wurden.

Eine mögliche Erklärung dafür konnte erst mit neuen Erkenntnissen über den Aufbau von Kometen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gefunden werden. Man vermutet, dass an einer Stelle des Kometenkerns die relativ inaktive Oberfläche durch irgendeinen Vorgang aufgebrochen und dadurch tiefere Regionen freigelegt wurden. Durch die Rotation des Kometen wurde diese Stelle periodisch der Sonneneinstrahlung ausgesetzt und reagierte in dieser Zeit mit heftiger Ausgasung. Die sich wegbewegenden Gaswolken wurden durch die Rotation des Kometen zu Spiralarmen geformt und durch den Sonnenwind zu sich ausdehnenden Hüllen weggeweht. Der Astronom Fred Whipple errechnete ausgehend von diesen Beobachtungen eine Rotationsperiode des Kometenkerns von etwa 4 ½ Stunden. Diese Rotation wäre ungewöhnlich schnell und könnte irgendwann dazu führen, dass der instabile Kometenkern durch die Fliehkräfte nach und nach auseinandergerissen wird.

Eine ausführliche Berechnung der elliptischen Umlaufbahn des Kometen erfolgte 1867 durch George William Hill aus 1819 Beobachtungsdaten. In jüngerer Zeit wurden durch Richard L. Branham, Jr. unter Verwendung von über 2000 Beobachtungsdaten zwischen Juni 1858 und März 1859 und unter Berücksichtigung der Störeinflüsse aller Planeten und weiterer moderner mathematischer Verfahren neue und verbesserte Bahnelemente für den Kometen und eine Umlaufzeit von etwa 1927 Jahren berechnet.

Anúncio

Bald in der World in Stories App

Audio, Offline-Download, keine Werbung und mehr.

Premium entdecken
C/1858 L1 (Donati) | World in Stories