Burkhard Christian Ludwig Alexander Heim (* 9. Februar 1925 in Potsdam; † 14. Januar 2001 in Northeim) war ein deutscher Physiker. Bei einem fehlgeschlagenen Experiment im Jahr 1944 hatte er sich lebensgefährliche Verletzungen zugezogen, die er schwerbehindert überlebte.
Heim arbeitete an Theorien zur Gravitation und einem von ihm vermuteten Zusammenhang mit dem Elektromagnetismus, versuchte die Massen der zu seiner Zeit bekannten Elementarteilchen rechnerisch zu begründen und beschäftigte sich mit parapsychologischen Fragestellungen. In der physikalischen Forschung spielen die Ansätze Burkhard Heims keine Rolle.
Burkhard Heim wurde als Sohn des Bankkaufmanns Heinrich Heim (1890–1964) und dessen Ehefrau, der vormaligen Schauspielerin Marie-Luise, geb. Warneboldt (1896–1985) am 9. Februar 1925 um 22:15 Uhr in Potsdam geboren. Am 26. August 1927 wurde seine Schwester Norgard geboren.
Heim verbrachte seine frühe Kindheit zunächst in der Roonstraße 14 in Potsdam. Heims Großvater mütterlicherseits, der Northeimer Schuldirektor Louis Warneboldt (1851–1931) erklärte ihm bei Spaziergängen, wie chemische Umwandlungen Beeren reifen lassen, was sein Interesse an Chemie weckte. Von seinem Vater ließ er sich aus dem Buch „Aus fernen Welten – Eine volkstümliche Himmelskunde“ von Bruno H. Bürgel vorlesen. Als Kind malte er sich aus mit einem „Mondschiff“ durch die Kraterlandschaften des Mondes zu fliegen und abends versuchte er oft, die abgebildeten Sternbilder am Himmel zu finden. Sein späterer Zeitgenosse und Biograph, der Ufologe Illobrand von Ludwiger gab an, Heim habe bereits zur Einschulung die Namen und Positionen der größeren Sterne und Sternbilder beherrscht.
Eingeschult wurde er 1931 in Northeim, jedoch starb sein Großvater am 8. August 1931, was einen Umzug nach Berlin zu den Eltern nach sich zog. Dort ging er zunächst kurz zur Gemeindeschule, anlässlich eines erneuten Umzugs auf die Eisenhart-Schule in Potsdam. Als Berufswunsch gab Heim in diesem Alter an, „Raketenforscher“ werden zu wollen, auch in einer kurzen Autobiographie berichtet Heim von seinem Interesse an den Naturwissenschaften, im Alter von 10 Jahren habe er Chemiker werden wollen.
Ab 1935 besuchte Heim das Viktoria-Gymnasium in Potsdam. Bereits in der Grundschule hatte er Schwierigkeiten mit den „preußischen Methoden“ des Unterrichts, doch jetzt bemerkte er: „Aus den Unteroffizieren waren Leutnants geworden. Ich stellte wieder fest, dass man viele Vorgesetzte hatte, und dass man auf dem Gymnasium doch nicht das tun konnte, was man wollte“. In der Quarta (entspricht etwa heutiger 7. Klasse) blieb er wegen schlechter Leistungen in Latein, Mathematik und Physik sitzen.
Zu Weihnachten 1936 bekam er von seinem Vater einen Chemiebaukasten geschenkt. Seine Freizeit widmete er in den nächsten Jahren pyrotechnischen Experimenten, die aufgrund gelegentlicher Explosionen die Besorgnis von Nachbarn und Bekannten auf sich zogen. Er entwickelte über die Jahre ein zunehmendes Geschick im praktischen Umgang mit Sprengstoffen. Im Mai 1942 wechselte er auf die Gabbe-Lehranstalt in Berlin, eine Abendschule, um sein Abitur abzulegen, da man ihn des Gymnasiums verwiesen hatte. Eine Quelle gibt an, dass er einen Papierkorb gesprengt habe und die Schule mit Knallerbsen „vermint“ hatte, um sich an einem ungerechten Lehrer zu rächen, eine andere, dass er einen Gebäudeflügel der Schule unter Tränengas (in diesem Fall Bromaceton) gesetzt haben soll, eine dritte, dass ihm beides vorgeworfen wurde und der Verweis erst aufgrund einer weiteren Verfehlung ausgesprochen wurde. Auf dem Abendgymnasium wurde Heim weniger bevormundet, seine Leistungen steigerten sich. Er erinnerte sich: „Kein Mensch zwang mich überhaupt zum Unterricht zu kommen. Also bin ich immer hingegangen“. Im Mai 1943 legte er das Abitur in Berlin mit guten Noten ab.
Bereits zwei Wochen nach dem Abitur, am 17. Mai 1943, musste Heim zum Reichsarbeitsdienst einrücken; die Arbeit erschien ihm intellektuell wenig fordernd und er hoffte, direkt im Anschluss an der Heeresversuchsanstalt Peenemünde Raketen bauen zu dürfen.
Im Oktober des gleichen Jahres wurde er jedoch zur Wehrmacht eingezogen. Bereits 1941 experimentierte er eigenständig mit einem Sprengstoff auf Thermit-Basis, den Angaben in seiner kurzen Autobiographie zufolge wollte er diesen zur Untersuchung von Gasen bei hohen Temperaturen einsetzen, anderen Angaben zufolge nutzte er diesen jedoch für pyrotechnische Zwecke. Wie viele andere junge Männer versuchte er dem Fronteinsatz zu entgehen. So schickte er die Ideen für ein uranbetriebenes Raketentriebwerk an die Heeresversuchsanstalt, diese war jedoch bei einem Bombenangriff zerstört worden. Er erhielt ein positives Beurteilungsschreiben, jedoch keine Anstellung. Später sandte er Ideen für ein Pulsstrahltriebwerk für Flugzeuge an das Reichsluftfahrtministerium; dort wurde er zumindest zu einem Gespräch vorgeladen. Weitere Ideen und Einsendungen an verschiedene Ämter scheiterten.
Am 25. Oktober 1943 wurde Heim zuerst nach Utrecht zur Rekrutenausbildung beordert, dann als Kraftfahrer nach Amersfoort, von dort wurde er im Frühjahr 1944 nach Berlin abkommandiert, um Sprengstoffe für die Chemisch-Technische Reichsanstalt herzustellen, das Resultat eines seiner Schreiben.
Im Rahmen seiner Tätigkeit für die Chemisch-Technische Reichsanstalt stellte Heim ein Sprengstoffgemisch aus konventionellen Sprengstoffen und Thermit her. Eine Probesprengung hatte er für den 19. Mai 1944 geplant, so dass er seine Patronen gegen Mittag mit einer Initialladung versehen wollte. Aufgrund einer chemischen Verunreinigung war der Initialsprengstoff jedoch wesentlich empfindlicher als angenommen und detonierte an diesem Tag zusammen mit einer der Probeladungen. Er verlor bei der Explosion beide Hände, erlitt schwere Gehörschädigungen und erblindete nahezu vollständig. Dass an diesem Tag zufällig ein Arzt anwesend war, rettete ihm das Leben. Der Transport ins Virchow-Klinikum gestaltete sich aufgrund der Bombardierung Berlins schwierig. Später entging er nur durch Glück der Bombardierung des Krankenhauses, da er aufgrund einer Augenoperation in einen anderen Teil verlegt wurde. Nach der Operation beider Arme im Juni 1944 lag er im Garnisonslazarett in Berlin-Tempelhof, wo Versuche, seine Sehkraft wiederherzustellen, scheiterten. Er konnte nur noch schemenhaft und teilweise in falschen Farben sehen. Erst im August konnte er die Klinik tageweise in Begleitung verlassen und im September oder zu Weihnachten 1944 wurde er endgültig entlassen.
Im April 1945 war mit einem Angriff der Roten Armee zu rechnen, sodass Schwerstverletzte wie Heim evakuiert wurden. Seine 17-jährige Schwester Norgard begleitete ihn. Die mehrwöchige Irrfahrt des Lazarettzuges endete am 16. April 1945 in Pilsen, von wo aus Heim und seine Schwester nach Bayern flohen, während Berlin von sowjetischen Truppen eingenommen wurde. Schließlich fanden sie in Rott am Inn in einem Bauernhaus Zuflucht. Am 29. Juni 1945 unterzog sich Heim in Rosenheim einer erneuten Augenoperation. Die Familie hatte verabredet, sich in Northeim zusammenzufinden, falls Potsdam besetzt werden würde und so machte sich seine Schwester zuerst nach Northeim auf, um nach dem Verbleib der Eltern zu forschen. Er blieb zunächst in Bayern und unterzog sich in Bad Tölz am 15. Dezember 1945 einer Krukenberg-Operation am rechten Arm, sodass er zumindest wieder greifen konnte. Erst am 29. Dezember 1945 erhielt er einen Brief seiner Mutter. Das Reihenhaus der Heims in der Jahnstraße in Potsdam war unversehrt geblieben, sein Vater war in russischer Gefangenschaft. Wegen des Mangels an medizinischem Bedarf und einer Wundinfektion verzögerte sich die Heilung noch bis ins Frühjahr 1946, so erreichte er erst am 12. April 1946 Northeim, um in das Elternhaus seiner Mutter, nach anderen Quellen ins Haus seiner Tante Emmely Warneboldt in der Wilhelmstraße 24 einzuziehen. Die Mutter war nach einer überstandenen Typhusinfektion ebenfalls nach Northeim gereist, sodass sich er, Schwester, Tante und Mutter in Northeim einfanden, sein Vater befand sich in Gefangenschaft in Sachsenhausen, es war ihm jedoch nicht erlaubt, Informationen über seinen Verbleib nach außen zu geben.